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Drama

Moulin Rouge Story

Wenn die Flügel der Mühle sich dreh'n


Das Alte Schauspielhaus in Stuttgart beweist mit der Urauffühung von "Moulin Rouge Story" aus der Feder von Wolfgang Adenberg und Marc Schubring erneut, dass auch ein kleines Theater großes Musical machen kann. Die Show hat alles: Eine berührende wie spannende Story, eingängige Melodien, eine charmante Ausstattung und eine exzellente Cast.

(Text: Dominik Lapp)

Premiere:11.12.2008
Letzte bekannte Aufführung:24.01.2009


Musicalautor Adenberg spricht selbst scherzhaft von den "Stuttgarter Adenberg-Festspielen": Nachdem "We Will Rock You" mit seinen deutschen Texten Premiere im Stuttgarter Apollo Theater feierte, folgten in der Komödie im Marquardt seine Cole-Porter-Hommage "Kiss Me, Cole" und nun am Alten Schauspielhaus die Uraufführung seiner "Moulin Rouge Story". Dabei handelt es sich glücklicherweise nicht um eine Trash-Version des bekannten Films von Baz Luhrmann mit Nicole Kidman und Ewan McGregor, sondern um eine eigenständige, aber nicht minder dramatische Geschichte.

Sie hat hat sowohl lustige als auch spannende und berührende Momente, so wie Musiktheater eigentlich sein sollte. Während die Showszenen im Moulin Rouge für Heiterkeit sorgen, so sorgen Henris (Arne Stephan, Foto) heimliche Besuche bei Prostituierten für Spannung, weil der Zuschauer erst später erkennt, dass er diese nicht aufsucht, um sich sexuell befriedigen zu lassen, sondern - in der Annahme, es handele sich um Wahrsagerinnen - um mit seiner verstorbenen ersten Ehefrau Kontakt aufzunehmen. Berührende Momente hingegen gibt es beim Tod von Maurice (Adrian Becker), der während einer Vorstellung auf der Bühne des Moulin Rouge zusammenbricht und in den Armen von Isabelle (Karin Seyfried) stirbt, ihr zuvor aber noch seine Liebe gesteht.

Komponist Marc Schubring transportiert die Geschichte mit wundervoller Musik. Auffällig sind dabei besonders die verschiedenen Musikstile. Die Szenen, die im Moulin Rouge spielen, sind mit Songs im Stil von Kander/Ebb-Musicals wie "Cabaret" und "Chicago" ausgestattet. Durch die kabarettartigen Showsongs wird die schillernde Welt des Etablissements perfekt dargestellt. Für die Szenen, die außerhalb des Moulin Rouge - also beispielsweise im Haus der de Fontillacs, im Atelier von Arsène (Aris Sas) oder vor dem Eiffelturm - spielen, hat Schubring klassische Musicalballaden und Duette geschrieben. Besonders berührend ist das von Arsène, Isabelle, Henri und Maurice gesungene Quartett, selten noch dazu, da Quartette ohnehin nicht gerade häufig in Musicals vorkommen.

Die Cast der "Moulin Rouge Story" ist mit fünf Hauptdarstellern und sechs Ensembledamen sehr klein, aber vollkommen ausreichend. Karin Seyfried als Isabelle de Fontillac hat wahre Schwerstarbeit zu leisten. Sie ist sehr häufig auf der Bühne zu sehen, hat etliche Songs zu singen und muss neben Adrian Becker als einzige aus der Riege der Hauptdarsteller auch oft tanzen. Dabei gelingen ihr alle Sparten. Schauspielerisch überzeugt sie sowohl als Gräfin, die sich dem Verbotenen und ihrer Lust hingibt, wie auch als gefallener Star des Moulin Rouge. Gesanglich meistert sie ihre Rolle mit gefühlvollem Sopran und ist auch in den Höhen sehr sicher. Anerkennung gebührt ihr zudem für die etlichen Szenen, die sie nur leicht bekleidet und sogar barbusig mit einer echten Schlange im Arm spielen muss. Sicher eine Überwindung, solche Szenen auf einer Bühne vor Livepublikum zu spielen.

