Norden Westen Osten Sden
Termine aus DeutschlandsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Cabaret


Tipp der Redaktion
Klassiker

Cabaret

A tiger is a tiger, not a lamb!


Dem Frankfurter Schauspiel ist im Bockenheimer Depot eine grandiose Neuinterpretation des Kander/Ebb-Klassikers gelungen, die zeigt, wozu die großen deutschen Bühnen fähig sind, wenn sie das Genre Musical ernst nehmen.

(Text: Daniel von Verschuer)

Premiere:02.10.2009
Rezensierte Vorstellung:02.10.2009
Letzte bekannte Aufführung:19.10.2009


"Das ist alles so übertrieben!" - Nach seiner Ankunft im Berlin der 1930er-Jahre schwankt Cliff, der junge amerikanische Schriftsteller, zwischen ungläubigem Staunen und Faszination und trifft damit wohl ziemlich genau die Gefühlslage des Frankfurter Premierenpublikums. Verblüffend originell kommt die Inszenierung von Michael Simon daher, der Regisseur zerpflückt den Kander-Ebb-Klassiker in seine Einzelteile und setzt ihn mit Hilfe eines hochprofessionellen Ensembles und einer gänzlich neu arrangierten Partitur wieder zusammen.

Schon Bühne und Ausstattung, ebenfalls von Michael Simon konzipiert, sind außergewöhnlich. Mittig in der großen Haupthalle des ehemaligen Betriebshofs der Frankfurter Straßenbahn, heute eine der drei Spielstätten des Frankfurter Schauspiels, steht eine über zwei Meter hohe, kahle Holzdrehbühne, links und rechts flankiert von zwei steil aufsteigenden Zuschauertribünen.

So sieht jeweils die Hälfte der Zuschauer die Protagonisten von hinten; eine Tatsache, die Simon durch geschicktes Staging und die Tatsache, dass die Darsteller - und die Drehbühne - dauernd in Bewegung sind, raffiniert in den Handlungsablauf einbaut. Ansonsten verzichtet Simon abgesehen von einem aus dem Bühnenboden hochfahrenden Bett komplett auf Requisiten, der Kit-Kat-Club exisitiert gar nur in der Imagination des Zuschauers. Mit Hilfe eines Gazevorhangs, der an einem quer über der Bühne gespannten Seil hereinflattert, nutzt der Regisseur die besondere Bühnenkonstruktion in zwei Szenen für einen ganz speziellen Effekt: Je nach Blickwinkel steht einer der Sänger vor dem Vorhang und der verdeckte Gegenpart als Schatten dahinter. Vor allem das Duett "Heirat" von Fräulein Schneider und Herrn Schultz gewinnt so ungemein.

Originell (wenn auch für "Cabaret"-Erstbesucher verwirrend) ist zudem Simons Idee, einige seiner Darsteller nicht nur zwei verschiedene Nebenrollen verkörpern zu lassen, sondern auch mit deren Identität zu spielen: Der Song "Two Ladies" endet beispielsweise mit dem angedeuteten Geschlechtsakt eines Kit-Kat-Girls mit einem Kit-Kat-Boy. Die beiden Tänzer "verwandeln" sich durch minimale Variation von Haltung, Bewegungsablauf und Licht in Fräulein Kost und ihren Matrosen - so mündet die Nummer völlig nahtlos in die Szene, in der Fräulein Schneider mit ihrer Mieterin wegen der regelmäßig ins Haus gebrachten Männer in Streit gerät. Ähnliche Übergänge findet Simon immer wieder; obendrein strafft er die Handlung, beschränkt etwa die Velobungsszene auf ihre wesentlichen drei Minuten und gestaltet seine Inszenierung damit besonders dicht. Im Gedächtnis bleiben auch die Interpretationen der Songs "Mein Herr" und "If You Could See Her Through My Eyes": Hier dirigiert Sally, auf dem Bett stehend, Cliff wie eine Marionette an unsichtbaren Fäden über die Bühne und lässt ihn groteske Bewegungen vollführen, dort tanzen Conférencier und Kit-Kat-Boy einen homoerotischen Tanz, der mit Stiefellecken und eindeutigen Fummeleien weit jenseits des sonst im Unterhaltungstheater Präsentierten liegt.

