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Uraufführung

Martin L.

Martin ist der Mann, er führt uns an!


Schwaches Buch, wirre Partitur: Aus der durchwachsenen Vorlage holt die Inszenierung von Matthias Davids noch das Bestmögliche heraus. Großartig gelungen sind dabei die Lichtregie und die atmosphärische Dichte der Massenszenen.

(Text: Daniel von Verschuer)

Premiere:05.07.2008
Letzte bekannte Aufführung:20.07.2008


Sofort bietet es sich an, Vergleiche anzustellen. Mit "Elisabeth - Legende einer Heiligen" und "Bonifatius", zwei Musicals, die bei ihrer Uraufführung regionale Hits waren, deren Erfolg aber wohl kaum andernorts zu wiederholen ist. Bei "Bonifatius" ist der Transfer in eine andere Spielstätte bereits kläglich gescheitert. Nun ist aber "Martin L." kein Musical über eine nur regional bekannte Persönlichkeit - Luther kennt man weltweit, er war Wegbereiter der Reformation, ohne die die westliche Kultur in ihrer heutigen Form undenkbar wäre. So gesehen bietet die Biografie aus der Feder des norwegischen Duos Oystein Wiik (Buch) und Gisle Kverndokk (Musik) eine doppelte Chance: Man präsentiert dem thüringischen Publikum "seinen" Martin Luther in einem auch kommerziell erfolgreichen Musical-Sommerspektakel und hofft anschließend darauf, das Stück im gesamten deutschsprachigen Raum bei Staats- und Stadttheatern an den Mann bringen zu können.
Der Haken: "Martin L." wird ohne Überarbeitung wohl kaum erfolgreich an anderen Spielorten laufen. Wiiks Buch krankt an vielem, zunächst an der vom Autor hinzugedichteten, viel zu langatmigen und vorhersehbaren Liebesgeschichte zu Beginn. Eine geschlagene halbe Stunde dauert es, bis die zum Scheitern verdammte Beziehung Luthers zu einer Bürgerlichen durchgekaut ist, Szenen, in denen alle Protagonisten einschließlich des Titelhelden seltsam farblos bleiben. Anschließend hastet Wiik in einem atemlosen Durcheinander durch die wichtigsten biografischen Stationen Luthers. Oft wird das gerade angestimmte Duett oder der Ensemblesong abrupt beendet - nur keine Zeit verlieren, die nächste Szene wartet. Schöne Einfälle - wie die den Ablasshandel preisende Revuenummer der päpstlichen Kurie - sind selten. So könnte der Beginn problemlos gestrafft, der zweite Teil des ohnehin mit 100 Minuten relativ kurzen Musicals dagegen detaillierter ausgearbeitet werden, um sowohl der Entwicklung der Handlung als auch der Charakterisierung der verschiedenen Figuren, denen Luther im Laufe seines Lebens begegnet, mehr Raum zu geben.
Komponist Kverndokk mixt seine Partitur aus einer Fülle unterschiedlicher Stilrichtungen, zitiert Oper und Operette, bedient sich bei Claude-Michel Schönberg und Sylvester Levay, lässt Elemente aus der mittelalterlichen Kirchenmusik einfließen und verzichtet auch nicht auf hymnische Rocknummern. Viele Ideen sind für sich genommen richtig gut, das Liebesduett zwischen Luther und Ursula taugt gar als Ohrwurm, insgesamt entsteht aber ein konfuses, eher skizzenhaft wirkendes Potpourri. Eingängigkeit: meist Fehlanzeige.
Glücklicherweise gelingt es Regisseur Matthias Davids und seinem Kreativteam, trotz der schwachen Vorlage ein rundum eindrucksvolles Gesamtbild auf die Domstufen zu zaubern. Davids nutzt dabei die Weite des bespielbaren Raumes konsequent: Er platziert sein Ensemble mal auf einem der Treppenabsätze oder auf dem weitläufigen Platz vor den Stufen, mal auf der Terrasse vor dem über der Szenerie thronenden Dom. Sogar auf den Spitzen der überdimensionalen, die Domtreppe förmlich durchbohrenden Einsennägel (Ausstattung: Knut Hetzer) treten die Protagonisten wie auf einer Kanzel auf. Oft deutet Davids drei, vier Schauplätze gleichzeitig an und lässt Szenen parallel beginnen und enden. So bleibt die Handlung im Fluss, es entstehen kaum Pausen. Zusammen mit den gelungenen mittelalterlichen Kostümen und der grandiosen Beleuchtung schafft das Kreativteam eine dichte, oft düstere und bedrohliche Atmosphäre. Die Lichtregie (Stefan Winkler) leistet hierzu den entscheidenden Beitrag: Riesige Projektionen, die den Stufen und allen Gebäuden des Domhügels unwirkliche Struktur verleihen, ausdrucksvolle Farbwechsel, die Nägel je nach Stimmung blutrot oder leuchtend blau - Winklers Beleuchtung ist höchst eindrucksvoll und passt immer.
Yngve Gasoy-Romdal in der Titelrolle und Carsten Lepper als Luthers Alter Ego Jörg (im Lackmantel immer präsent und die zweifelnde Seite Luthers symbolisierend) ergänzen sich gesanglich sehr gut: Romdals weiche, vibrierende Stimme bildet einen interessanten Kontrast zum kraftstrotzdenden, leicht metallisch klingenden Organ Leppers. Während Leppers Rolle eindimensional bleibt und ihm darstellerisch kaum etwas abverlangt, gelingt es Romdal, nach der undankbaren ersten halben Stunde den oft zweifelnden, aber konsequent nach seinen Prinzipien und seinem Glauben handelnden Luther glaubhaft darzustellen. Die Verteidigungsrede des Reformators in Worms ist Romdals stärkste Szene.
Das Buch gibt den Nebendarstellern leider wenig Chancen, aus ihren Rollen mehr als Staffage zu machen. Petra-Madita Kübitz (Ursula) kann im erwähnten Liebesduett nicht glänzen und verschwindet rollenbedingt ziemlich schnell wieder von der Bühne. Fernand Delosch als Ablasshändler Tetzel, Charlie Serrano als Papst Leo X. sowie Axel Meinhardt in der Rolle des Kurfürsten Friedrich haben ansehnliche Kurzauftritte, während Mathias Sanders als Luthers Gegenspieler Thomas Müntzer einen ziemlich eindimensionalen Bösewicht gibt. Die großen Massenszenen - wie die Huldigung Luthers durch das Volk ("Martin ist der Mann, er führt uns an!") - entfalten dagegen auf dieser phantastischen Bühne eine Wirkung, die die Schwächen des Stücks fast vergessen lässt.