Die Rolle des Malers Arsène Cossard erinnert an den Maler Marcello aus Giacomo Puccinis Oper "La Bohème". Aris Sas spielt ihn als typischen Bohèmien, der sich auf der Suche nach Selbstfindung und künstlerischer Freiheit gegen alle gesellschaftlichen Konventionen stellt und gern auf Kosten anderer lebt. Mit seiner lyrischen Stimme und dem angenehmen Timbre harmoniert er vor allem in den Duetten mit Karin Seyfried ganz wunderbar.

Etwas kleiner ausgefallen ist die Rolle des Henri de Fontillac. Dennoch hat Arne Stephan eine schwierige Aufgabe, da er die Wandlung vom angesehenen Grafen und geschäftigen Staatssekretär über den betrogenen Ehemann bis hin zum allein erziehenden Vater vollziehen muss, was ihm bravourös gelingt. Die Darstellung von Henris Wahn und der Besessenheit, Kontakt zu seiner toten Ehefrau aufzunehmen, gelingt ihm ebenfalls sehr überzeugend. Seine Soli interpretiert er mit schönem Piano und beeindruckendem Forte.

Adrian Becker als Maurice Guibert wirkt anfangs wie der Quotenmann unter den Tänzerinnen des Moulin Rouge. Doch seine Rolle entwickelt sich schnell vom einfachen Tänzer zum Sänger des Varietés. Er wird Isabelles bester Freund, ihr heimlicher Verehrer und agiert im Laufe der Vorstellung als Kommentator einzelner Szenen. Besonders mit seinem sehr berührend interpretierten Song "Die Flügel der Mühle, sie dreh'n sich im Wind" begeistert er das Publikum. Christoph Wieschke gibt den geldgeilen Moulin-Rouge-Direktor Joseph Oller als Conférencier mit Leib und Seele und führt mit seinen Sprüchen ("Hier beißt Adam der Eva in den Apfel") durch die Vorstellungen des Etablissements.

Für die sehenswerte, an den Cancan angelehnte Choreografie der sechs Tänzerinnen des Moulin Rouge zeichnet Kurt Schrepfer verantwortlich, der seine Damen mit Hüftschwung, hohen Beinwürfen und Spagatsprüngen über die Bühne tanzen lässt. Regisseur Carl Philip von Maldeghem hat recht stringent inszeniert und lässt keine Langeweile aufkommen. Einzig etwas ärgerlich ist, dass er einige Darsteller ihre Soli nicht am Bühnenrand zu Ende singen lässt, weil sie - den Schlusston noch singend - von der Bühne laufen müssen. Vielleicht sollte dies dramatisch wirken, doch letztendlich macht es nur die Songs kaputt und wirkt wie abrupt abgebrochen.

Für die charmante Ausstattung hat Christian Floeren gesorgt. Die Kostüme der fünf Hauptdarsteller sind zeitgemäß und schick, während die Tanzkostüme farbenfroh und teilweise auch sehr gewagt sind, wie es sich für das Moulin Rouge gehört. So schickt Floeren die Tänzerinnen unter anderem als Meerjungfrauen mit Seestern-Brüsten auf die Bühne oder lässt sie in ägyptischen Kostümen viel Haut zeigen. Dadurch wirkt die Inszenierung jedoch keinesfalls anrüchig - eher authentisch. Aber nicht nur bei den Kostümen, sondern auch beim Bühnenbild hat sich der Ausstatter viel Mühe gegeben. Es gibt einen romantischen Nachthimmel inklusive Pariser Skyline und einem beleuchteten Eiffelturm, aber auch den obligatorischen Glitzer-Vorhang im Moulin Rouge. Durch etliche vom Schnürboden herabgelassene Prospekte, einige fahrbahre Bühnenteile und die manuell betriebene Drehbühne sind schnelle Szenenwechsel zwischen der Bühne und dem Backstagebereich des Moulin Rouge, Arsènes Atelier und dem Haus der de Fontillacs möglich.

