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Kult aus DDR-Tagen

Heißer Sommer

Unbeschwerte Zeiten im Ferienlager


Dank einer seichten Liebesgeschichte ohne erhobenen politischen Zeigefinger und den gefälligen Schlagern von Gerd und Thomas Natschinski erlangte der DEFA-Film von 1968 in der damaligen DDR Kultstatus. Die Bühnenadaption von Axel Poike will über vierzig Jahre später an diesen Erfolg anknüpfen, gerät in der uninspirierten Inszenierung von Wolfgang Bordel jedoch zu einem lauwarmen Abklatsch für Nostalgiker.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:10.07.2009
Letzte bekannte Aufführung:09.08.2009


Holunderbusch, Brombeerbusch, Fliederbusch und Rosenbusch steht in großen Lettern auf dem stilisierten Grünzeug, das sich nach gut zehn Minuten auf die Bühne mogelt, um der Oberschülerinnen-Gruppe aus Leipzig als Sichtschutz für ein dringendes Bedürfnis zu dienen. Auch zehn Studenten aus Karl-Marx-Stadt haben sich für ihre Pinkelpause die Büsche als Ziel ausgesucht, die damit unfreiwillig zum Ort des ersten Aufeinandertreffens beider Feriengruppen werden.

Damit enden die originellen Inszenierungs-Ideen. Regisseur Wolfgang Bordel beschränkt sich in den verbleibenden zwei Stunden auf das bloße Arrangieren seiner unterfordert wirkenden Darsteller im Zentrum einer sehr breiten Bühne. Wer in den vielen Massenszenen nicht dran ist, darf unbeteiligt herumstehen und auf den nächsten Einsatz warten. Viele der Figuren wirken blass, weil Bordel weitgehend darauf verzichtet, ihnen als individuelle Typen Leben einzuhauchen. Wer Glück hat, darf sächseln oder als begriffsstutziges Blondchen auf sich aufmerksam machen. Etwas Bewegung kommt in die müde dahin plätschernde Aufführung, wenn Originalfahrzeuge aus DDR-Zeiten auf den vorderen, als Rampe konstruierten Bühnensteg flitzen. Wenn dort jedoch drei an eine Kabeltrommel angeschlossene künstliche Holzscheite glimmen, dann wirkt die beabsichtigte Lagerfeuerromantik peinlich. Gleiches gilt für die dilettantisch ausgeführte Schlägerei im ersten Akt.

Lächerlich einfach sind die Schrittfolgen von Choreografin Daniela Schulmeister, die das Ensemble auch durch das Schwenken von Koffern oder Handtüchern nicht ins Schwitzen bringt. Dabei ist auf der Bühne mit Jörg Massers Bilderbuch-Ferienanlage mit schmuckem FDGB-Heim, Kutter und Feuerwehrhaus genug Platz. Massers Kostümbild orientiert sich an der Mode der Zeit, wobei einige Kleidungsstücke aus dem Westpaket zu stammen scheinen. Auch in Axel Poikes Textbuch verirren sich Wendungen wie "Warmduscher" oder "machohaftes Arschloch", die nicht unbedingt dem sozialistischen Sprachgebrauch entstammen.

Eine Wucht ist das rechts von der Bühne in einem Zelt platzierte 15-Mann-Orchester. Unter der Leitung von Thomas Bürkholz spielt es die schlagerseelige Trallalla-Partitur von Vater und Sohn Natschinski, die sich im zweiten Akt mit den beiden stimmungsvollen Songs "Was fang ich an mit diesem Mann?" und "Einmal muss ein Ende sein" in Richtung Musical weiterentwickelt.

Aufgrund einer schlecht ausgesteuerten Tonanlage werden die Sänger in der besuchten Premiere zumindest für das Publikum auf den seitlichen Plätzen vom Orchester überdröhnt. Unter diesen widrigen Bedingungen ist es schwer, einzelne Gesangsleistungen zu würdigen. Als Konkurrentinnen um die Gunst von Kay (Friedrich Rau) glänzen Juliane Dreyer (Stupsi) und Julia Bielinski (Brit). Raus geschmeidiger Tenor kommt im von ihm selbst auf der Gitarre begleiteten "Doch bleiben wird unser Lied" voll zur Geltung. Als eitler Weiberheld Wolf punktet Julian Schmidt nicht nur mit seinem von Strophe zu Strophe das Tempo steigernden Solo "Es war einmal ein Mädchen von kaum 17 Jahren". Als resolute Ferienheimleiterin Anita Löwenzahn beweist Maxi Biewer, dass sie weit mehr kann, als im Fernsehen das Wetter anzusagen.

Mit "Heißer Sommer" empfiehlt sich die Berliner Regattatribüne Grünau nicht nur wegen ihrer Überdachung als Openair-Spielstätte. Wenn eine Inszenierung so langweilig ist wie diese, dann kann sich der Zuschauer mit dem grandiosen Blick auf die Dahme und den vorbeifahrenden Schiffe ablenken.