Diese und viele weitere kreative Einfälle des Regisseurs werden durch ein außerordentlich professionelles Ensemble zusammengehalten. Franziska Junge porträtiert grandios eine zutiefst verzweifelte Sally und trumpft mit großer Stimme auf. Torben Kessler darf als Cliff viel präsenter sein, als es der Rolle in vielen anderen Inszenierungen gestattet ist und spielt mit fabelhafter Eindringlichkeit. Der halbseidene Conférencier von Christian Bo Salle bleibt dagegen weiter im Hintergrund als gewohnt. Josefin Platt legt das Fräulein Schneider völlig abweichend vom Rollenklischee an: Statt der verhärmten alten Jungfer spielt sie eine alberne, hüpfende, "Woah" und "Boah" schreiende Göre, die sehr an Nina Hagen erinnert. An den richtigen Stellen legt sie aber auch die benötigte Portion Ernsthaftigkeit in die Rolle. Mathis Reinhardt als bedrohlicher Ernst Ludwig, Joachim Nimtz als Herr Schultz sowie Valery Tscheplanowa, Irene Klein und James Rizzi in den Nebenrollen komplettieren ein unerhört souveränes Ensemble, das "Cabaret" völlig neue Seiten abgewinnt.

Unkonventionell ist neben der Inszenierung vor allem die Art und Weise, wie Nina Wurman und Johannes Bartmes die Partitur von John Kander neu arrangiert haben. Vom bekannten 30er-Jahre-Sound ist kaum etwas übrig geblieben, "Willkommen, Bienvenue, Welcome" wird zur Rocknummer, "Don't Tell Mama" kommt als Jazzballade daher, "Mein Herr" nimmt Anleihen an Klezmer und Folk, "Maybe This Time" klingt nach großer Pophymne und aus dem Titelsong wird eine phänomenale Funk-Nummer, die dem Ideenfeuerwerk die Krone aufsetzt. So frisch, anders und neu hat man "Cabaret" noch nie gehört - dem Musik- und Musicalfreund macht das einen Riesenspaß, der Gelegenheitsbesucher könnte möglicherweise völlig verwirrt das Theater verlassen.

(Text: Daniel von Verschuer)






Kreativteam

Regie / Bühne Michael Simon
Kostüme Janine Werthmann
Musikalische Leitung Nina Wurman
Johannes Bartmes
Choreografie Irene Klein


Besetzung

Sally BowlesFranziska Junge
Fräulein KostValery Tscheplanowa
ConférencierChristian Bo Salle
Clifford BradshawTorben Kessler
Herr SchultzJoachim Nimtz
Ernst LudwigMathis Reinhardt
Fräulein SchneiderJosefin Platt
FrenchieIrene Klein
HansJames Antony Rizzi
Musiker Nina Wurman
Johannes Bartmes
Christoph Lewandowski
Dirk Rumig
Martin Lejeune
Daniel Schil



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


28037
Schauspiel halt...

14.10.2009 - Wenn man ehrlich ist, erwartet man als "Musicalbesucher" nicht wirklich eine Aufführung in Musicalmanier in einem "ernsthaften Schauspielhaus". Dieses Bewußtsein schützt vor all zu große Enttäuschung. Stiefellecken, Anspucken, Farbe an die Wand.. ok, Schauspiel halt... Die Inszenierung bietet abgesehen davon wirklich ein paar nette Momente und gute Ideen. Herauszuheben ist die Bühne und die Minimailität der Inszenierung. Auch gefallen die Darsteller, insbesondere Fr. Schneider und Herr Schulz. Allerdings hört es dann auf, wenn die Musik bis fast zur Unkenntlichkeit verfremdet wird. Die Komponisten haben sich schon etwas dabei gedacht, so wie sie es komponiert haben. Das tut dann schon weh und zerstört jegliche Freude an der Inszenierung. Wer die Musik im Orginal kennt, könnte nur enttäuscht werden. Vielleicht war das Absicht, dann hat es bei mir funktioniert.....

Sliver (erste Bewertung)


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Schauspiel
Neue Mainzer Str. 17
D-60311 Frankfurt am Main
069/212 37 000
Email
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!

 Weitere Produktionen
 Cabaret (TIPI, Berlin)
 Cabaret (Chemnitz)
 Cabaret (Hans Otto Theater Potsdam)
 Cabaret (Göttingen)
 Cabaret (Hamburg)
 Cabaret (Hof)
 Cabaret (Lünen)
 Cabaret (Weimar)
 Cabaret (Wien)
weitere Produktionen finden

 muz-Lexikon
Handlung
Berlin kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. mehr

Weitere Infos
Aufführungsrechte: Verlag Felix Bloch Erben

 Kurzbewertung [ i ]
(dv)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Eine außergewöhnliche Inszenierung und großartige Neuarrangements der Kander/Ebb-Partitur lassen den Klassiker in völlig neuem Licht erscheinen.

03.10.2009

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2020. Alle Angaben ohne Gewähr.

   ZAV-KÜNSTLERVERMITTLUNG

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   Ein Platz für Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;