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Gruselmärchen

Die Hexen von Eastwick

Wie wird man den Teufel wieder los?


© Pedro Malinowski
© Pedro Malinowski
Deutschsprachige Erstaufführung von Dana P. Rowes und John Dempseys Fassung des Romans "The Witches of Eastwick" unter der Regie von Gil Mehmert. Die deutsche Übersetzung stammt von Roman Hinze.

(Text: Maik Frömmrich)

Premiere:09.06.2012
Rezensierte Vorstellung:09.06.2012
Letzte bekannte Aufführung:13.01.2013


Die Ouvertüre beginnt, das Licht geht aus, plötzlich kommt ein Mann im Anzug durch den Saal und ruft "Stop, stop…", woraufhin das Orchester aufhört zu spielen. Der Mann ist Regisseur Gil Mehmert, und was wie inszeniert wirkt, ist es nicht, denn zur Premiere wollte die Technik nicht mitspielen. Mehmert verweist auf die technisch sehr aufwändige Produktion und erklärt, wenn das Timing zu Beginn nicht passt, dann funktioniert das ganze Stück nicht. Also nochmal von vorn…

Wovon Mehmert hier sprach, ist die trickfilmartige Animation, die auf Musik und Rhythmus abgestimmt ist und in solch einer Perfektion selten an einer städtischen Bühne zu sehen ist. Wechsel zwischen den verschiedenen Handlungsorten werden durch einen filmischen Schnitt vollführt, mit Splitscreens werden manchmal zwei Orte gleichzeitig dargestellt. Zuweilen bewirkt die filmische Bewegung in Kombination mit den Bewegungen und Choreografien der Darsteller sogar die Illusion, dass ein Haus physisch betreten wird oder die Hexen zum Finale des ersten Aktes wirklich fliegen, obwohl die drei Damen nur ihre Roben wehend in die Höhe halten und sich dabei vor der Leinwand drehen. Dazu kommt ein riesiger Ventilator, der den nötigen Wind erzeugt - und schon hat man einen visuell überzeugenden Moment geschaffen, ohne auf die klassischen Drahtseile für Flugszenen zurückzugreifen. Beeindruckend sind auch die kleinen Effekte auf der Leinwand, die punktgenau zur Bühnenhandlung passieren. Bestes Beispiel hierfür ist der Mord an Felicia: Nach jedem Schlag mit dem Kaminhaken spritzt das gezeichnete Blut auf die Wände des projizierten Wohnzimmers.

Die dominierende halbrunde Leinwand im Hintergrund wird durch zwei vertrocknete Bäume sowie eine große Stahltreppenkonstruktion auf der linken Seite der Bühne ergänzt. Ein Podest in der Mitte wird genutzt, um ein Sofa, eine Hausbar oder einen Whirlpool darzustellen. Insgesamt bietet das Bühnenbild keine pompösen Höhepunkte, überrascht aber immer wieder durch die clevere Kombination von Illustrationen (Fufu Frauenwahl), Ausstattung (Heike Meixner) und Licht und Projektionen (Gerrit Jurda).

Der Stil der Animationen ist dabei symptomatisch für das Stück. Eastwick ist ein komischer Ort, wie aus einem Trickfilm, in dem Menschen leben, die mehr Cartoonfiguren sind als reale Persönlichkeiten. Besonders die einfältigen Moralhüter unter der Leitung von Bürgermeisterin Felicia Gabriel (stimmstark und militärisch überzeichnet von Gudrun Schade) wirken wie eindimensionale, comichafte Abziehbilder einer scheinheiligen, konservativen Gesellschaft.

Dagegen stehen die drei Protagonistinnen, die kein doppelmoralisches Familienleben führen und gerade durch ihre charakterlichen Ecken und Kanten die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite haben. Da ist die Musiklehrerin Jane Smart (gut gespielt und gesungen von Jeanette Claßen), die Journalistin Sukie Rougement (Anke Sieloff überrascht mit einem Tanz auf Spitze) und die Bildhauerin Alexandra Spofford (stimmlich stark und tolles komisches Timing von Stefanie Dietrich). Sie alle haben eigentlich nur den Wunsch, sich noch einmal richtig zu verlieben. Zum Objekt ihrer Begierde wird der "teuflische" Darryl van Horne (Kristian Vetter: wunderbar obszön und direkt), der Schwung in das spießige Eastwick bringt.

Gil Mehmert inszeniert den comichaften Reigen skurriler Figuren schwungvoll, mit hohem Tempo und Witz. Dennoch kann er die Langatmigkeit des ersten Aktes nicht kaschieren, denn hier fehlt der Aneinanderreihung verschiedenster Szenen ein stringenter Aufbau. Es passiert viel, aber man weiß nicht, warum und wohin das führen soll. Der zweite Akt ist in dieser Hinsicht stärker, denn jetzt rückt der Konflikt zwischen den drei Damen (mittlerweile gelernte Hexen) und ihrem Mentor Darryl van Horne in den Mittelpunkt. Ihre Leidenschaft wandelt sich nach dem ungewollten und durch ihre Hexenkünste indirekt verursachten Tod Felicias zu Vernunft, und sie setzen schließlich ihre Kräfte gegen ihren teuflischen Verführer ein.

