Norden Westen Osten Sden
Termine aus DeutschlandsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Mitternachtsball 2022


Konzert

Mitternachtsball 2022

Wenig Grusel, dafür umso mehr Gänsehaut!


© Stephan Drewianka
© Stephan Drewianka
Der Mitternachtsball in Duisburg, mittlerweile eine überregionale Kult-Veranstaltung von Sound of Music Concerts, wurde zum nunmehr fünften Mal unter tosendem Applaus eröffnet. Ein Auszug des Who's who der Musicalszene - sowohl in Bezug auf die Songs als auch auf die Solisten - tummelte sich bei dieser Gala der Superlative von vier Akten und insgesamt ganzen sechs Stunden Dauer. Ein Feuerwerk von Highlights mit wenig Grusel, aber überschwänglicher Stimmung und starken Darbietungen auf der Bühne!

(Text: André Böke)

Premiere:31.10.2022
Rezensierte Vorstellung:31.10.2022
Letzte bekannte Aufführung:31.10.2022
Showlänge:360 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Diese extralange Musicalnacht bleibt vor allem wegen des erlesenen Casts an Solisten und Ensemble und der beeindruckenden Bandbreite an dargebotenen Songs nachhaltig in positiver Erinnerung – ein wahres Potpourri an Talenten und Power-Songs!

© Stephan Drewianka
© Stephan Drewianka


Kritik gilt es dennoch zunächst zu äußern – vor allem, was die thematische und strukturelle Umsetzung betrifft: Der eigentliche Aufhänger des Mitternachtsballs – Grusel, Mystery, Tod, Horror und andere Halloween-Themen innerhalb des Musicalgenres – wurde bei der Repertoire-Auswahl nur wenig beachtet und geriet dadurch leider etwas in den Hintergrund. Eine verschenkte Gelegenheit und ziemlich schade für diejenigen unter den Zuschauern, die der darauf ausgelegten Werbung gefolgt sind. So wurden viele Gruselmusicals wie beispielsweise "Dracula", "Carrie" oder "Young Frankenstein" bei der Programmauswahl ignoriert, während Werke wie "Die Eiskönigin", "Zeppelin" oder "Robin Hood" Eingang fanden, die bei allem interpretativem Freiraum keinerlei Verbindung zum angekündigten Gruselthema zuließen. Die Schauermomente, die vom charmanten Moderator Andreas Bieber am Anfang in Aussicht gestellt wurden, schafften den Weg auf die Bühne letztendlich eher selten und für die Altersfreigabe ab 18 Jahren war keine großartige inhaltliche Rechtfertigung ersichtlich.

Zudem wurden einige der beworbenen Stücke oder Rollen nicht gezeigt, obwohl man doch Originaldarsteller vor Ort hatte – so gab es leider weder den angekündigten "Glöckner von Notre-Dame" noch Mrs. Danvers aus "Rebecca" zu erleben, obwohl mit Jonas Hein, Lucy Scherer und Maya Hakvoort durchaus passende Darsteller für diese Szenen anwesend waren. Bedauerlicherweise waren vor Ort weder Programmhefte noch Setlists verfügbar und auch die Moderation sah keine strukturierte Ankündigung oder Nachbemerkung zu einer großen Zahl von Interpreten und Liedern sowie der Musicals, aus denen sie stammten, vor – sehr schade und den Künstlern nicht gerecht werdend. Auch die Einteilung der Akte wirkte oft unstrukturiert. Ja, einige inhaltliche Blocks wurden zusammengesetzt in einen Akt gelegt, aber ansonsten war es eine zusammenhangslose, oft unangekündigte Abfolge an Liedern, die teilweise, z.B. im Falle von Songs aus dem "Eiskönigin"-Franchise, ohne ersichtliche Struktur auf mehrere Akte verteilt wurden. Die Songs folgten keiner ersichtlichen Themeneinteilung, Chronologie, Dramaturgie oder Genreeinteilung wie bei vielen Musical-Galas üblich.

Dennoch – und damit kommen wir zum Positiven – es herrschte eine überwältigende Stimmung im Saal, eine ansteckende Energie und Begeisterung sowohl auf der Bühne bei Solisten und Ensemble, als auch beim Publikum. Jeder einzelne Solist konnte an diesem Abend brillieren und dank der bunten Songauswahl war sicherlich für jeden Musicalfan etwas dabei. Ein Highlight jagte das nächste, ein Interpret übertraf den vorherigen, die Choreographien wurden zunehmend beeindruckender und ein Akt toppte den anderen. Was auf der Bühne in einigen Sequenzen dargeboten wurde, war unvergesslich und magisch und ließ die Kritikpunkte beinah in Vergessenheit geraten.