(Text: dv)




Verwandte Themen:
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Kreativteam

Musikalische Leitung Philip Tillotson
Regie Matthias Davids
Choreographie Kurt Schrepfer
Ausstattung Knut Hetzer


Besetzung

Martin Yngve Gasoy Romdal
Jörg Carsten Lepper
Ursula Petra Madita Kübitz
Bunz
Tetzel
Fernand Delosch
Steffen
Carlstadt
Frank Winkels
Caspar
Melanchthon
Máté Sólyom-Nagy
Hans Luther
Friedrich der Weise
Axel Meinhardt
Staupitz
von der Ecken
Michael Tews
Leo X.Charlie Serrano
Georg
Spalatin
Frank Logemann
Thomas MüntzerMatthias Sanders



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


5 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


27272
Chance nur von Regie und Sängern genutzt

07.12.2008 - Das laut Programmheft „derzeit produktivste und erfolgreichste europäische Autorengespann“ arbeitet handwerklich sauber, aber nicht überzeugend. Ein Hit wird das nicht. Wo bei „Elisabeth – Legende einer Heiligen“ mit 27 Songs von Scholz / Martin zu viel des Guten in drei Stunden gepackt wurde, gelingen Wiik / Kverndokk gerade einmal eine ohrwurmträchtige Ballade. Der Rest ist ein Potpourri aus Swing, Filmmusik und Anleihen quer durch die Musikgeschichte. Das Arrangement ist dabei professionell, abwechslungsreich und gut, die Mischung aus extrem großen Philharmonischen Orchester und Band ist unter der Leitung von Philip Tillotson vortrefflich. Dafür, dass das Musical – der Begriff Musiktheater träfe es wohl besser - fast durchkomponiert hat, gelingt es jedoch kaum, dass sie Übergänge und Spannungen zwischen den mosaikhaft aneinander gereihten Szenen schafft.

