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Komödie

Kiss Me, Kate

Schlag nach bei Shakespeare!


© Monika Rittershaus
© Monika Rittershaus
Eine überragende Dagmar Manzel brilliert in der Titelrolle als kratzbürstig fauchende Furie und lebenslustige Schauspielerin Lilli Vanessi. Manzels Glanzleistung und eine adäquat besetzte Solistenriege lassen in der weit über drei Stunden dauernden Vorstellung so manch optische Entgleisung im Regie-Konzept von Barrie Kosky vergessen.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:31.05.2008
Rezensierte Vorstellung:10.06.2008
Letzte bekannte Aufführung:22.02.2016


"Schwestern – wollt ihr etwa Lassie?". Auch wenn es zunächst nicht danach klingt. Die nur schwer an einen Gatten zu vermittelnde Katharina aus der in der Musicalhandlung zur Aufführung kommenden Shakespeare-Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" hat nichts gegen bellende Vierbeiner. Allein die nach ihrer Beobachtung beim Mann vom Kopf bis zu den Zehen sprießende Körperbehaarung macht ihn zum Tier und ist eines der schlagendsten Argumente für Katharinas Gesangsbotschaft "Bloß kein Mann". Die neue deutsche Übertragung von Susanne Felicitas Wolf sprudelt nur so vor solchen Gags. Auch wenn Reime wie "der Typ aus Padua ist ganz ga-ga" sehr bemüht wirken, freut sich der Zuhörer, dass der Cole-Porter-Klassiker nicht mehr in der behäbigen Text-Fassung aus den 1950er-Jahren daher kommt.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt hingegen die optische Umsetzung. In der bereits erwähnten Shakespeare-Aufführung tummeln sich Katharinas Freier nicht mehr im Italien der Renaissance. Sie sind über den großen Teich in einen grellen Kosmos mit Cowboys in roten oder schwarzen Pailletten-Outfits gebeamt worden. "Yipee" schreien diese vollbärtigen Kerle mit tuntig wirkendem Glitter-Makeup und schwingen zur Spinettbegleitung imaginäre Lassos über ihren Köpfen. In dieser Welt der Show verkommen nicht nur die höfischen Tänze zum Squaredance-Spektakel, auch präsentieren zappelige Hampelmänner der ausgehungerten Katharina unter einer silbernen Servierglocke einen mehrlagigen Super-Hamburger als Appetithappen. Über der skurril überzeichneten Hochzeitsgesellschaft flattert ein funkelnder Pailletten-Vogel, dem die unwillige Braut-Furie mit einem gezielten Pistolen-Schuss den Garaus macht, so dass er als nackter Plastiktorso auf den Bühnenboden knallt.

In der Sichtweise von Regisseur Barrie Kosky ist die Theateraufführung im Musical eine glamouröse Schwulen-Parade mit Slapstick-Einlagen, die Bräutigam Petruchio im strahlendweißen Zorro-Kostüm mit einem Schal in Regenbogenfarben als Symbol der Homosexuellen anführt. Auch wenn dieser Inszenierungsansatz das Publikum daran erinnern soll, dass der Komponist Cole Porter nur aus gesellschaftlichen Konventionen mit einer Frau verheiratet war und seine Musicalsongs laut Programmheft in der Originalsprache versteckte Andeutungen von Homoerotik enthalten sollen, hätte ein wenig Zurückhaltung diesem schrill-überdrehten Teil der Inszenierung gut getan. Zumal die verschwenderische Pailletten-Orgie im Kostümbild von Alfred Mayerhofer wenig zu der im Textbuch beschriebenen verarmten Theatertruppe passt.

Diese präsentiert sich jenseits der Glitzerwelt als eine Gruppe von Individuen, die in Unterwäsche auf den nächsten Auftritt wartet. Immer neu gruppierte Koffer und Kisten für Requisiten deuten diesen spartanischen Backstage-Bereich an, in dem auch die Inszenierung Format hat und Barrie Kosky beweist, dass er das Regie-Handwerk beherrscht. Sowohl stillere Momente wie Fred Grahams bittersüße Bilanz "Wo ist mein alter Lebensstil?" als auch Showstopper wie Lois Lanes "Ich bleib dir treu, mein Schatz" oder der spannungsgeladene Auftakt nach der Pause ("Viel zu heiß") begeistern. Otto Pichlers mitreißende, akrobatisch anspruchsvolle Choreografien unterstreichen den positiven Eindruck und rechtfertigen die sehr langen Tanzeinlagen bei vielen Songs. Nicht nur hier läuft das zwölfköpfige Tanzensemble zu Hochform auf.

