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Schauer-Drama

Jekyll & Hyde

Wenn Jekyll, dann auch Hyde


"Jekyll & Hyde" kann auch abseits von Großproduktionen an einem Stadttheater bestehen. In Bremerhaven überzeugen die Inszenierung (Thorsten Krafft) und vor allem das Bühnenbild (Christa Beland), Abstriche gibt’s bei der Besetzung.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:08.11.2008
Letzte bekannte Aufführung:30.05.2009


Welche Wäsche trägt ein Bischof unterm Ornat? In der Bremerhavener "Jekyll & Hyde"-Inszenierung (Thorsten Krafft) ein paillettenverziertes Bustier und Strapse. In diesem Aufzug begrapscht der Kirchenmann einen Messdiener, um im nächsten Moment wieder ins offizielle kirchliche Purpur gehüllt den milde lächelnden Seelsorger für die Massen zu geben.

Nach diesem drastischen Start orientiert sich Kraffts Regiearbeit zunächst in Richtung behäbige Operette. Drollige Clowns unterhalten auf der Verlobungsfeier von Dr. Jekyll und Lisa die amüsiert kichernden Gäste. Beim anschließenden Junggesellenabschied animiert das zugeknöpfte weibliche Amüsierpersonal mit seinem einfallslosen Hinterngewackel die brav an Tischen sitzenden Gäste allenfalls zum rhythmischen Mitgeklatsche im "Männer ran"-Refrain. Sobald Dr. Jekyll sich im Selbstversuch jedoch erstmals die Droge JH7 injiziert und zum bösartigen Edward Hyde mutiert, nimmt auch die Inszenierung Fahrt auf. Insbesondere im zweiten Teil setzt Thorsten Krafft auf Tempo und schafft bis ins Kirchen-Finale beklemmende wie eindrucksvolle Bilder: So reinigt sich im Song "Mädchen der Nacht" ein Arzt nach einer gerade ausgeführten Abtreibung seine blutverschmierte Schürze, und eine der Prostituierten wird von einem Freier so brutal misshandelt, dass sie ihre Perücke verliert und zusammengekrümmt am Boden liegen bleibt. Andere Ansätze führt Krafft allerdings nicht konsequent zu Ende. So bleibt unklar, wieso sich Utterson und Lisa nach ihrer Begegnung im Labor einige Zeit lang stumm gegenüberstehen und flüchtig berühren. Der Beginn einer Liebe?

Einen großen Anteil an der am Premierenabend begeistert gefeierten Show hat Ausstatterin Christa Beland. Ihre geschmackvollen, farbenprächtigen Kostüme huldigen der Mode im viktorianischen England. Als Bühnenbild stellt Beland eine von innen begehbare, schwarze Treppenkonstruktion auf den rotierenden Boden. Das Podest kann auf einer Seite zusätzlich über eine von unten beleuchtbare schiefe Ebene betreten werden. Je nach Drehposition und mit Hilfe von herabschwebenden Vorhängen oder Mobiliar werden die Handlungsorte geschickt angedeutet. So befindet sich Dr. Jekylls Labor auf dem Gipfel des Podests, abgeschottet und für Dritte nur mit Mühen über die angeschrägte Rampe erreichbar.

Die raffinierte Ausleuchtung erzeugt eindrucksvolle, frappierend schöne Bilder. Allerdings klappt dies in der besuchten Vorstellung noch nicht hundertprozentig: In einigen Szenen agieren Darsteller im Dunkeln und werden erst verzögert angestrahlt. Auch im Zwiegesang zwischen Jekyll und Hyde („Konfrontation“) ist die je nach gutem oder bösem Charakter zwischen Grün und Rot variierende Ausleuchtung der wabernden Nebelschwaden noch nicht exakt abgestimmt. Nachhilfe braucht auch die Tonabteilung, die vor allem beim Einschalten des Stimmverzerrers in den Hyde-Szenen öfters hinterherhinkt.

Hauptleidtragender ist Hans Neblung (Henry Jekyll, Edward Hyde), dessen Mikroport vor der Pause ausfällt und auch später immer wieder Macken aufweist. Neblung glänzt in der Doppelrolle zwar mit differenziertem Spiel, stößt allerdings im Gesang insbesondere bei dramatischen Ausbrüchen hörbar an seine Grenzen und wird vom Orchester übertönt. In Passagen wie "Dies ist die Stunde" klingt seine Stimme spröde und angestrengt, allerdings glänzt sie in ruhigen Passagen wie im Duett "Gefährliches Spiel". Neblung und Anna Thorén (Lucy) setzen hier auch das musikalische Glanzlicht des Abends. Für ihr gefühlvolles "Jemand wie du" erntet Thorén zu Recht Bravo-Rufe. Gesanglich in nichts nach steht ihr Karolina Pasierbska (Lisa) aus dem Hausensemble, die mit glasklarem Sopran und sicheren Koloraturen nachhaltig auf sich aufmerksam macht. Iris Wemme ist die geschäftstüchtige Schlampe Nellie, der man wegen ihrer Bühnenpräsenz die unsauber intonierten tiefen Töne im Solo von "Mädchen der Nacht" verzeiht.

