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Komödie

Crazy For You

All singing! All dancing! All Gershwin!


Eine für ein Dreisparten-Haus überaus gelungene Aufführung mit einer gut aufeinander abgestimmten Symbiose aus Tanz, Gesang und Schauspiel. Erfolgsgaranten sind sowohl das Kreativ-Team, aber auch die beiden Gastsolisten sowie das überraschend musicaltaugliche Haus-Musiktheater-Ensemble und das Ballett.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:29.10.2011
Rezensierte Vorstellung:29.10.2011
Letzte bekannte Aufführung:30.06.2012


"Girl Crazy" steht auf den Kulissenrückseiten, auf die das Publikum blickt, wenn sich der Vorhang zum ersten Mal öffnet. Eine nette Reminiszenz an die Gershwin-Show, aus dessen Haupthandlungsstrang Ken Ludwig seine 1992 uraufgeführte Neufassung "Crazy For You" entwickelt und mit zusätzlichen Hits des Komponisten (zum Beispiel "I Got Rythm") ergänzt hat. Die neue, dramaturgisch vorhersehbare "Boy meets Girl"-Geschichte (nach vielen Verwicklungen schließt der aus New York in die amerikanische Provinz gereiste Bobby das Westerngirl Polly in seine Arme und rettet ganz nebenbei das örtliche, bankrotte Theater vor der habgierigen Bank seiner eigenen Mutter) liegt bei Regisseur Roland Hüve in den besten Händen. Mit einem guten Gespür für Timing und viel Liebe zum Detail poliert er das insbesondere im zweiten Akt dramaturgisch schwächelnde Stück auf und tischt seinem Publikum einen durchweg gelungenen, unterhaltsam-kurzweiligen Wohlfühl-Musicalabend auf.

Ein Mosaiksteinchen für den bei der Premiere bereits zur Pause stark bejubelten Abend ist Hüves feinsinnige Personenführung. Zwar schießt die männliche Bevölkerung der Wüsteneinöde Dead Rock zunächst schneller als sie denken kann, dennoch zeigt sie der Regisseur nicht als Menge tumber Hinterwäldler, sondern charakterisiert sie als Individuen, die ihr Herz am rechten Fleck haben. Mit großem Eifer versuchen sich die harten Kerle als elegante Show-Tänzer, was für viel Heiterkeit im Parkett sorgt. Auch bei den anderen Figuren macht sich Hüve nie auf deren Kosten lustig, sondern nimmt sie ernst, was der seichten Boulevard-Handlung eine gewisse Authentizität verleiht. Der schauspielerische Höhepunkt der Show ist dann nach der Pause das perfekt aufeinander abgestimmte Spiegelbild-Zusammentreffen der beiden Bela Zanglers: Wenn sich der echte Theater-Impresario und Bobby, der die Rolle nur angenommen hat, alkoholisiert gegenüberstehen, dann schnurrt diese Szene wie ein Uhrwerk so atemberaubend synchron über die Bühne, dass nur erahnt werden kann, wie intensiv Hüve mit seinen Darstellern geprobt hat.

Zum fabelhaften Regisseur gesellt sich ein ebensolcher Choreograf. Jochen Schmidtke entwickelt revueartigen Stepp-Szenen, in denen er nicht nur die beiden Gastsolisten und das Ballett, sondern vor allem das hauseigene Musiktheater-Ensemble und die männlichen Chorsolisten (in den Cowboy-Partien) mächtig fordert. Auch wenn der Choreograf alle Beteiligten den Fähigkeiten entsprechend einsetzt und immer wieder neue Bewegungsabläufe erfindet, ist es ganz erstaunlich, wie luftig locker und synchron dieses eher der Oper verpflichtete Ensemble tanzt und steppt. Bravo!

Ass Nummer drei im Kreativ-Team ist Ausstatterin Eva Humburg. Sie hat ein geniales wie einfaches Bühnenbild erdacht, das durch Drehen der Kulissenteile schnelle Verwandlungen ermöglicht. Zwischen Kakteen und Häuserfassaden scheint wirklich der Hund begraben zu sein, doch Leben kommt auf die Bühne, wenn der mit einigen optischen Überraschungen ausgestattet Saloon einfährt oder aus der Einöde die Fassade eines Broadway-Theaters erwächst. Wer in Humburgs Western-Kostümbild genau hinschaut, entdeckt witzige Details, wie die kleinen Kakteen an den Revers der Revue-Cowboys und –girls.