Bühnenbildner Klaus Grünberg hat den Einheitsraum zweigeteilt: Auf der kahlen, linken Seite spielt sich komplett die Handlung ab. Wenn auf der Bühne "Der Widerspenstigen Zähmung" gezeigt wird, stürmen Clowns herein und ziehen einen Glitzervorhang vor die Gitterdurchsicht auf den mit Leitern, Kisten und Scheinwerfern vollgestellten Hintergrund. In Massenszenen ist es auf dieser Spielfläche allerdings auch beängstigend eng. Die rechte Bühnenhälfte dominiert eine sich aus dem Orchestergraben herausschraubende weiße Showtreppe, auf der die Musiker platziert sind. Dieses stimmungsvolle Bild erinnert an Revue-Filme aus UFA-Zeiten, hat allerdings auch Tücken. Zuschauer, die im Parkett in den ersten Reihen sehr weit rechts oder direkt hinter dem leicht erhöht stehenden Dirigentenpult sitzen, dürften mit Sichtproblemen auf das Geschehen zu kämpfen haben. Das um einen Pianisten und eine Rhythmusgruppe verstärkte Orchester der Komischen Oper Berlin genießt allerdings diesen ausnahmsweise einmal sichtbaren Auftritt und swing, jazzt und groovt sich unter dem zackigen Dirigat von Musicalspezalist Koen Schoots durch Cole Porters Partitur. Die Chorsolisten ertragen mit einigem Mut zur Hässlichkeit ihre Auftritte als Volk, singen und bewegen sich auf dem für sie ungewohnten Musical-Terrain jedoch achtbar.

Der Star des Abends heißt Dagmar Manzel (Lilli Vanessi), die vom ersten Moment an im Zentrum der Aufführung steht. Mit vollem Körpereinsatz und einem beeindruckenden Repertoire an Mimik und Gestik gestaltet sie eine Szene als garstig fauchender Drache, der jeden Mann zum Jammerlappen degradiert, um sich in nächster Sekunde zu einer verschmitzt flirtenden Dame mit Charme zu wandeln. Manzel ist eine grandiose Komödiantin mit Sinn für Timing und Pointen, die ihre vielen Gesangsaufgaben mit sattem Sopran wie nebenbei meistert. Als Chef der Theatertruppe und Lillis ehemaliger Ehemann Fred Graham wirkt Roger Smeets sehr blass. Er gibt weder den windigen Geschäftsmann, noch einen leidenschaftlichen Schmierenkomödianten oder einen feurigen Liebhaber. Regisseur Barrie Kosky hätte mit dem Darsteller ein schärferes Rollenprofil herausarbeiten müssen. Zwar singt sich Smeets mit seiner klassisch geschulten Baritonstimme tapfer durch die Porter-Partitur, doch auch gesanglich kann er nicht restlos überzeugen.

Sigalit Feig ist eine leichtlebige wie flotte Lois Lane, deren Sopran insbesondere in den Piano-Passagen gefällt. Feig ist eine begnadete Tänzerin, die in Danny Costello (Bill Calhoun) einen adäquaten Partner hat. Er steppt sich nicht nur in die Herzen seiner Angebeteten, im Liebeslied "Bianca" entfaltet sich auch seine angenehm leichte Tenorstimme zu voller Pracht. Chrisoph Späth und Peter Renz kalauern sich berlinernd als Ganoven durch den Abend. Auch sie mutieren zu Cowboys in grasgrünen Glitter-Outfits. Allerdings erst in der letzten Strophe des unverwüstlichen "Schlag nach bei Shakespeare"-Songs. Eine Erklärung dafür ist in dessen Werk allerdings nicht zu finden.



