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Drama

Der Glöckner von Notre Dame

Lovestory im Glockenturm


Kann eine Musicalneufassung eines für Leinwand und Bühne bereits mehrfach adaptierten Stoffes zum Erfolg werden? Den Beweis tritt das Mecklenburgische Staatstheater mit dieser stimmungsvollen wie mitreißenden Show ohne Hightech-Spielereien an.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:30.06.2006
Letzte bekannte Aufführung:01.07.2007


Ein passenderes Ambiente für dieses Musical ist kaum vorstellbar: Im Innenhof des Schweriner Doms sitzt das Publikum quasi direkt in Quasimodos "Wohnzimmer". Bühnenbildner Ullrich Altermann hat seinen zweigeschossigen, ganz der Backsteinoptik verpflichteten Bühnenaufbau so geschickt in das Gebäudeensemble integriert, dass der Eindruck entsteht, er sei historisch gewachsen und dessen fester Bestandteil. Einzig die vier für das Stück unerlässlichen, überdimensionalen Wasserspeierfiguren deuten den wahren Handlungsort Paris an. Wenn dann wie bei der Premiere auch noch das Wetter mitspielt und ein funkelnder Sternenhimmel die Szenerie abrundet, steht einem stimmungsvollen Theaterabend eigentlich nichts mehr im Wege.

Die Hauptverantwortung für das Openair-Spektakel trägt Peter Dehler. Als Autor und Regisseur in Personalunion zeichnet er in enger Anlehnung an Victor Hugos Klassiker sehr emotional das Schicksal zweier von der Gesellschaft geächteter Außenseiter nach: Quasimodo, der missgestaltete Krüppel, und Esmeralda, die als Hexe bezichtigte Zigeunerin, stehen im Mittelpunkt der Show. Sie sind Spielbälle im Intrigenspiel der dritten Hauptperson, des bigotten wie hinterhältigen Geistlichen Frollo. Dehler gelingt allerdings das Kunststück, diesen drei Figuren Tiefe zu verleihen - sie entwickeln sich im Laufe der recht düsteren Handlung weiter. Frollo (rollendeckend: Gottfried Richter) steht hier nicht nur als bösartiger Fiesling auf der Bühne, sondern ist ein Mann, der mit seinem dem Zölibat verpflichteten Leben nicht zurecht kommt und schließlich daran zerbricht. Esmeralda (sehr eindringlich: Judith Raab) bleibt nicht bloß eine verführerische Femme Fatale, sondern reift zur selbstbewussten Frau, die Liebe und Geborgenheit sucht. Schade, dass Raab zur Verdeutlichung ihrer fremdländischen Herkunft die Texte mit gekünsteltem südländischen Akzent vortragen muss. Geglückter, weil authentisch wirkender ist das Gestammel von Quasimodo, in dessen Sätzen grundsätzlich die Verben fehlen. Nils Brück portraitiert den Glöckner in abstoßender Maske als Behinderten mit Herz und Schnauze, der im Laufe des Abends zum Sympathieträger der Show avanciert. Der Darsteller tollt und klettert zur Freude des Publikums über die Bühne und legt gleich nach der Pause zum Song "1-2-3-4-5-6" ein kesse Sohle aufs Parkett. Als Mitglied des hauseigenen Schauspielensembles verfügt Brück darüber hinaus über eine angenehm timbrierte und erstaunlich sicher geführte Baritonstimme. Gesanglich überzeugen kann auch Martin Neuhaus als Hauptmann Phöbus, dem man schon allein deswegen ein längeres Bühnenleben gegönnt hätte. Das gemeinsam mit Frollo und Quasimodo intonierte Terzett "Esmeralda", in dem die drei Männer ihre Gefühle für die Zigeunerin offen legen, gerät zum musikalischen Höhepunkt des Musicals. Komponist John R. Carlson hat insgesamt eine abwechslungsreiche, wenn auch leicht schlagerseelige Partitur geschrieben, in der aber auch Platz für ein geraptes "In den Katakomben von Paris" ist. Die beiden in der oberen Etage der Bühne neben den Wasserspeiern postierten Musiker sind nicht nur wegen des guten Überblicks aufmerksame Begleiter eines sehr homogenen Ensembles, das Gishelher Pilz in leider eher düstere Kostüme kleidet.

Für seine Inszenierung wählt Peter Dehler eindrucksvolle Bilder, wobei er auch vor der Darstellung roher Gewalt nicht zurückschreckt. So wird Quasimodo auf offener Bühne ausgepeitscht und auch die gellenden Schreie Esmeraldas beim Verhör durch die Heilige Inquisition lassen vermuten, dass hier nicht nur Zuckerbrot zur Anwendung kommt. Eine optische Überraschung ist die sich anschließende Szene im Kirchturm, in dem Quasimodo die Glocken zur Rettung der Zigeunerin zum Klingen bringt: Dehler lässt sie durch vier Tänzer darstellen, die das per Lautsprecher eingespielte Geläut ausdrucksvoll in rasante Bewegungsabläufe umsetzen. Auch andere Szenen, wie beispielsweise der für den Glöckner nicht zu fassende Tod Esmeraldas, werden immer wieder durch die Mitglieder des kleinen aber feinen Ballettensembles in den Choreografien von Bernd Lanzke illustriert.

War Schwerin bisher nur für seine im Schlossgarten präsentierten Opernaufführungen bekannt, lohnt nun auch ein Abstecher für Musical-Freunde. Einen so spannenden und atmosphärisch dichten "Glöckner von Notre Dame" dürfte man so schnell nicht wieder auf der Musicalbühne erleben.


(Text: kw)






Kreativteam

Buch und Inszenierung Peter Dehler
Musik John R. Carlson
Bühnenbild Ullrich Altermann
Kostüme Giselher Pilz
Choreografie Bernd Lanzke


Besetzung

QuasimodoNils Brück
EsmeraldaJudith Raab
GringoireJörg Zirnstein
FrolloGottfried Richter
PhöbusMartin Neuhaus
ClopinKlaus Bieligk
VictorJohann Zürner
VictoriaBettina Schneider
SusanneLucie Teisingerova
AntoineAndreas Lembcke
Ballett des Mecklenburgischen Staatstheaters




Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


5 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


13554
be-geisternd u.be-ein-druckend !

31.12.2009 - viele sensible "Formen"des gesellschaftlichen Umganges der Menschen miteinander(Behinderung,Ausgrenzung,Anerkennung... )sind sehr warmherzig und ergreifend bearbeitet u.dargestellt.Sehr überzeugt hat mich die Darstellung des Glöckner am 13.7.06 danke

sigrid kowalski


20302
GEIL

03.07.2007 - Figuren reißen einen mit
Geschichte durch etwas eingeflochtenen Wortwitz aufgelockert
mit einem Wort: GIGANTISCH

nerys


13625
Wunderbares Theater

23.07.2006 - Schönes Wetter, schöne Spielstätte im Licht der Abendsonne und Schaulspieler, denen das Stück sichtlich Spaß gemacht hat. Wunderbares Theater.

Harald L.


13563
Einfach klasse!

20.07.2006 - Ich war vor 3 Wochen dort und war begeistert. Es lohnt sich auf jeden Fall auch ein 2. oder 3. mal hinzugehen.

Cathy


13482
Wunderschön

15.07.2006 -

ORAC


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