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Drama

Chess

Chess oder Mamma Mia?


Verwirrende Inszenierung, überraschende Songauswahl und eine nicht ausgewogene Tontechnik verleiden die Freude an dem selten gespielten Stück von Benny Andersson und Björn Ulvaeus.

(Text: Michaela Flint)

Premiere:05.12.2009
Rezensierte Vorstellung:05.12.2009
Letzte bekannte Aufführung:16.06.2010


Etwas befremdlich war sie schon – die Premiere von „Chess“ im Theater Lüneburg. Da erklang neben den erwarteten Showstoppern wie „One Night in Bangkok“ oder „I Know Him So Well“ doch tatsächlich „Lay all your love on me“ und das Finale bildet „The Winner takes it all“. Als Kenner der Musicalszene drängt sich die Frage auf, warum hier Songs aus zwei Shows miteinander vermischt werden? Hat man Angst, „Chess“ allein würde nicht zünden? Braucht man die allseits bekannten und beliebten ABBA-Hits, um dem Publikum vor Augen zu führen, dass „Chess“ aus der Feder von Benny Andersson und Björn Ulvaeus – den beiden Bs von ABBA – stammt? Weder die Unterschätzung von „Chess“ als Stück noch des Intellekts des Publikums sind gerechtfertigt. Wie die Essener Inszenierung von „Chess“ schon beweist, hat das Schachweltmeisterschafts-Musical vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und mit den amourösen Verwicklungen der Hauptakteure genug Potential, um sein Publikum blendend zu unterhalten.

Doch fangen wir am Anfang an: Der Vorhang hebt sich und man erblickt… eine komplett weiße Bühne! Erinnerungen an die letztjährige Inszenierung von „Jekyll & Hyde“ werden wach. Auch hier spielte die Handlung vor einem komplett weißen Hintergrund. Bühnenbildnerin Barbara Bloch zeigt hier leider wenig Einfallsreichtum zumal, optische Veränderungen im Laufe der Handlung lediglich durch die amerikanische oder sowjetische Flagge erzeugt werden. Selbst die Hussen über den Stühlen sind weiß.

Doch ein intensives Stück wie „Chess“ vermag durchaus vor einem so tristen Hintergrund zu zünden. Leider misslingt dies in Lüneburg gründlich. Dies liegt daran, dass das Orchester auf der Hinterbühne versteckt wird und die Tontechniker es leider nicht vermögen, den symphonisch-poppigen Klang in den Zuschauersaal zu transportieren. Zuweilen klingt es so, als ob die Musiker gegen eine dicke Wattewand anspielen müssten.

Der sonst vorhandene Orchestergraben wird durch ein Hubelement gefüllt, in dem sich das Hotelzimmer von Frederick Trumper verbirgt. Diese zusätzliche Spielebene tut dem Stück sehr gut und sorgt für Abwechslung im alles überstrahlenden Weiß, da das Zimmer in 1970er Jahre typischen Brauntönen gehalten wurde. Doch leider dauen die Auf- und Abfahrten des Zimmers sehr lange und störten so den Handlungsfluss mehrfach.

Da also weder die Kulissen noch die Musik das Publikum begeistern konnten, liegt die Bürde alleinig auf den Schultern der Darsteller. Henrik Wager übernimmt die ihm schon bekannte Rolle des amerikanischen Schachspielers Frederick Trumper. Er spielt wunderbar impulsiv und feuert die Schachfiguren über die ganze Bühne. Man spürt seinen Unmut über die Entwicklungen – sowohl auf dem Schachbrett als auch im privaten Bereich – mehr als deutlich. Gesanglich leidet er unter der miserablen Aussteuerung, denn gerade bei seinen Soli „Pity the Child“ und „One Night in Bangkok“ versteht man ihn kaum. Dieses Problem hat auch Elisabeth Sikora, die als Florence zwischen den beiden Opponenten Freddie und Anatoly hin- und hergerissen ist. Mit „Nobody’s Side“ kann sie zwar zeigen, dass sie dem Stück gesanglich durchaus gewachsen ist, aber leider überträgt sich die Intensität nicht aufs Publikum. Schauspielerisch wirkt sie manchmal etwas überfordert mit der Emotionalität ihrer Figur, aber alles in allem gibt Sikora eine sehr menschliche Florence.
Den russischen Schachweltmeister Anatoly Sergievsky spielt Gerd Achilles, der in Erscheinung, Stimme und Bewegung immer wieder an Marius aus „Les Misérables“ erinnert: Seine Stimme ist zwar wunderbar klar und deutlich (auch wenn „“Where I want to be“ noch eine Nummer zu groß für ihn war), aber sie ist zu glatt, um die vielfältigen Gefühle auszudrücken, mit denen Anatoly im Laufe der Geschichte konfrontiert wird. Seine durchaus stattliche Erscheinung wirkt durch die steifen Bewegungen sehr unsicher und unsouverän, was nicht so recht zu dem reifenden Schachspieler passen will.