Musical Comedy in zwei Akten von Samuel und Bella Spewack
Gesangstexte und Musik: Cole Porter
Deutsche Textfassung: Susanne Felicitas Wolf
Neue Orchestration von Don Sebesky (Broadway 1999)

(Text: kw)




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Kreativteam

Musikalische Leitung Koen Schoots
Daniel Behrens
Inszenierung Barrie Kosky
Bühnenbild Klaus Grünberg
Kostüme Alfred Mayerhofer
Choreografie Otto Pichler


Besetzung

Lilli Vanessi
Katherina
Dagmar Manzel
Fred Graham
Petruchio
Tom Erik Lie
Peter Bording
Lois Lane
Bianca
Sigalit Feig
Bill Calhoun
Lucentino
Robin Poell
Erster GanoveChristoph Späth
Zweiter GanovePeter Renz
Harrison HowellStefan Sevenich
Dick
Gremio
Miha Podrepsek
Christoph Jonas
Harry
Hortensio
Silvano Marraffa
Shane Dickson
Harry Travour
Baptista
Hans-Martin Nau
HattieBarbara Sternberger
PaulJohannes Dunz
RalphMatthias Spenke
TanzensembleAllessandra Bizzarri
Daniella Foligno
Andea Heil
Nora Pichette
Eleonora Talamini
Sarah Bowden
Axel Baer
Friedrich Bührer
Silvano Marraffa
Miha Podrepsek
Jesco Himmelrath
Christian Hante


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Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Monika Rittershaus
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


14 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Oje oje

01.01.2010 - Da funktioniert ja gar nichts.
Selbst die bei der genauso gruseligen Produktion von Sweeney Todd fantastisch agierende Dagmar Manzel ist hier nur noch nervig.
Das ist Schrott!

Sebastian


macht Spaß!

08.12.2008 - Ich habe die Vorstellung am 6.12.08 gesehen und ich muss sagen, ich hatte riesig Spaß. Eine Inszenierung, die sicherlich ihre Schwächen hat, aber das Ensemble (der Chor der komischen Oper sowie die tolle Tanztruppe wirbeln mit viel Spielfreude über die Bühne) sowie die hervorragenden Hauptdarsteller machten den Abend für mich zu einer Freude.
Besonders begeistert hat mich die wunderbare Dagmar Manzel in der Titelrolle (sie ist der Dreh und Angelpunkt der ganzen Show und füllt diese Position fantastisch aus) sowie Robin Poell, der als Bill Calhoun mit Charme, schöner Stimme und toller Steptanzeinlage das Publikum begeisterte. Aber auch die anderen Darsteller, wie Roger Smeets (Fred) und Sigalit Feig (Lois) sowie Dion Davis (General Howell) machten ihre Sache wirklich super.
Danke für den schönen Abend!

musicalist (erste Bewertung)


ging so

18.06.2008 - nein^-^das war nicht nach meinem geschmack

alfons


Wunderbar

17.06.2008 - Ich hab die Inszenierung inzwischen 4 Mal gesehen und bin immer noch begeistert! Die Darsteller spielen mit einem Eifer und Freude auf der Bühne, dem Orchester kann man ansehen. welchen Spaß sie haben, das Publikum jubelt bereits nach der ersten Nummer und steht am Ende minutenlang zum Applaus. Ich kann die konservativen Kritiken durchaus verstehen, aber selten hat mich eine Inszenierung so begeistert und mitgenommen. Gut manche der neuen Texte sind schwach. Aber wer weiß den Heute noch was "... freie mich ..." aus der Neumann Übersetzung bedeutet? Meine Freundin nicht und viele der jüngeren Zuschauer auch nicht mehr. Aber alles passt! Die Musik ist toll, die Tanznummern sind gut bis sehr gut, Der Chor reisst sich ein Bein auf und Dagmar ist der Star des Abends ... Alles in allem - 10 Sterne für eine Vorstellung die bis Oktober ausverkauft ist!

marc


KATASTROPHE

14.06.2008 - Benutzt die Unsitte der modernen Inszenierungen, welche sich kaum an der originalvorlage orientieren.. Für Freunde des klassischen Musicals eine Zeitverschwendung. Nahezu eine Katastrophe. Aufgrund des guten Orchesters 1 Stern

jweller


Schade

10.06.2008 - KmK vom 8.6.hat exakt meine Empfindung wiedergegeben.
Hinzugefügt sei nur:was jetzt "modern "daherkommen will,war auch vor 50 Jahren
schon altbacken und aufgesetzt.

Tanzbär


nee, nicht meins

09.06.2008 - "modern" hin oder her - sinnvoll muss es bleiben. Es gab viel fürs Auge, ein bißchen was fürs Ohr, aber nichts fürs Hirn.
Schöne Choreographien von schönen Menschen, aber was damit "ausgesagt" werden sollte blieb mir verborgen.

