Norden Westen Osten Sden
Termine aus DeutschlandsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Shakespeare's Musical Comedy


Compilation-Show

Shakespeare's Musical Comedy

Shakespeare goes Rock, Pop and Musical


Nach dem wenig erfolgreichen "Shakespeare und Rock’n’Roll" in den 1990er Jahren wagt sich Produzent Bernhard Kurz mit „Shakespeare’s Musical Comedy“ wieder an den Altmeister. Das Ergebnis ist ernüchternd.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:10.08.2011
Rezensierte Vorstellung:10.08.2011
Letzte bekannte Aufführung:04.09.2011


Egal, ob aus Stoff oder Papier: Man kann mit ihm winken, Tränen trocknen oder die Nase putzen. Doch ein Taschentuch kann auch der Star in einem Musical sein. Insbesondere dann, wenn der Kopf von Daniel Pabst aus dem zu einem Viereck aufgespannten, schneeweißen Ganzkörper-Kostüm (Silke Nürge-Mayr) herausschaut. Der Darsteller spricht, agiert, singt und tanzt diese ungewöhnliche Episoden-Rolle kurz vor Ende der Show mit so viel Hingabe und Professionalität, dass es eine wahre Freude ist.



Diese beglückenden Momente beschert das wandelnde Taschentuch als erzählendes Corpus Delicti in "Othello", einem von drei Shakespeare-Dramen, mit denen eine untalentierte Truppe trotteliger Mimen die alternde Muse Thalia (Matthew Cutts als abgetakelte Dragqueen) vom Genie des englischen Theater-Meisters (Henryk Reimann) überzeugen soll. Zwei seiner Klassiker (neben "Othello" noch "Romeo und Julia") zieht der sich hinter dem Autoren-Pseudonym John Cliffmuller versteckende Regisseur der Show (Hans Neblung) im zweiten Akt gehörig durch den Kakao. Plötzlich werfen sich die Darsteller gute Gags oberhalb eines zotig-klamaukigen Stammtischniveaus zu. Da stimmt das Timing und die Inszenierung sprüht vor Einfällen jenseits eines einfallslosen Stagings in Zweiergruppen. Das zwischen die beiden genial veralberten Dramen geschobene "Der Sturm" verschenkt Neblung allerdings mit einem klamottigen Mini-Schattenspiel. Ebenso lächerlich sind Paul Langleys Choreografien. Der laut Presse-Unterlagen "künstlerische Director" unterfordert seine Darsteller und langweilt das Publikum mit immer wiederkehrenden Drehungen, Po-Gewackel, wahlweise Hand- oder Armgewedel und gestelztem Herumgeschreite. Kein Wunder, dass bei der Premiere nach der Pause die Tische im Zuschauerraum übersichtlicher besetzt waren als davor.



Dabei ist es gerade der zweite Teil, in dem das dürftige Buch wegen seiner Parodien überhaupt sinngebend ist. Die 45 Minuten davor lassen sich global unter dem bis ins Unerträgliche ausgewalzten, göttlichen Musen-Auftrag zusammenfassen, in den wahllos Pop- und Musicalsongs eingestreut sind. Wenn auf Abbas "Waterloo" der Eruption-Discoknaller "One Way Ticket" und dann "Arabian Nights" aus Disneys "Aladdin" folgen, dann ist nicht nur wegen der großen Textunverständlichkeit in den Dialogen unklar, warum. Selbst wenn die Songs der Show miteinander vertauscht würden, es würde niemand bemerken. Warum diese Auswahl zu Stande gekommen ist und wie sie im Buch reflektiert ist, bleibt Hans Neblungs Geheimnis.



Zu den Pluspunkten von "Shakespeare’s Musical Comedy" gehört der auf der ansonsten leeren Bühne stehende Pavillon (Stage Design: Martyn Parish), der dank eines ausgeklügelten Klappmechanismusses mit wenigen Handgriffen in eine überdimensionale Truhe mit Deckel verwandelt werden kann. Dieses Multifunktions-Bühnenbild schafft abwechslungsreiche Auftrittsmöglichkeiten, die die Show aber ebenso wenig zu retten vermögen wie die sechsköpfige "Stars-in-Concert-Band" mit ihrer fantastischen Bläsergruppe.



Die Solisten trennt ein tiefer Qualitäts-Graben. Da hilft es nicht, den Regler für das Mikrofon von Denise Norton bei ihren Auftritten als für die Handlung völlig überflüssige Shakespeare-Sekretärin Miranda gehörig aufzudrehen. Zwischen wackeligen Höhen und unzulänglicher Tiefe kämpft sich Norton mit durch ihre Mission, mal Barbra Streisand dann wieder Liza Minelli kopieren zu wollen. Etwas mehr Soul täte hingegen der Stimme von Rachel Hiew in "One Way Ticket" gut, während Marion Welch hörbare Höhen- und Volumenprobleme hat. Alle drei Damen überzeugen allerdings in den Ensemble-Nummern, in denen sie sich eher als Chorsängerinnen denn also Solistinnen empfehlen.



Gesanglich erheblich besser sind ihre männlichen Pendants. Neben dem bereits erwähnten Taschentuch-Darsteller Daniel Pabst, der seine restlichen Rollen etwas arg tänzelnd-tuntig spielt, dafür aber über einen ordentlichen Pop-Tenor verfügt, trumpft Frederick Henry mit soulig-warmer Röhre ("Beat It") auf. Auch Henryk Reimann ("This is the Moment") und Mathew Cutts ("Sex Bomb") trotzen dem breiig-hohlen Ton-Design, das aus den Boxen dröhnt und bei lauten, hohen Tönen auch schon einmal in den Ohren weh tut.



Zu Beginn betont Muse Thalia immer wieder: "Tragödie gibt’s morgen, heute wird gelacht!". Welch eine Fehleinschätzung. "Shakespeare’s Musical Comedy" ist, um ein nicht im Stück verwursteten Titel zu zitieren: Viel Lärm um nichts.



(Text: kw)




Verwandte Themen:
News: PdW: Shakespeare's Musical Comedy (08.08.2011)



Kreativteam

Buch John Cliffmuller
Künstlerischer Director und Choreografie Paul Langley
Inszenierung Hans Neblung
Kostüme Silke Nürge-Mayr
Bühnenbild Martyn Parish


Besetzung

Shakespeare, Erzähler, FürstHenryk Reimann
Miranda, Mercutio, JagoDenise Norton
Thalia, Zettel, Pyramus, RomeoMatthew Cutts
Julia, Flaut, Wand, Cassio, RodrigoMarion Welch
Ariel, Tybalt, OthelloFrederick Henry
Sequenz, Löwen, DesdemonaRachel Hiew
Schnauz, Thispe, Benvolio, TaschentuchDaniel Pabst



Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Estrel Showtheater
Sonnenallee 225
D-10557 Berlin
+ 49 30 6831 6831
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!
 Kurzbewertung [ i ]
(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Sein oder nicht sein. Dieses unausgegorene Pop- und Muscialsong-Durcheinander sollte lieber nicht sein. Warum springt der Funke erst im zweiten Teil über?

11.08.2011

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2021. Alle Angaben ohne Gewähr.

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   Ein Platz für Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;