Norden Westen Osten Sden
Termine aus DeutschlandsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Dr. Ich


Satire

Dr. Ich

Verirrt im Darm


Wie geht’s im Verdauungstrakt zu? Wer dieses Musical sieht, erfährt, dass in der Darmflora gefeiert, gesungen und getanzt wird bis der Arzt kommt. Mit minimalem Aufwand und einer grandiosen Cast zaubert Regisseur Marcus Lachmann eine ganz große Show, die keinem Magenschmerzen bereitet.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:10.06.2009
Rezensierte Vorstellung:04.12.2009
Letzte bekannte Aufführung:28.12.2009


"Tief in der Scheiße sitz ich hie"“ klagt Dr. Ich. Und damit hat er im wahrsten Sinne des Wortes recht. Der wegen Nobelpreis-Ambitionen vom Ehrgeiz zerfressene Hirnforscher (Boris Freytag) landet bei einem Selbstversuch, Körper und Geist zu trennen, irrtümlicherweise in seinem eigenen Dickdarm. Aufgrund einer vom Doktor initiierten Desinfektion regiert hier jetzt eine stumpfsinnige Meute feierfreudiger Hefepilze. Die überlebenden vier Darmbakterien Lacta (Nini Stadlmann), Bifi (Nicole Rössler), Heli (Andreas Goebel) und Coli (Gerald Michel) hausen abgeschoben auf einem "Arche" genannten Floß im verödeten Darmkanal und hoffen auf bessere Zeiten. Die soll ihnen ihr Wirt bringen, den sie weit oben im Hirn vermuten. Dass das Geschöpf, das sie gottähnlich verehren ("Wir Mikroben woll’n dich lob’n, schick uns deinen eigenen kleinen Klon"), bereits bei ihnen ist, bemerken die vier Bakterien erst im Laufe der Handlung. Als der zum Heiland Stilisierte zur Ausrottung der Hefepilz-Plage ein Antibiotikum (Dominik Büttner) einwirft, droht die angegriffene Darmflora weiter aus dem Gleichgewicht zu geraten, da Dr. Ich die Wirkung des Präparates verwechselt hat.

Tom van Hasselts intelligentes Buch strotzt vor manchmal auch platten Wortspielereien ("Nothing comes after the After - hinter dem Hintern ist es aus") und spart in den Szenen bei der Anbetung des Wirts nicht mit Kritik an den christlichen Religionen. Abendmahl, Zölibat, Heiligenverehrung und Unfehlbarkeit werden ebenso durch den Kakao gezogen wie die Zehn Gebote, die Dr. Ich aufstellt, als seine Identität aufgeflogen ist ("Ihr dürft keine anderen Wirte neben mir haben"). Dazu kommen dramaturgisch geschickt eingefügte Wendungen, die die Show mühelos über drei Stunden tragen. Und wenn der Zuschauer leicht deprimiert annimmt, dass Schluss sei, entschärft van Hasselt sogar noch das dramatische Ende, indem er einen versöhnlichen Epilog anfügt. Nicht nur beim finalen Showstopper "Jede Zelle zählt" funkelt die vom Autor komponierte Partitur, die er gemeinsam mit zwei auf der linken Bühneseite sitzenden Kollegen spielt. In ihr sind Choräle, Gerapptes, südamerikanische Rhythmen, aber auch traumhaften Balladen (wie das Duett "Tief in dir") vereint.

Nicht nur beim "Tango der Hormone" toben sich die beiden Choreografen (Nini Stadlmann, Dominik Büttner) kreativ aus. Ihre fantasie- wie effektvollen Bewegungsabläufe in pfiffigem Staging sind während der gesamten Show zu bewundern. Alle sechs Darsteller der Show tanzen und singen auf hohem Niveau und reißen das Publikum mit ihrem pointierten Spiel mit. Da das gesamte Ensemble wie aus einem Guss wirkt, ist das Herausstellen einzelner Leistungen nicht möglich und wäre unfair. Der stürmische Schlussapplaus gilt in der besuchten Deutschland-Premiere dann auch allen Beteiligten gleichermaßen.

Maßgeblich zu diesem Erfolg trägt Regisseur Marcus Lachmann bei. Er zeichnet die Bewohner der Darmflora als individuelle Charaktere mit Herz und Schnauze und hat ein gutes Gespür für das richtige Timing von Gags. Mit seiner turbulenten Inszenierung setzt er den ungewöhnlichen Stoff so kurzweilig und gekonnt in Szene, dass die Show ohne aufwändige Kostüme und Dekoration auskommt. Die Darsteller sind ganz in weiß gekleidet. Mit Wechsel ihrer T-Shirts schlüpfen sie in die Identität des Charakters, dessen Name vorne auf der Brust prangt. Hefepilze sind zudem durch weiße Basecaps zu erkennen. Vor jeder Szene wird der Handlungsort kurz genannt, der durch Umgruppieren oder Stapeln von acht weißen Blechmülleimern plus Deckeln entsteht. Sechs fahrbare Ständer für Infusionslösungen werden integriert oder zu Mikrofonständern, Angeln oder zur Waffe des Antibiotikums umfunktioniert. Minimaler Aufwand, aber unheimlich effektvoll!

Vor der Show sollte jeder Besucher unbedingt den Programm-Beipackzettel in der Tablettenschachtel lesen, denn wer Zeuge des Treibens im Dickdarm von Dr. Ich wird, sollte die damit verbundenen Nebenwirkungen kennen: Lachattacken und sehr viel Spaß!

(Text: kw)




Verwandte Themen:
News: "Dr.Ich - Das Mikrobical" feiert Deutschlandpremiere (24.10.2009)



Kreativteam

Musik und Text Tom van Hasselt
Inszenierung Marcus Lachmann
Choreografie Nini Stadlmann
Dominik Büttner


Besetzung

Dr. IchBoris Freytag
Lacta Lactobazillus, PilzNini Stadlmann
Helicobacter Pilori, Pilz, HormonAndreas Goebel
Felix Powroslo
Bifi Bifidum, PilzNicole Rößler
Escherichia Coli, Pilz, Hormon, Dr. ErGerald Michel
Antibiotikum, Pilz, Hormon, Dr. SieDominik Büttner



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


28114
Einfach toll!

07.12.2009 - Wow, wow, wow!
In Berlin ist zurzeit auf den kleinen Bühnen wirklich was los.
Hier wird eine schöne Geschichte von großartigen Darstellern wunderbar erzählt. Da ist alles drin, was ein guter Theaterabend braucht: Witz, gute Musik und vor allem viel Leidenschaft.
Bitte auf jeden Fall in 2010 wieder aufnehmen. Ich wurde köstlich unterhalten!

Hardy (28 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Stammzellformation
Charlottenburger Straße 22
D-13086 Berlin
030 - 92 37 93 77
Email
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!
 Kurzbewertung [ i ]
(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Satirischer Ausflug in die Darmflora, der alles andere als für den Arsch ist.

05.12.2009

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2021. Alle Angaben ohne Gewähr.

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   Ein Platz für Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;