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Drama

Cabaret

Willkommen - Bienvenue - Welcome!


Exzellente Hauptdarsteller und ein stimmungsvolles Ambiente trösten über eine schwache Inszenierung hinweg, die die politische Aussage des Stücks aus den Augen verliert.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:19.01.2007
Letzte bekannte Aufführung:17.01.2011


Im gutbürgerlichen Wohnviertel preist an einem unscheinbaren Gebäude eine grelle Leuchtreklame links und rechts der Tür "Girls, Girls, Girls" und "Boys, Boys, Boys" an. Ein im schummerigen Eingangsbereich stehendes Wesen, halb Mann halb Frau, führt die staunenden Besucher in das zwielichtige Etablissement. Hier werden die Fenster mit roten Vorhängen verdunkelt, von der Decke baumelt eine Spiegelkugel und an zwei Spieltischen wird um das große Geld gezockt. Leicht bekleidete Damen und Herren flirten mit den Gästen und prosten ihnen zu, während auf einem Podium ein Pianist Chansonetten begleitet, die Gassenhauer und Operettenliedchen zum Besten geben. Willkommen im Kit-Kat-Klub! Das Staatstheater Cottbus hat Foyer und Saal seiner während der Sanierung des Haupthauses bezogenen Ausweichspielstätte mit viel Liebe zum Detail in einen schwülstigen Amüsierbetrieb der Zwanziger Jahre verwandelt. Ausstatterin Gundula Martin platziert das Publikum an Vierertischchen mit Telefonapparaten, über die zur Freude aller Kontakt zu anderen Besuchern aufgenommen werden kann. Ein mit Lichtern besetzter, halbrunder Steg führt von den Zuschauern direkt zur Bühne. Im kreisrunden Orchesterbereich dazwischen nimmt unter tosendem Applaus und Pfiffen "Franka und sein Trans-Orchester" Platz: Die sechs Musiker des Philharmonischen Orchesters (Leitung: Frank Bernard), mit viel Schminke und Perücken (Masken und Haartrachten: Axel Lucke) sowie schmucken Charleston-Kleidern zu "flotten Fegern" gestylt, untermalen den Abend gekonnt mit Charme und Witz.


Kann unter diesen nahezu idealen Bedingungen eine "Cabaret"-Inszenierung misslingen? Martin Schüler beweist es. Seiner Regie-Arbeit fehlen Tempo und Biss, eine politische Aussage scheint dieses hier sehr harmlos erscheinende Musical gar nicht zu haben. Denn wer nicht ganz genau hinsieht und -hört, dem fällt gar nicht auf, welcher Umschwung im Berlin des Jahres 1930 im Gange ist. In den manchmal endlos erscheinenden Dialogen wird zwar ab und zu irgendeine Partei erwähnt und immerhin ganze zwei Mal schamhaft ein Hakenkreuz auf der Bühne gezeigt, aber eine ernsthafte Bedrohung scheint von der dazugehörigen Organisation nicht auszugehen. Da passt es ins Bild, dass der Anschlag auf das Geschäft des jüdischen Obsthändlers mit dem Wurf eines Ziegelsteins durch eine Gardine fast lächerlich wirkt. Regisseur Schüler gibt "Cabaret" zwar auch neue Sichtweisen (Sally schnupft in einer Szene Kokain, Cliff geht Max an die Wäsche und im Finale wird der Conférencier von einem Mann aus dem Publikum heraus erschossen), letztendlich erläutert er diese nicht oder führt sie konsequent weiter. So dümpelt die Aufführung vor sich hin und setzt ganz wie im Gorilla-Song, in dessen Verlauf der putzige Affe als Gag der "Pianistin" die Perücke vom Kopf reißen darf, auf Unterhaltung und Schenkelklopfen. Götz Hellriegel unterstützt diesen Ansatz mit lasziven Choreografien für die Kit-Kat-Girls.


Als Sally Bowles steht Sigrun Fischer im Zentrum der Aufführung. Egal ob in sexy Outfits oder in großen Roben (Kostüme: Gundula Martin) - die Darstellerin brilliert als Femme Fatale in Spiel, Gesang und Tanz. Da verwundert es kaum, dass Cliff Bradshaw sich sofort in dieses "einmalig himmlische Girl" verknallt. Paul Grill singt diesen Song mit angenehmem Bariton und legt den jungen amerikanischen Schriftsteller ganz als Charmebolzen an. Erstaunlich ist allerdings, dass er in der Pause wie durch ein Wunder den mühsam antrainiert wirkenden amerikanischen Akzent verliert und plötzlich perfekt sprechen kann. Heiko Walter als Conférencier, hier eine Mischung aus Weißclown und hinterlistigem Strippenzieher, merkt man nicht an, dass er eigentlich im Opernfach zu Hause ist. Er begeistert mit der für diese Rolle typischen Quäk-Stimme, satirischem Spiel und zackigem Tanz, wie beim nur mit Seppl-Hose bekleideten Song "Two Ladies". Ein Kabinettstückchen gelingt Gabriele Lohmar. Ihr Fräulein Schneider ist eine Figur der leisen Töne und kleinen Gesten. Ihr galliges "Wie geht's weiter?" setzt einen schönen Kontrapunkt zu dem grellen Unterhaltungs-Einerlei der Aufführung.


