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Hollywood-Romanze

Mack und Mabel

Würstchenverkäuferin wird Stummfilmstar


© Sebastian Hoppe
© Sebastian Hoppe
Weil das Stadtzentrum von Görlitz mit seinen Gründerzeitbauten oft als Filmkulisse für Hollywood-Blockbuster dient, vermarktet sich die Stadt touristisch als "Görliwood". Damit passt diese in Deutschland nur sehr selten gezeigte, auf realen Charakteren basierende "Hollywood-Romanze" perfekt dorthin. Fast wäre dem örtlichen Theater mit einem tollen Cast in der Inszenierung von Christopher Tölle und der Ausstattung von Tilman von Blomberg (Bühne) und Heike Seidler (Kostüme) ein ganz großer Wurf gelungen. Wegen schlechter akustischer Aussteuerung zwischen Graben und Bühne übertönt jedoch die musikalische Begleitung den Gesang. Schade.

(Text: kw)

Premiere:22.04.2022
Rezensierte Vorstellung:22.04.2022
Showlänge:175 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Randale im Theater: Zur Ouvertüre torkelt ein sichtlich alkoholisierter Mann mit einer halbvollen Whiskey-Flasche in der Hand auf die Bühne. "Dankeschön, Ruhe!" schnauzt er in Richtung des irritierten Dirigenten, der daraufhin das Spiel der Neuen Lausitzer Philharmonie abbricht.

Bei dem Pöbler handelt es sich um Mack Sennett, einen Regisseur, der im Jahr 1938 vor den Trümmern seiner Existenz steht. Weil er sich viel zu spät dem Tonfilm zugewandt hat, sind seine "Mack Sennett Comedies" bankrott gegangen und sollen am nächsten Tag verkauft werden. Ein letztes Mal schleppt sich Mack gegen den Widerstand eines Wachmanns in sein verlassenes Büro. "Filme sind Filme" sinniert der Gescheiterte, während sich die Zeit ins Jahr 1911 zurückdreht.

© Sebastian Hoppe
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In Rückblenden führt Mack als Erzähler durch seine turbulente Beziehung zu Mabel Normand, die in Brooklyn zufällig in sein Film-Set stolpert, um Schauspielerin Lottie ein Würstchen zu liefern. Mack erkennt ihr Talent und engagiert "Miss Niemand aus Flatbush" vom Fleck weg als Hauptdarstellerin für seine in Serie gedrehten Slapstick-Stummfilme. Mit Mabel an der Spitze feiert er immer größere Erfolge und die Filmcrew, zu der noch der Komiker Fatty, die Pianistin Ella, der Autor Frank und die beiden Buchhalter Mister Kleinman und Mister Fox gehören, erobert aus kleinen Anfängen heraus schließlich Hollywood. Auf der Zugfahrt dorthin kommen sich das Arbeitstier Mack und die romantisch veranlagte Mabel zwar näher, er will das gemeinsame Tête-à-Tête jedoch als reine Arbeitsbeziehung verstanden wissen.

© Sebastian Hoppe
© Sebastian Hoppe


Bei Drehs kommandiert er den von ihm kreierten Star so lange herum, bis es Mabel schließlich reicht. Als sie nicht mehr nur das Girl aus den klamottigen Zweiaktern sein will und mehr künstlerische Persönlichkeit fordert, kommt es zum Bruch. Mack setzt mit der Reihe "Badende Schönheiten" und einer trotteligen Polizistentruppe weiter auf Stummfilm-Slapstick in Serie, Mabel dagegen stürzt sich auf gefühlvolles Drama. Beider Wege kreuzen sich zwar immer wieder und Mack entdeckt seine Gefühle für sie, doch Mabels Leben endet tragisch im Alkohol- und Drogenrausch.

© Sebastian Hoppe
© Sebastian Hoppe


Auch wenn Francine Pascale das zähe und etwas langatmige Original-Buch von Michael Stewart für eine spätere Fassung überarbeitet hat, bleibt dieses Musical eine echte Herausforderung für jeden Regisseur. Mit Bravour stellt sich ihr Christopher Tölle, der in seiner Inszenierung auf Witz und Tempo setzt und dem Genre Film huldigt. Wie im Kino gibt es vor und nach der eigentlichen Handlung einen Vor- und Abspann mit Nennung von Cast und Kreativteam und die Darsteller sind mit übertrieben stark betonten Augenbrauen und Lippen wie in der Stummfilm-Ära geschminkt. Zur Illustration flimmern auf der runden, über einem schlichten, drehbaren Holzpodest herabgelassenen Stoffglocke immer wieder Schwarz-Weiß-Filmschnipsel.