Bleiben noch Alvin Le-Bass als Arbiter, Harry Korn als Molokov und Anne Hoth als Anatolys Frau Svetlana. Um es vorweg zu nehmen: Harry Korn ist von allen Darstellern auf der Bühne der Überzeugendste: Er spielt den russischen Agenten und Beschützer von Anatoly wunderbar kalt und berechnend. Stimmlich lässt er keine Sekunde nach und gewinnt den Kampf mit der schlechten Tontechnik. Le Bass verkauft sich als Arbiter unter Wert. Er wirkt trotz seiner Funktion als Schiedsrichter wenig souverän und die wenigen Songs, in denen er zu hören ist, fallen kaum auf. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb er am Schluss als Lead-Sänger „The Winner takes it all“ anstimmt? Doch leider fällt seine Soul-Stimme in der vorgetragenen Fassung des ABBA-Hits nicht weiter ins Gewicht.
Anne Hoth hat als Svetlana eine der undankbarsten Rollen. Die gehörnte Ehefrau hat in der Originalfassung einige wundervolle Balladen, die ihre Verletztheit nachdrücklich unterstreichen. Doch in Lüneburg wird eine davon gestrichen und durch „Lay all your love on me“ ersetzt. Aus inszenatorischer Sicht ein Fehlgriff. Dass Svetlana betrunken und wie irr kichernd in einer Bar endet, setzt die verwirrende Reihe der Personenregie fort.

Philipp Kochheim, der im letzten Jahr mit seiner sehr modernen Fassung von „Jekyll & Hyde“ für Gesprächsstoff sorgte, kann seiner Inszenierung keinen roten Faden und keine eindeutige Handschrift geben. Gerade bei einem so komplexen Stück wie „Chess“ ist dieser inszenatorische Rahmen jedoch unerlässlich, da sich das Publikum sonst in den vielfältigen Nebenhandlungen verliert. Auch oder gerade weil „Chess“ in Lüneburg mit knapp zwei Stunden sehr stark gekürzt wurde, ist der Regisseur noch stärker in der Pflicht, seinem Publikum die Handlung nachvollziehbar zu machen. Leider gelingt dies Kochheim nicht.

Warum ABBA-Stücke hinzugefügt und vorhandene Songs gestrichen wurden, erschließt sich auch mit einigem Nachdenken nicht. Und besser macht diese Vermischung die Inszenierung leider auch nicht. Berücksichtigt man nun noch die teilweise mehr als holprigen deutschen Texte (sowohl Dialoge als auch Songs werden großteils auf Deutsch vorgetragen), bleibt mehr als nur ein fader Beigeschmack. Von wem diese Texte stammen ist nicht in Erfahrung zu bringen. Weder im Programmheft noch auf der Website des Theaters stehen hierzu nähere Informationen…

Dennoch ist das Premierenpublikum begeistert und zollt den Künstlern mit stehenden Ovationen Respekt für ihre Leistung.

(Text: mtw)




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News: PdW: Chess (30.11.2009)



Kreativteam

RegiePhilipp Kochheim
Musikalische LeitungUrs-Michael Theus
BühnenbildBarbara Bloch
KostümeSabine Meinhardt
DramaturgieFriedrich von Mansberg
LichtWalter Hampel


Besetzung

FlorenceElisabeth Sikora
AnatolyGerd Achilles
ArbiterAlvin Le-Bass
FrederickHenrik Wager
SvetlanaAnne Hoth
MolokovHarry Korn
Walter de CourceyFriedrich von Mansberg
ReporterWittich Karsten
ViigandGerhard Kensbock



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


28240
Änderungen?

