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Musical-Drama

Cabaret (2010)

Musical-Geschichtsstunde


Diese Inszenierung (Stephan Brauer) ist ein Paradebeispiel dafür, wie leicht ein gutes Musical mit Tiefgang zum zahnlosen Tiger werden kann. Hierzu verdonnere man Opernensemble und Choristen zu einem Ausflug ins Musicalgenre und lasse sie in den gewohnten Posen frontal ins Publikum spielen. Wenn dann eine politische Bedrohung nur hellbraun ausfällt und eine außergewöhnliche Besetzung einer Hauptrolle nicht ins Regiekonzept eingebaut wird, dann können die Gastsolisten wie hier nur noch gute Miene zum schlechten Spiel machen.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:16.01.2010
Rezensierte Vorstellung:16.01.2010
Letzte bekannte Aufführung:22.12.2010


Gelangweilt lehnt eine ältere Frau in einem silbernen Abendkleid an der rechten Bühnenseite und beobachtet die Verlobungsfeier im Obstladen von Herrn Schultz. Wer in ihr Gesicht schaut, entdeckt gleich unterhalb der auffälligen, orange-roten Wuschelmähne das bleiche Antlitz des Conférenciers mit dem fein gestrichelten, aufgemalten Schnurrbärtchen.

In Stephan Brauers Inszenierung pendelt die Figur optisch zwischen den Geschlechtern und ist auf keine Identität eindeutig festgelegt. Der Regisseur konfrontiert sein Publikum zwar mit dieser Spaltung, versäumt es allerdings, diese reizvolle Idee in irgendeiner Weise logisch in die Handlung zu integrieren. In der nüchternen, grauen Fabrikhalle mit dem Kit-Kat-Klub-Schriftzug an der Stirnseite bleibt er ein kläglicher Ansager in wechselnden, auffälligen Show-Kostümen (Ausstattung: Andrea Eisensee). Brauer demontiert den Conférencier sogar bis zur Bedeutungslosigkeit, da er ihn mit Ausnahme des Songs mit dem Affenmädchen musikalisch um seine Soli beraubt. Bereits beim einleitenden "Willkommen" lugt nach der ersten Strophe der musikalische Leiter "Maestro Manni" (Manfred Hermann Lehner) samt Mikrofonständer aus dem überbauten Orchestergraben hervor und fällt gemeinsam mit dem auf die Bühne ausschwärmenden Opernchor über den Song her. Wenn "Money" dann noch im sinfonischen Chorsatz erstickt wird, dann klingt John Kanders Musik nicht mehr flott, frech und ironisch, sondern wird in Richtung behäbige Operette geschoben.

Ohnehin setzt Brauers Inszenierung mehr auf das plakativ-Revuehafte. So wird Sally zu "Ein Cabaret ist diese Welt" auf einem überdimensionalen Karussellpferd hereingeschoben, das das bei der Premiere sehr unkonzentriert wirkende Ballett-Ensemble als putzige Rösser umkreisen darf (Choreografie: Stephan Brauer). Bei "Money", bei dem wie bei "Maybe this time" nicht die deutsche Übersetzung von Robert Gilbert bemüht wird, dürfen sich die stets frontal ins Publikum singenden Choristen im Geldscheinregen neckisch aufgeblasene Weltkugeln zuwerfen. Zwar bringt der Regisseur vorlagenbedingt auch ein paar Nazi-Schergen im Ablauf unter, eine nachhaltig spürbare Bedrohung vermittelt er allerdings nicht. Damit das Publikum schließlich heiter und beschwingt das Volkstheater verlassen kann, wird an das düstere Finale mit dem kofferschleppenden Ensemble als Mitklatsch-Zugabe Sallys "Mein Herr" angehängt.

Martina Dorothea Rumpf legt die Tingeltangel-Sängerin in ihren Kit-Kat-Klub-Auftritten zurückhaltend und bieder an. Immerhin bei "Mama darf’s nicht wissen" sind ihr einige laszive Tanzschrittchen vergönnt. Es kann also nur ihr eleganter, nie angestrengt klingender Sopran sein, mit dem sie die Männer becirct. In den temperamentvoller gestalteten Szenen im Pensionszimmer zeigt Rumpf, dass sie eine gute Schauspielerin ist – wenn man sie denn lässt. Ihr Partner Matthias Zajgier ist zudem ein topbesetzter Clifford, der alles andere als ein blasses amerikanisches Bürschchen ist. Das "Einmalig himmlische Girl"-Duett von Sally und Clifford gehört zu den musikalischen Höhepunkten der Show. Es ist erfreulich, dass Zajgier auch das sonst oft gestrichene Solo "Wer will schon wach sein" mit samtigem Bariton singen darf.

Ein Glücksfall ist Rosita Mewis als ein Fräulein Schneider der kleinen Gesten, die an ihr Verlobungsgeschenk geklammert mit gurrender, bitterer Stimme "Wie geht’s weiter?" fragt. Im Gesang ist sie Herrn Schultz (Franz Mewis) überlegen, dessen Bariton in den höheren Lagen schütter klingt, was allerdings zu einem ältlichen Obsthändler passt. Titus Paspirigilis ist ein überaus blasser Ernst Ludwig, der mit seinem beherrschenden, selbst den Chor übertönenden Tenor unter Beweis stellt, dass er sich in einer Oper wohler fühlt.

Den in dieser Inszenierung als Hosenrolle besetzten Conférencier spricht Gabriele Schwabe mit einer so sonoren, tiefen Stimme, dass sie ohne Weiteres auch als Vertreter des männlichen Geschlechts durchgehen könnte. Allerdings wirkt sie in der Premiere in Darstellung und Tanz verstockt und überaus konzentriert, sodass Lockerheit und Eleganz noch fehlen. Schwabes einziges verbliebenes Solo („Säht ihr sie mit meinen Augen“) gefällt trotz fehlender Höhen. Für ihre Gesamtleistung hätte es die Sängerin auf jeden Fall verdient, dass der Regisseur ihr und dem Publikum erläutert, warum gerade sie mit der Rolle betraut worden ist. Eine Antwort bleibt die Inszenierung schuldig.


Musical nach dem Stück "I am a camera" von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood
Musik: John Kander
Buch: Joe Masteroff
Gesangstexte: Fred Ebb
Deutsch: Robert Gilbert


(Text: kw)






Kreativteam

Musikalische Leitung Manfred Hermann Lehner
Inszenierung, Choreografie Stephan Brauer
Ausstattung Andrea Eisensee


Besetzung

ConférencierGabriele Schwabe
Clifford BradshawMatthias Zajgier
Ernst LudwigTitus Paspirgilis
Fräulein SchneiderRosita Mewis
Fräulein KostAnke Lüder
Herr SchultzFranz Mewis
Sally BowlesMartina Dorothea Rumpf
1. GirlLiliana Grillo
Akane Matsui
2. GirlAntje Luckstein
Annegret Voigt
KinderMichael Keßler
Rieke Osterkamp
Jenny Richter



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