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Policital

Die Dreigroschenoper

Liebe, Triebe, Korruption


Auch zum fünfzigsten Todestag von Bertolt Brecht noch immer aktuell, doch in der einfallslosen Regie von Klaus Maria Brandauer alles andere als eine "haifischzahn-scharfe" Satire. Achtung: keine Pause!

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:11.08.2006
Letzte bekannte Aufführung:01.10.2006


Beim Besuch der Inszenierung von Klaus Maria Brandauer ist der Wunsch nach einer Fernbedienung groß. Mit der Vorspultaste könnten die vielen gähnend langweilig gespielten Szenen wie die Hochzeit von Polly mit Macheath oder dessen Verabschiedung vor der Flucht übersprungen werden. Die raren, wirklich packend gestalteten Momente (zum Beispiel die Auseinandersetzung zwischen Polly und ihren Eltern über die vollzogene Vermählung mit Mackie Messer) könnten dank einer Rückspulmöglichkeit noch einmal genossen werden. Mit dem Lautstärkeregler würde der Zuschauer die schlechten, bis zur Unverständlichkeit einzelner Darsteller reichenden Tonprobleme bekämpfen und sich dank der Stop-Taste eine Pause verschaffen können. Brandauer lässt seine „Dreigroschenoper“-Deutung ohne Unterbrechung durchspielen. Damit fordert er über zweieinhalb Stunden nicht nur Ensemble und Musiker vom Deutschen Filmorchester Babelsberg (Dirigent: Jan Müller-Wieland), sondern strapaziert auch sein Publikum. Mit zunehmender Spieldauer schwindet dessen Aufnahmefähigkeit mit der Folge, dass Brechts bissige, sozialkritische Texte an den Zuschauern vorbeirauschen und Weills meisterhafte Kompositionen zu lästigem Gedudel verkommen. Störend kommt hinzu, dass immer wieder ganze Reihen aufstehen müssen, weil Besucher das stille Örtchen aufsuchen.

Vieles an der Inszenierung wirkt so eilig zusammengeschustert wie das erst unmittelbar vor der Premiere halbwegs fertiggestellte Theaterfoyer des mit dieser Show wiedereröffneten Admiralspalastes. So bringen die zu einigen Songs einschwebenden, beleuchteten überdimensionalen Bilderrahmen zwar etwas Licht in das düstere, an einen unaufgeräumten Dachboden erinnerende Einheitsbühnenbild (Ronald Zechner). Brandauer nutzt die Deko-Elemente allerdings nur zu belanglosen Gruppierungen der gerade auf der Bühne versammelten Darsteller.

Auch scheint er wenig Interesse an einer genauen Charakterisierung einzelner Figuren zu haben. In Macheaths homogenen Ganoven-Trupp fällt allein Hakenfingerjakob auf, den Moritz Berg allerdings als tumben Blödmann geben muss. Gottfried John ist als farbloser Mr. Peachum weder diabolisch noch machthungrig, so dass Katrin Sass (Mrs. Peachum) als zunächst lallende Schnapsdrossel leichtes Spiel in der Publikumsgunst hat. Erstaunlicherweise gibt Brandauer ihr die Chance, die Rolle von der Komödiantin zur Intrigantin zu entwickeln - eine der wenigen überzeugenden schauspielerischen Leistungen. Im Gesang gefallen Maria Happel als dralle Puffmutter Spelunkenjenny sowie Jenny Deimling (Lucy) mit klassisch ausgebildeter, großer Stimme. Ihre Gegenspielerin in der Gunst um Mackie Messer gibt Birgit Minichmayr (Polly). Mit ihrer angenehmen, rauchigen Stimme ist sie eine ideale Weill-Interpretin.

Kann der Sänger einer Rockband in einer Hauptrolle überzeugen? Er kann! Den Beweis tritt eindrucksvoll Campino, Frontmann der Toten Hosen, in seinem Theater-Debüt an. Als Macheath ist er ganz der Gentleman-Ganove, der die Frauen um den Finger wickelt und man mag es kaum glauben, dass er gar keine Schauspielausbildung besitzt. Trotz hörbarer Schwierigkeiten mit einigen hohen Tönen gelingt Campino eine gute Leistung. Auch hier wäre die Fernbedienung wieder hilfreich. Mit der Aufnahme-Taste könnte seine Leistung in einer schwachen Inszenierung für später konserviert werden.


(Text: kw)




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News: PdW: Die Dreigroschenoper (07.08.2006)



Kreativteam

InszenierungKlaus Maria Brandauer
Musikalische LeitungJan Müller-Wieland
BühneRonald Zechner
KostümePetra Reinhardt


Besetzung

Jonathan Jeremiah PeachumGottfried John
Mrs. PeachumKatrin Sass
Polly PeachumBirgit Minichmayr
Filch, einer von Peachums BettlernPaul Sigmund
BettlerFlorian Lebek
Macheath, genannt Mackie MesserCampino
TrauerweidenwalterHans-Jürgen Alf
HakenfingerjakobMoritz Berg
MünzmatthiasOli Bigalke
SägerobertJens Wassermann
EdeStephan Korves
JimmyArno Waschk
Tiger BrownMichael Kind
Lucy, seine TochterJenny Deimling
Smith, erster KonstablerRomanus Fuhrmann
KonstablerMaximilian Brockstedt
Thomas Mezcele
SpelunkenjennyMaria Happel
BettyMonica Anna Cammerlander
DollyBarbara Lehner
MollyEllen Schieß
VixerMaria Hengge
Alte HureManuela Grabowski



