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Klassiker

Anything Goes

Auf dem Traumschiff im Bigband-Sound


Hinter der schönen Fassade des liebevoll in einen Luxusliner umgestalteten Staatstheaters tuckert ein mit albernen Knallchargen und schlechten Tänzern besetzter Kahn über den Ozean. Ein durchweg gutes Gesangsensemble rettet den Abend vor der totalen Havarie.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:07.02.2009
Letzte bekannte Aufführung:05.06.2010


Mit einem großen Platsch landet eine Portion Schlagsahne im Gesicht von Börsenmakler Elisha Whitney und verhindert, dass er sein Gegenüber identifizieren kann. Mit dem weißen Wurfgeschoss verhindert Billy Crocker in letzter Sekunde, dass der Chef seine Anwesenheit an Bord der "MS America" mitbekommt. Denn statt weisungsgemäß an der Wall Street einen großen Aktien-Deal abzuwickeln, schippert er als blinder Passagier auf dem Luxusliner von New York nach London.

Regisseur Winfried Schneider verspielt die naheliegende Idee, Börsen-Crash und Finanzkrise als aktuelle Zutaten in die Inszenierung des Musical-Oldtimers zu integrieren. Stattdessen setzt er seine Darsteller der derben Klamotte aus und lässt sie gegen Türen und Wände rennen, sich im Gestänge eines Klappliegestuhls verheddern oder mit Gitarren gegen Kopf und Gemächt schlagen. Schneiders besten Regie-Einfall, die abgedeckte linke Hälfte des Orchestergrabens als Meer mit Schwimmerinnen und einem den Eisberg rammenden Dampfer zu bespielen, bekommt allerdings nur derjenige mit, der unmittelbar davor oder im Rang sitzt. Alle anderen Zuschauer müssen den Hals recken, um von dieser Spielfläche überhaupt etwas sehen zu können.

Zu allem Überfluss müssen einige der Darsteller ihre Figuren als alberne Knallchargen geben. Natürlich lispelt das platinblonde Gangsterdummchen Erma in Schneiders Inszenierung mit hauchiger Kieksstimme und bewegt sich powackelnd auf hohen Absatzschuhen fort. Und wenn ein leicht begriffsstutziger englischer Lord, der unterm Schottenrock eine Union-Jack-Boxershorts trägt, schon Deutsch spricht, dann natürlich mit starkem Akzent und so leierig wie der Tonträger, mit dem er sich im Selbststudium die Sprache beigebracht hat. Komplettiert wird die Klischee-Riege durch eine Wuchtbrummen-Matrone nebst liebreizendem Töchterlein und zwei putzig umhelsplingenden tlottelig-albelnen Chinamänneln.

Auch als sein eigener Choreograf reißt Schneider das Ruder nicht herum. In den großen Ensemble-Szenen schwenken Choristen und Tänzer zwar eifrig Arme und Fähnchen, doch springt der Funke hier ebenso wenig über wie bei den auf Dauer langweilenden Tanzpaaren in Abendkleid und Frack. Sie untermalen wie bei einem Tanzturnier im Wiegeschritt und mit einfachen Hebefiguren eine Vielzahl der doch eher schmissigen Songs. Das hauseigene Ballett wirkt in der besuchten Premiere eher unkonzentriert und glänzt einzig in der markigen Herren-Stepp-Nummer "Buddie, Beware". Wie befreit legt hier Ilonka Vöckel (Erma) ihre Dummchen-Rolle ab, wirbelt über die Bühne und glänzt mit schönem Sopran. Schade, dass die Show erst zehn Minuten vor dem Finale so richtig in Fahrt kommt.

Dabei gibt es an Deck des schmucken Ozean-Riesen (Bühnenbild: Hans-Holger Schmidt) auch vorher schon abseits der Klamauk-Attacken gut gemachtes Musical zu sehen und vor allem zu hören. Dirigent Marc Niemann drosselt zwar manchmal ein bisschen das Tempo, dennoch swingen und grooven die Musiker des Philharmonischen Orchesters im Graben, dass es eine Freude ist.

