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Psychodrama

Lady in the Dark

Wie ein G├╝terzug ohne Bremse


Mit dem seltenst gespielten Weill-Musical ist der Staatsoper eine echte Entdeckung gelungen: Ausstattungstheater vom Feinsten, dazu eine Inszenierung und eine neue Textfassung, die das 60 Jahre alte Musical mit seinem Burnout-Thema aktuell, witzig, intelligent und bewegend strahlen lassen.

(Text: Robin Jantos)

Premiere:15.10.2011
Rezensierte Vorstellung:22.10.2011
Letzte bekannte Auff├╝hrung:08.04.2012


Warum gab es eigentlich im deutschsprachigen Raum seit Jahren keine Produktion mehr von "Lady in the Dark"? Denn auch wenn Moss Hart, Ira Gershwin und Kurt Weill 1941 ├╝ber ein Zeitgeistthema - die Psychoanalyse - geschrieben und das St├╝ck mit einem Schluss nach dem damaligen Frauenbild versehen haben: Die Show funktioniert auch heute noch bestens. Eindringlicher und treffender ist das Thema Burnout-Syndrom in keinem anderen Musical umgesetzt. Und das Ende l├Ąsst sich, wie die Produktion in Hannover beweist, mit kleineren K├╝rzungen auch vom Muff befreien und kommt weder kitschig noch reaktion├Ąr daher.

Es ist ein ganz und gar ungew├Âhnliches Musical, das die Autoren damals pr├Ąsentiert haben. "Schauspiel mit Musical" w├╝rde als Bezeichnung passen. Denn die gesamte reale Handlung ist Sprechtheater, durch das sich lediglich ein Song als Leitmotiv zieht. Es dauert etliche Minuten, bis ├╝berhaupt der erste Ton zu h├Âren ist. An drei Stellen versinkt die Hauptfigur Eliza dann in eine Traumwelt - inszeniert jeweils als ├╝ppiges, mehrere Songs umfassendes Mini-Musical.

Im ersten Akt steht die Psyche der toughen Modemagazin-Herausgeberin Eliza Elliott, die sowohl beruflich als auch privat vor wichtigen Entscheidungen steht und pl├Âtzlich Angstattacken bekommt, im Mittelpunkt. Am Broadway waren die ├ťberg├Ąnge zwischen realer Welt und Traumwelt damals mit vier Drehb├╝hnen in bis dato unvorstellbarem Aufwand umgesetzt worden.

Auch f├╝r Hannover finden Regisseur Matthias Davids und B├╝hnenbildner Heinz Hauser eine starke L├Âsung: Ein gro├čer, mit Gaze gef├╝llter und knapp die halbe B├╝hnenbreite ausf├╝llender Rahmen, dahinter ein nach vorn gekippter, halbdurchsichtiger Spiegel. So kann Eliza sich hinter dem Gazevorhang auf die Couch des Psychiaters legen und ist im Spiegel aus der Vogelperspektive zu sehen. Wenn ihre Erz├Ąhlung in die Traumwelt ├╝bergleitet, l├Ąsst sich einfach durch Lichteinsatz der Gazevorhang undurchsichtig oder der Spiegel durchsichtig machen.

Der B├╝hnenclou f├╝r die Szenen in der Realwelt: Das B├╝hnenbild ist ein stilisierte Magazincover, im selben Winkel geneigt wie der Spiegel. Der Teil des Bildes, der wegen des Spiegels fehlt, ist auf den B├╝hnenboden gemalt. Ist die B├╝hne hell und der Spiegel undurchsichtig, setzt sich das B├╝hnenbild in ihm also fort.

Die Traumszenen sind voll von weiteren guten Ideen. Judith Peter kann mit ihren Kost├╝men aus dem Vollen sch├Âpfen und das gro├če Ensemble f├╝r alle Tr├Ąume neu und fantasievoll ausstatten - etwa, wenn Eliza vom Tanz mit dem Filmstar Randy Curtis tr├Ąumt und das Ballett mit ├╝ber- und zweidimensionalen Masken der beiden aufl├Ąuft. Melissa King nutzt f├╝r ihre Choreographien geschickt die Effekte, die der Spiegel erm├Âglicht. Und die Videoprojektionen von Max Friedrich und Daniel Wolff visualisieren die ├ängste und W├╝nsche Elizas.

