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Europäische Erstaufführung

Pardon My English

Gershwin in Dresden


© Kai-Uwe Schulte-Bunert
© Kai-Uwe Schulte-Bunert
Parodiert wird einiges in diesem nach der Broadway-Premiere über 70 Jahre nicht mehr aufgeführten Musical: die amerikanische Prohibitionszeit, der Musikgeschmack und die Ordnungsliebe der Deutschen, Psychologie im Allgemeinen und das Phänomen der Persönlichkeitsspaltung im Besonderen. Die Inszenierung von Holger Hauer ist zwar insgesamt durchaus sehens- und hörenswert, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Vorlage stellenweise zu klamaukig und flach ist.

(Text: Daniel von Verschuer)

Premiere:27.11.2009
Rezensierte Vorstellung:27.11.2009
Letzte bekannte Aufführung:24.02.2012


Die Grundidee der Handlung ist ziemlich absurd: In Dresden, einer fernen deutschen Stadt, die George Gershwin und sein Bruder Ira nachweislich nie selbst besucht haben, sind die Produktion, der Handel und der Konsum von Limonade verboten. Skrupellose Gangster schenken das süße Getränk in "Flüsterkneipen" schwarz aus, tollpatschige Polizisten versuchen sie dabei zu erwischen, und mittendrin bewegt sich der britische Geheimagent Michael Bramleigh, der nach einem Schlag auf den Kopf zum Dresdner Unterweltboss Golo Schmidt wird (und nach dem nächsten Schlag wieder zu Bramleigh und so weiter und so fort). Die dadurch entstehende Verwirrung bildet die Grundlage für eine leichtgewichtige und stellenweise sehr banale Handlung, die Regisseur Hauer mit allerlei Späßen aufpeppt: Während eines Liebesduetts räumt ein Kulissenschieber schonmal die Bühne ab, beim nächsten Song klettert das Liebespaar durch die engen Zuschauerreihen, um sich beim Schlusston in der Mitte zu treffen, und den Running Gag "immer wenn sich ein Darsteller wundert, wird seine Kopfdrehung zum Publikum und zurück zum Dialogpartner mit an- oder absteigenden Pfeiftönen untermalt" lässt Hauer gar so oft wiederholen, dass nicht der eigentliche Gag, sondern eher die ständige Wiederholung erheiternd ist. Auch die große Anzahl von Wortwitzen, die Übersetzer Wolfgang Adenberg aus dem Original ins Deutsche transportierte, führt gemeinsam mit einem enorm hohen Dialogtempo dazu, dass Hauer und sein vitales Ensemble viele Lacher auf ihrer Seite haben. Die Songs, begleitet von einem in klassischen Broadway-Melodien schwelgenden Orchester unter der schwungvollen Leitung von Ernst Theis, können sich wirklich hören lassen - obschon sie lange nicht so schnell ins Ohr gehen wie viele Evergreens der Gershwin-Zeitgenossen Richard Rodgers und Cole Porter.
Besonders einfallreich und zum grotesken Charakter des Stücks passend ist die Ausstattung von Christoph Weyers. Das gesamte Ensemble ist in den Dresdner Stadtfarben Schwarz und Gelb gekleidet - nur in der Szene, in der sich Michael/Golo wegen seiner Persönlichkeitsspaltung untersuchen lässt, tragen die Ärzte zu ihren Sigmund-Freud-Bärtchen Zwangsjacken (!), die mit dem Dresdner Stadtplan bedruckt sind. Auf der Bühne dominieren Flaschen: Fast alle Kulissenteile bestehen aus leeren Plastikflaschen, die Flüsterkneipe sieht gar aus wie die Recycling-Version der Dresdner Frauenkirche. Vom Hochzeitsbett, vermeintlich wegen der besseren Sichtbarkeit der liegenden Darsteller angeschrägt, rutschen die beiden singenden Turteltauben unvermittelt auf den (Hosen-)Boden. Und um der Absurdität die Krone aufzusetzen, werden in derselben Szene links und rechts riesenhafte Plastikrosen aufgeblasen, zu denen sich ein von der Decke herabfahrender Amor gesellt.
Geschmackssache, ob es die Theaterlandschaft bereichert, dass dieses fast vergessene Gershwin-Werk wieder ans Licht der Öffentlichkeit und auf die Bühne gebracht wurde. Zum Glück nehmen sich die Buchautoren Herbert Fields und Morrie Ryskind selbst auch nicht zu ernst und lassen die Darsteller sagen: "Ich kann der Handlung nicht mehr folgen!" - "Welcher Handlung?".