Die restlichen Partien sind mehr schlecht als recht mit Chorsolisten, altgedienten Ensemblemitgliedern und Statisten besetzt, einzig Kai-Moritz von Blanckenburg (Simon Stride) kann mit schwarzem Bass auftrumpfen. Ein Sonderlob gebührt dem um Mitglieder des Extra-Chores aufgestockten Opernchor, der gerade in den bewegten Massenszenen ("Mörder, Mörder") darstellerisch stärker als üblich gefordert wird.






Für die Bühne konzipiert von Steve Cuden und Frank Wildhorn
Buch, Liedtexte: Leslie Bricusse
Musik: Frank Wildhorn
Orchestrierung: Kim Scharnberg
Arrangements: Jason Howland
Deutsche Übersetzung: Susanne Dengler, Eberhard Storz

(Text: kw)






Kreativteam

Musikalische Leitung Peter Stolle
Inszenierung Thorsten Krafft
Ausstattung Christa Beland
Choreinstudierung Ilia Bilenko


Besetzung

Henry Jekyll & Edward HydeHans Neblung
LucyAnna Thorén
LisaKarolina Pasierbska
UttersonRalph Ertel
Sir Danvers CarewGünter Pirow
NellieIris Wemme
Simon StrideKai-Moritz von Blanckenburg
Lady BeaconsfieldYvonne Blunk
Bischof von BasingstokeVladimir Marinov
General Lord GlossopDaniel Dimitrov
Sir Archibald ProopsRóbert Tóth
Lord SavageLukas Baranowski
Poole, Punch, BissetReinhard Rehwinkel
Peter Hildebrand
Mädchen der NachtStephanie Diekhoff
Daniela Haupt
Annika Kortlang
Iris Schmonsees
Timea Tóth-Manga



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


27154
Genialer Hauptdarsteller

15.11.2008 - Es war eine sehenswerte Premiere von Jekyll & Hyde am Bremerhavener Stadttheater!

Vorallem Hans Neblung glänzte in der Titelrolle - er überzeugte sowohl gesanglich, als auch darstellerisch.
Er, Anna Thoén, sowie das gesamte Ensemble um Regisseur Thorsten Karft wurden begeister gefeiert. Die standig Ovations waren voll berechtigt.

Erik Berk (erste Bewertung)


