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Cabaret

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© Steffen Rasche
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Nach dem Wechsel der Intendanz der Neuen Bühne Senftenberg inszeniert der neue Hausherr Daniel Ris nach fast zwanzig Jahren Pause wieder ein Musical auf der Hauptbühne im Südbrandenburgischen. Eine gute Entscheidung, denn das Ergebnis überzeugt in vollem Umfang.

(Text: kw)

Premiere:21.01.2023
Rezensierte Vorstellung:21.01.2023


© Steffen Rasche
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Verwirrung im "Kit Kat Klub". Die vier Girls Frenchie, Helga, Lulu und Mausi haben sich in Pose geworfen, der Conférencier schwenkt zwei Federfächer, um das Comeback von Fräulein Sally Bowles gebührend auf der Bühne zu präsentieren. "Na, wo ist sie denn, unser Zuckermäuschen?" fragt der Ansager, als niemand erscheint. Schließlich schleppt sich die Angekündigte doch noch mit Verspätung auf die Bühne. Sally singt im unvollständigen Kostüm, bei dem ein Handschuh fehlt, und verheultem Augen-Makeup wie ferngesteuert "Cabaret". Dazu spult sie kraftlos die einstudierten Tanzschritte ab und torkelt über die Bühne.

© Steffen Rasche
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Auch das sich anschließende Schlussbild ist gespenstisch und verstörend. Alle Darsteller inklusive der sechs Musiker der "Kit Kat Klub Band" stehen auf der zugenebelten Bühne, von hinten angestrahlt frontal zum Publikum. An ihren Mänteln tragen sie auf der linken Brust Aufnäher in unterschiedlichen Farben, die sie zum Abtransport ins Konzentrationslager als Juden, Homosexuelle, Kommunisten oder Sinti und Roma kennzeichnen. Einzig Ernst Ludwig, Fräulein Kost, Fräulein Schneider und je ein Girl und ein Musiker zeigen mit der Hakenkreuz-Armbinde ihre politische Gesinnung. Bevor es für die gedemütigten Minderheiten in Richtung Gaskammer geht, kann der Conférencier noch ein gequältes "Gute Nacht" hauchen. Dann verlischt das Licht.

© Steffen Rasche
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Nicht nur dieser Schluss ist bedrückend. Daniel Ris stellt in seiner Inszenierung bewusst die politische Komponente in den Fokus - große Show-Momente sind selten. Bühnenbildner Steven Koop unterstützt diesen Ansatz mit einem leeren Bühnenraum, in den bei Bedarf ein "Kit Kat Klub"-Schriftzug herabgelassen wird oder ein rundes verspiegeltes Podest gerollt wird. Die agile Band unter der Leitung von Marty Jabara spielt im Hintergrund auf einem die gesamte Bühnenbreite einnehmenden schwarzen Podest, dessen Front mit weißen Glühlampen verziert ist. Im Zuschauerraum des Theaters sind die ersten vier Sitzreihen runden Tischen mit weißen Lampen gewichen. So wird ein Teil des Publikums geschickt in den Nachtclub integriert. Spielen Szenen an Orten wie Fräulein Schneiders Pension oder im Laden von Herr Schultz, rollt das Club-Personal Versatzstücke wie ein Bett oder ein Obst-Regal auf die Bühne. Das ist minimale Ausstattung mit enormer Wirkung.

© Steffen Rasche
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Im "Kit Kat Klub" von Regisseur Ris verschwimmen zudem die Geschlechtergrenzen. Sowohl beim Conférencier als auch bei zwei der Girls sind die sichtbaren Brustwarzen auffällig abgeklebt. Ein schrilles Makeup und männliche Behaarung an Gesicht und Körper unterstreichen das, was in der heutigen Zeit "divers" genannt wird. Für diese drei Protagonisten hat Jan Nicoals Bastel im Song "Two Ladies" eine recht frivole Choreografie entworfen. Auch bei anderen Songs wird sehr lasziv und körperbetont getanzt. Gleiches gilt auch für das Kostümbild beim Clubpersonal. Die restlichen Figuren kleidet Gabriele Kortmann sowohl bei den Damen als auch bei den Herren in schicke Dreißiger-Jahre-Mode.

© Steffen Rasche
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Daniel Ris' Inszenierung hat aber auch ihre Längen. Dass Clifford Bredshaw ohne erkennbaren Grund englischsprachige Passagen aus den dem Musical zugrunde liegenden Romanen von Christopher Isherwood zitiert, die der Conférencier dann ins Deutsche übersetzt, ist gut gemeint, hemmt aber den Fortgang der Handlung. Gleiches gilt für den Auftritt des Conférenciers mit einem Volksempfänger in den Händen, aus dem der kindliche Gesang des ohnehin später in der Show noch zu hörenden Songs "Der morgige Tag ist mein" klingt.