© Stephan Drewianka
© Stephan Drewianka


Eines der vielen Highlights waren die Darbietungen von Ethan Freeman, der einmal mehr bewies, warum er in der deutschen Musicalszene fast schon eine Legende ist: Im ersten Akt gab er einen stimmgewaltigen und eindrucksvollen Jekyll/Hyde in der berühmten Verwandlungsszene sowie in seinem Duett "Gefährliches Spiel" mit einer wunderbaren Maricel an seiner Seite. Als Phantom in "Musik der Nacht" sowie in seinem Duett mit Jonas Hein aus "Phantom der Oper" / "Liebe stirbt nie" brillierte er genauso wie als Luigi Lucheni im "Elisabeth"-Showstopper "Milch".

Maricel konnte besonders an der Seite von Michaela Schober und Sophie Halter in "Mädchen der Nacht" aus "Jekyll and Hyde", als Elphaba an der Seite der deutschen Ur-Glinda Lucy Scherer beim "Wicked"-Block und im finalen Musikmix des vierten Aktes mit "Haunted" und "What's Up" stimmlich beeindrucken.

Ein weiteres Stimmwunder offenbarte sich erneut in Form von Jonas Hein: Ob als einer der vier Krolocks bei "Einladung zum Ball", als gesanglicher Gegenpart zu Freeman im Phantom-Block des ersten Aktes oder in seinem Eiskönigin-Solo "Into the Unknown" – seine virtuose Stimme stach immer heraus und bewegte.


Michaela Schober, die sich im dritten Akt vom Mentalisten Mirko Matira hypnotisieren ließ, wusste vor allem beim Musikmix mit "Zombie", "Killing Me Softly", "Black Velvet" und "I Love Rock'n'Roll" zu begeistern und gab eine wunderbar frivole Magenta im "Rocky Horror Show"-Block.

Im genanntem Rockmusik-Mix konnte außerdem Maya Hakvoort mit ganz ungewohnten Tunes für ihr Repertoire begeistern. Zudem sorgte sie als Elisabeth mit "Nichts, nichts, gar nichts" und bei "Ich gehör nur mir" sowie als Claire Zachanassian aus "Besuch der alten Dame" mit dem Solo "Die Welt gehört mir" und im Duett "Sturm der Liebe" gemeinsam mit Alexander Di Capri für starke Auftritte.

Ein weiteres stimmliches Highlight gab Rob Fowler als Tod mit "Der letzte Tanz", "Wenn ich tanzen will" und "Die Schatten werden länger" aus "Elisabeth" sowie an der Seite von Maricel im Duett "What Part of my Body Hurts the Most" aus dem Jim-Steinman-Musical "Bat Out of Hell".

Marle Martens setzte sich als eine der gesangsstärksten Solistinnen des Abends durch und begeisterte in einer Vielzahl von Songs, vor allem aber mit ihrer Interpretation des Céline Dion-Klassikers "It's All Coming Back to Me" in deutscher Sprache ("Es holt mich die Sehnsucht ein"; ebenfalls aus "Bat Out of Hell").

Neben seiner Moderation begeisterte Andreas Bieber im vierten Akt als Frank'n'Furter aus der "Rocky Horror Show". Besonders großen Applaus holten außerdem Dennis Henschel und Thomas Hohler mit dem kurzen Lied "Ich oder du" aus "Robin Hood" ein. Henschel beeindruckte zudem als Schattenmann aus "Ludwig²" und generierte mit seiner düsteren, bedrohlich wirkenden Auslegung der Rolle einen der wenigen wirklich schaurigen Momente des Abends. Dies gelang zudem Christian Schöne mit seiner eindrücklichen Interpretation des einst skandalträchtigen Stalking-Songs "Jeannie" aus "Falco meets Amadeus". Einen ungewohnt ruhigen Moment schaffte er mit "Liebe ist blind" aus dem neuen Musical "Jack the Ripper".

© Stephan Drewianka
© Stephan Drewianka


Sascha Krebs konnte vor allem im letzten Teil des Abends, bei dem ein Rock-Song den nächsten jagte, sein volles Stimmvolumen eindrucksvoll zum Strahlen bringen. Darüber hinaus gab er einen stimmgewaltigen Grafen Krolock beim "Totale Finsternis"-Duett an der Seite von Frouwkje Zuidema.

Jan Ammann, der als letzter der angekündigten Solisten unter tosendem Applaus in der Rolle des Maxim de Winter mit "Kein Lächeln war je so kalt" in Erscheinung trat, begeisterte zudem nicht nur mit "Engel" der Band Rammstein, sondern auch in seiner Paraderolle als Krolock zusammen mit Jonas Hein, Sascha Krebs und Alexander di Capri in einem "Die unstillbare Gier"-Quartett, das vielleicht das größte Highlight des Abends war. Überwältigend!