Die Kostüme sahen zu teuer aus für eine "billige" Shakespear-Produktion, doch waren sie so zusammengsucht und verwirrend, dass sie von der zu erzählenden Geschichte einfach nur ablenkten...
Mir war nicht bekannt, dass der Regisseur einen "Namen" hat - mir ist jetzt auch nicht klar, warum...?!
Das enge Bühnenbild mit Orchester (wofür waren die Hüte?) machte wenig Sinn, störte eher und erschien auch für die Darsteller eher hinderlich zu sein.
Dann komische Regie-Ideen, wie die Interaktionen mit dem Orchester, die sowohl wärend der Shakespeare-Aufführung (da hätte man es noch verstehen können), aber auch wärende der "Pause" in "Too darn hot" passierte... das ist nicht logisch. Völlig unlogisch ist
in "Too darn hot" die Verschwesterung der beiden Rivalinnen. Das geht so überhaupt nicht und zeugt davon, dass der Regisseur das Stück nur auf billigen Effekt inszeniert hat. Schade.

Lorenz


Kiss me the modern way

08.06.2008 - Die erste moderne Inzenierung, die mich begeistert hat. Die schrillen kostüme und viel Haut ergeben in dem Zusammenspiel mit Bühnenbild und Musik ein unvergessliches ensamble. Obwohl ich modernen Inzenierungen allgemein kritisch gegenüber stehe, wurde die geschichte hier aufgepappt und sinvoll umgesetzt. Neu ist auch, einen Teil des Orchesters auf der Bühne zu sehen. Eine sehr gelungene Aufführung.

Tobey


Viel zu... lau

08.06.2008 - Oft genug sind nicht künstlerische Kriterien ausschlaggebend für das, was im Theater wie gespielt wird. Von diesem Phänomen handelt Cole Porters Musical "Kiss Me, Kate". Warum beispielsweise engagiert ein Produzent eine Nachtclubsängerin für eine Shakespeare-Produktion? Weil er eine Affäre mit ihr hat. Und warum verteilt die Hauptdarstellerin plötzlich echte Ohrfeigen auf der Bühne? Weil sie den Hauptdarsteller liebt und eifersüchtig ist. Und warum werden plötzlich sogar zwei Gangster in das Shakespeare-Stück integriert? Weil sie bei einem der Schauspieler Spielschulden einzutreiben versuchen.

Und warum wird ein Broadway-Klassiker wie dieser einem heillos überschätzten Barrie Kosky zum Fraße vorgeworfen? Und warum lässt man dafür extra eine Neuübersetzung von Susanne Wolf anfertigen, die um Häuserecken altbackener klingt als die Neumann’sche Version aus den 50ern? Und warum wird danach in den Medien so getan, als wäre die daraus resultierende Produktion von „Kiss Me, Kate“ jetzt einer der größten Würfe der Theatergeschichte? Ich bin mir sicher, auch auf diese Fragen gibt es irgendwo im Verborgenen plausible Antworten.

Bevor jetzt wieder die selbst schon reichlich angestaubte Konservativismus-Keule geschwungen wird: Das Problem ist nicht, dass modernisiert wurde. Das Problem ist, aus welcher Motivation heraus und vor allem WIE modernisiert wurde. Wenn Barrie Kosky einfach nur gehorsam seinem Ruf folgen will, alles auf Biegen und Brechen „ganz anders“ zu machen – dann ist das ein zweifelhaftes Motiv für eine Aktualisierung. Und wenn ihm dann nichts Besseres einfällt, als alle in Wild-West-Kostüme zu stecken, weil es angeblich irgendwo in New Mexico ein Kaff namens Padua gibt – dann ist das schon sehr dünn. Und wenn die geschmacklose Umsetzung dieser armseligen Idee schließlich damit gerechtfertigt wird, dass ja alles nur eine Parodie sei – dann ist das schon sehr billig.

Viel schlimmer als die scheußliche Aufmachung ist aber die Tatsache, dass der Geist und der Witz des Musicals in dieser Inszenierung einfach nicht mehr funktionieren. Koskys Humor und der Humor des Stückes (und zwar auf beiden Handlungsebenen) sind nicht miteinander kompatibel, und Kosky ist nicht der Mann, der sich um eines Stückes Willen selbst etwas zurücknimmt. Die wenigen Schmähs, die zünden, sind einige der neu eingebauten, und das ist nicht der Sinn der Sache.

