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Rock

Spring Awakening

Who made me so bad?


Ryan McBryde inszeniert die deutsche Erstaufführung von "Spring Awakening" gefühlvoll und stringent. Er kopiert nicht die vorherigen Inszenierungen, sondern erschafft eine eigene Interpretation, die in ihrer Qualität mit den Vorgängern durchaus mithalten kann.

(Text: Katharina Schäfer)

Premiere:12.11.2010
Letzte bekannte Aufführung:13.02.2011


Mehrere Jahre lang hat man sich am English Theatre um die Rechte bemüht, nun konnte in Frankfurt die Deutschlandpremiere von Spring Awakening gefeiert werden. Zu sehen gibt es keine Kopie der vorherigen Inszenierungen aus den USA, England und Österreich, sondern eine eigene Version unter der Regie von Ryan McBryde.

Eine riesige Schultafel erstreckt sich über die gesamte Breite der Bühne sowie die Bühnenaufgänge, über und über beschrieben mit Lernstoff: Mathematik, Literatur, menschliche Anatomie, Latein - all das und noch mehr findet sich auf der Kulisse wieder und überragt buchstäblich die Charaktere wie auch die Zuschauer haushoch. Der untere Teil dieser Wand lässt sich nach vorne verschieben, mehrere Türen und Luken darin nach Belieben öffnen, sodass die Darsteller sich sowohl auf als auch in der Tafel bewegen können. Zusätzlich zu diesem Bühnenbild (Diego Pitarch) braucht es nun nur noch ein paar Schulbänke, Stühle und eine große Stehleiter, dann entstehen durch deren Einsatz die unterschiedlichsten Handlungsorte: Vom Klassenraum über die verschiedenen Kinderzimmer oder eine Waldlichtung, bis hin zu dem für Wendla und Melchior so schicksalshaften Heuboden und dem Friedhof. Und Kreide gibt es, viel Kreide! Die Darsteller überschreiben damit den Lernstoff an der Wand mit den Begriffen, die sie wirklich beschäftigen. Sie malen damit wie spielende Kinder auf den Boden, bekommen sie an ihre Kostüme, werfen sie in die Luft und pusten sie von ihren Büchern, und machen sie damit im Stück genauso omnipräsent wie es das leistungsorientierte Schulsystem und die strenge Sexualmoral der Zeit sind.

Gespielt und gesungen wird im English Theatre natürlich auf Englisch, davon sollte sich aber niemand abhalten lassen, die Inszenierung zu sehen, denn die Darsteller sind allesamt Muttersprachler und sprechen ein sehr klares und gut verständliches Bühnenenglisch – davon abgesehen erschließt sich die Handlung des Stückes auch sehr leicht durch die mise-en-scène und nicht zuletzt durch das ausdrucksstarke Spiel der sehr jungen Cast. Die meisten der Darsteller sind knapp unter oder über 20 und für viele von ihnen ist es das erste Engagement nach ihrem Abschluss, aber alle sind sie mit großer Professionalität, Energie und Spielfreude dabei und liefern eine hervorragende Ensembleleistung ab.

Devon-Elise Johnson spielt Wendla sehr natürlich und nuanciert, und macht damit die Rolle zu einer vielschichtigen, interessanten Person. Greg Fossard (Moritz) meistert den Übergang von einer eher komödiantischen Rolle zu Beginn des Stückes hin zu einer tragischen Figur nahtlos, Craig Mather überzeugt in der Rolle des Melchior als aufgeklärter junger Freidenker, könnte im zweiten Akt aber noch ein wenig mehr Biss vertragen, damit seine Figur nicht schon vor der Friedhofsszene zu viel Kraft verliert. Lobend zu erwähnen sind vor allem auch die Darsteller der erwachsenen Rollen: Jane Stanton und Matthew Carter wechseln zwischen ihren Parts scheinbar mühelos hin und her und verleihen jedem davon eine eigene Note, sodass man kaum glauben mag, jedes Mal die gleiche Person vor sich zu haben.

Die Personenregie legt viel Wert auf die charakterlichen Nuancen vor allem der drei Hauptpersonen Melchior, Moritz und Wendla in ihrem Umgang mit ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen. Eine starke Konzentration auf die Beziehung zwischen Melchior und Wendla ist spürbar, dafür ist die zwischen Moritz und Melchior wenig ausgearbeitet, es wird nicht ganz klar, wie sie zueinander stehen. Die meisten Nebenfiguren haben einige Songs/Szenen, in denen sie ebenfalls ihr Inneres offenbaren können. Sowohl die komödiantischen als auch die ernsthaft-tragischen werden glaubwürdig und mit Feingefühl in Szene gesetzt, sodass diese Personen nicht nur Stichwortgeber für die drei Hauptfiguren sind, sondern zu eigenständigen Charakteren mit eigenen Problemen, Sorgen, Nöten und Ängsten werden.

