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Satirical

Chicago

In dubio pro Roxie


© Thilo Beu
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Die Erwartungen waren hoch, als das Theater Bonn die Besetzung seiner "Chicago“-Produktion veröffentlichte. Und der Coup ist geglückt! Ein selten gesehenes Zusammenspiel von eleganter Inszenierung, anspruchsvoller Choreografie, stimmlich überragendem Ensemble und einer Ausstattung zwischen Luxus-Nachtclub und Strapsen-Tingeltangel. So sehr dieser Abend auch begeistert, makellos ist er dennoch nicht.

(Text: ig)

Premiere:29.08.2021
Rezensierte Vorstellung:18.09.2021
Showlänge:150 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Es überwiegen die positiven Aspekte: Regisseur Gil Mehmert schafft es, diesem Musical, das eine Nummer an die nächste reiht, einen Fluss zu geben. Er lässt Szenen ineinander überlaufen und Darsteller auf clevere Art und Weise erscheinen oder verschwinden. Die gute Personenführung geht Hand in Hand mit Jonathan Huors großartigen Choreografien. Die abwechslungsreiche Mischung von Modern Dance und Modetänzen der 1920er Jahre fordern Solisten und Ensemble ungemein. Einer der Höhepunkt ist der "Cell Block Tango“ mit der kreativen Verwendung der Gitterstäbe. Mehmert und Huor gelingen durch Gruppierung des Ensembles starke Bilder. Etwa die Hinrichtung von Hunyak, der einzigen unschuldigen Insassin auf einem überdimensionalen Paragraphen-Symbol. Ihr Henker ist ein grotesk kostümierter "Uncle Sam“, in dessen gerechtes Land die Ungarin doch so viel Hoffnung setzte. Das Symbol wird dann bei Roxies Prozess auch zum Zeugenstand.

© Thilo Beu
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Bühnenbildner Jens Kilian hat einen Nachtclub auf die Bühne der Oper Bonn gebracht. In sattem Braun, Schwarz und Gold, dem Schattenriss der Chicagoer Skyline und einer Showtreppe wirkt er sehr edel. In der Mitte eine kleine Drehbühne, an den Seiten sitzt die Band in weißen Anzügen, schwarzen Hemden und weißen Fliegen. Falk Bauer hat bei den Kostümen nicht an Glitter gespart und selbst die Gefängnisuniformen haben Eleganz.

© Thilo Beu
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Bei Gesang und Tanz agieren Solisten und Ensemble auf dem gleichen hohen Niveau. Das gehört wirklich zum Allerfeinsten.
Gefängnisdirektorin Mamma Morton ist gleichzeitig auch die Conférencieuse. Dionne Wudu gibt sie lässig und abgeklärt mit der richtigen Portion Soul in der Stimme. Der Countertenor Victor Petersen erklimmt als Mary Sunshine die höchsten Koloratur-Höhen und darf den spektakulärsten Kopfschmuck tragen.

© Thilo Beu
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Ein bisschen wie ein Junge, der den Anzug seines Vaters angezogen hat, wirkt Anton Zetterholms Billy Flynn. Doch man sollte ihn nicht unterschätzen:. Eiskalt und manipulativ benutzt er in "Wir griffen beide nach dem Colt" nicht nur Roxie als Bauchrednerpuppe, sondern steuert auch die Pressevertreter wie Marionetten. Schließlich nimmt die Regie den Song "Hokuspokus" wörtlich und er wird zum Magier, der die Geschworenen und Richter bei Roxies Verhandlung bezaubert.

© Thilo Beu
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In puncto "manipulativ" steht ihm Roxie in nichts nach. Bei Elisabeth Hübert ist sie kein naives Dummchen, das erst lernen muss, wie es sich den Medienzirkus zu eigen macht. Sie fühlt sich jedem überlegen, weiß von Anfang an, was sie will, ist biestig und sarkastisch. Die großäugige Unschuld wird ganz gezielt eingesetzt.

© Thilo Beu
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Als Velma Kelly lässt Bettina Mönch allein schon durch ihre Präsenz keinen Zweifel daran, dass sie sich für die Herrscherin der Anstalt hält. Extrem selbstbewusst wirft sie ihre Beine und benutzt Gitterstäbe als Tanzstange.