(Text: kw)




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Kreativteam

Inszenierung Wolfgang Bordel
Ausstattung Jörg Masser
Choreografie Daniela Schulmeister
Musikalische Leitung Thomas Bürkholz


Besetzung

StupsiJuliane Dreyer
KayFriedrich Rau
BritJulia Bielinski
WolfJulian Schmidt
SibylleTina Ajala
TransistorTorsten Ankert
FranziHenrike Baumgart
ThomasAndreas Berg
HeimleiterinMaxi Biewer
UschiJuliane Botsch
MichaelJanko Danailow
KapitänDaniel Dimitrow
SusanneMaria Kempken
HeidiKristin Kuhnert
PeggyKora Lang
MandyStephanie Meißner
PionierleiterinJördis Nieschant
ThaliaStephanie Riedelbach
RonnyAndreas Röder
SvenGianmarco Rostetter
AlexHendrik Schall
MarcelTillmann Schnieders
PolizistMichael Seeboth
SchelleAlexander Soehnle
KathiJuliane Maria Wolff



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


6 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


27954
Langweilig !

14.08.2009 - Es tut einem um die Darsteller leid, von denen einige mehr Talent aufblitzen ließen, als gefordert war. Und es tut einem um das Genre Musical leid, dass so ein Sch... seinen Weg auf eine (wirklich schöne) Bühne findet. Dämliche Geschichte, platte Dialoge, nichtige Musik und eine Regie,die so langweilig und uninspiriert ist, das man sich verärgert fragt, warum immer wieder solche `Regisseure` auf Musicals losgelassen werden?

Rosen (13 Bewertungen, ∅ 1.6 Sterne)


27953
Rostock war besser

13.08.2009 - Die Rostocker, etwas unverblümtere und recht unpolitische Variante hat besser gefallen.

Friedrich & Co. waren super. Schade, dass der Sachse nicht mehr Text hatte.

Ansonsten kann ich der Rezension zustimmen.

Schade um die vertanen Chancen!

Krolock (7 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


27902
Die armen Darsteller!

22.07.2009 - Bei solch einer Inszenierung können einem die Darsteller wirklich leid tun! Wolfgang Bordel mangelte es offensichtlich an jeglichem Regiekonzept. Bordel langweilt das Publikum vom ersten Moment an mit seiner Insezenierung. Der Zuschauer fragt sich was er uns mit dieser aneinaderreihung von sinnlosen Dialogen und Szenen sagen will. Besonders im 2 Akt verliert man vollkommen den überblick worum es eigentlich geht.
Vielleicht muss man 1968 in der DDR gelebt haben um zu verstehen was da gerade auf der Bühne passiert?! Das Zitieren von DDR Terminologie wie "Abschnittsbevollmächtigter" usw. mag lustig klingen aus heutiger sicht, macht aber noch lange kein gutes Textbuch.

Anderseit sei das tolle Ensemble hervorzuheben die sichtlich unterfordert sind mit dieser Inszenierung und sich wirklich mühe geben gegen die schlechte Regie anzukämpfen! Einzelnen gelang es zumindest etwas Rollenprofil zu entwickeln, sei es nun ein kleiner sächselnder Dummbatz oder ein nervender Streber um nur zwei beispiele zu nennen, es bleibt zu bezweifeln das dies dem Regisseur zu verdanken ist. Maxi Biewer als Heimleiterin liefert solide ihre Rolle ab, kommt aber nicht gegen das starke Ensemble an und bleibt in der Riege der "Erwachsenen" zusammen mit dem Polizisten der einzige Lichtblick.

Tomas Tarn (erste Bewertung)


27901
Peinliche Ostalgie-Klamotte

21.07.2009 - Für Besucher aus Westdeutschland ist der Humor des Stücks größtenteils überhaupt nicht nachvollziehbar. Die Handlung des Stücks ist dermaßen mies und frei von Logik, dass ich mir schnell das Ende herbeiwünschte. Die Darsteller wirken komplett unterfordert, die Musik ist so belanglos, dass man die Stücke schon während des Stücks wieder vergisst. Für mich das mit Abstand schlechteste Musicalstück, das ich in Berlin gesehen habe.

sideral (erste Bewertung)


27894
1968! Nichts für jumge Hasen!

18.07.2009 - Meine Eltern, Jahrgang 42, und
sogar Kollegen Jahrgang 59,
fanden den Film Toll!
Ich Jahrgang 64, fand Ihn
Grauenvoll!
Kultfilm der DDR 68!
Ist nichts, für die Generationen danach!

Le Cuisinier (15 Bewertungen, ∅ 3.1 Sterne)


27884
Viel Mühe um nichts

15.07.2009 - Mag der Film auch Kult gewesen sein, so richtig Schwung bekommt die Adaption hier nicht. Entwerder man hätte es (N)ostalgisch machen sollen oder aber eine liebevolles durch den Kakao ziehen. Beides findet nicht statt, dadurch wirkt alles sehr nüchtern und manchmal auch sehr zäh und langweilig.

Regie ist kaum vorhanden und die Choreografie ist eine Zusammenfassung von einem Jazztanzkurs.
Die Darsteller können einem nur leid tun, denn das Potenzial sowie Spielfreude ist vorhanden, jedoch reicht das leider nicht.

Ein großes Plus ist die Spielstätte selbst.
Berlin sollte diesen Platz weiter nutzen, denn der Ort ist schön, auch wenn man auf die Pausenbeschallung komischer Moderatoren verzichten könnte.

Letzendlich steht dort ein sehr engagiertes Ensemble auf der Bühne mit einer tollen Location und klasse Orchester, was man sich in manch anderen Stücken in der Fülle wünschen würde.

Leider nur ein lauwarmer Sommer....

Marko Prada (11 Bewertungen, ∅ 3.1 Sterne)


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