Die Songs sind in „Spring Awakening“ nicht handlungstragend, sondern dienen als Ausdruck der Gefühle der Charaktere, als eine Art innerer Monolog. In früheren Inszenierungen machte man sie deshalb größtenteils zu rockigen Performances, unterstützte sie durch buntes Licht und Handmikrophonen für die Darsteller. Auf diese Regiemittel wurde in Frankfurt verzichtet – die Darsteller spielen und singen mit ihren Mikroports und David Howe hat ein durchweg stimmiges, unaufdringliches Lichtdesign geschaffen. Die Darsteller leisten allesamt sehr gute gesangliche Leistungen, ausgemachte Rockstimmen sucht man in Frankfurt jedoch vergeblich. Stattdessen legt man Wert auf die Interpretation und den Ausdruck des jeweiligen Songs. Etwas verloren geht dadurch allerdings der Symbolcharakter der Rockmusik für jugendliche Rebellion, kommt nur an wenigen Stellen deutlich zum Vorschein (z.B. in „Totally Fucked“). Ohne Handmikrophon haben die Darsteller dafür aber mehr Spielfreiheit, um ihre Körper als Ausdrucksmittel zu benutzen, oder auch für die kraftvollen Choreographien von Drew McOnie, in denen die verschiedensten Gefühle von Angst über Verwirrung bis hin zu Ärger ausgedrückt werden.

Alles in Allem haben Kreativteam und Cast in Frankfurt eine Aufführung gezeigt, die andere Wege einschlägt als es in den Vorgängerversionen in New York, London und Wien der Fall war, die sich aber qualitativ vor diesen keineswegs zu verstecken braucht. Sie ist nicht besser oder schlechter als diese Versionen, sie findet ganz einfach einen anderen Zugang zu der Vorlage von Duncan Sheik und Steven Sater, und geht auf eine eigene, kreative Weise damit um.

(Text: Katharina Schäfer)




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Besetzung

Moritz Greg Fossard
Wendla Devon-Elise Johnson
Melchior Craig Mather
Martha Tanya Shields
Ilse & Thea Natalie Garner
Hanschen & Ensemble Daniel Ellison
Otto & Ensemble Matt McGoldrick
Ernst & Ensemble Gareth Mitchell
Georg & Ensemble Antony Irwin
Anna & Ensemble Lizzi Franklin
Male Adult Matthew Carter
Female Adult Jane Stanton



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


9 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


28943
So viel Power!

07.02.2011 - Als "alter Musicalhase" war ich sehr gespannt und wurde nicht enttäuscht - im Gegenteil! Die Cast hatte mich von den ersten Minuten an voll in ihren Bann gezogen. So viel Enthusiasmus habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Einfach toll. Auch meine Freundinnen, die dabei waren, waren ganz hin und weg, obwohl wir mit 40 +/-sicherlich nicht mehr zum Fanpublikum der jungen Darsteller zählen, das sich lautstark bemerkbar gemacht hat... ;-) Leider bin ich erst letzten Freitag in der Show gewesen und die restlichen Vorstellungen sind gänzlich ausverkauft! Ich wäre auf alle Fälle nochmal reingegangen!

Avalon62 (2 Bewertungen, ∅ 5 Sterne)


28929
Den Lobeshymnen kann ich mich nur anschließen!

31.01.2011 - Habe die Inszenierung schon Ende des Jahres gesehen und kam zeitlich nicht zur einer Bewertung. Möchte aber endlich dazu noch ein Lob schreiben. Bei dieser Inszenierung stimmt einfach alles von dem innovativen Bühnenbild, den kreativen Ideen, z. B. der Umsetzung des Selbstmordes Moritz bzw. Todes von Wendla (Kreidewolke bzw. Namen wegwischen)und zu den authentischen Darstellern. Klamauk und unpassende Komik konnte ich in der von mir gesehenen Vorstellung nicht feststellen. Habe schon lange nicht mehr so eine bewegende Inszenierung in Deutschland gesehen. Auf jeden Fall hingehen, so lange es noch läuft!

blackrider (2 Bewertungen, ∅ 5 Sterne)


28861
Unbedingt ansehen!

18.12.2010 - Ich habe die Premiere gesehn und war die komplette Zeit des Stückes wie gebannt, was sich dann beim Schlussapplaus in unendlicher Begeisterung ausdrückte.
Meiner Meinung nach war alles perfekt: Bühnenbild (es sollten viel mehr Bühnen dieser Welt aus Tafeln bestehen!), Schauspiel, Gesang, Choreographie. Das war der absolute Wahnsinn.
Wer es sich nicht anschaut, verpasst eines der großartigsten Stücke dieses Jahres!