Ein weiterer Schwachpunkt liegt darin, dass die Liebesgeschichte zwischen Lilli und Fred in dieser Produktion einen nicht auch nur irgendwie berührt. Dabei hat Kosky selbst in einem Interview sinngemäß betont, dass es ihm wichtig sei zu zeigen, wie hier zwei Menschen nach Jahrzehnten voller Höhen und Tiefen bemerken, dass sie doch nicht ohne einander können. Die Hassliebe zwischen der Diva Lilli und dem Selbstdarsteller Fred und die daraus resultierende Spannung sind in der Tat die Crux der Handlung, kommen aber in dieser Produktion überhaupt nicht rüber. Das liegt sicher auch zu einem Gutteil daran, dass die Figur des Fred Graham von der Regie nicht nur kaum ausgearbeitet und schlecht geführt, sondern mit Roger Smeets auch noch kolossal fehlbesetzt ist. Abgesehen davon, dass ich mir von einem Mann, der immerhin auch Oper singt, stimmlich mehr erwartet hätte, hat er den Fred gespielt wie eine Buffopartie in einer schwachen Operette. Dieses Zittern in der Sprechstimme und diese fürchterliche Mimik und Gestik waren echt an der Grenze des Erträglichen. Fred Graham als Märchenonkel ohne jeglichen Biss – das geht nicht.

Dagmar Manzel scheint in Berlin ein Publikumsliebling zu sein und wurde in den Medien unglaublich gehypt. Die Produktion ist ganz auf sie zugeschnitten, sie darf auch zwei Songs singen, die eigentlich anderen Rollen zugeteilt wären. Vom Gesanglichen her ist das nicht unbedingt gerechtfertigt. Darstellerisch ist sie hingegen sehr gut, kann diese Inszenierung aber auch nicht mehr wirklich retten.

Freilich hat die Inszenierung auch ihre Momente: Lois’ 2. Nummer etwa ist sehr gut umgesetzt (auch vergleichsweise gelungen übersetzt), die „Prügelszene“ zwischen Fred und Lilli punktet mit lustigen Einfällen und das Finale, an sich die große Schwachstelle dieses Musicals, ist recht annehmbar gelöst. Zudem spielt das Orchester sehr gut und die Choreographien sind absolut gelungen. Aber das reicht halt auch nicht mehr aus, um die großen Patzer auszubügeln.

Ich kann mir vorstellen, dass ein gewisses Zielpublikum speziell die Ensembleszenen auf einer gewissen Ebene zu schätzen weiß, aber das ist jetzt eigentlich nicht das vorrangige Ziel des Musicals „Kiss Me, Kate“. Ich kann mir weiters vorstellen, dass Leute, die das Genre im Grunde als minderwertig betrachten (und tatsächlich wurde das Stück in einigen Kritiken beiläufig entwertet, als wäre es erst durch diese Produktion annehmbar geworden), sich jetzt erfolgreich einreden können, es wäre durch die Labels „Kosky“ und „Manzel“ auf den Olymp der hohen Theaterkunst erhoben worden – weil das Ersetzen von Pseudo-Renaissance-Kostümen mit Pseudo-Cowboy-Kostümen das Ganze ja so viel intellektueller macht. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass jemand, der dieses Stück als solches kennt und schätzt und sich von einem merkwürdigen Hype und trendigen Namen nicht so leicht blenden lässt, dieser Version sonderlich viel abgewinnen kann.

kmk


glitter and be gay

06.06.2008 - so wurde aus einem wunderbaren musical eine operette.
hut ab vor dagmar manzel.

