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Drama

Chess

Nobody's on nobody's side


Das Musical mit Songs der männlichen Abba-Hälfte wurde seit seiner Uraufführung 1986 in London unzählige Male umgeschrieben, schwächelt aber immer noch in vielfacher Hinsicht. Darüber kann auch die aufwändige und qualitativ hochwertige Produktion des Essener Aalto Theaters, die insgesamt etwas zu kühl über die Rampe kommt, nicht hinweg täuschen.

(Text: Andreas Haider)

Premiere:13.09.2008
Letzte bekannte Aufführung:10.12.2009


Eigentlich ist bei "Chess" im Aalto Theater alles so, wie man es sich wünscht: Tolle Sänger, beeindruckende Bühnenbilder und eine Regie, die das Geschehen fest im Griff hat. Woran liegt es also, dass der Funke nicht hundertprozentig überspringt?

Da ist zunächst die komplizierte Geschichte rund um eine Schachweltmeisterschaft, bei der sich eine Dreiecksbeziehung zwischen dem amerikanischen Champion, dem russischen Herausforderer und der Beraterin des Amerikaners entwickelt. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges ist Schach nicht nur ein zentraler Teil der Handlung, sondern auch ein Symbol für die taktischen Züge, die Menschen in der Politik und in der Liebe machen, um ihre Ziele zu erreichen. Allerdings lässt sich die hier dargestellte politische Problematik nicht ohne Weiteres auf aktuelle Gegebenheiten übertragen, wodurch das Stück ein wenig antiquiert erscheint. Die schlechte Verständlichkeit der englischen Songtexte in den Chorszenen und die zu schwach leuchtenden deutschen Übertitel machen es dem Publikum im Aalto Theater auch nicht gerade leicht, im zweiten Akt den Überblick über die verworrenen Verschwörungen zu behalten.

Da sind außerdem die problematischen Figuren, die mit einer großen Portion Egoismus ihre persönlichen Ziele verfolgen. Henrik Wager ist als schmierig-provokanter Frederick Trumper glaubwürdig egozentrisch und liefert mit "Pity the Child" das gesangliche Highlight des Abends ab. Seinen russischen Kontrahenten Anatoly Sergievsky stattet Serkan Kaya mit der richtigen Mischung aus ruhiger Besonnenheit und professionellem Ehrgeiz aus. Femke Soetenga verkörpert die Beraterin Florence Vassy selbstbewusst und zielstrebig. Erwähnenswert ist auch Claudia Hauf als Anatolys Frau Svetlana, von deren souliger Stimme man gern noch die Ballade "Someone Else's Story" gehört hätte, die aber leider in dieser "Chess"-Version nicht vorkommt. Dass es hier an Sympathieträgern mangelt, mit denen man sich als Zuschauer identifizieren und mitfiebern möchte, liegt also nicht an den Darstellern, sondern an den wenig liebenswerten Figuren selbst.

Da ist noch die Musik, die mit ihren bekannten Hits wie "One Night in Bangkok", "I Know Him So Well" und "Anthem" starke Highlights hat, in den weniger eingängigen erzählenden Passagen dazwischen aber oftmals durchhängt. Das Stück enthält einen derart bunten Mix aus 1980er-Jahre-Pop, Rock, Rap und Klassik, dass sich kein harmonisches Gesamtbild ergibt. Eine solche stilistische Vielfalt ist sicherlich eine Herausforderung für das Orchester eines Stadttheaters, die die flexiblen Musiker in Essen unter der Leitung von Heribert Feckler problemlos meistern.

Und schließlich ist da die imposante Bühne von Dirk Becker, die in abstrakter Stilisierung Formen des Schachspiels aufnimmt. Schräggestellte, weiße Quadrate vor schwarzem Hintergrund dominieren das Blickfeld und bedecken teilweise den Orchestergraben. Sie werden mitbespielt oder dienen als Projektionensflächen. Es gibt außerdem eine ganze Reihe an überdimensionalen, säulenartigen Objekten, die sich scheinbar automatisch über den Bühnenboden schieben, aus dem zuweilen auch ganz neue Spielebenen auftauchen. Das Highlight der Bangkok-Szenen ist eine riesige Buddha-Statue, die sich in zwei Hälften teilt und den Blick auf das als Schachfiguren kostümierte Ensemble dahinter freigibt. Den Solisten stehen zehn Tänzer und ein mehr als 50-köpfiger Chor zur Seite. Auch wenn Regie und Choreografie von Paul Kribbe und James de Groot nicht übermäßig originell ausgefallen sind, hat das Duo viele eindrucksvolle Bilder geschaffen. In ihrer Modernität wirken sie jedoch immer etwas unterkühlt und steril. Die visuelle Kälte passt zwar zum Wesen der Figuren im Stück, macht es aber für den Zuschauer schwer, sich wirklich in das Bühnengeschehen einzuleben.

