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Tipp der Redaktion
Familien-Grusical

Frau Zucker will die Weltherrschaft

Mit Zuckerbrot und Peitsche


Peter Lund (Text und Inszenierung), Wolfgang Böhmer (Musik) und ein fantastischer Abschlusslehrgang Show/Musical an der Berliner Universität der Künste transferieren Grimms Knusperhexe als Frau Zucker ins Jahr 2011. Das Ergebnis, eine witzig-überdrehte wie bitterböse Satire, ist jeglicher Hinsicht ein Knaller.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:13.10.2011
Rezensierte Vorstellung:13.10.2011
Letzte bekannte Aufführung:08.07.2012


Tessa (Valerija Laubach) und Stefan (Nikolas Heiber) sind entsetzt. Ihre Tochter Meg (Walesca Frank) weigert sich standhaft, die von Kinderpsychologin Dr. Giftig (Nadine Aßmann) zur Behandlung ihrer angeblichen Wahnvorstellungen verschriebenen Pillen zu schlucken. Auch weiterhin behauptet die Kleine, dass die Medizinerin mit der allseits beliebten Nachbarin Frau Zucker (Angela Bittel) und dem Pharma-Vertreter Braasch (Rupert Markthaler) gemeinsame Sache machen und Kinder unter Medikamenteneinfluss entführen würde, um diese dann als alternative Energiequellen zu missbrauchen. Erstes Opfer sei das verschollene Tinchen (Christina Patten), dessen depressive, im Rollstuhl vor sich hin dämmernde Mutter (Andrea Sanchez del Solar) von dem diabolischen Trio unter Drogen gesetzt worden sei, um ihre Tochter zu vergessen.

"Meggy lügt" protestieren die Hausbewohner, die sich freuen, dass Frau Zucker ihrem Nachwuchs so rührend Aufmerksamkeit schenkt und Kindern wie dem übergewichtigen Hansi (André Haedicke) mit selbstgebackenen Törtchen und Apfelstrudel den tristen Alltag vor der Flimmerkiste versüßt. Einzig Sponti Pauli (Nicky Wuchinger), der von Megs Karriere-Eltern als Aufpasser engagiert wird und lieber ein Bierchen zischt als Babysitter zu spielen, verweist Megs Behauptungen nicht in das Reich der Märchen, sondern unterstützt sie bei der Auflösung aller Ungereimtheiten.

Mit seiner sehr freien Neuinterpretation von Brüder Grimms "Hänsel und Gretel", die die Hexe als den Kinder mit Süßigkeiten verführenden Bösewicht weiterentwickelt, trifft Peter Lund (Buch und Regie) voll ins Schwarze. Das Libretto unterhält, hat Witz, ist gleichzeitig aber auch ein bissiges Stück Sozialkritik mit der Botschaft, dass Eltern und Kinder sich gegenseitig ernst nehmen und sich mehr miteinander beschäftigen sollten. Wenn Moppelchen Hansi einsam im Hof vor dem Haus sitzt und coupletartig "Es gibt Kinder, die werden vergessen" klagt, dann stimmt das ebenso nachdenklich, wie die satirisch überhöhte Abschiebung der geistig umnachtet wirkenden Mutter ins Pflegeheim zu fröhlichem Samba-Rhythmen ("Für alle das Beste"). Nicht nur hier harmonieren Lunds bissiger Text, seine schwungvolle, im nächsten Moment wieder behutsame und handwerklich ohnehin saubere Inszenierung bestens mit der meisterlich gelungenen Partitur von Wolfgang Böhmer. Die Kompositionen sind abwechslungsreich, gehen schnell ins Ohr (wie Frau Zuckers Auftrittswalzer "Wo alles erlaubt ist, wo alles gut schmeckt"), parodieren aber auch gekonnt James Bond-Motive ("Ein Spion"), moderne wie klassische Oper (Solo von Tinchens Mama beziehungsweise Chorsatz "Was ist geschehen?") oder klingen nach harmlosem Kinderlied ("Zwei kleine Tabletten"). Die musikalischen Begleiter an Akkordeon, Kontrabass, Holzblasinstrumenten und Schlagwerk unter der Leitung von Hans-Peter Kirchberg am Klavier fühlen sich in dieser vielfältigen Partitur hörbar wohl.

