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Musical-Klamotte

Sugar - Manche mögen's heiß

Männer helfen im Frauen-Orchester aus


Männer, die vorgeben, eine Frau zu sein, können genauso lächerlich wirken wie ein Schauspiel-Ensemble, das sich singend und tanzend an einem Musical versucht. Die Bühnenfassung des Filmklassikers "Manche mögen’s heiß" gerät am Theater Vorpommern trotz zweier überragender Hauptdarsteller und einer sehenswerten Ausstattung streckenweise zu einer Parodie auf das Genre.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:29.11.2008
Rezensierte Vorstellung:10.01.2009
Letzte bekannte Aufführung:20.11.2010


"Ich bin ein Mädchen. Ich bin ein Mädchen. Ich bin ein Mädchen". Trotz Perücke, Makeup und femininem Fummel muss sich Bassist Jerry immer wieder einhämmern, eine Person zu sein, die gar nicht existiert: Die flotte Daphne. Auf der Flucht vor einem rachsüchtigen Gangster-Quartett hat er gemeinsam mit Joe, dessen neue Identität die Saxofonistin Josephine ist, unerkannt als musikalische Verstärkung Zuflucht in einem Damenorchester gefunden. So wenig echte Weiblichkeit in Daphne und Josephine steckt, so wenig professionelles Musical ist "Sugar" am Theater Vorpommern. Das liegt daran, dass das hauseigene Schauspiel-Ensemble die Show stemmen muss. Immerhin konnte das vortrefflich im Bigband-Sound swingende Philharmonische Orchester (Dirigent: Egbert Funk) ausgeliehen werden. Sänger und Ballett des Dreisparten-Hauses kommen in diesem Musical nicht zum Einsatz.

Als Folge dieser Besetzungsphilosophie muss der Zuschauer mit einer Aufführung leben, die trotz der mit viel Enthusiasmus über die Bühne tobenden Darsteller in der Umsetzung erhebliche Schwächen aufweist. Da kann Choreografin Sabrina Sadowska noch so einfache Schrittkombinationen für die Tänze erfinden: Um nicht zu patzen, konzentrieren sich die Schauspieler zu sehr auf die Bewegungen im ungewohnten Terrain und wirken deshalb mehr tapsig als gelenk. Und weil in einem richtigen Musical auch gesteppt werden muss, verpasst Sadowska den Ganoven der Gamaschen-Gang die Schuhe mit den Metallplättchen unter den Sohlen. Trotz ihres Trainings merkt man Marco Bahr (Spats Palazzo), Jan Bernhardt (Dude), Lukas Goldbach (Apeman) und Grian Duesberg (Babyface) an, dass Steppen nicht zu ihren Kernkompetenzen gehört. Gleiches gilt für den Gesang, der ein oder andere falsche Ton ist nicht zu überhören. Jörg Fichtner, der sich als schwerreicher Osgood Fielding in Bassgeigerin Daphne verguckt, mogelt sich mit brüchiger Stimme in den Höhen und Intonationsschwierigkeiten durch seine beiden Songs. Marta Dittrich als Ukulele-Spielerin Sugar versucht mit hauchiger Stimme in "I wanna be loved by you" ihr filmisches Vorbild Marilyn Monroe zu imitieren, glänzt aber immerhin mit leiseren Tönen. Als Band-Leaderin Sweet Sue hat Katja Klemt ihre Truppe im Griff und entspricht gesanglich und stimmlich dem, was man von jemandem, der Musical spielt, erwartet.

Wenn Männer als Frauen verkleidet über die Bühne stöckeln, dann ist das immer für viele Lacher gut. Hannes Rittig (Joe) und Markus Voigt (Jerry) verulken als Josephine und Daphne mit falschem Busen und Perücke in den oft slapstickartig angelegten Travestie-Szenen sämtliche weiblichen Rollenklischees, stellen aber auch verwundert fest, dass Frausein ganz schön anstrengend sein kann. Rittig beherrscht zudem nicht nur das Saxofonspiel, sondern wechselt mühelos in seine zweite falsche Identität als versnobter Millionär. Beide Darsteller gefallen auch im Gesang, wobei ihre Stimmen im Duett "Tun wir’s für Sugar" ganz vortrefflich miteinander harmonieren.

