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Revue

ARISE

Liebe ist stärker als die Zeit


© Nady el Tounsy
© Nady el Tounsy
Die neue Grand Show des Friedrichstadt-Palastes hat ein Produktionsbudget von gigantischen 11 Millionen Euro verschlungen. Wofür? Das beantwortet die Show nach einem düster-dürftigen Start erst nach der Pause. Mit hohem technischen Aufwand, einem wandlungsfähigen Ballett-Ensemble, Spitzenklasse-Artistik und einem gigantischen Gold-Glitter-Glimmer-Finale wird das vom Palast-Marketing so gerne beschworene Weltniveau erst im zweiten Teil erreicht.

(Text: kw)

Premiere:22.09.2021
Rezensierte Vorstellung:22.09.2021
Showlänge:145 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Dem Fotografen Cameron ist seine Muse abhanden gekommen. Bei einem Mode-Fotoshooting verlässt ihn seine Kreativität: dunkle Mächte führen ihn in Depression, Selbstzweifel und Tristes. Gibt es einen Ausweg aus dieser Spirale der Hoffnungslosigkeit und ein Zurück in den strahlenden Farbenrausch des Lichts?

Was wie das perfekte Buch zur Bewältigung von Lockdown und Covid-Wahnsinn klingt, hat das Autoren-Team William Baker und Oliver Hoppmann bereits vor der Pandemie entwickelt. Von der Corona-Krise dann ausgebremst, kam "ARISE" mit knapp einjähriger Verspätung auf die Bühne des Friedrichstadt-Palastes - ganz im Sinne des Titels: Aufstehen und nicht Aufgeben! Mit Einschränkungen ist dieses Spektakel Balsam für alle durch Corona geschundenen Seelen.

Das Autoren-Duo lässt Cameron auf den düsteren Gegenspieler "Zeit" treffen. Dieser ist halb Punk, halb Teufel und führt als bizarrer Strippenzieher durch das dürftige, recht vorhersehbare Handlungsgerüst. "Zeit" beamt Cameron zurück in glücklichere, bunte Tage und arrangiert, um von Cameron geliebt zu werden, ein letztes Zusammentreffen mit der Muse. Sie erinnert den Fotografen daran, dass sie immer in seinem Herzen sein wird. Liebe ist halt stärker als die Zeit - und in einem Farbenrausch-Finale besiegt das Licht Düsternis, Depression und Hoffnungslosigkeit.

© Ralph Larmann
© Ralph Larmann


Problematisch ist der krude Sprachmix, der auf ein internationales Publikum abzielt. Im gesprochenen Wort wechselt sich Englisch mit Deutsch ab, gesungen wird in einzelnen Songs auch in koreanischer, französischer, persischer und hebräischer Sprache. Musikalisch pendeln die Kompositionen von gleich sechs Urhebern, darunter Tom Neuwirth alias Conchita Wurst, zwischen Funk, Hip-Hop, Electro und schwülstiger Ballade. Mit Ausnahme von "Am Ende wartet Licht" und dem daraus entwickelten Finale "ARISE" besitzen die Songs wenig Ohrwurm-Charakter. Der belanglose Score untermalt das Geschehen eher, als dass er mitreißt.

Frida Arvidsson umrahmt die gigantisch große Bühnenfläche mit einem Portal, das an eine Kameralinse oder ein Auge erinnert. Hier hinein fahren weitere Spielflächen und ein weiterer begeh- und betanzbares Orchesterrund im Hintergrund ist die Heimat der Showband. Unter der Leitung von Chefdirigent Daniel Behrens beweisen einzelne Musikerinnen und Musiker in Soloauftritten, dass neben viel Elektronik auch echte Instrumente gespielt werden.