Es ist beeindruckend, wie im Alten Schauspielhaus Stuttgart mit geringen Mitteln eine solch charmante Inszenierung gestemmt wurde. Mit ihrer "Moulin Rouge Story" dürften Wolfgang Adenberg und Marc Schubring auf jeden Fall bewiesen haben, dass sie zu den besten Musicalautoren und -komponisten im deutschsprachigen Raum zählen. Es bleibt zu hoffen, dass es künftig auch an vielen anderen Theatern heißt: "Die Flügel der Mühle, sie dreh'n sich im Wind."

(Text: dol)




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Besetzung

Maurice GuibertAdrian Becker
Arsène CossardAris Sas
Isabelle de FontillacKarin Seyfried
Henri de FontillacArne Stephan
Joseph OllerChristoph Wieschke



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


27397
Tolles Beispiel, was auch ein kleines Haus leisten kann

20.01.2009 - Ich persönlich habe die Show am 25.12.08 gesehen und war echt begeistert. So ging es aber auch dem Publikum, welches durchaus gemischt zu bezeichen ist. Klar hat das Alte Schauspielhaus ein anderes Zielpublikum als den reinen "Musicalbesucher" aber das macht gar nichts.

Die Story ist eigenständig und sehr vielschichtig. Manchmal fragt man sich zwar warum es so läuft und doch am Ende so gut ausgehen muss, aber da es sich ja um eine Uraufführung handelt, sind sicher im Laufe der Zeit hier und da noch Anpassungen zu erwarten. Insgesamt, kann man das Theater und die Autoren nur beglückwünschen zu diesem wirklich neuen Musical. Was die kleine Bühne hergeben kann, wird genutzt. Da rotiert die "manuelle" Drehbühne und Prospekte und Vorhänge schweben auf und ab und schaffen immer wieder neue und überraschende Räume. Besonders schön die Pariser Skyline incl. funkelndem Eiffelturm aus 1000 Lichtern im Hintergrund.

Die Kostüme sind wirklich total schön. Den Showgirls und Künstlern des Theaters wurden tolle Showkostüme geschneidert. Die Kleidung der Darsteller in den anderen Szenen fand ich zwar ein wenig zu konservativ für 1897 aber ok. Schön dafür dann die Kostüme die den 20ern nachempfunden wurden in einer der herrlichen Shownummern des Musicals.

Die Melodien klingen frisch und herrlich unverbraucht. Es sind sehr viele Soli, einige Duette und tolle Ensemblenummern enthalten. Besonders hervorzuheben ist ein Quartett - kömmt ja nicht allzuoft vor in der Musicallandschaft. Alle 4 Hauptdarsteller singen über Ihre Sorgen und Nöte auf einer sich drehenden Bühne und finden doch zusammen in einem refrain. Toll gemacht.

Die Band spielt sauber und in einer angenehmen Lautstärke. Dank Microport sind alle Darsteller super zu verstehen. Besonders die Girls haben teils wunderschöne Stimmen. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten, würde ich Plätze im Rang nicht nehmen. Einige Szenen spielen RECHTS an der Bühnenkante und das ist dann leider vom Rang aus nicht mehr zu sehen - Schade.

Aber auch Parkettplätze sind erschwinglich und geboten werden 2 Stunden und 45min neues Musiktheater.

Die Cast ist einfach toll. Karin Seyfried (42nd, Miami Nights..) hat am meisten zu tun. Um Sie dreht sich auch alles. Sie singt gut, manchmal sehr hoch und zeigt viel "nackte Haut" inkl. echter Schlange in einer Revueszene. Den Grafen gibt ein stimmlich genialer Arne Stephan. Den im Stück alternden Grafen nimmt man ihm dank hervorragenden Schauspiel sofort ab. In einer Szene sucht er die Gründe für den Freitod seiner 1. Frau zu erfahren - Zwar war hier die Wahrsagerin ehrlich gesagt überflüssig und für Gäste im Publikum eher humorvoll, aber der daraus resultierende Song war excellent und erinnerte in dem Zusammenhang fast an einen MAXIM de Winter. (nur am Rande).

