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Drama

Rent

Viva la vie Bohème!


Die Schlossfestspiele Ettlingen haben als erster deutscher Freilichtfestspielort "Rent" auf die Bühne gebracht, und das Ergebnis ist durchaus sehenswert: In stimmungsvoller Baustellen-Atmosphäre zeigt Udo Schürmer eine schöne Inszenierung mit guter Cast und tollem Bühnenkonzept.

(Text: Katharina Schäfer)

Premiere:25.06.2011
Letzte bekannte Aufführung:07.08.2011


Obwohl am Ettlinger Schloss dieses Jahr überall gebaut wird, haben die Verantwortlichen die Festspiele wie gewohnt im Schlosshof stattfinden lassen, und mit "Rent" ein Stück gefunden, dem die Baustellen-Atmosphäre nicht schadet, sondern sogar zu Gute kommt. Zwar musste man die Bühne im Vergleich zu den Vorjahren leicht verkleinern, aber es bleibt dennoch mehr als genug Platz für die Inszenierung, und die Gerüste wirken im Kontext des Settings von "Rent" im New Yorker East Village beinahe schon wie eine absichtlich erstellte Kulisse.
Das eigentliche Bühnenbild (Steven Koop) eröffnet eine Vielzahl an Handlungsorten, Spielmöglichkeiten und Auf- und Abgangswegen: Es besteht aus mehreren Ebenen mit Stangen und Treppen vor einer großen, dunklen, Graffiti-verschmierten Wand, die ihrerseits durch mehrere Öffnungen unterbrochen wird. Dieser Bühnenaufbau verortet das Stück zwar buchgemäß im East Village, ist aber unkonkret genug gehalten, um den häufigen Ortswechseln im Stück gerecht zu werden. Regie und Darstellern gelingt es, den Bühnenraum gut auszunutzen und mit einfachen Mitteln (Tische, Licht, etc.), vor dem immer gleichen Hintergrund ohne große Umbauten die unterschiedlichsten Handlungsorte entstehen zu lassen (von Rogers und Marks Apartment über Maureens Bühne bis hin zum Life Café).
Überhaupt hat Udo Schürmer – gleichzeitig auch Intendant der Schlossfestspiele - eine abwechslungsreiche, berührende Inszenierung geschaffen. Er kostet die komischen Momente aus (z.B. "Maureens Performance"), betont aber auch die Dramatik des Stückes und die Probleme der Charaktere, wenn etwa die Selbsthilfegruppe ihrer bereits verstorbenen Mitglieder gedenkt. Auch "Werd ich" erhält eine besondere Schwere, da es nicht wie gewohnt im Kontext der Selbsthilfegruppe gesungen wird, sondern die Darsteller über die Bühne verteilt stehen und jeder für sich, als einsame, kranke Menschen singen.
Auch einige Textänderungen in der Übersetzung von Wolfgang Adenberg sind vorgenommen worden. Dabei handelt es sich meist nur um kleine Anpassungen, die zum überwiegenden Teil dem Textfluss sehr zum Vorteil gereichen.
Der Cast fehlt es zu Anfang noch an der nötigen Energie. Diese baut sich allerdings im Verlauf der ersten Szenen auf, sodass im Gesamtbild eine überzeugende Ensembleleistung herauskommt. Die acht Nebendarsteller überzeugen in ihren ständig wechselnden Rollen als Junkies, Obdachlose, Selbsthilfegruppe, Eltern usw. mit starken Stimmen und ansprechendem Schauspiel.