Als Regisseur erzählt Oliver Hoppmann die Geschichte über den entmutigten Fotografen sehr stringent und überbrückt größere Umbaupausen geschickt, indem er seitliche Spielflächen bespielen lässt. Vorlagenbedingt ist das im ersten Teil optisch reduziert. In der Düsternis treiben Stock schwingende Monsterwesen, die aus einem Fantasy-Film entsprungen sein könnten, ihr Unwesen und es fällt schwer, dem Ganzen einen Sinn abzuringen. Nicht nachvollziehbar ist auch, warum die Muse bei ihrem ersten Auftritt in einem bordellartigen Betrieb auf die Bühne fährt, in dem sich laszive Körper rekeln und der körperlichen Lust gefrönt wird. Soll durch Sex Camerons Kreativität wieder erweckt werden?

Glücklicherweise beschließt das Markenzeichen des Palastes, die Girlreihe, den ersten Teil der Show. Ballett-Chefin Alexandra Georgieva fordert in ihrer rasanten Choreografie die 32 Tänzerinnen aufs Äußerste. Es ist absolut sehenswert, in welch immer neuen Formationen die Beine in absoluter Präzision geschmissen werden. Nach der Pause steigert sich die Show noch weiter. Die Tänzerinnen und Tänzer des Hauses, die ohnehin die Hauptlast dieser Revue schultern, beweisen in "Camerone's Clones", dass sie weit mehr leisten können als Hip-Hop-Gehüpfe, eleganten Showtanz, laszive Hebefiguren und Luftakrobatik. Choreograf Ohad Naharin postiert das optisch an die Blues Brothers erinnernde Ensemble auf Klappstühlen rund um die heruntergefahrene Unterbühne. Wieder und wieder springt es stoisch von seinen Stühlen auf, wiederholt eckige Modern-Dance-Posen und schreit einen hebräischen Text aus dem 16. Jahrhundert heraus. Dabei entledigen sich die Tänzerinnen und Tänzer ihrer Bekleidung. Eine überraschende, tänzerische Meisterleistung in der Show, die das Publikum in der besuchten Premiere zu Ovationen hinreißt.

© Ralph Larmann
© Ralph Larmann


Und die Show klotzt weiter auf hohem Niveau: Ein Sand-Schattenspiel (Philippe Beau) verzaubert mit Poesie, fantastische Meereswesen tummeln sich in einer funkelnden Unterwasserwelt voller Fontänen auf der gefluteten Bühne und die Artisten der Truppe "The New Flying Cáceres" lassen mit ihrer spektakulären Trapeznummer im Publikum den Atem stocken. Ein furioses Final-Spektakel in einem Rausch an Gold-Glitzer-Kostümen (Stefano Canulli) feiert den Sieg des Lichtes über die Finsternis.

Überschattet wird die Premiere vom Ausfall der jeweiligen Erstbesetzung des Lichts (Tertia Botha) und des Cameron (Frank Winkels). Eine Chance für die Zweitbesetzung? Im Fall vom Licht auf jeden Fall. Cover Jaqueline Bergrós Reinhold meistert ihre Auftritte bravourös und empfiehlt sich mit großer Power-Stimme als Leading Lady. Mark van Beelen kann als Cameron-Cover ebenfalls krankheitsbedingt nicht auftreten, sodass die Verantwortlichen zu einer Notlösung greifen müssen: Tänzer Dimitri Genco rettet die Premiere, indem er die zentrale Figur des Fotografen Cameron auf der Bühne mimt. Dazu wird Frank Winkels kraftvoller Bariton aus der Konserve eingespielt.

Olivier Erie St. Louis führt als Erzähler Zeit durch die Show. Das ist im Fall der deutschen Textpassagen recht anstrengend, da er sie mit einem recht starken Akzent spricht und sie nur schwer zu verstehen sind. Gesanglich tut er sich nicht nur als grandioser Rapper und Beatboxer hervor, sondern führt bravourös mit souliger Stimme große Shownummern an. Als keck-verführerische Muse bezaubert Kediesha McPherson vor allem in ihrem Solo "The Muse/Bodymorphia".