© Thilo Beu
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So perfekt diese Produktion auch ist, es fehlt ihr Emotion. Nun ist "Chicago“ kein besonders emotionales Musical. Die Figuren sind habgierig, egozentrisch und medienversessen, doch darüber hinaus verpasst die Inszenierung die Chance, den Charakteren mehr Tiefe zu geben. Da gibt es beispielsweise dieses Betteln von Velma um Roxies Aufmerksamkeit in "Leider geht‘s nicht allein". Zwar lässt Mönch keinen Zweifel daran, dass Velma sich für den besseren Teil des ehemaligen Tanz-Duos mit ihrer Schwester hält und sie tanzt perfekt, aber verzweifelt wirkt sie dabei nicht. Damit wird ihr eine effektvolle Facette genommen. Auch Amos Hart wird erst bei seinem Solo etwas Gefühl gegönnt. Enrico De Pieri spielt ihn anfangs roboterhaft steif, fast ohne jeglichen Ausdruck. Dadurch ist er zu sehr "Mr. Cellophan". Bei seinem großen Auftritt taut De Pieri aber dann plötzlich auf, benutzt die poetische Körpersprache eines Pantomimen und geht stimmlich zum Schluss ordentlich in die Vollen.

© Thilo Beu
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Die musikalische Begleitung kämpft mit der Technik. Die Trompeten der Band werden zu dominant ausgesteuert, dafür gehen die Holzbläser fast unter. Das ist besonders bedauerlich, denn die Musikerinnen und Musiker spielen unter Leitung von Jürgen Grimm temporeich und mit Gefühl für die tänzerische, jazzige Partitur.

© Thilo Beu
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Trotz kleiner Kritikpunkte ist "Chicago" in Bonn eine herausragende Produktion. Ein hochunterhaltsamer Medien-Hokuspokus im Frauengefängnis, der nicht nur glatte Unterhaltung bietet, sondern auch den bitteren, satirischen Kern herauskehrt.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische LeitungJürgen Grimm
InszenierungGil Mehmert
BühneJens Kilian
KostümeFalk Bauer
ChoreografieJonathan Huor


Besetzung

Velma KellyBettina Mönch
Roxie HartElisabeth Hübert
Mamma MortonDionne Wudu
Billy FlynnAnton Zetterholm
Amos HartEnrico de Pieri
Mary SunshineVictor Petersen
Go-to-Hell Kitty
Annie
Reporter
Yara Hassan
Fred Casely
Quartett
Besitzer
Reporter
Tim Hüning
Sergeant Fogarty
Richter
Uncle Sam
Reporter
Robert Johansson
Arzt
Martin Harrison
Quartett
Reporter
Adrian Hochstrasser
Anwalt Aaron
Assistent
Reporter
Lukas Mayer
Harry
Polizist
Aufseher
Reporter #1
Quartett
Nico Hartwig
Polizist
Aufseher
Quartett
Gerichtsdiener
Reporter
Kevin Schmid
Mona
Reporter
Florentine Kühne
Liz
Reporter
Esther Mink
June
Reporter
Tanja Schön
Hunyak
Reporter
Rachel Marshall




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Thilo Beu
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


32228
PERFEKT!

24.09.2021 - ich habe nichts zu meckern. Diese Inszenierung ist einfach umwerfend.
Die Darsteller brillieren.

Mir gefiel es deutlich besser, als in Stuttgart und sogar am Broadway!

Wicked-Freak (30 Bewertungen, ∅ 3.4 Sterne)


32227
Wirklich ein Geniestreich

20.09.2021 - Ich bin noch immer sprachlos! Inszenierung top, Orchester top, Kostüme/Bühne top und Darsteller*innen durch die Bank erste Sahne. Selten habe ich mein Lieblingsmusical so großartig erlebt wie in Bonn. Gil Mehmert ist nicht Regisseur, er ist ein Zauberer.

Samira (4 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

In tollen Bildern inszeniert, rasant choreografiert und glitzernd ausgestattet. Die prominente Besetzung hält, was sie verspricht.

19.09.2021

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