Buch von Joe Masteroff (nach dem Stück "Ich bin eine Kamera")
von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood)
Musik von John Kander, Gesangstexte von Fred Ebb
Deutsch von Robert Gilbert
in der reduzierten Orchesterfassung von Chris Walker

(Text: kw)






Kreativteam

Inszenierung Martin Schüler
Ausstattung Gundula Martin
Choreografie Götz Hellriegel
Musikalische Leitung Frank Bernard


Besetzung

ConferencierHeiko Walter
Sally BowlesSigrun Fischer
Cliff BradshawJan Hasenfuß
Fräulein SchneiderGabriele Lohmar
Herr SchultzHans-Peter Jantzen
Fräulein KostSusann Thiede
Ernst LudwigPeter Princz
Bobby/Matrose/ZollbeamterRolf-Jürgen Gebert
Max/Matrose/Gestapo-MannMichael Becker
Kit-Kat-Klub-Girls

MausiWeinina Weilijiang
LuluSissy Staudinger
FrenchieSandrine Berset
VictoriaDirk Neumann
HelgaSofia Kapouranie
Two LadiesCamilla Kallfaß
Cornelia Zink
Jeanette Claßen
Anne Schierack
GorillaAslanbek Kotsoev
MatrosenIngo Kaufmann
Reiner Müller
Siegmund Semisch
Ein NationalsozialistSiegfried Hub



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


17143
Sehr schöne Vorstellung

31.12.2009 - Vielen Dank für diesen schönen Abend. Schon die äußere Aufmachung der Theaterscheune
hat mich inspiriert, Karten zu kaufen.
Als ich die Scheune betrete, spüre ich sofort den Hauch der 30er. Ich habe das Gefühl, ich bin falsch angezogen. Ein bißchen 30er würde mir(und dem Publikum) gut tun. Schon das Vorprogramm mit Klavier, Gesang und Spieltischen passt gut.
Die Handlung und Lieder des Stückes kenne ich natürlich. Und trotzdem zieht mich Cabaret wieder in seinen Bann.
Für mich waren das mindestens 5 Sterne.
Einen extra Gruß an die wunderbare Mandy Krügel.