Und genau diese Kälte auf mehreren Ebenen ist es auch, die im Laufe des Abends zu viel Distanz schafft. So verlässt man das Theater zwar durchaus überzeugt von der Qualität des Gesehenen, aber nicht euphorisch und begeistert.

(Text: Andreas Haider)




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Kreativteam

Musikalische Leitung Heribert Feckler
Inszenierung und Choreographie James de Groot
Paul Kribbe
Bühne Dirk Becker
Kostüme Martina Feldmann
Choreinstudierung Alexander Eberle


Besetzung

Frederick Trumper Henrik Wager
Kai Hüsgen
Anatoly Sergievsky Serkan Kaya
Kristian Vetter
Florence Vassy Femke Soetenga
Ann Christin Elverum
Svetlana Sergievsky Claudia Dilay Hauf
Arbiter Romeo Salazar
Molokov Michael Haag
Thomas Sehrbrock
Walther Günter Kiefer
Reporterin Marie-Helen Joël



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


9 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


28024
Tolle Inszenierung und Cast

01.10.2009 - Habe Chess bereits zweimal im Aalto-Theater gesehen und war begeistert. Im Gegensatz zu anderen Gastkritikern halte ich die Story, so wie sie in Essen erzählt wird, für schlüssig nachvollziehbar. Die Cast ist mit den drei Hauptdarstellern hervorragend besetzt, lediglich die Darstellung der Svetlana überzeugte mich stimmlich nicht. Hit Henrik Wager und Sekan Kaya sind Idealbesetzungen gewählt worden, die selbst die älteren Besucher von den Stühlen rissen. Ständig ausverkaufte Aufführungen zeigen, dass die Aufführung eines etwas anspruchsvolleren Stückes lohnen kann!

derdüsseldorfer (erste Bewertung)


27234
Es lohnt sich!

28.11.2008 - Ein sehr schönes Stück und eine fabelhafte Inszenierung mit super Sängern/Schauspielern. Henryk und Serkan spielen (malwieder) super und Femke, die ich noch niemals vorher kannte ist auch wirklich unglaublich ...
Also Leute .. umbedingt anschauen ..

Blackvampirefan (3 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


27018
Farblos

05.10.2008 - Gesehen: 02.10.2008. Einige Monate zuvor konnte ich das Stück in der Staatsoperette Dresden erleben - Premierenvorstellung mit Femke Soetenga, die auch in Essen die weibliche Hauptrolle übernommen hat. Ich bin sehr erstaunt, wie unterschiedlich die Inszenierungen sind. Ein Beispiel: Die Vorstellung Merans gestaltet sich in Dresden mit hellblauen und rosafarbenen Hasenkostümen, in denen Männlein und Weiblein in witziger und amüsanter Weise Skifahrende Schneehäschen simulieren. In Essen wird sich des einfaltslosen und langweiligen Lederhosen- und Dirndl-Klischees bedient. Kurz gesagt: Die Revier-Aufführung kann ihrer Ostdeutschen Variante nicht das Wasser reichen. Sie ist ausgesprochen farblos und steril. Verwunderlich fand ich, dass die Geschichte in Dresden in den 60er Jahren spielte, in Essen hingegen Anfang der 80er Jahre.

klauskinskidererste (2 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


27011
Bravo Alto Theater Essen

29.09.2008 - Wer in Essen Musical sehen möchte, darf nicht in das überteuerte Stage Theater (Colosseum) mit seinen sinnlosen Produktionen (Ich will Spass) gehen, sondern muss das Aalto Theater besuchen.

Nach Jesus Christ zeigt das Haus nun mit Chess eine außerordentlich gute Produktion! Echtes Musical auf höchstem Niveau!

Über die Schwächen des Stücks braucht man nicht mehr zu reden.

Was H. Feckler musikalisch aus dem Stück macht ist überragend. Ebenso die Licht-, Ton- technik und Bühnentechnik, mit wenigen Abstrichen die Regie!