la palma


Neu,frisch und unterhaltsam

06.06.2008 - Wenn ich die Bewertungen meiner beiden Vorgänger anschaue, stelle ich mal wieder fest wie hoffnungslos konservativ das Musical Publikum ist. Da wird ein Stück aus 1948 gespielt und der Regisseur hat mit Respekt vor dem Material (er hat nichts gestrichen, umgestellt oder sonstwie entstellt) eine neue Sichtweise dargestellt. Ich war davon restlos begeistert. Hätte er es machen sollen wie es halt immer gemacht wird? Mit Renaissance Kostüme für die Shakespeare Handlung? Warum und wo steht das? Im Stück geht es doch letztlich darum wie eine provinzielle Schauspielertruppe versucht eine (wie Fred Graham im Stück sagt) "neue musikalische Version der Widerspenstigen" auf die Bühne zu bringen. Sie sind in Baltimore, nicht in New York. Bei der Aufführung wird die Handlung von den privaten Turbulenzen überschattet und alles was schief gehen kann geht schief. Dieses ist die Kernaussage des Stückes und die Intention der Autoren gewesen. Wie man also das Stück umsetzt bleibt jedem überlassen. Kosky hat sich für eine schrille, üderdrehte turbulente Komödie entschieden, in der die beiden Hauptdarstellern eine Geschichte miteinander teilen: Sie waren miteinander verheiratet. Lilli Vanessi ist nach der Scheidung ein zum Star aufgestiegen während Paul Graham mehr aber vor allem weniger erfolgreich versucht sich als Regisseur und Schauspieler auf Tournee durchzukämpfen. Für die Shakespeare Inszenierung hat er seine Ex-Frau Lilli Vanessi engagiert in der Hoffnung mit dem Star einen Riesenerfolg zu haben. Noch dazu hat er eine neue Version von der Widerspenstigen entwickelt: mit Cowboys, Pailletten und Glitzer. Ob man dies nun mag oder nicht bleibt Geschmackssache, aber warum wird Kosky dafür verurteilt? Weil der Durchschnittsbesucher nun mal konservativ ist. Shows sollen immer nach dem gleichen Muster inszeniert und gespielt werden. Leider muss man das bei Cats und Co. schon ertragen. Hier ist es erfrischend mal eine andere Sichtweise zu sehen.

Ergänzend möchte ich auch die Leistung des Ensembles würdigen die mit einer unglaublichen Energie und Spielfreude die 3 Stunden wie im Flug vergehen liessen. Ein tolles (großes) Orchester, der Ton war bei der Premiere ausgezeichnet. Und Dagmar Manzel ist die zur Zeit in Deutschland überzeugendste Schauspielerin/Sängerin.

Hingehen und selber urteilen!

ebenfalls ein normaler Gast


Bunt und herzlos

04.06.2008 - Ich hatte das - leider dann doch eher zweifelhafte - Vergnügen, die Premiere zu begutachten. Eine Einschätzung mit der ich aber zugegebenermaßen eher allein schien, denn um mich herum jubelte und toste das Publikum nur so. Begeistern konnten mich aber nur das schön moderne Bühnenbild, das spiel- und vor allem tanzfreudige Ensemble und die wirklich gekonnten Choreographien. Das würde für einen guten Abend prinzipiell reichen, hätte ich mich nicht über anderes so geärgert: Das schamlose Overacting fast aller Beteiligten, das auf mich eher so wirkt, als müsse man auf einer Provinzbühne auch noch den letzten Lacher aus dem Publikum dreschen. Gerade einem eh nicht gerade zotenarmen Stück wie diesem tut ein etwas zurückgenommeneres Spiel ganz gut. Dagmar Manzel könnte das mit Sicherheit, aber offensichtlich hat die Regie ihr bei der Gestaltung ihrer Rolle völlig freie Hand gelassen - was sie lustvoll, aber eben nicht zum Vorteil des Stückes, zum Herauslassen ihres kindlichen Ichs nutzt. Unter soviel Kalauerei erstickt dann die natürlich schlichte Liebesgeschichte, die aber trotzdem etwas ernst genommen werden müsste, damit man das Happy-End ohne Stirnrunzeln ertragen kann. Ebenfalls zum Kopfschütteln die neue Übersetzung der Songtexte, die in meinen Augen niemals die Qualität der bisherigen Übertragungen erreicht oder gar übertrifft. Was bleibt ist eine bunte Leistungsschau ohne Herz - und die Hoffnung, dass ein ähnliches Schicksal der "My Fair Lady"-Inszenierung im Admiralspalast erspart bleibt.

ein ganz normaler Gast


Schwierig im Konzept

01.06.2008 - Ich war in der Orchesterhauptprobe, die sicherlich nicht mit einer Aufführung verglichen werden kann. Dennoch wird sich vermutlich seitdem zumindest am Konzept nichts mehr geändert haben. (Ich hoffe stark, dass sich der Sound noch geändert hat...)