27132
Schön inszeniert

11.11.2008 - Der Star der Bremerhavener Jekyll-Version ist die Inszenierung. Regisseur Thorsten Krafft schafft teilweise wunderschöne Bilder auf einer modernen zeitlosen Bühne, die die Sprache der Hilsdorfschen Original-Inszenierung auf Stadttheater-Möglichkeiten herunterbricht, ohne dabei ärmlich zu wirken. Das mittig auf der Drehbühne montierte Podest mit Treppe auf der einen, glatter Schräge auf der anderen, ist ein Meisterstück. Darauf und drumherum entstehen immer wieder neue Räume, so wenn Jekylls Labor von oben auf die Plattform an der Spitze einschwebt oder die Treppe nur mit zwei Vorhängen an den Seiten ergänzt als Abgang zu Lucys Zimmer dient. Schlicht, zeitlos und in Verbindung mit der tollen Lichtregie ein Genuss. Leider können einige andere Bestandteile der Show am Premierenabend noch nicht mithalten. Die Tontechnik erwischt einen rabenschwarzen Tag, Hauptdarsteller Neblung klingt wie aus der Blechdose und der Vesuch, seine Stimme für den Hyde einfach zu doppeln, endet im peinlichen Fiasko. Auch die ausführende Lichttechnik scheint vom komplexen Stück noch ein wenig überfordert, fährt die Stimmungen nicht immer ganz zeitgenau und steigt - ebenso wie die Tontechnik - bei den Wechseln der "Konfrontation" irgendwann aus.
Auch Hans Neblung erscheint noch unsicher, versingt sich gleich in seiner ersten Nummer heftig und verliert auch beim schon erwähnten Duett mit sich selbst irgendwann die Orientierung zwischen den Rollen. Ansonsten meistert er den schwierigen Doppelpart respektabel, kommt aber vor allem als Jekyll mehr als einmal hörbar an seine stimmlichen Grenzen. Dafür gewinnt er dem Hyde überraschende neue Nuancen ab. Er erscheint als dämonische Gestalt mit einem selbstleuchtendem roten Totenkopf am Degen/Stock und erscheint fast überdisch und unheimlich-magisch. Dieser Magie erliegt auch Lucy, deren Faszination für Hyde in einer vorweg genommenen "Gefährliches Spiel"-Sequenz endlich einmal schon in Akt 1 erklärt wird. Die eigentliche Nummer wird dann auch zum Höhepunkt der Show, im Gegensatz zu anderen Inszenierungen ohne eine einzige Berührung der beiden ein hoch-aufregendes Umschleichen der beiden Protagonisten. Überzeugen kann Anna Thoren als Lucy auch in ihren beiden Soli, eine wunderschöne Stimme mit starkem Belt, die die Träume von einem besseren Leben glaubhaft machen kann. Dagegen verliert Karolina Pasierbska als Lisa ein wenig, sie singt zwar gut, kämpft aber hörbar mit ihrem Akzent. Verschiedene andere Akzente des mitspielenden Opernchore - von koreanisch bis russisch - trüben leider auch das Vergnügen an den Ensemblenummern, die teilweise leider fast unverständlich sind. Umso erfreulicher sind dann die Leistungen von Günter Pirow als würdevoller Sir Danvers und vor allem von Ralph Ertel als Utterson, der mit toller Stimme und großer Präsenz dem Jekyll in den gemeinsamen Szenen zum fast als ebenbürtig wahrnehmbaren Partner wird. Respekt!
Respekt auch vor den Strichen des Regisseurs, der die oft quälenden Vorstands- und Hochzeitsszenen radikal zusammengestrichen hat und auf deren musikalische Umsetzung komplett verzichtet. Schade zwar um die Musik, gut aber für den Fluß der Handlung, der spürbar flotter in Gang kommt. Auch andere Regieeinfälle können überzeugen, so der Einsatz der glatten Seite des schon erwähnten Podiums, auf dem Versuch und Scheitern mit dem Beklettern und Abrutschen dieser Fläche wunderbar bildlich werden. Auch die Mordszenen, in vielen Stadttheaterinszenierungen eher peinlich, wirken - so brutal sie auch sind - gut choreographiert und umgesetzt.
Gewöhnungsbedürftig ist die Neuübersetzung von Originalübersetzerin Susanne Dengler in Kooperation mit Eberhard Storz. Zwar sind viele Unzulänglichkeiten der Urversion abgestellt, aber ob es einer Veränderung von "Schaff die Männer ran" zu "Wir sagen: Männer her" bedurft hätte, liegt wohl im persönlichen Geschmack des Zuschauers.
Trotz der Kritikpunkte: Jekyll & Hyde in Bremerhaven ist mehr als sehenswert. Wenn die Technik stimmt und die Darsteller noch sicherer werden, gibt es hier modernes, spannendes und auch unterhaltendes Theater zu sehen. Hut ab!

Björn Herrmann (erste Bewertung)


27126
SUPER

09.11.2008 - Eine super Show! Was das Theater da in der kurzen Probenzeit auf die Bühne gebracht hat, ist enorm! Besonders hat mir die Szene in der roten Ratte gefallen. Leistung von allen Darstellern toll. Hervorzuheben ist Anna Thorén, die mit ihrer klaren, verständlichen Stimme und Natürlichkeit eine perfekte Lucy abgiebt!

plöpp (erste Bewertung)


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Handlung
Der junge Arzt Henry Jekyll will das Gute vom Bösen im Menschen trennen - um das Böse zu eleminieren und die Menschheit vom Wahnsinn zu befreien. mehr

Weitere Infos
Das Musical von Frank Wildhorn (Musik) und Leslie Bricusse (Texte) basiert auf dem vielfach verfilmten Roman von Robert Louis Stevenson. Uraufgeführt wurde es 1990 in Houston - die Doppel-CD halten viele Fans immer noch für die beste Aufnahme der Show. 1997 kam das Musical an den Broadway. 1999 erlebte es unter der Regie von Dietrich Hilsdorf seine europäische Erstaufführung in Bremen (in der Übersetzung von Susanne Dengler, die auch die Lisa spielte). Diese Produktion wurde auch in Wien und Köln gezeigt. Seit März 2007 (Premiere in Chemnitz) gehört "Jekyll & Hyde" im deutschsprachigen Raum auch zum Stadttheater-Repertoire.

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 4.67 Sterne

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