Die Solisten sind einsame KLASSE! Serkan Kaya zeigt eine neue Farbe und gehört einmal mehr zur absoluten Topklasse! Auf diesem Weg folgt ihm Femke Soetenga! Sehr gut, bravo! Auch Henrik Wager wurde absolut berechtigt erneut an das Haus verpflichtet!

Stehender Applaus des Publikums an einem Opernhaus sagt wohl alles!

BRAVO AALTO, BRAVO SERKAN, HENRIK & FEMKE

dodo2412 (erste Bewertung)


27008
Musical ist nicht rund

29.09.2008 - Trotzdem das Musical nicht wirklich schlüssig ist und die Charaktere wenig Liebenswertes aufweisen, sollte man sich diese Inszenierung nicht entgehen lassen. Der Einsatz des fast 70köpfigen Ensembles ist atemberaubend, die Solisten sind bis in kleine Rollen wunderbar besetzt und das Bühnenbild/die Bühnentechnik zeigt faszinierend, was Theater alles leisten kann.
Ein beeindruckender Abend, danke.
Uwe

UweBlass (3 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


27002
Serkan und Henrik und Femke!

26.09.2008 - Also, die Dramaturgie des Stückes steht letztlich nicht mehr zur Debatte: Die Handlung ist und bleibt verwirrend.

Die Inszenierung ist aber dennoch sehr sehr gut und Serkan und Henrik sind wahnsinnig gut anzuhören und zu sehen, Femke auch.

Insgesamt ein sehr gelungener Abend am Aalto-Theater, man hat mehr den Eindruck, es handelt sich um eine Großproduktion als um ein Repertoire-Stück...

davetheking (8 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


26988
Beste Unterhaltung

17.09.2008 - Habe am 16.09. das Musical Chess zum ersten Mal gesehen und bin begeistert. Tolle Darsteller, gute Stimmen, stimmgewaltiger Chor als Schachfiguren, gutes Bühnenbild. Einziger Nachteil war, daß die deutschen Übersetzungen zu weit oben hingen. Warum hat man eigentlich nicht auf deutsch gesungen? Eine deutsche Übersetzung gibt es doch oder? Fazit: Ich gehe wieder hin.

Lisa09 (28 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


26987
gesehen, gehört, vergessen

16.09.2008 - Hab die Premiere gesehen und kann dem Rezensenten uneingeschränkt zustimmen. Highlights waren die ohnehin bekannten Nummern der Show, dargeboten von guten Solisten. Trotzdem interessiert/berührt einen das Gezeigte überhaupt nicht. Die Geschichte wirkt überholt, angestaubt und irrelevant und zu den Charakteren baut sich keinerlei Beziehung auf. Da wird man m.E. noch x-mal die Vorlage überarbeiten können, das Stück ist und bleibt dramaturgisch nicht wirklich gut. Hab es zum ersten Mal auf der Bühne gesehen, war auch okay aber im Großen und Ganzen höre ich mir Chess künftig doch lieber wieder auf CD an.

Pipapo (9 Bewertungen, ∅ 3.1 Sterne)


26986
Unbedingt anschauen!

16.09.2008 - Ja das Buch hat Schwächen und ist manchmal unlogisch und ja der zweite Akt hängt etwas durch, aber was das Aalto-Theater da auf die Bühne gestellt hat ist Wahnsinn. Tolles Lichtdesign und wahnsinnige Bühnenmaschinerie sowie starke Stimmen und die tolle Musik von Chess entschädigen für die Schwächen. Für ein Opernhaus mehr als eine respektable Produktion, mehr davon bitte.

Fiyero (41 Bewertungen, ∅ 3.2 Sterne)


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Handlung
Schach und der kalte Krieg: Ein russischer und ein amerikanischer Schachspieler treten bei einer Schach-WM gegeneinander an. mehr

Weitere Infos
Für die Aufführung 2002 in Stockholm wurde das Buch erneut überarbeitet (von Lars Rudolfsson und Jan Mark). Die Handlung spielt nun komplett binnen einer Woche in Meran, die Figur der Svetlana wird bereits in der ersten Szene eingeführt und der Russe und der Amerikaner treffen in der entscheidenden Partie aufeinander (im Original war der Amerikaner bei der finalen Partie nur als Berichterstatter dabei). Diese Version wurde in Deutschland im Sommer 2012 bei den Domfestspielen Bad Gandersheim gezeigt.

 Leserbewertung
(9 Leser)


Ø 4.00 Sterne

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