© Stephan Drewianka
© Stephan Drewianka


Am Applaus gemessen kam nur noch Andreas Bongards grandiose Interpretation von Lady Gagas Hit "Bad Romance" im vierten Akt an diesen Glanzpunkt heran. Es war gleichzeitig auch die Nummer, bei der das sehr talentierte Ensemble die elaborierteste und mitreißendste Choreographie des Abends aufs Parkett legte – dicht gefolgt von ihren anrüchigen Moves bei "Sweet Transvestite". Bongard selbst überzeugte auch im "Bad Cinderella"-Bock neben Michaela Schober sowie als Fiyero aus "Wicked" in "Tanz durch die Welt", wo im Hintergrund eine ausgelassene, romantische Prom-Night-Szene vom Ensemble gespielt wurde, in der sich auch gleichgeschlechtliche Liebespaare beim Glizz-Abschlussball zeigten – ein schönes Detail!

Unabhängig von den Solisten zählten einige Arrangements ebenso zu den Höhepunkten: Etwa die Neuinterpretationen vieler Songs aus "Tanz der Vampire" im dritten Akt; unter anderem "Dir war dein Leben eine Nummer zu klein", eine rockige Version auf Basis von "Einladung zum Ball", die vonMaya Hakvoort und Michaela Schober überragend präsentiert wurde. Auch das Remix von "Rote Schuhe" und "Das Gebet", dargeboten von Marle Martens und Frouwkje Zuidema, beeindruckte mehr als das inzwischen etwas in die Jahre gekommene Original. Für Aufhorchen sorgten auch "Ich gehör nur mir" als Duett zwischen einer jungen und einer alten Kaiserin Elisabeth sowie ein schönes Quartett-Arrangement von "Phantom der Oper", das eine kleine Geschichte erzählte über Touristen , die die Opera Garnier – den Schauplatz des Phantoms – besichtigen und in Gedanken auf die echte Christine Daaé und ihren maskierten Verehrer treffen.

Der Sound, das Bühnen- und das Lichtdesign sowie die sechsköpfige Band, die gut zwei Drittel der Songs des sechsstündigen Events virtuos und mit vollem Klang interpretierte, ließen nichts zu wünschen übrig. Bei den restlichen Songs wurde auf vorproduzierte Playbacks zurückgegriffen, die ebenfalls hochwertig über die Lautsprecher kamen. Zusammen mit dem achtköpfigen Ensemble und den 17 Solisten gaben Musiker und Technik alles bei diesem aufwändigen Gala-Abend.

Es war ein langer, emotionaler und zugegebenermaßen auch aus Zuschauersicht etwas anstrengender Abend, der aber im Flug verging und bei besserer Belüftung und etwas längeren Erholungs- und Erfrischungspausen seitens des Theaters am Marientor auch gerne noch bis zum Morgengrauen hätte anhalten dürfen. Riesigen Respekt an alle Künstler! Nächstes Jahr gerne wieder!

(Text: André Böke)



Wie ist Deine Meinung zu dieser Produktion?
Diskutiere mit im Musicalzentrale-Forum.






Kreativteam

Musical Director Bernd Steixner
Regie Yara Hassan
Konzept Andreas Luketa


Besetzung

Solisten Jan Ammann
Andreas Bieber
Andreas Bongard
Enrico De Pieri
Alexander Di Capri
Rob Fowler
Ethan Freeman
Maya Hakvoort
Thomas Hohler
Jonas Hein
Dennis Henschel
Sascha Krebs
Maricel
Marle Martens
Lucy Scherer
Michaela Schober
Christian Schöne
Froukje Zuidema
Ensemble Sophie Alter
William Baugh
Clarissa Gundlach
Kristine Emde
Florian Heinke
Charlotte Katzer
Max Luca Maus
Denis Riffel.




Wie ist Deine Meinung zu dieser Produktion?
Diskutiere mit im Musicalzentrale-Forum.


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Sound of Music Concerts
Tömperweg 1
D-47669 Wachtendonk
Email
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!
 Kurzbewertung [ i ]
(abk)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Musical-Abend der Extraklasse mit ganzen sechs Stunden an unterhaltsamen Programm voller Highlights, dargeboten von einem hochkarätigen Cast und einem energetischen Ensemble. Etwas mehr Struktur und bessere Kommunikation hätte den Abend perfekt gemacht.

02.11.2022

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2023. Alle Angaben ohne Gewähr.

   THEATER FÜR NIEDERSACHSEN: STELLA

   STAATSOPERETTE DRESDEN

   BROADWAY FIEBER SOLINGEN

   Wir suchen Dich!

   Ein Platz für Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;