Thomas Christ gibt einen eher blassen, zurückhaltenden Mark, singt aber glasklar und harmoniert stimmlich sehr gut im Duett mit Korbinian Arendt (Roger) und dessen angenehmem Rocktimbre. So ganz will zwischen den beiden dann aber doch die Chemie nicht stimmen: Sie wirken eher wie zwei Männer, die sich zwar gut verstehen, aber eher aus Zweckdienlichkeit eine Wohnung teilen als aus einer engen Freundschaft heraus. Auch die Chemie zwischen Arendt und Vera Bolten (Mimi) stimmt noch nicht gleich. In "Feuer für die Kerze“ fehlt zwischen den beiden noch die nötige Spannung, spätestens ab "Es zählt nur das jetzt" entsteht sie dann aber und die beiden harmonieren gut miteinander. Der Dritte im Bunde ist Fernando Spengler alias Tom Collins. Er ist aufgrund seines Akzentes manchmal schwer zu verstehen, singt und spielt aber tadellos. Markus Maria Düllmann (Benjamin Coffin) steht rollenbedingt eher außerhalb der Gruppe. Er macht seine Sache sehr ordentlich, kann aber gegenüber dem Rest des Ensembles keine besonderen Akzente setzen. Tom Schimon (Angel) liefert eine rundum überzeugende, energiegeladene Performance ab - vor allem sein Solo im ersten Akt ist stark und markiert das erste wirklich Highlight des Abends. Weitere Glanzlichter werden der Inszenierung aufgesetzt von Anke Fiedler (Maureen) und Cemile Bakanyildiz (Joanne, im ersten Akt noch mit eher aufgesetzt wirkendem Schauspiel, im zweiten Akt dann aber vollends in der Rolle aufgehend) mit "Maureens Performance", "Alles klar" oder "Lass mich oder verlass mich". Vera Bolten hinterlässt als Mimi ebenfalls einen guten Eindruck. Ihre Stimmfärbung ist zwar eher gewöhnungsbedürftig, sie spielt ihre Rolle jedoch sehr stark als junge, wilde Frau, deren innere Zerrissenheit sie an den Rand der Unberechenbarkeit führt. Da ist ihr Lebenshunger einerseits und die tödliche Krankheit und ihre Drogensucht auf der anderen Seite. Nachhaltig beeindrucken kann Bolten vor allem mit ihrer Performance in "Raus heut‘ Nacht", wo sie beweist, dass sie in der Lage ist, gleichzeitig die in der Szene sehr starke Choreographie (André Sultan-Sade) umzusetzen, mit der nötigen Ausstrahlung zu spielen und dabei noch absolut sauber und kraftvoll zu singen. Phantastisch umgesetzt!
Die Choreographien sind ansonsten allerdings eher durchwachsen. Stark ist "Raus heut‘ Nacht", schön auch "Tango Maureen" (szenisch im Übrigen eher angelehnt an den Film: Es gibt einen extra instrumentalen Einschub, und Maureen persönlich tanzt die Szene mit Mark und Joanne), aber die Choreographie in Stücken wie dem zweiten Teil von "La Vie Bohème" will nicht so ganz passen. Ob es sinnvoll ist, die Darsteller zu einem Lied, das sich um Anarchie und (künstlerische) Freiheit dreht, zueinander synchrone Schrittfolgen tanzen zu lassen, ist fraglich – in jedem Fall wirkt das im Kontext der Szene unpassend.
Ein Wermutstropfen war stellenweise die Technik, die am Premierenabend vor allem im zweiten Akt mehrmals den Einsatz verpasste. Mikrophone wurden zu spät hochgefahren, die Bühne wurde mit der offensichtlich falschen Lichtstimmung beleuchtet, sodass die agierenden Darsteller plötzlich im Dunkeln standen, während eine leere Treppe hell erleuchtet war. Grundsätzlich war das Lichtdesign (David Horn) aber passend und stimmungsvoll, auch wenn es freilichtbedingt erst ab dem zweiten Akt wirklich zur Geltung kommen konnte.
Die Abmischung zwischen den einzelnen Kanälen sowie zwischen Orchester und Darstellern war dagegen überwiegend gut bis sehr gut, es war stets hervorragend zu hören und zu verstehen, was gespielt bzw. gesagt und gesungen wurde.
Insgesamt kann sich die Inszenierung der Schlossfestspiele also durchaus sehen lassen. Die Inszenierung mag nicht zu den Innovativsten gehören, ist aber in sich stimmig und kann berühren. Damit haben die Ettlinger vorgemacht, wie es geht, und den Beweis angetreten, dass "Rent" auch als Freilichtstück wunderbar funktionieren kann.