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


12 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


In der DDR für mich ohne Bezug

22.03.2010 - In der BRD bin ich als HartzIV Empfänger mittlerweile gut angekommen und wäre vorher nicht die Negativ - Werbung in den Medien gewesen hätte es mich wiederum nicht interessiert.
In der DDR geboren war für mich dieses Stück ohne Bezug zu meinem Leben und blieb deshalb außen vor, zumal es Lehrplan war.
Nun ich hatte es geschafft mir dieses Stück Kultur zu leisten.
Und mag es aus der sicheren Angestellten Position eines Intellektuellen auf einer Baustelle aufgeführt worden sein und verglichen mit einem Laienspieltheater - allein der Inhalt stimmt und der wird immer stimmen.
Campino, Brandauer und allen Beteiligten meinen Dank, daß Ihr uns diese Stück gegeben habt.
Ein Hartz IV Empfänger aus BRB

westerwelleIV (erste Bewertung)


Neue Inszenierung der Dreigroschenoper im Admiralspalast - voller Erfolg

31.12.2009 - Ich hatte das große Glück, die Premiere der Dreigroschenoper im Admiralspalast in Berlin mitzuerleben. Die Aufführung hat mir sehr gut gefallen. Besonders Campino von den Toten Hosen gab dem Mackie Messer eine einzigartige Ausstrahlung. Beeindruckend war, dass er sich innerhalb so kurzer Zeit mit der Rolle des Mackie Messers identifizierte so als ob sie ihm persönlich auf den Leib geschrieben wäre. Ein großes Kompliment auch an Maria Brandauer.

Barbara


Campino war super

31.12.2009 - Ich fands super. Vor allem Campino war klasse. Schade fand ich das es keine Pause gab. Gestört hat mich vor allem die lauferei mancher Besucher und das nicht abrechen wollende geflüster mancher Besucher.

Amelie


Zurück zu den Wurzeln

31.12.2009 - Mir hat die Inszenierung sehr gut gefallen: Gerade in Zeiten, wo alles immer greller & lauter wird und es scheinbar schon zum guten Ton gehört, pro Aufführung 3-7 Nackte über die Bühne hopsen zu lassen, habe ich es als sehr wohltuend empfunden, einem Stück zuzusehen, das sich seine Ursprünglichkeit bewahrt zu haben scheint. Was hat das Premieren-Publikum denn erwartet ? Das Campino seine Rolle als bunt gefärbter grölender Punker interpretiert ??? Eine schwebende Bühne mit Lichtorgel & abschliessendem Feuerwerk ??? Alles Dinge, auf die man gut verzichten kann... Einzige Schwachpunkte: Der doch etwas dünnstimmige Herr John und die fehlende Pause. Letzteres mag ja durchaus einen mir nicht erkennbaren Sinn erfüllen, aber es ist doch eher störend, wenn man versucht, dem Geschehen auf der Bühne zu folgen und sich permanent Menschen auf dem Weg zur Toilette an einem vorbeiquetschen ...

santacrocce


Schade für die großartigen Schauspieler

31.12.2009 - Habe die Auführung gesehen, zu blass war der Auftritt der Schauspieler, die ich in anderen Rollen lieben lernte. Schade!
Einziges Highlight für mich war Campino, ich glaube er könnte selbst den Bundeskanzler glaubhaft herüberbringen.

Gomer@


Genial!

15.03.2007 - Es war einfach super. Die Musik und die Darsteller, vorallem Campino.

Ky


Tolle Unterhaltung

23.08.2006 - Mir hat die Aufführung sehr zugesagt. Selten so ein Ensemble voller Stars gesehen.

Kalle


Grausam

22.08.2006 - Ich fand's einfach nur grausam. Besseres Laientheater auf einer halbfertigen Baustelle ...

Ben


Zum Einschlafen langweilig

20.08.2006 - ...nur schade um die 65 Euro!
Die Rostocker Inszenierung war 1000 x besser!

pr


Keine Pause?

17.08.2006 - Hat man im Admiralspalast denn noch keinen Pausenraum? hmmm... da wird noch dran gebaut...

PseuDO!


Großartig!

16.08.2006 - Eine ganz besondere Aufführung, tolle charismatische Schauspieler, ein sehr schöner Abend!
Viele Dank!

Theaterliebhaber


Blass, blutleer, ideeanarm

16.08.2006 - Die Vorankündigung spricht von "geballter Bühnenpräsenz". Obwohl wir auf dem obersten Rang für satte 53,- Euro nicht vielmehr als die Köpfe der Darsteller sehen konnten, entging uns nicht, dass hier weder spielerische noch stimmliche Präsenz geboten war. Eine fade, ohne Hauptidee getragene Inszenierung, die von mancher Schülerinszenierung locker in den Schatten gestellt wurde, brachte weder Charme, noch Eklat, noch Rebellion, Witz oder Tiefgang. Bis auf die gesanglich hervorragende Polly und Mrs. Peachum war das von Bühnenbild bis Darstellkunst eine glatte Nullnumer! Schade für Campino, der mehr gekonnt hätte, schade für den sonst fantastischen Gottfried John, der völlig hilflos in Peachums Anzug hing. Was war das, Herr Brandauer? Ich kam mit soviel Lust auf 's Brecht-Erlebnis und ging mit Frust.

noname


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