Weiter so. MfG Dirk Janke
Vorstellung am 31.01.2007

Dirk Janke


25310
Perfektes Vorspiel – Wunderbarer Abend

29.03.2008 - Wenn sich die Türen der Theaterscheune in Cottbus öffnen, verwandelt sich die Gegenwart in den Kit-Kat-Klub Berlin Silvester 1929. Man findet sich in einer verqualmten Bar wieder, in der Gentlemans ihre Drinks einnehmen und mit Ladys an der Bar plaudern oder tanzen. Es kann durchaus passieren, dass man von einem Mann angesprochen und über „Sauna und Beischlaf“ aufgeklärt wird. Auf und vor einer kleinen Bühne tanzen und singen bezaubernde junge Damen in reizenden, knappen Kleidchen, die sich damit die Aufmerksamkeit sämtlicher Besucher sichern. Es ist einem schon fast peinlich, dass man nicht passend zu diesem Ambiente gekleidet ist, stattdessen mit spießiger Theaterkleidung die Stimmung zerschlägt. Also gliedert man sich automatisch ein und genießt den Ausbruch aus dem Alltag mit einer Runde Black Jack oder Roulette. Dieses 45-minütige Vorprogramm macht Lust auf mehr und leitet wunderbar in das Hauptstück ein. Auf dem Weg die Sitzplätze einzunehmen, wird man erneut überrascht. Die Bühne ragt in den Raum hinein und wird von runden Tischen mit jeweils vier Sitzplätzen umschlossen. Jeder Tisch hat eine Nummer und ein Telefon, klasse Idee! So bimmelt es im Raum und wird erst plötzlich still als der Conferencier aus den Zuschauerreihen tritt und sich mit dem bekannten Anfangslied des Stückes, „Willkommen, Bienvenue, Welcome“ auf die Bühne begibt. Mit Heiko Walter hat man keine bessere Besetzung finden können. Er kann stimmlich wie auch mit seinem zackigen Tanz durchaus mit dem bekannten Joel Grey, aus der Filmbesetzung von 1972 mithalten. Er fesselt mit diesen und weiteren Liedern das Publikum, sodass es noch Tage später vom schönen Ohrwurm begleitet wird. Dazu trägt auch das Orchester bei, welches durch Kostüm und Können auffällt. Dieses schaut im Gegenzug zu allen anderen Darstellern leider recht trübselig drein. Dafür sorgen die Kit-Kat-Girls für Stimmung. Besonders schön anzusehen sind die von Weinina Weilijiang und Dirk Neumann, das etwas burschikose Girl, gespielten Charaktere. Serena Gruß und Jan Hasenfuß harmonieren super als Sally Bowles und Cliff Bradshaw. Es ist zwar schwer für eine Schauspielerin sich an eine Rolle zu wagen, mit der einst Liza Minelli ihre Erfolge feierte, doch Serena Gruß meistert ihre Aufgabe stimmlich wie schauspielerisch. Susann Thiede heitert als Fräulein Kost das Stück mit ihrem Berliner Dialekt und ihren heimlichen Versuchen Matrosen gegen Bezahlung mit auf ihr Zimmer zu locken auf. Der Zuschauer wird immer mehr hochgepuscht und ist beeindruckt wie schön das Leben sein kann. Zum perfekten Zeitpunkt, kurz bevor der Zuschauer in die Pause geht, wird er aus diesem Traumland gerissen. Obwohl vorher der Jahreswechsel 1929/30 suggeriert wurde, ist man bei der plötzlichen Konfrontation mit dem Symbol des Naziregimes überrascht und schockiert. Nach der Möglichkeit angeregte Diskussionen zu führen ist das Publikum, obwohl dem Großteil der Handlungsverlauf schon bekannt ist, gespannt wie das Stück weiter verläuft. Nach und nach verändert sich nicht nur die Handlung. Dem Zuschauer wird die Entwicklung auch bildlich präsentiert, beispielsweise an den Kostümen, so tragen die Kit-Kat-Girls erst keine Kopfbedeckung, später einen Hut und am Ende einen Helm. Ebenso nimmt die Choreografie Veränderungen an, wo erst lüsterne, erotische Bewegungen dominieren nimmt jetzt alles eine militärische Haltung an. Die Veränderung der Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren wird nicht nur durch die Textvorlage, sondern auch durch Mimik, Gestik und Sprachführung deutlich. So werden den Verlobten Fräulein Schneider und Herrn Schulz, gespielt von Gabriele Lohmar und Hanz-Peter Jantzen, welche sich im fortgeschrittenen Alter verliebt wie 14-jährige verhalten, geschiedene Leute. Die verklemmte Art des Fräulein Schneiders, die Geltungssucht und das Interesse daran nicht aus dem Rahmen zu fallen verkörpert Gabriele Lohmar sehr gut. Hanz-Peter Jantzen lässt seine Rolle wie einen naiven, trotteligen aber süßen, einfühlsamen und bemitleidenswerten jüdischen Mann wirken, der nicht wahrhaben will was um ihn herum passiert. Die beiden spielen ihren Part wunderbar und reißen an den Gefühlen des Publikums, man fühlt mit den Beiden. Die Situation wird vom Conferencier später erneut mit amüsant sarkastischer Art und Weise aufgegriffen indem er der Welt einen Gorilla als seine Angebetete präsentiert. In Anlehnung dazu kommt Jan Hasenfuß gegen Ende des Stückes richtig aus sich heraus. Er bringt das Missverständnis eines „Außenstehenden“ gegenüber den Geschehnissen in Deutschland Anfang der 30er authentisch zum Ausdruck. Serena Gruß reagiert als Sally Bowles überzeugend naiv und verharmlosend. Am Ende ist man hin- und hergerissen und weiß seine Gefühle nicht mehr zu ordnen. Es entsteht eine Mischung zwischen Liebe, Trauer, Hass, Schockierung und sehr viel Mitgefühl. Die Dramaturgie hat mit dem Schluss gute Arbeit geleistet. Der Tod des Conferencier lässt einem einen Schauer über den Rücken laufen. Man ist nach dem Stück so beeindruckt, dass man sitzen bleibt. Die Textvorlage wurde sehr gut umgesetzt, die Kostüme waren umwerfend und die Theaterscheune bietet einen tollen Spielort. Trotz der wunderbaren Choreografie und den vorgetragenen Cabaret-Nummern rückt die Handlung nicht in den Hintergrund. Auch bilden beide Liebesgeschichten den Mittelpunkt. Sowohl das Verhältnis zwischen der konservativen Vermieterin Fräulein Schneider und dem jüdischen Obstwarenhändler Herrn Schulz als auch die Beziehung zwischen der unbeschwerten Sally Bowles und dem kritisch hinterfragenden Engländer Cliff Brodshaw werden zentralisiert. Obwohl das Stück im Kit-Kat-Klub handelt und fasst alle Darsteller aufreizend gekleidet sind wirkt das Stück nicht billig sondern ernst. Das liegt wohl daran, dass die Inszenierung nicht neumodisch aufgebaut ist, wie es heute bei vielen Stücken am Staatstheater Cottbus der Fall ist. Wie würde es auch wirken, wenn der Kulisse des Stücks das Flair des heutigen „Kitty“ gegeben werden würde.

Fazit: Eines der besten Stücke des Staatstheaters Cottbus und sehr empfehlenswert.

Jane Worlitz


16913
Wunderbare Inszenierung!

22.01.2007 - Die Atmosphär bei der Premiere war fantastisch. Schon beim Vorprogramm, was 45 Minuten vor der Vorstellung begann wurde man stimmungsvoll in die glamouröse Zeit des KitKatKlubs zurückgeführt. Die Rollen sind immer treffend besetzt und der Conferencie Heiko Walter hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Auch die KitKatGirls sind optisch und akkustisch eine Augenweide!
Alles in allem sehr empfehlenswert!

Xanku


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