Das Orchester unter der Leitung von Jürgen Grimm spielt druckvoll, vielleicht sogar zu druckvoll. Ein großes Manko der Inszenierung ist die Soundtechnik und -abmischung. Am Premierenabend dröhnte die Musik derart aus dem Orchestergraben und den Boxen, dass man sich in der vierten Reihe eher in einem Rockkonzert als in einem Opernhaus wähnte. Wegen der übersteuerten, scheppernden Musik waren die Darsteller zwischendurch kaum zu verstehen, und somit gingen auch einige Pointen aus Roman Hinzes Übersetzung verloren, die ansonsten - soweit hörbar - gut gelungen ist. Das ist sehr schade und sorgte in der Pause für Gesprächsstoff unter den Zuschauern.

So bleibt ein kurzweiliger Abend, der unterhält und doch den großen Wunsch weckt, dass sich Opernhäuser endlich mehr Expertise in der Abmischung und Aussteuerung von Musicals zulegen. Denn wie dieses Beispiel zeigt, können die besten Darstellerleistungen und die gelungenste Inszenierung durch Mängel auf der auditiven Seite im Gesamteindruck extrem getrübt werden.


(Text: Maik Frömmrich)




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Kreativteam

Regie Gil Mehmert
Musikalische Leitung Jürgen Grimm
Choreografie Kati Farkas


Besetzung

Jane Smart Jeanette Claßen
Alexandra Spofford Stefanie Dietrich
Kira Primke
Sukie Rougemont Anke Sieloff
Darryl van Horne Kristian Vetter
Felicia Gudrun Schade
Michael Julian Culemann
Jennifer Anna Preckeler
Clyde Gabriel Joachim G. Maaß
Mädchen Sandra Pangl
Fidel Christian Hante
Rebecca Daniela Günther
Gina Yara Hassan
Kati Farkas
Joe Wolf-Rüdiger Klimm
Brenda Léony Thoms
Rev. Ed Parsley Stefan Preuth
Greta Parsley Wiltrud Maria Gödde
Raymond Oliver Aigner
Marge Jane Reynolds
Marika Carena
Toby Sergey Fomenko




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Pedro Malinowski
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


29782
das war nix..

02.11.2012 - ich fand es ziemlich langweilig.
mann kann wohl nicht wirklich mehr aus dem stück machen. aber einheitsbühnen bild und licht machen es dann nicht wirklich besser. und warum muss der hauptdarsteller stiefel tragen, in denen er nicht laufen kann. das war nix...in der pause bin ich gegangen....

Mahoeper (3 Bewertungen, ∅ 2 Sterne)


29647
Mittelprächtig

08.07.2012 - Auch wenn die Show nach heute Abend erstmal vom Spielplan verschwindet noch ein kurzer Eindruck der gestrigen Vorstellung.

Die Hexen von Eastwick war eines der Stücke, von denen ich nicht gedacht hätte, sie jemals sehen zu können. Die CD gefiel mir schon immer sehr gut, daher war ich um so erfreuter, als ich mitbekam, dass es in Gelsenkirchen gezeigt werden wird.

Die Aufführung hat mir insgesamt sehr gut gefallen. die drei Hauptdarstellerinnen waren perfekt besetzt, gelegentlich entstand der Eindruck, die Damen von der CD hätten Deutsch gelernt, so ähnlich waren die Interpretationen. Die offensichtliche Spielfreude der drei hat sich sehr gut übertragen und das gesamte Erlebnis noch erfreulicher gemacht.
Zwiespältiger wird der Eindruck von Kristian Vetter als Darryl... keine Frage, er hat sich die Seele aus dem Leib gespielt und stimmlich sowohl den Verführer als auch den Teufel sehr gut rübergebracht. Aber optisch... (sorry) Da ist er einfach nicht das, was man sich unter dem eleganten Lebemann und Betörer van Horne vorstellt (auch wenn die Wampe für den ein oder anderen Lacher gut wahr, Daumen hoch für die Selbstironie. Leider auch nicht geholfen hat die Garderobe. Statt die Figur per Kleidung auf die noble Seite zu holen sah der gute Daryll die meiste Zeit aus wie ein ziemlich fertiger Ex-Rockstar.

Ein weiterer Kritikpunkt wäre das Bühnenbild. Unter Verwendung von nur wenigen Utensilien wurde sich ganz auf die Wirkung der Projektion verlassen. Wahrscheinlich wirkt die vom Parkett aus auch ganz hervorragend, aber von den seitlichen Balkonen oder gar von den Rängen aus funktioniert das leider nur mäßig bis gar nicht. Überhaupt, die Ränge... Sicherheit schön und gut, aber wenn man auf dem Rang in der ersten Reihe sitzt weiß man gar nicht, wie man sich verdrehen soll, um zumindest die Hälfte des Geschehens mitzubekommen, da der Blick immer irgendwie durch die Querstangen des Geländers gestört wird.

Aber genug gemeckert, denn das wird dem Stück nicht gerecht. Die Hexen von Eastwick wird hier in einer sehr guten Aufführung gezeigt. Auch die erwähnten Probleme mit dem Ton scheinen behoben zu sein, denn da hatte ich keine Probleme (zumindest nicht mehr oder weniger als in anderen, teilweise weitaus teureren Theatern).

Ich würde Eastwick jedem Musicalfreund empfehlen, allerdings mit dem Hinweis, sich einen Platz mittig im Parkett zu organisieren. Das Stück ist wegen der eingesetzten Technik eben nur richtig prächtig, wenn man es aus der Mitte betrachten kann.

Dalek (erste Bewertung)


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(mf)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Ein zu lautes, miserabel abgestimmtes Soundsystem trübt die gelungene Inszenierung eines durchschnittlichen Stückes.

09.06.2012

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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