© Steffen Rasche
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Die Aufführung in Senftenberg überrascht mit einem homogenen Cast, der von Leon Haller in der Rolle des Conférenciers angeführt wird. Der junge Darsteller verwandelt sich von einem auf den anderen Moment vom süffisanten Moderator zum zynischen Kommentator und verfügt über eine überschäumende Bühnenpräsenz. Auch gesanglich bleibt er seiner Rolle in keinem Moment etwas schuldig.

© Steffen Rasche
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Dreh- und Angelpunkt jeder "Cabaret"-Aufführung ist die Darstellerin der Sally Bowles. Bereits Sallys erster Auftritt, in dem Cassandra Emilienne aus dem Schnürboden auf die Bühne schwebt, ist ein Wow-Moment. Und viele weitere folgen. Emilienne wirft sich mit viel Charme, einer tollen Gesangsstimme und ausdrucksstarkem Tanz in diese Rolle. Vom flatterhaften Tingeltangel-Girl bis zur verzweifelten Frau reicht die Palette ihrer Darstellung.

© Steffen Rasche
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Robert Eder als Clifford Bredshaw holt aus dieser immer etwas undankbaren Rolle darstellerisch das Maximum heraus. Gesanglich ist er kaum zu hören, zumal sein "Einmalig himmlisches Girl"-Duett mit Sally gestrichen wurde. Stimmlich aufhorchen lassen Marianne Helene Jordan als Fräulein Kost und Christina Dom als hier gar nicht so ältliches Fräulein Schneider. Gemeinsam mit Daniel Borgwardt als Herr Schultz gehört sie bis zur geplatzten Verlobung zu den Sympathieträgern der Aufführung. Tom Bartels verkörpert seinen als Ernst Ludwig als schmierigen Nazi-Emporkömmling.

© Steffen Rasche
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Das hauseigene Ensemble wird mit den gastverpflichteten Musicaldarstellern Janneke Thomassen (Girl Mausi), Sarah Steinemer (Girl Lulu), Lukas Baeskow (Girl Helga) und Julian Bender (Girl Frenchie, alias Victor) ergänzt und rundet den guten Eindruck der Aufführung ab. Schön, dass die Neue Bühne Senftenberg auch in den kommenden Wintern wieder Musicals zeigen will. Das Senftenberger Comeback dieses Genres ist 2023 gelungen!

(Text: Kai Wulfes)



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Kreativteam

Musical von Joe Masteroff
(Buch), Fred Ebb
(Gesangstexte) & John Kander
(Musik) / nach dem Stück „I am a Camera“ von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood / Deutsch von Robert Gilbert / Orchesterfassung von Chris Walker


Musikalische LeitungMarty Jabara
InszenierungDaniel Ris
ChoreografieJan Nicolas Bastel
BühnenbildSteven Koop
KostümbildGabriele Kortmann


Besetzung

ConférencierLeon Haller
Sally BowlesCassandra Emilienne
Clifford BradshawRobert Eder
Frl. SchneiderChristina Dom
Herr SchultzDaniel Borgwardt
Ernst LudwigTom Bartels
Frl. KostMarianne Helene Jordan
Bobby u.a.Andy Kubiak
Kit Kat Girl Frenchie (alias Viktor)Julian Bender
Kit Kat Girl HelgaLukas Baeskow
Kit Kat Girl LuluSarah Steinemer
Kit Kat Girl MausiJanneke Thomassen
Kit Kat Klub BandMarty Jabara
Christoph Hermann
Oliver Klemp
Jaroslav Menzinsky
Sascha Mock
Friedemann Seidlitz




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Handlung
Berlin kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. mehr

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Aufführungsrechte: Verlag Felix Bloch Erben

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(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

So muss „Cabaret“ sein: Bissig, sexy und mit einer klaren Botschaft. Aus dem rundum guten Cast ragt Leon Haller als bösartig-androgyne Conférencier-Rampensau heraus.

21.01.2023

 Termine
Fr10.02.19:30 Uhr
Hauptbühne (Senftenberg)
Sa11.02.19:30 Uhr
Hauptbühne (Senftenberg)
Fr24.02.18:00 Uhr
Hauptbühne (Senftenberg)
Sa25.02.19:30 Uhr
Hauptbühne (Senftenberg)
So26.02.19:00 Uhr
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Fr10.03.19:30 Uhr
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Sa11.03.19:30 Uhr
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