Als blinder Passagier Billy Crocker ist Hardy Brachmann ganz der elegante Schwerenöter, der mit schönem, vollen Tenor die Cole Porter-Songs bis in die hohen Lagen zum Strahlen bringt. Er überrascht mit einem perfekten Timing für Pointen und im Tanz - eine tolle Leistung. Die gemeinsam mit Cornelia Zink (Hope Harcourt) gesungenen Duette "Easy to Love" und "All Through the Night" geraten zu den gesanglichen Höhepunkten des Abends, da beide Stimmen sehr gut miteinander harmonieren. Allerdings bleibt unklar, warum sich Billy letztendlich für die stets in rosa Abendkleider gehüllte Landpomeranze entscheidet, da ihn auch die attraktive Nachtclubsängerin Reno Sweeny (Camilla Kallfaß) umgarnt. Trotz glitzernder, raffiniert geschneiderten Roben und einem sexy Strapsoutfit (Kostüme: Nicole Lorenz) wirkt Kallfaß nicht wie ein Vamp, sondern wie ein junges Mädchen, das in aufreizenden Klamotten auf der Suche nach der großen Liebe ist. Sie führt zwar im Tanz locker das Ensemble an, doch fehlt ihr noch die ganz große Stimme, um sich auch im rasanten Showstopper "Blow, Gabriel, Blow" durchzusetzen zu können.

Ein musikalisches Ass ist Andreas Jäpel (Lord Evelyn Oakleigh), für dessen satten Bariton Porters Schlager "Begin the Beguine" in die Show eingebastelt worden ist. Da gerade seine Rolle vom Regisseur extrem albern gezeichnet ist, fällt es nicht unangenehm auf, dass er tänzerisch in "The Gypsy in Me" völlig überfordert ist. Den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Klamotte und Komödie verdeutlicht Heiko Walter als gerissener Moonface Martin. Auch wenn sich die Mitspieler auf der Bühne bei seinem Solo die Ohren zuhalten, Walter gestaltet sein "Be Like the Bluebird" als liebevolles, musikalisches Kabinettstückchen. Mehr als einmal stellt der Gangster "Irgendwas stimmt hier nicht" fest. In Cottbus ist es eindeutig die Inszenierung.


(Text: kw)






Kreativteam

Musik und Gesangstexte Cole Porter
Buch Guy Bolton
P. G. Wodehouse
Howard Linsay
Russel Crouse
Neufassung Timothy Crouse
John Weidmann
Deutsche Dialoge Christian Severin
Musikalische Leitung Marc Niemann
Regie und Choreografie Winfried Schneider
Bühnenbild Hans-Holger Schmidt
Kostüme Nicole Lorenz


Besetzung

Reno SweeneyCamilla Kallfaß
Hope HarcourtCornelia Zink
Evangeline HarcourtCarola Fischer
Lord Evelyn OakleighAndreas Jäpel
Elisha WhitneyWolfgang Kaul
Billy CrockerHardy Brachmann
Moonface MartinHeiko Walter
ErmaIlonka Vöckel
Anne Schierack
KapitänHans-Joachim Schröpfer
FredThorsten Coers
LukeIngolf Czerny
JohnKai Marco Salewsky
ZahlmeisterHans Anacker
Henry J. DobsonKarl-Heinz Schischefsky
Engel Reinhild ReinheitSandrine Berset
Engel Kirsten KeuschheitWeinina Weilijiang
Engel Niki NächstenliebeJennifer Hebekerl
Engel Trude TugendJulia Grunwald
Vier MatrosenRalf Schlotthauer
Thomas Pöschel
Pawel Piekut
Ji-Won Park
Show-Ballett/MatrosenDamen
Herren des Ballettensembles
Passagiere, MatrosenDamen
Herren des Opernchores



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


27534
Musik Top! Gesang ....?

22.02.2009 - ... vieleicht habe ich zu viel erwarte,kannte das Stück ja schon aus Rostock!

In Cottbus kam das Stück zwar beim Publikum an, aber der Funke sprang nicht über!

Die Darsteller gaben Ihr bestes und die Kulissen waren toll!

Wenn ich nur an die 6 Tanzpaare denke, wo nicht mal eine Bewegung synchron war!
Selbst das Orchester packte es nicht, den Zuschauer dauerhaft zubegeistern!
Es fehlte die Kraft zur Umsetzung, der Pep und der Funke zum Übersprung!
Kurz und knap ein gelungener Abend, nur wo war Cole Porter!

Le Cuisinier (15 Bewertungen, ∅ 3.1 Sterne)


27526
Ich habe nur eine Frage...

22.02.2009 - Herr Wulfes,

Haben Sie jemals schon eine Positive Kritik geschrieben? Weil mann wird echt ein bisschen depressiv wenn mann Ihre Kritiken lest!
Waren sie vielleicht selber früher mal einen musicaldarsteller und haben es nicht geschafft in die böse Musicalwelt?
Ich bin auch nur ein musicalliebhaber aus Holland aber ich hoffe das es auch Musicals gibt die sie so richtig toll fanden....anders haben sie ein armes leben...

Willem (4 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


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