Wer Billy Wilders Film kennt, der kennt im Prinzip auch Matthias Nagatis Inszenierung, die sich insbesondere in der Personenzeichnung eng an der klamottigen Vorlage von 1959 orientiert. Gleichzeitig zitiert er aus aktuelleren Kino-Produktionen wie bei der trotteligen Gangster-Bande, in der ganz wie im "Schuh des Manitu" ein Mitglied für den aalglatten Chef als lebender Aschenbecher herhalten muss. Schließlich betont Nagatis die cineastische Basis des Stücks auch durch den auf Dauer an Originalität verlierenden Einbau von Filmtiteln in die Dialoge. Ob "Ein Quantum Toast" als aktuelle Reminiszenz an die James Bond-Reihe wirklich lustig ist, sollte jeder für sich entscheiden.

Eine wahre Augenweide ist die Ausstattung von Sabine Lindner. Ihre frechen Kostüme huldigen Gangster-Milieu und Show-Business der berüchtigten Neunzehnhundertzwanziger, sind aber auch elegent-schneeweiß für den tattrigen Millionärs-Club in Florida. Mit nur wenigen Versatzstücken auf der Drehbühne und einschwebenden Wänden zaubert Lindner in geschickter Ausleuchtung (Susanne Günther) atmosphärisch dichte, poppig bunte Bilder. Wenn allerdings in der Bahnhofs-Szene festgestellt wird, dass es sechs Uhr ist, dann sollten die Zeiger der Uhr nicht auf fünf vor zwölf stehen.

Wenn in der finalen Bootstour Daphne sich die Perücke vom Kopf reißt und als Mann zu erkennen gibt, kontert der ganz und gar nicht geschockte Verehrer trocken: "Nobody is perfect". Das gilt auch für die Show.




(Text: kw)






Kreativteam

Buch Peter Stone
Gesangstexte Bob Merrill
Musik Jule Styne
Nach dem Film „Some Like It Hot“ von Billy Wilder und I. A. L. Diamond

Basierend auf einer Story von Robert Thoeren

Deutsche Fassung Peter Ensikat
Inszenierung Matthias Nagatis
Musikalische Leitung Egbert Funk
Choreographie Sabrina Sadowska
Ausstattung Sabine Lindner


Besetzung

SugarMarta Dittrich
Elke Zeh
Sweet Sue Katja Klemt
BienstockJürgen Meier
JoeHannes Rittig
JerryMarkus Voigt
Spats Palazzo alias GamascheMarco Bahr
DudeJan Bernhardt
ApemanLukas Goldbach
BabyfaceGrian Duesberg
Zahnstocher CharlyJörg F. Krüger
ScarfaceChristian Holm
Don RossiniLutz Jesse
Osgood FieldingJörg Fichtner
TaxifahrerLutz Jesse
HotelpageMalte Heinrich
KünstleragentJan Bernhardt
DamenkapelleEva-Maria Blumentrath
Kathleen Friedrich
Sabine Kotzur
Sabine Lepadatu
Gabriele M. Püttner
Arbeitslose MusikerMarco Bahr
Grian Duesberg
Jörg Fichtner
Lukas Goldbach
Christian Holm
Lutz Jesse
MillionäreMarco Bahr
Jan Bernhardt
Grian Duesberg
Lukas Goldbach
Christian Holm
Lutz Jesse
Jörg F. Krüger
MännerMarco Bahr
Jan Bernhardt
Grian Duesberg
Lukas Goldbach
Christian Holm
Lutz Jesse



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


27336
Für ein Stadttheater erste Sahne

28.12.2008 - War gestern in der Vorstellung von Sugar und muss sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat. Die musikalische Umsetzung ist einfach toll und das Bühnenbild nicht zu protzig. Dafür kommt viel von oben (Luftballons, Schnell, Rosenblüten).

Der einzige Kritikpunkt sind die Darsteller. Dazu ist zu sagen, dass hier das Schauspielensemble agiert und nicht ausgebildete Musicaldarsteller. Deswegen kann man bei einigen mit schiefen Tönen rechnen. Einige haben meines Erachtens auch nur einfach den Mund bewegt und gar nicht gesungen. Vielleicht um uns dann die richtigen Gesangskünste zu ersparen. Ansonsten für ein Stadttheater wie das von Greifswald sehr sehenswert.

jongleur (49 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


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