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RAPsodie

Schichtwechsel

Nur das halbe Leben?


Der Schichtplan gibt den Takt vor - gerappter Arbeitsalltag. Eine RAPsodie für vier Mitarbeiter in zehn Abwicklungen von Linguist (Lyrics) und Rainer Killius (Musik) in einem Szenario von Matthias Messmer und Benjamin Stein.

(Text: rj/Theater)

Premiere:12.02.2004
Letzte bekannte Aufführung:15.04.2004


Der Erste macht den Kaffee. Und der Letzte macht das Licht aus. Das ist verbindlich in nahezu allen Bereichen und Schichten der Arbeitswelt. An dem Ort, wo der Schlüssel zum Spind gleichsam der Schlüssel zum persönlichen Rollentausch zwischen Privatperson und Betriebsangehörigem ist, gilt: "Zutritt nur für Mitarbeiter!" Was aber passiert hinter dieser Tür, deren Aufschrift uns auslädt, weil wir hier nicht mitarbeiten? Welche Begegnungen spielen sich dort ab? Was geschieht mit Kollegen, wenn sie beginnen, die Außenhaut ihrer Maske wahrzunehmen?
In zehn rhapsodisch vorgetragenen Abwicklungen – "short cuts" - erleben wir vier Personen in unterschiedlichsten Positionen und Arbeitsbereichen. Figuren mit den gleichen Gesichtszügen und ähnlichem Charakter, eben noch in bequemer Mittellage, zeigen sich plötzlich gefährlich nah am Abgrund ihrer Existenz. Drei Männer treffen auf eine Frau, ein Schwarzer auf drei Weiße. 3:1. Und das heißt ja wohl Sieg für die einen und Niederlage für den anderen. Oder? Gespiegelt wird der Zustand einer Optionsgesellschaft, die sich um die Macht des Geldes, die Angst vor der Einsamkeit, das Gebot der Selbstverwirklichung dreht. Wer ist "oben", wer rutscht nach unten? Oder nach "ganz unten"?

Auf einem kollegialen Sprachfeld, das sich oft in der Leere zwischen "Morgen", "Mahlzeit" und "Tschö" zu verlieren droht, haben wir unserem Personal bisher unveröffentlichte Rap-Lyrics von Kofi Yakpo (Linguist), dem Mitbegründer der in der deutschen Rap-Szene namhaften Formation "Advanced Chemistry", in den Mund gelegt. A capella, sporadisch begleitet allein von der Geräuschkulisse ihrer Produktionsstätte und Schlägen mit Händen und Füßen (Musik: Rainer Killius) zeigen einander Fremde und in Kumpanei Verbandelte, Begehrende und Händler, Täter und Opfer das Verborgene ihres Mitarbeiterdaseins.

Mit aller stimmlichen Raffinesse wieder dabei sind Marco A. Billep und Dominik Schulz, dem Publikum der Neuköllner Oper bereits bestens bekannt aus dem Panik Sound Club. Frederike Haas, unvergessen seit ihrem Erfolg mit Babytalk, steht in unserem Betrieb ihre Frau und ebenso wenig quotig begrüßen wir herzlich Frank Ablorh-Odjidja. Unter der Regie Matthias Messmers und in der Ausstattung Beata Hundertmarks (eingespielt als Team an der Neuköllner Oper seit eurydike@unterwelt) sowie in der Choreographie Andrea Heils (mit Herz über Bord und Es fliegt was in die Luft ausgewiesene Expertin im Umgang mit erfolgsorientierten Schritten) spielen sie sich die Bälle zu: Status, Rollen und Positionen - im Schichtwechsel!

(Text: Theater)






Besetzung

mitMarco A. Billep
Dominik Schulz
Frederike Haas
Frank Ablorh-Odjidja



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