(Text: ks)




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Kreativteam

Musikalische Leitung Jürgen Voigt
Regie Udo Schürmer
Choreografie André Sultan-Sade
Bühnenbild Steven Koop
Kostüme Kiki de Kock


Besetzung

Mark Cohen Thomas Christ,
(Florian Claus)

Roger Davis Korbinian Arendt,
(Alexander Martin)

Maureen Johnson Anke Fiedler,
(Judith Peres)

Joanne Jefferson Cemile Bakanyildiz,
(Maren Reimann)

Tom Collins Fernando Spengler,
(Oliver Schaffer)

Mimi Márquez Vera Bolten,
(Lisa Huk)

Angel Dumont Tom Schimon,
(André Sultan-Sade)

Benny Coffin Markus Maria Düllmann
Ensemble Florian Claus
Lisa Huk
Alexander Martin
Judith Peres
Maren Reimann
Oliver Schaffer
André Sultan-Sade
Oliver Timpe



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


29099
Toll!

25.06.2011 - Das Ensemble der Schlossfestspiele Ettlingen überzeugte auf ganzer Linie!
Musikalisch war das herausragend gut! „Miete“ hatte in Ansätzen die oft vermisste Rohheit; „Weihnachtsglocken 2“ war gut abgemischt, sodass man wirklich seine Aufmerksamkeit immer wieder zwischen den einzelnen Szenen hin- und herwechseln lassen konnte und „Ein Andermal“ deutete das an, was im zweiten Akt mit „Wenn du nicht mehr da bist“, „Das Ende der Liebe“ und „Finale B“ auf einen wartete: Gänsehaut pur und jede Menge feuchte Augen! Auch die Band, die ebenso wie das restliche Cast erstaunlich dünn besetzt war, zeigte an den richtigen Stellen, dass sie das Stück und seine Stimmungen sowohl mit mitreißendem Rock als auch mit gefühlvollen Tönen transportieren kann!
Auch wenn es auf der Bühne ein paar Minuten dauerte, bis sich die erforderliche Spannung und Spielfreude einstellte, so wurde doch schnell klar: Hier sind echte Profis am Werk. Jeder der Darsteller vermochte es, seiner Rolle einen eigenen Zug zu geben. Herausstechend dabei sicherlich Vera Bolten als eine solch freche, ungezügelte, aber dabei eben doch auch unkontrollierte Mimi, wie sie sich Herr Larson wohl vorgestellt hatte! Auch Thomas Christ spielte den Mark Cohen, welcher Beziehungen, Krankheiten oder Partys zwar mit seiner Kamera beobachtet, jedoch nie wirklich mittendrin ist und dabei immer mehr mit seiner Einsamkeit kämpft, sehr überzeugend.
Des Weiteren zu loben sind die kleinen aber durchaus feinen, weil sinnvollen Textänderungen, die das Stück ein wenig mehr an den heutigen Alltag heranbrachte!
Leider bezweifelte man an der ein oder anderen Stelle der Choreographien, ob sich die hierfür Verantwortlichen mit dem Stück auseinander gesetzt hatten: Das energiegeladene "Miete" bekam ein Schuhplattler-ähnliches Ringelreintänzchen verpasst und auf die Idee, die Darsteller bei "La Vie Boheme" über Anarchie singen und sie gleichzeitig in Reih und Glied tanzen zu lassen, muss man erstmal kommen!
Dieses Stück und diese Inszenierung haben es also mehr als verdient, anders als bei der heutigen Premiere zumindest bei den restlichen Vorstellungen ausverkauft zu sein!

HMan86 (erste Bewertung)


29098
Großartige Inszenierung & DarstellerInnen

25.06.2011 - Eine überraschend gute und daher sehr zu empfehlende Inszenierung, die da aktuell in Ettlingen gezeigt wird:

Wirklich toll ist zum einen das Bühnenbild. Die Baustellen-Atmosphäre passt einfach zu diesem Stück (oder auch umgekehrt) und die schlicht gehaltene Bühne bietet den Darstellern ausreichend Spielräume.
Diese Darsteller sind dann schon der nächste Pluspunkt: Gerade Korbinian Arendt (super Rock-Stimme), Anke Fiedler (geniales "Flieg mit mir zum Mond"), Cemile Bakanyildiz (urkomisches "Alles klar")und Vera Bolten (überwältigendes "Raus heut Nacht") machen ihre Sache ganz ausgezeichnet und sind eigentlich die perfekten Besetzungen für ihre jeweilige Rolle. Im Prinzip ist es aber eine wahre Freude, jedem Einzelnen des Ensembles zuzusehen, denn alle Darsteller spielen mit großer Freude und Motivation.
Das Sahnehäubchen bilden schließlich die witzigen Einfälle der Regie (z.B. Vertreter des typischen American Way of Life im Hintergrund bei "Das, was du hast") und die perfekt abgestimmten Laufwege der Darsteller (z.B. bei "Das Ende der Liebe").

Weniger überzeugt haben leider die Choreografien. Sie sind sie leider oft unpassend oder unfreiwillig komisch. Die Choreos, die zu loben wären, sind stark an andere Inszenierungen angelehnt (z.B. "La Vie Boheme").

Insgesamt bleibt zu hoffen, dass das Stück ein Erfolg für die Ettlinger Schlossfestspiele wird. "Rent" als Musical hat das sowieso verdient, aber auch diese Inszenierung im Speziellen. Die Premiere war leider nicht ausverkauft und die Darsteller hatten - zumindest im ersten Akt - mit einem eher lustlosen Publikum (mutmaßlich hauptsächlich Vertreter der Sponsoren und sonstige Ehrengäste) zu kämpfen. In dieser Hinsicht ist also sicher noch Luft nach oben...allen Beteiligten wäre es nur zu gönnen.

Viva la vie boheme!

Headline (3 Bewertungen, ∅ 4.3 Sterne)


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Handlung
New York in den 1990er Jahren: Mark und Roger haben kurz vor Weihnachten Probleme, die Miete für ihren schäbigen Loft zu bezahlen. mehr

Weitere Infos
Eine deutschsprachige Version von "Rent" feierte 1999 im Düsseldorfer "Capitol" Premiere (Regie: Martha Banta) und tourte anschließend durch mehrere Großstädte. Allerdings war der Produktion nur mäßiger Erfolg beschieden - bedingt durch die Phonetikprobleme vieler Hauptdarsteller und die wenig gelungene Übersetzung von Heinz Rudolf Kunze.

 Kurzbewertung [ i ]
(ks)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gelungene Freilicht-Premiere von

26.06.2011

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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