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Compilation-Show

Hossa

Schlager l├╝gen nicht


┬ę Mirko Gutjahr
┬ę Mirko Gutjahr
Der deutsche Schlager lebt! In dieser von Sebastiano Meli aberwitzig inszenierten Revue geben sich die gro├čen Hits, aber auch Unbekannteres aus den 1970ern ein Stelldichein. Auch nach den Zugaben tobt das begeisterte Publikum und mag die bei den Damen etwas inhomogene Darstellerriege nur ungern wieder von der B├╝hne lassen.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:06.11.2009
Rezensierte Vorstellung:20.11.2009
Letzte bekannte Auff├╝hrung:04.04.2015


┬ę Mirko Gutjahr
┬ę Mirko Gutjahr




Nach "Moskau" kommt Mogadishu. Mit versteinerten Mienen verk├╝ndet das sechsk├Âpfige Ensemble Fakten zur tragisch endenden Flugzeug-Entf├╝hrung im Oktober 1978. Licht aus. Vorhang zu. Irritiert wird das Publikum in die Pause entlassen.

Auch wenn der Baader-Meinhof-Terrorismus zu den 1970ern in der Bundesrepublik geh├Ârt wie der damals als schl├╝pfrig empfundene "Schulm├Ądchen-Report" oder die k├╝chenversch├Ânernden Pril-Blumen: das Geiseldrama wirkt in dieser Show, die ganz auf Spa├č und die Wiederbegegnung mit alten musikalischen Bekannten setzt, wie ein grober Klotz.

Nach der Unterbrechung hat das Publikum die schwere Kost l├Ąngst verdaut und genie├čt Sebastiano Melis spa├čig inszenierte Zeitreise in die schrillbunte Schlagerwelt in vollen Z├╝gen. Wie bereits zu Showbeginn aufgefordert, singt der Saal "Anita", "Ein Bett im Kornfeld" oder die "Biene Maja" aus voller Kehle mit, schwenkt die Arme ├╝ber dem Kopf und am├╝siert sich wie Bolle. In der Vorlage von Frank Thannh├Ąuser werden revuehaft Schlagerbl├Âcke mit wichtigen Aspekten der Dekade vermixt. Regisseur Meli gibt hier dem Affen geh├Ârig Zucker. So wetteifern zum Beispiel drei Darstellerinnen in Mireille Matthieu-Optik gleichzeitig um die Gunst des Publikums und eine versch├Ąmte Anfrage an Jugendaufkl├Ąrer Doktor Sommer untermalt "Der Junge mit der Mundharmonika" ÔÇô geschmachtet von einem S├Ąnger, der sinnliche Blicke ins Publikum wirft und sich mit frivolen Zuckungen und Gesten am Mikrofonst├Ąnder windet. Wenn das Thema "reife Frau verf├╝hrt jungen Mann" mit Hilfe von zwei geschickt hintereinander montierten Titeln ("Er war gerade 18 Jahr", "Es war Sommer") aus beider Perspektiven erz├Ąhlt wird, dann verl├Ąsst der Abend das oft platte Spa├čniveau und wird zu intelligent gemachter Unterhaltung.

Wer nicht farbenblind ist, wird optisch sowohl beim schrill-zeittypischen Kost├╝mbild als auch beim mit buntem Riesenlametta beh├Ąngten B├╝hnenraum nebst rot-rosa Zwischenvorhang (Ausstattung ebenfalls Sebastiano Meli) mit einer ├ťberdosis an grafischen Mustern und geschmacklichen Absonderheiten konfrontiert. Keine Frage, die 1970er werden hier kr├Ąftig ├╝berzeichnet, was allerdings wunderbar mit den vorgetragenen Schlagertexten harmoniert, die h├Ąufig wie ihre eigene Parodie wirken.

Wenn die musikalische Begleitung aus der Konserve eingespielt wird, leidet h├Ąufig deren Qualit├Ąt. Bei dieser Auff├╝hrung geh├Ârt die Tonspur von Steven Desroches zur besseren Sorte, ihr elektronischer Ursprung f├Ąllt nicht zu stark ins Gewicht. Problematischer ist hingegen die gesangliche Leistung zweier Darstellerinnen. Ines-Maria Jaeger verwechselt guten Gesang zu oft mit Volumen und ├╝bert├Ânt mit unangenehm scheppernden H├Âhen die Ensemble-Nummern. Immerhin verf├╝gt sie ├╝ber eine solide Mittellage. Wenn Patricia Grove ihre Soli wie "Am Tag als Conny Kramer starb" mit leicht belegt klingender Stimme singt, dann zeigt sich ihr gr├Â├čtes Manko: Mangelhafte Intonation. Am ehesten gelingt ihr schrubberschwingend die musikalisch nicht sehr anspruchsvolle Hausfrauenklage "Das bisschen Haushalt".

In den Ensemblenummern mit den f├╝r die Mini-B├╝hne effektvoll arrangierten Tanzschritten (Choreografie: Morgan O'Brien) rei├čen die anderen vier grandiosen Darsteller ihre Kolleginnen jedoch mit. Judith Sch├Ąfer ist eine Erzkom├Âdiantin mit geschmeidiger und wandlungsf├Ąhiger Power-Stimme, die als gelangweilte Kastagnetten-Spielerin auch in einer stummen Rolle ihre enorme B├╝hnenpr├Ąsenz ausspielt. Mit geschmeidigem Bassbariton bringt Sebastian Stipp jede noch so klischeehafte Schlagerpose mit gro├čer Begeisterung ├╝ber die Rampe, nur noch getoppt von Lars Kemter als fast nackter Schlagerbarde Heino. Stipp und Kemter wirken stimmlich bei den Schlagern fast schon unterfordert. Als schmierig-s├╝ffisanter Moderator kokettiert Morgan O'Brien mit seinem amerikanischen Akzent. Sein sch├Âner Poptenor komplettiert die hervorragenden Gesangsleistungen bei den Herren.

Ganz nebenbei erf├╝llt diese Revue auch einen Bildungsauftrag, indem sie die Bedeutung von Hossa entr├Ątselt. Wem die gleichnamige Stadt in Finnland weiterhin fremd ist, der huldige weiter dem Schlachtruf des Schlagerkults. Mehr als eine Gelegenheit dazu bietet diese Show.

(Text: kw)






Kreativteam

Inszenierung und AusstattungSebastiano Meli
ChoreografieMorgan O'Brien
Musikalische LeitungSteven Desroches


Besetzung

SusiJulia Bielinski
Susanne Mayer
CarolanneCornelia Uttinger
AlexanderChristian Trabert
SebastianOliver Koch
SwingsJanneke Thomassen
Daniela Tweesmann




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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Schlager-Revue zum Mitsingen, -klatschen und -feiern.

21.11.2009

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