Überaus gelungen ist auch die Ausstattung von Daria Kornysheva, die neben dem Alltagskostümbild ein stilisiertes, nur spärlich möbliertes Wohnhaus mit drei Etagen entworfen hat, vor dem sich ein Hof befindet. Kornysheva schafft mit diesem Einheitsbühnenbild viel Raum für Action, aber auch für die Choreografien von Neva Howard, die die Darsteller in fast jedem Song fordern und von Purzelbäumen oder Streetdance bei den Kindern bis hin zu anspruchsvollem Ensemble-Showtanz reichen. Alle Tanzschritte und Hebefiguren werden sehr synchron ausgeführt und Howard findet für jeden Auftritt eine neue Figursprache und neue Gruppierungen im Raum. Toll!

In "Frau Zucker will die Weltherrschaft" verschmelzen die Darsteller Gesang, Schauspiel und Tanz zu einer Einheit. Auch wenn es kaum besser geht, stechen einzelne Darsteller vorlagenbedingt hervor. So sind die Kinder und Bösewichte einfach bessere Rollen als die der erwachsenen Figuren. Insbesondere Walesca Frank als unangepasst-neugierige Meg und Angela Bittel als süßlich-hinterhältige Frau Zucker stehen im Zentrum der Aufführung, aber auch André Haedicke als Frust- mit-Süßigkeiten-kompensierendes Dickerchen mit Schmollmund bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Zum Schluss gehört allen Darstellern verdient der Jubel des Publikums, das bei der Uraufführung die Cast gar nicht mehr von der Bühne lassen will.

(Text: kw)




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Kreativteam

Text / Regie Peter Lund
Musik Wolfgang Böhme
musikalische Leitung Hans-Peter Kirchberg
Tobias Bartholmeß
Choreografie Neva Howard
Bühne und Kostüm Daria Kornysheva
Video René von der Waar


Besetzung

Frau Doktor GiftigNadine Aßmann
TinchenMaria Danae Bansen
Christina Patten
Frau ZuckerAngela Bittel
Antje Rietz
MegWalesca Frank
HansiAndré Haedicke
Stefan, Megs PapaNikolas Heiber
Herr BraaschRupert Markthaler
Tessa, Mama von MegValerija Laubach
Frau Rossi, Mutter von TinchenAndrea Sanchez del Solar
Pauli, BabysitterNicky Wuchinger
Christian Funk
Band

Harfe Kathrin Pechlof
David Rescher
Eva Reidel
Reeds Karola Elßner
Christian Vogel
Akkordeon Timofej Sattarov
Kontrabass Hans-Dieter Lorenz
Francisco Hidalgo
Klavier
Keyboards
Hans-Peter Kirchberg
Tobias Bartholmeß
Schlagwerk Olaf Taube
Franz Bauer



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


29304
Ziemlich mittelmäßig

07.11.2011 - Ganz selten kann ich mich der Bewertung der MUZ Redaktion so garnicht anschliessen, aber bei diesem Stück ist es der Fall.
1. Die Musik: Sie ist eigentlich das größte Manko der Show, trotz eingestreuter Samba- und Walzerklänge über weite Strecken wirklich langweilig. Das Leitthema wird bis zum Abwinken wiederholt, leider ist es ein wenig nervig, von daher kein Genuß.
2.Buch und Texte: Die Idee ist wirklich lustig und die Texte haben auf jeden Fall ein paar mehr zündende Ideen als die Musik, trotzdem würde ich es nicht für Peter Lunds Meisterwerk halten.
3. Die Cast. Die Absolventen der UdK genießen immer meine absolute Sympathie und ich wünsche ihnen viel Erfolg im Beruf.
Diese Cast ist jedoch die schwächste, die ich in der Rückschau der letzten 3 Jahre gesehen habe. Beim Tanzunterricht müssen die Herren immer krank gewesen sein (außer R.Markthaler) und die Damen waren auch nur jede zweite Woche fit.Auch gesanglich fand ich wenig Herausragendes (Ausnahme N.Wuchinger), das könnte jedoch auch an der Partitur gelegen haben.
Normalerweise sehe ich mir in der Sommersaison immer noch einmal die Wiederaufnahme an, diesmal jedoch eher nicht, sorry.

Charlotte (53 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


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Bitterböser Musical-Spaß mit einer grandiosen Cast. Ein Muss!

13.10.2011

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