(Text: dv)




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News: PdW: Pardon My English (23.11.2009)



Kreativteam

Musik George Gershwin
Liedtexte Ira Gershwin
Buch Herbert Fields
Morrie Ryskind
Deutsche Übersetzung Wolfgang Adenberg
Musikalische Leitung Ernst Theis
Inszenierung Holger Hauer
Ausstattung Christoph Weyers
Choreografie Andrea Kingston


Besetzung

Golo Schmidt
Michael Bramleigh
Christian Grygas
Marcus Günzel
Gitta Elke Kottmair
Ann Mandrella
Kommissar Bauer Alfred Berg
Gerd Wiemer
Frieda Bauer
Ilse
Romana Beutel
Jeannette Oswald
Inspektor Schultz Hilmar Meier
Hans-Jürgen Wiese
Magda Inka Lange
Annegret Reißmann
Dickie Carter Frank Ernst
Bernd Könnes



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


28733
beim 2. Mal war alles besser

08.11.2010 - Als ich das erste Mal Pardon mit Markus Günzel in der Hauptrolle sah, sprach es mich nicht an und ich fand dieses Musical -bekanntlich ohne Inhalt- auch nicht lustig. Dies lag wahrscheinlich weniger an Herrn Günzel mehr an allem oder vielleicht auch an meiner Stimmung.
Am 05.11. gab ich dem Stück eine neue Chance. Diesmal mit dem Musterschüler der Staatsoperette Dresden: Christian Grygas. Und diesmal war ich begeistert. wir kamen gar nicht aus dem Lachen heraus und alle Witze kamen unglaublich gut im Publikum an. Herr Grygas brachte eine Leichtigkeit auf die Bühne mit der man durch das Stück schwebte. Ich kann jedem dieses Stück empfehlen und finde es sehr schade, dass die Operette die Anzahl der Musicals so reduziert. Aber vielleicht wird ja Passion ein neuer Erfolg auf diesem Gebiet.

sandradd (4 Bewertungen, ∅ 4.8 Sterne)


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 muz-Lexikon
Handlung
In Dresden ist es verboten, Limonade herzustellen, zu verkaufen oder zu trinken. mehr

Weitere Infos
Die Parodie von George und Ira Gershwin nach einem Buch von Herbert Fields und Morrie Ryskind steht in einer Reihe mit den Gershwin-Komödien "Strike Up The Band" (1927), "Of Thee I Sing" (1931) und "Let 'Em Eat Cake" (1933). Auf die Broadway-Uraufführung am 20. Januar 1933 folgten nur 43 Vorstellungen. Die Gründe für den Misserfolg sind vielfältig: Zusätzlich zum schwachen Buch und den Nachwirkungen der Wirtschaftskrise von 1929 kam der Umstand, dass das Ende der US-amerikanischen Prohibitionszeit, die im Stück parodiert wird, schon abzusehen war. Außerdem wollte es der Zufall der Geschichte, dass nur zehn Tage nach der Premiere die Machtergreifung durch die Nazis erfolgte und eine derart harmlose Parodie auf deutsche Eigenheiten angesichts der dortigen politischen Entwicklung vom Publikum nicht mehr angenommen wurde. Das Stück geriet anschließend in Vergessenheit und wurde erst 1982 in einem Musiklager der Warner Brothers wiederentdeckt. 1993 erfolgte eine CD-Einspielung, 2004 kam es zu einer halbszenischen Wiederaufführung im Rahmen der New Yorker Reihe "City Center Encores". Die deutsche und europäische Erstaufführung (Übersetzung Wolfgang Adenberg, Regie Holger Hauer) fand am 27. November 2009 in der Staatsoperette des Handlungsortes Dresden statt.

 Kurzbewertung [ i ]
(dv)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Etwas zu klamaukige Komödie mit ziemlich platter Handlung, immerhin originell inszeniert und gut besetzt.

30.11.2009

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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