10.02.2010 - Nachdem ich die hier veröffentlichte Kritik gelesen hatte und mich innerlich schon sehr über die veränderte Songauswahl aufgeregt habe, konnte ich gestern in der Vorstellung erleben, dass sich hier etwas grundlegend geändert haben muss - der erinzige ABBA-Song war ein ohne Orchesterbegleitung geträllertes "Chiquitita" unter der Dusche, was sogar ganz witzig war. Ansonsten Chess pur und das war auch gut so! Die Inszenierung war nicht mein Geschmack, ist aber sicherlich auch eine mögliche Lesart. Mir fehlte das Gegenspiel der Mächte, was sich besonders in der Rolleninterpretation des amerikanischen Hintermannes, der hier mehr Freund als Drahtzieher war, bemerkbar machte. Auch die Rolle des Arbiters ging leider unter, wobei die Rollenbesetzung auch recht fragwürdig ist. Schade auch, dass der Hit "One Night in Bangkok" so völlig uninspiriert unter ging. Bühnenbild sah schön aus, allerdings war das Hotelzimmer durch die Balken doch eher hinderlich als hilfreich. Die Darsteller sangen durch die Bank sehr gut, auch wenn die Textverständlichkeit im Chor, des Arbiters und des Amerikaners leider zu wünschen übrig ließ. Überhaupt war der Amerikaner leider ein schlechter Schauspieler, der nur gelernte Gesten wiedergab. Ganz anders der Russe, der eine sehr menschliche, abwechslungsreiche darstellung bot - super!
Florence spielte manchmal etwas übertrieben, doch im Großen und Ganzen sehr zufriedenstellend. Meine Favoriten waren jedoch Svetlana und Molokov, die man nicht nur textlich super verstand, sondern die auch durch ihr Spiel völlig überzeugen konnten. Klasse!
Fazit: Inszenierung mit Mängeln, aber o.k., Musikalisch top, Spielerisch durchwachsen - aber das Stück an sich ist so gut, dass man es sich in jedem fall ansehen sollte!

Lorenz (55 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


28126
Cast Top, Sound Flop

13.12.2009 - Chess ist ein grossartiges Werk, was bei dieser Inszenerung absolut überflüssig ist, sind sie dazugenommenen Songs, sie tragen wenig zur Geschichte bei, was die Regie sich zudem bei Ideen wie dem Selbstmord Trumpers gedacht hat, finde ich ebenso fraglich, schlecht war die Abmischung zwischen Orchester und Sängern.
Was diese Inszenierung sehenswert macht, ist die herausragende Cast, allen voran Henrik Wager als Trumper und Gerd Achilles, der mit "Anthem"das gesangliche Highlight des Abends setzt.

spelling bee (4 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


28122
Wunderbar....

13.12.2009 - Gelungene Vorstellung, tolle Solisten, inbesondere ein wunderbarer Gerd Achilles...
Unbedingt ansehen!

*Lisa* (2 Bewertungen, ∅ 5 Sterne)


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Handlung
Schach und der kalte Krieg: Ein russischer und ein amerikanischer Schachspieler treten bei einer Schach-WM gegeneinander an. mehr

Weitere Infos
Für die Aufführung 2002 in Stockholm wurde das Buch erneut überarbeitet (von Lars Rudolfsson und Jan Mark). Die Handlung spielt nun komplett binnen einer Woche in Meran, die Figur der Svetlana wird bereits in der ersten Szene eingeführt und der Russe und der Amerikaner treffen in der entscheidenden Partie aufeinander (im Original war der Amerikaner bei der finalen Partie nur als Berichterstatter dabei). Diese Version wurde in Deutschland im Sommer 2012 bei den Domfestspielen Bad Gandersheim gezeigt.

 Kurzbewertung [ i ]
(mtw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Kein Kalter Krieg, sondern kalter Kaffee.

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 4.33 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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