Auf dieser von Tilmann von Blomberg erdachten Drehbühne fahren nicht nur Versatzstücke und Darsteller herein, sie kann auch in Windeseile mit hochgezogener Leinwand in größere Räume verwandelt werden. So lassen sich auch große Show-Nummern realisieren, wie bei Mabels Rückkehr in Macks Studio ("Mabel schwebt zur Tür herein"). Dazu bietet Heike Seidlers schickes Kostümbild die gesamte Palette von elegantem Hollywood-Flair über albernem Slapstick bis zur glitzernden Revue.

© Sebastian Hoppe
© Sebastian Hoppe


Regisseur Christopher Tölle widersetzt sich der spröden Vorlage, indem er dem Publikum viel fürs Auge bietet. Dafür spickt er seine Inszenierung mit allerlei optischen Gags, wie zum Beispiel einem Marsmännchen in einer fliegenden Untertasse bei der Zugfahrt oder bärtigen Badenixen und einem "Me too"-Hashtag zum Song "Massen von bildschönen Girls". Zugleich hält er als Choreograf mit Sinn für Rasanz und effektvolle Arrangements den gesamten Cast aus Solisten, Opernchor und Tanzcompagnie den Möglichkeiten entsprechend fast ständig in Bewegung. Dennoch bleibt auch genug Raum für Gefühl und Tragik, wie in Macks und Mabels Liebesszene im ersten Akt und im tragischen Finale ("Ich hab´ein Happy End versprochen").

© Sebastian Hoppe
© Sebastian Hoppe


"Mack und Mabel" ist ganz zugeschnitten auf die beiden Hauptdarsteller, die mit Andreas Köhler und Jasmin Eberl auf ganzer Linie wunderbar besetzt sind. Köhler ist ganz der verbohrte Filmbesessene, Eberl zunächst eine kecke, lebensbejahende Frau, die letztendlich an ihren Träumen zerbricht. Im Showstopper "Wir als Team sind nicht zu schlagen" harmonieren sie stimmlich gut miteinander, solistisch gefällt Köhler mit "Ich schnick nie Rosen" und Eberl beim jazzigen "Zeit heilt jedes Leid".

© Sebastian Hoppe
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Vorlagenbedingt sind die gesanglichen Einsätze der anderen Solisten beschränkt. Immerhin kann Martha Pohlam, Mitglied des hauseigenen Schauspiel-Ensembles, als Lottie Ames mit "Tanz den Sorgen davon" eindrücklich ihr gesangliches Talent präsentieren. Thembi Nkosi ist ein sehr klassisch klingender Fatty Arbuckle, Michael Berner als Mister Kleinman und Hans-Peter Struppe als Mister Fox punkten besonders als komisches Buchhalter-Duo.

© Sebastian Hoppe
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Jerry Hermans quirlige und melodienselige Partitur verlangt nach einem starken Orchester. Das sitzt mit der Neuen Lausitzer Philharmonie auch im Graben des Görlitzer Theaters. Unter dem Dirigat von Ulrich Kern brillieren die Musiker mit sattem Broadway-Sound bei der Ouvertüre und der Entre-Akt-Musik, überdröhnen allerdings beim Rest der Show fast permanent die Stimmen von Solisten und Chor. Dank der Übertitelung in deutscher und polnischer Sprache kann man der Bedeutung der Songs immerhin folgen. Dennoch wird die unzureichend ausgesteuerte, musikalische Begleitung der eigentlich sehr gelungenen Aufführung nicht gerecht und die Freud am Zuhören geht verloren. Für die Folgevorstellungen bleibt zu hoffen, dass dieser Makel behoben wird. Die Produktion hat es mehr als verdient!

(Text: Kai Wulfes)



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Kreativteam

Musikalische LeitungUlrich Kern
Inszenierung, ChoreografieChristopher Tölle
BühneTilmann von Blomberg
KostümeHeike Seidler
Probenleitung TanzcompagnieDan Pelleg


Besetzung

Mack SennettAndreas Köhler
Mabel NormandJasmin Eberl
Lottie Ames, SchauspielerinMartha Pohla
Fatty ArbuckleThembi Nkosi
Mister KleinmanMichael Berner
Mister FoxHans-Peter Struppe
Frank Wyman, der AutorCarsten Arbel
Ella, die PianistinMi-Seon Kim
William Desmond Taylor /­ Ein AutorRobert Rosenkranz
FreddieEbenezer Sawuli
Eddie, der WachmannHeiko Vogel
Andy, Assistent von Mack SennettHwayoung Eum




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Sebastian Hoppe
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(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Viel zu selten gespieltes Stück in einer sehenswerten Umsetzung mit einem starken Cast. Einziger, dicker Wehrmutstropfen: ein viel zu lautes Orchester überdröhnt oft den Gesang.

22.04.2022

 Termine
Do26.05.19:30 Uhr
Theater, Großer Saal (Görlitz)
Sa11.06.19:30 Uhr
Theater, Großer Saal (Görlitz)


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