Es gehört aber schon verflixt viel Mut oder Einfallslosigkeit dazu, Sängern wie Yngwe Gasoy-Romdal als Martin, Petra-Madita Kübitz als Bürgerstochter Ursula und Martins Alter Ego Jörg, Carsten Lepper, keine tragenden Einzelsongs auf den Rollenleib zu schreiben. Im Ohr bleibt nichts, außer, dass es gut klang. Das gute „Bleib mir mir“ zwischen Martin und Ursula trägt keine Partitur, zumal dann, wenn es laufend wiederholt wird, wie in Lloyd-Webbers schlechtesten letzten Stücken, die von zwei Hits leben sollen und dabei verhungern. Es sollte zu denken geben, wenn eine E-Gitrarrenversion des Kirchenliedes „Ein feste Burg“ noch zu den wiedererkennbarsten Teilen gehört.Geradezu unsäglich ist stellenweise das Libretto (Übersetzung: Carola Scheifke und Stephan Kurt).
Da heißt es vom Chor: "Martin ist der Mann, er führt uns an", "Ein Mönch stellt sich dem Papst entgegen, wird bald seinen Sündenpfuhl trocken legen“ und "Bist du geistig rege, gibt es viele Wege". Das „Bleib bei mir“ wirkt mit einfachsten Reimen wie „wahr“ auf „Ursula“ streckenweise peinlich.

(Mehr dazu in der "musicals")

Marcus Leitschuh (3 Bewertungen, ∅ 1.7 Sterne)


26820
So lala

20.07.2008 - Also es gibt einige gute Ansätze in dem Stück und sie bieten eine wahre Starbesetzung. Doch was musikalisch und buchmäßig herausgekommen ist, hat mich eher enttäuscht.

@ andycibis
Bezüglich Preiserstattung hat das Theater absolut richtig gehandelt. Mit Erwerb der Tickets erkennt man die Hausordnung des Theaters an. Und bei Freilichtaufführungen gilt es, dass bei abgebrochenen Vorstellungen der Eintrittspreis nicht erstattet wird. Das ist höhere Gewalt und deshalb nicht erstattbar. Da bekommst du auch bei keinem Gericht recht. Und wenn man "extra" 600 km anreist, ist das dein Risiko. Das Theater hat völlig rechtens gehandelt.

Gast24601 (15 Bewertungen, ∅ 3.2 Sterne)


26814
Arroganter Intendant

20.07.2008 - Also bei uns war der Wettergott nicht gnädig. Die Vorstellung wurde nach 30 Minuten erst unter- und 5 Minuten später dann abgebrochen. Der Intendant kam sich wohl sehr witzig vor als er meinte, dass er 2 Nachrichten für uns hat: Zum einen, dass wir das Glück haben in 15 Jahren die 3. Absage zu erleben und,zweitens, da wir das Geld nicht erstattet bekommen, es dem Theater Erfurt gespendet haben.

Sowas kann man auch einfach lassen. Ich habe Verständnis für schlechtes Wetter.

30 Minuten danach tröpfelte es nur noch. Man hätte locker nach einer Unterbrechung weitermachen können. Eine bodenlose Frechheit, in der das letzte Wort für uns zur Preiserstattung noch nicht gesprochen ist. Wir sind 600 km gefahren ...und da wird nach 5 Minuten Unterbechung schon abgebrochen.

Das Stück kam gerade in Schwung, ich hatte mich so gefreut, Yngve mal wieder live zu sehen. Carsten Lepper machte auch einen guten Eindruck, das ganze in Verbindung mit den Domstufen war schon toll. Leider sollte uns die ganze Vorstellung nicht gegönnt sein.

andycibis (26 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


26808
Wunderschöne Kulisse vor dem Dom

19.07.2008 - Dank an die Erfurter für den Mut ein neues Musical mit Anspruch aufzuführen. An dem Abend hat Alles für mich gestimmt: Beste Darsteller, Spannungsbogen im Stück, gutes Orchester. Die Kulisse der Stufen vor dem Dom paßt Bestens zu dem Stück. Yngve hatte ich als Luther optisch nicht erkannt, aber anhand seiner schönen Stimme war er es doch. Carsten Lepper als "Teufel" fühlte sich sichtlich wohl in seiner Rolle und kam ebenfalls sehr gut herüber. Der Wettergott meinte es gut mit uns an dem Abend und wir waren voll auf zufrieden mit unserer Reise nach Erfurt.

ChristineL (6 Bewertungen, ∅ 4.3 Sterne)


26779
Eine andere Welt

07.07.2008 - In den Vorstellungen am Samstag (Premiere) und Sonntag wurden wir in eine andere Welt entführt. Die Darsteller - allen voran Yngve Gasoy-Romdal und Carsten Lepper - faszinierten in jeder Szene. Das Orchester und die Rock-Band brillierten und übertrafen sich immer wieder selbst. Die Musik ist abwechslungsreich und begleitet die Handlung geradezu genial. Das Bühnenbild in Verbindung mit der Lichttechnik ist einzigartig.
Schade, dass die Aufführung nach knapp zwei Stunden schon vorbei war.
Hoffentlich wird es bald eine Martin-L.-CD geben!

Astrid (erste Bewertung)


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