Welches Gewicht das Bremerhavener Stadttheater der aktuellen Musical-Produktion zugesteht, zeigt sich in der Wahl von Stephan Tetzlaff als Dirigent. Folgen die Musiker des Städtischen Orchesters ihrem Generalmusikdirektor in der Ouvertüre noch etwas holperig und lautstark (insbesondere die Blechbläser dröhnen aus dem Graben als gelte es, einen Dezibel-Rekord aufzustellen), swingen und jazzen die Instrumentalisten im Laufe des Abends, dass es eine wahre Freude ist. Da wippen die Knie im Publikum im Gleichklang zu den Step-Taps auf der Bühne und ihre Klasse beweisen die Musiker im hupenden New Yorker Verkehrs-Zwischenspiel mit seinen Einsprengseln aus Gershwins "Ein Amerikaner in Paris".

Wie unwohl sich Opernsänger in einem Musical fühlen, unterstreicht nachhaltig Andrey Telegin (Everett Baker), der wie ein Fremdkörper stock-steif in Glitzerhose in der Westernstadt mit osteuropäischem Akzent die Leistungen von Pollys Mutter im von der Abwicklung bedrohten Theater aufsagt. Er ist allerdings die Ausnahme in einem Ensemble, das begeistert. Peter Kubik legt Lank Hawkins, Bobbys Konkurrenten um die Gunst von Polly, zunächst eindimensional als Fiesling an, erspielt sich allerdings das Mitleid des Publikums als unter dem Pantoffel von Bobbys Ex-Verlobten stehenden Lovers. Mit "Naugthty Baby" ist Ann Juliette Schinderwolf als handgreiflich-brutale Zicke Irene eine der schönsten Songs im zweiten Teil des Abends vergönnt.

Als Bela Zangler mit osteuropäischem Akzent ist Ziad Nehme der ideale Partner für Philippe Ducloux, dem der Bobby Child auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Sein Tenor ist samtig leicht, gleitet durch die Songs und begeistert sowohl in hohen wie in tiefen Passagen. Ducloux ist in seiner Kostümierung als Bela Zangler seriös, dann als sehnsüchtiger Liebhaber von Polly wieder ein gefühlsbestimmter Mann und als Stepptänzer absolut spitze. Gerade im Tanz liegen die Stärken von Filipina Henoch, die als burschikose Briefträgerin Polly Baker mehr überzeugt als als Lady im Abendkleid. Überraschend schwach ist ihre Gesangsleistung, die dank technischer Unterstützung ihre dünne Stimme in eine akzeptable Leistung einer Leading-Lady zaubert. Im Zuge der Spielserie dürfte der Stadttheater-Tontechniker dann auch seine Einsätze besser kennen als in der Premiere.

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Das neue Gershwin Musical / Buch von Ken Ludwig / Gesangstexte von George und Ira Gershwin
Konzeption von Ken Ludwig und Mike Ockrent unter Verwendung von Material von Guy Bolton
und John McGowan / Musik von George Gershwin / Deutsche Übersetzung der Dialoge von
Markus Hertel und Stefan Huber

(Text: Kai Wulfes)






Kreativteam

Musikalische Leitung Stephan Tetzlaff
Inszenierung Roland Hüve
Choreografie Jochen Schmidtke
Ausstattung Eva Humburg


Besetzung

Bobby ChildPhilippe Ducloux
Polly BakerFilipina Henoch
Bela ZanglerZiad Nehme
Lank HawkinsPeter Kubik
Everett BakerAndrey Telegin
Irene RothAnn Juliette Schindewolf
Eugene FodorWerner Kraus
Patricia FodorLilli Wünscher
Bobbys MutterIsabel Zeumer
Mingo, CowboyDaniel Kim
Moose, CowboyRóbert Tóth
Sam, CowboyVladimir Marinov
Harry, CowboyLukas Baranowski
Tess, ChoreografinPinelopi Argyropoulou
8 Follies GirlsDamen des Balletts
Pete, Cuscus, Jimmy, WyattHerren des Balletts



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 muz-Lexikon
Handlung
Der New Yorker Bankierssohn Bobby Child möchte lieber Theater spielen, als sich um Geldgeschäfte zu kümmern. mehr

Weitere Infos
Neue Fassung der 1930 uraufgeführten Westernparodie "Girl Crazy" von George und Ira Gershwin. Das Buch stammt von Ken Ludwig, der das Original gemeinsam mit Mike Ockrent überarbeitete. Die Broadwaypremiere von 1992 gewann drei Tony Awards.

 Kurzbewertung [ i ]
(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Roland Hüwe (Regie) und Jochen Schmidtke (Choreografie) beweisen bravourös, dass auch ein Dreisparten-Haus Musical auf hohem Niveau auf die Bühne bringen kann.

30.10.2011

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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