Aris Sas singt und spielt gut den Maler Arsene aber entwicklet sich vom Künstler der Boheme nur zum Snob und arroganten Liebhaber. Seine Songs trägt er gut vor, wobei seine besondere Stimmfarbe zur geltung kommt.

Adrian Becker als Vortänzer und Sänger hat die meisten Lacher und die berührenden Momente im Stück und bekommt auch viel Applaus. Er singt und tanz was geht und stirbt in den Armen seiner heimlichen Liebe auf der Bühne. Sein Song von den "Flügeln der Mühle..." ist wunderschön und berührend.

Auch Christoph Wieschke als Theaterdirektor spielt wunderwar ironisch und genervt und singt und tanzt locker mit. Das Damenensemble aus 5-6 Darstellerinnen ist ebenso gut aufgelegt und trägt in witzigen und zeitgemäßen Revuenummern tolle Kostüme und die herrlichen Choreografien von Kurt Schrepfer vor. Durch die Bühne und das Licht entstehen wirklich schöne Momente.

Wir haben diesen Abend sehr genossen. Ich hoffe ich habe nicht zu viel geschrieben. Die Show hat Potential und was man hier für max. 23€ in PK 1 erleben kann ist wirklich eine Reise nach Stuttgart wert. Danke allen Beteiligten.

mrmusical (76 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


27309
Schauspieler 5Sterne!

17.12.2008 - Ich habe gestern Abend das Stück besucht und bin begeistert, dass man für so einen niedrigen Eintrittspreis so grandiose Sänger erleben kann. Die Geschichte hat für meinen Geschmack oftmals noch große Lücken und musikalisch könnte auch noch einiges zusammengestrichen werden, aber die Akteure begeistern von der ersten Sekunde an. Für mich die Überraschung des Abends, Arne Stephan, den bisher ich nur aus dem Fernsehen konnte. Stimmlich stellt er alle anderen Solisten in den Schatten und durch ihn kommen die ehrlichsten Momente im Stück zu Stande.Adrian Becker und Aris Becker gefallen, aber spielen oftmals zu groß und nicht ehrlich genug, beide singen gut! Karin Seyfried hat zwar die absolute Hauptrolle, aber kann mit ihrer Belt-Stimme, die sie oftmals nicht gut mit ihrer klassischen Stimme in Liedern mischt nicht berühren. Es erinnert oftmals an Schreien. Da könnte vorallem an Texten gearbeitet werden, die Lieder erscheinen oftmals sehr schlecht gereimt! Schauspielerisch meistert sie ihre Sache super!Ich kann allen nur den Besuch empfehlen, denn so berüht wie gestern wurde ich noch nie in einem der großen Musicalhäuser zuvor!Danke an die Cast!

marlon1980 (erste Bewertung)


27303
Nett

13.12.2008 - Nett. Hübsch. Durchschnittliche Musik - manchmal sehr angenehm, manchmal platt. Meist sehr gute Lyrics, aber auch die mit manchen schlimmen Floskeln. Sehr gute Darsteller für ein Theater dieser Kategorie.
Gute Unterhaltung, leider nicht mehr und zum Glück nicht weniger. Aber weder derart himmelhoch jauchzend noch so zu Tode betrübt!

GuidoContini (7 Bewertungen, ∅ 2.6 Sterne)


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Handlung
"Moulin Rouge Story" erzählt die Geschichte der Gräfin Isabelle de Fontillac im Paris des Jahres 1897. mehr

Weitere Infos
Das Stück stammt von Wolfgang Adenberg und Marc Schubring und feierte 2008 Premiere.

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 4.33 Sterne

 Termine

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