Ich finde es schwer, diese Produktion der Komischen Oper zu bewerten. Ich finde die Grundiee der Inszenierung interessant, aber leider nicht ganz einleuchtend umgesetzt. Doch was ist eigentlich die Grundidee? Auf der Shakespeare-Bühne haben wir Glitzer-Ästhetik, Einsatz von nackter Haut, übertriebenes Spiel. Die Handlung wird nach Mexiko verlegt - was eigentlich nur ein Kommentar zur Aufführungspraxis sein kann, ein anderer Grund fällt mir ehrlich nicht ein (falls jemand eine andere These hat: Her damit!), sowie auch die Überfrachtung mit Pailetten vermutlich eher parodistisch gemeint ist. Die Frage ist: Ist es eine Parodie auf die "sinnentleerte Show" oder ist es eine Parodie auf das Regietheater (wie es eine Zeitungskritik nahelegt) oder vielleicht doch auf noch eine andere Ebene des Theaters?

Spannend finde ich die Wahl des Bühnenbildes, obgleich sich dadurch die Spielfläche auf die Größe einer Probebühne verringert, was vor allem in den Massenszenen den Chor sich auf wenig Raum drängeln lässt - im Übrigen hätte ich etwas weniger Ensemble gut gefunden, es wirkte auf mich schon arg überladen.

Dagmar Manzel überzeugt mich sehr, wirkliche Probleme sehe ich innerhalb der Hauptrollen nicht. Nicht ganz zufrieden bin ich mit Rodger Smeets - allerdings eher im Kontext der Shakespeare-Handlung, wo es vielleicht eher an der Persiflage liegt, dass er, ganz im Sinne der Schmierentruppe, etwas laienhaft wirkt und vor allem sehr hektisch seine Gags setzt (ich erinnere an die Stelle, die im Hause Petrucios spielt).

Was mir gar nicht gefallen hat, ist der Einsatz des Ensembles. Mögen Choreographien innerhalb der Shakespeare-Handlung im Sinne des Konzepts gerne einfach nur schön und sinnentleert sein, tue ich mich vor allem mit der Anfangsnummer sowie "Too darn hot" schwer. Ich erkenne an, dass die Menschen, vor allem natürlich das Tanzensemble, sich bewegen kann und eine Körperbeherrschung hat, dennoch erzählen mir diese Choreographien gar nichts und stechen aus der Gesamtdramaturgie heraus (wenn man die Anfangsnummer ausschließlich als Probe sieht, könnte man übrigens wieder darüber argumentieren und damit würde sie aus meiner Argumentation herausfallen). Sie verkommen zu Nummern, die sich in die Handlung nicht so richtig integrieren wollen - da zeigen Menschen, was sie alles tolles mit ihrem Körper anstellen können und da zeigt das Ensemble, dass es ebenfalls diesen Menschen sehr gut zugucken kann. Wenn das Stück die zwei Ebenen hat, vor und hinter der Bühne zu spielen, und wenn die Ebene auf der Bühne als Show-Persiflage konzipiert wird, denke ich zumindest, dass alles was hinter der Bühne ist, dramaturgisch einen Strang bilden sollte - gerade auch die Choreographien - der sich außerhalb des Bühnengeschehens bewegt: Damit meine ich, dass es problematisch ist, dass die Choreographien, die hinter der Bühne spielen, auch stark das Publikum anspielen - welches dadurch selber eine Doppelrolle spielt, nämlich das Publikum der Komischen Oper, das Kiss Me Kate schaut, und das Publikum in Baltimore, welches The Taming of the Shrew schaut. Das gleiche gilt für das sichtbare Orchester. Bei den Nummern, die kein großes Ensemble haben, klappt es im Übrigen - davon haben mir einige richtig gut gefallen.

Da sich die meisten Dinge, die mir technisch (sowohl schauspiel-technisch, als auch inszenierungst-technisch) nicht so gefallen haben, auch darauf zurückführen lassen, dass es gerade genauso hat sein sollen, kann ich dies nur anmerken, aber nicht wirklich bemängeln. Einiges ging mir auf die Nerven und ich glaube, das sollte es auch. Insgesamt kommt da von mir ein empfehlenswert heraus.

die Grille


Wunderbarrrrr!

01.06.2008 - Dagmar Manzel in Höchstform mit Unterstützung einer hervorragenden Cast(tolle Choreografien)! Habe Premiere gesehen und finde die Inszenierung SuperKlasse. Einfach WUNDERBARRRR!

Friedrich, Fritz und Frank


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