Frän R. (3 Bewertungen, ∅ 4.3 Sterne)


28846
Totally F********

14.12.2010 - "F" for fantastic!

Gute Inszenierung. Nicht so viel Rock wie am Broadway, sondern eher Pop, doch das macht nichts, denn das Stück ist einfach großartig.

Das spielfreudige Ensemble überzeugt auf ganzer Linie

Wicked-Freak (26 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


28791
Ansehen!

21.11.2010 - Dass sich die Deutschland-Premiere dieses Musicals in einem recht kleinen Theater abspielt, ist schon bemerkenswert. Lange sollen die Macher an den Rechteinhabern geackert haben.
Gottseidank!
Denn was da über die Bühne geht ist einfach sensationell!

Musikalisch klingt es ziemlich nach "Rent", aber es wird ja nicht alle Tage das Rad neu erfunden. Mir gefallen die Songs.
Die Besetzung ist recht altersgemäß und toll!
Nur Greg Fossard als Moritz ist durch mimisches Overacting und seine karikaturhafte Frisur ein Störfaktor.
Die Inszenierung ist voller Ideen, die räumlichen Einschränkungen auf der Bühne werden clever und effektvoll überspielt.

Wohlverdiente Standing Ovations, die leider herzlos nach drei Verbeugungen durch Einschalten des Saallichts abgewürgt wurden.
Ich hätt' noch 'n bisschen geklatscht.

bernstein (29 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


28750
Wird seiner Vorlage nicht gerecht

15.11.2010 - Das English Theatre Frankfurt bietet die gewohnt hohe Qualität für die es bekannt ist. Professionell und sringent bringt Regisseur Ryan McBryde die Deutschlandpremiere von SPRING AWAKENING auf die Bühne. Bühnenbild, Kostüme und Lichtdesign sind bestens gelungen. Die jungen Künstler singen und spielen ihre Rollen intensiv und eindrucksvoll.

Trotzdem hinterlässt das Stück keinen wirklich positiven Eindruck. Neben jeder Menge albernem und unnötigem Humor findet die Geschichte einfach nicht ihre Richtung, in die sie den Zuschauer mitnehmen möchte.
Soll es ein Blick zurück in eine längst vergangene Zeit sein? Musik und Text sind viel zu zeitgemäß ausgerichtet, um Nachvollziehbarkeit und Emotionen für die Jugendgeneration von 1891 aufkommen zu lassen. Viel bewußte (und wohl auch unfreiwillige) Komik unterbindet das Drama.

Will man uns ein "brandaktuelles" Musical mit viel aktuellem Zeitbezug vorführen?
Themen wie mangelnde sexuelle Aufklärung, scheinheilige Prüderie, brutale Schulsysteme, bedingungslose patriarchalische Familienstrukturen sind im Zentraleuropa des Jahres 2010
nur noch Geschichte. Ein Update ist ebenso unmöglich wie unnötig.

SPRING AWAKENING ist letztendlich nur ein gut gemeinter Versuch eine literarisch anspruchsvolle Vorlage in ein zeitgemäßes Musical zu verwandeln.
Autor und Komponist sind in Ehren gescheitert. Das Stück ist überbewertet.

kevin (163 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


28741
Kurzes Statement:

14.11.2010 - Einfach nur empfehlenswert ;)

SAFFM (erste Bewertung)


28740
Spring Awakening 13.11.2010

14.11.2010 - Wer gut nach Frankfurt kommt, sollte sich dieses Stück ansehen! Wie vom English Theatre gewöhnt, kriegt man eine tolle Produktion zu sehen. Das junge Ensemble liefert eine tolle schauspielerische, gesangliche und choreographische Leistung ab.

schwarzemoewe (3 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


28739
Toll!

14.11.2010 - Eine sehr gelungene Inszenierung, dicht und emotional. Homogenes und äußerst talentiertes Ensemble. Stimmige und fein differenzierte Regie. Ein Stern Abzug, weil die Inszenierung am Anfang etwas zu komödienhaft geraten ist und der Darsteller des Melchior noch etwas die Tiefe und Weisheit dieser Rolle vermissen lässt.

alfred78 (4 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


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(ks)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gelungene Inszenierung der deutschen Erstaufführung mit einer sehr guten Ensembleleistung der jungen Cast.

15.11.2010

 Leserbewertung
(9 Leser)


Ø 4.33 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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