Im zweiten Akt spielt das Psychothema eine weniger wichtige Rolle, daf├╝r kommt die Geschichte st├Ąrker ins Rollen, der Ton wird heiterer. Aber das tut der Show auch gut, um die Balance zwischen Problemst├╝ck und Unterhaltung zu halten. Roman Hinzes Neu├╝bersetzung ist fl├╝ssig, witzig und kommt ohne sperrige Begriffe aus. Und Davids setzt die privaten und beruflichen Wirrungen erfreulich unpr├Ątenti├Âs in Szene.

Die musikalische Wirkung kann mit der Bilderwucht insgesamt nicht ganz mithalten. Zwar spielt das Staatsorchester unter Leitung von Mark Rohde souver├Ąn und mit gut gesetzten Akzenten, klingt aber - gerade in Verbindung mit dem Opernchor - doch sehr klassisch. Zu der in die heutige Zeit versetzten Inszenierung h├Ątte wohl auch eine modernere Instrumentierung gepasst. Weills flotte Melodien k├Ânnten das bestimmt ab.

Bei der Besetzung dieses Schauspiel-Musical-Zwitters setzt die Oper Hannover zu Recht auf etliche G├Ąste, die urspr├╝nglich vom Schauspiel kommen. Eliza-Darstellerin Winnie B├Âwe ist im Musical ("My Fair Lady" in Hannover) ebenso zu Hause wie im Fernsehen ("Familie Dr. Kleist") und Kino ("Blutzbr├╝der"). Sie gibt die in der Show omnipr├Ąsente Eliza im st├Ąndigen Wechsel zwischen der souver├Ąnen F├╝hrungskraft und der verletzten, verzweifelten Frau, die nicht versteht, was mit ihr passiert.

Auch die ├╝brigen Solisten zeigen Rollenportr├Ąts, die gen├╝gend Tiefe haben, um Sympathien zu wecken und nicht im Klischee stecken zu bleiben. Etwa Kerstin Thielemann als Elizas businessgest├Ąhlte Freundin Maggie, Fabian Gerhardt als spr├╝cheklopfender Marketingchef, Christopher Tonkin als von den Frauen angehimmelter (aber leider mit starkem Akzent sprechender) Filmstar und Daniel Drewes als ├╝berdrehter Fotograf. Drewes bringt auch souver├Ąn den dankbaren Showstopper "Tschaikowsky", in dem er in halsbrecherischem Tempo die Namen russischer Komponisten herunterrasselt. Als Zugabe zeigen die durch die Bank starken Solisten, dass sie die Nummer auch im Chor beherrschen.

Also, warum wird "Lady in the Dark" so selten gespielt? F├╝r kleine H├Ąuser ist die aufwendige Show sicherlich nichts, aber den gro├čen B├╝hnen sei sie ans Herz gelegt. Die rundum gelungene Produktion in Hannover ist die beste Werbung daf├╝r.

(Text: Robin Jantos)






Kreativteam

Regie Matthias Davids
Musikalische Leitung Mark Rohde
Deutsche Fassung Roman Hinze
Choreographie Melissa King
B├╝hnenbild Heinz Hauser
Kost├╝mbild Judith Peter


Besetzung

Liza ElliottWinnie B├Âwe
Charley JohnsonFabian Gerhardt
Kendall NesbittRoland Wagenf├╝hrer
Randy CurtisChristopher Tonkin
Dr. Alexander BrooksUwe Kramer
Russell PaxtonDaniel Drewes
Maggie GrantKerstin Thielemann
Alison Du BoisKatharina Solzbacher
Elinor FosterMareike Morr
Miss BowersCarola Rentz



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Musik

Besetzung

Ausstattung

Tolle Bilder, stark erz├Ąhltes Drama: Ausstattungstheater mit Tiefgang.

23.10.2011

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