Wer zum ersten Mal eine Show im Friedrichstadt-Palast besucht, der wird von diesem Hightech-Spektakel, mit Spitzenartistik und einem herausragenden Ballett-Ensemble begeistert sein. Wiederholungstätern bietet sie gut gemachtes Entertainment mit Luft nach oben.

(Text: Kai Wulfes)



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Kreativteam

BuchOliver Hoppmann
William Baker
InszenierungOliver Hoppmann
Musikalische LeitungDaniel Behrens
Tobias Leppert
Sebastian Brand
MusikDaniel Behrens
Albin Janoska
Arne Schumann
Josef Bach
Jasmin Shakeri
Tom Neuwirth alias Conchita Wurst
SongtexteOliver Hoppmann
Jasmin Shakeri
Tom Neuwirth alias Conchita Wurst
ChoreograifeEric Gauthier
Alexandra Georgieva
Douglas Lee
Ohad Naharin
Nikeata Thompson
Ashley Wallen
Justyna Woloch
Akrobatische ChoreografieBrennan Figari
Creator of Shadow PlayPhilippe Beau
Comedy ConsultingSpencer Novich
BühnenbildFrida Arvidsson
KostümeStefano Canulli
Kooperation Kostüm KonzeptStevie Stewart
Artdirector FotografieKristian Schuller
Peggy Schuller
VideodesignThis is Comix
(Harry Bird
Joshua Gallagher
Thomas Harrison
Sam Hodgkiss)

Illusion DesignNils Bennett
FechtchoreografieJean-Loup Fourure


Besetzung

== 2022/23

CameronDennis Weissert
(Mark van Beelen)

LichtJaqueline Bergrós Reinhold
(Laura Panzeri)

MuseKediesha McPherson
(Laura Panzeri)

ZeitOlivier St. Louis
(Sidonie Smith)
(Mark van Beelen)

SirenenMark van Beelen
Laura Panzeri
Sidonie Smith
Flying Trapeze ActThe New Flying Cáceres
Russian Swing ActTroupe Alexey Pronin
Ballett des Palastes

Show-Band des Palastes



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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


32241
Bunt jedoch streckenweise sehr langatmig

20.11.2021 - Die Lobeshymnen der Presse und im Netz zur neuen Grand Show kann ich nur bedingt nachvollziehen.

Sicher hat man nach Corona "geklotzt" und die Spielfreude des Ensembles war grandios. Die Vorzeichen standen gut.

Das aber reicht nicht um 1800 Menschen zu begeistern. Erstmals gab es an dem Freitagabend des Besuchs keine Standing Ovations am Ende. Das habe ich bisher im Palast noch nie erlebt. Der Funke mag nicht wirklich übergesprungen sein.

Die Bühne hält viele Überraschungen bereit ist aber recht leer. Erst zum 2. Teil wird für 15min Wasser als Element genutzt und das ist sehr schade. Es spritzen ein paar bunte Fontänen und das Ensemble macht sich die Knöchel kurz nass, aber da hatte ich persönlich mehr erwartet.

Effektvoll stattdessen der Wasserfall links und rechts aus den Treppen der fast mehr begeisterte. Genial bei dieser Show das Licht. Der Lichtring wird gekonnt gekippt, und versenkt und schafft es unglaubliche Szenenbilder zu erschaffen. Das war eines der Highlights für mich.

Für eine 2,5h Show (mit 25min Pause) sind leider 2 artistische Darbietungen wenig. Diese sind zwar Top aber einfach nicht genug.

Wie in der offiziellen Bewertung bereits erwähnt wurde trägt die Company die Hauptlast der Show. Diese tragen ihre Nummern in gewohnter Qualität vor aber alles schon x-mal gesehen. Da werden Kostüme und Roben zur Schau gestellt wie auf einer Modenschau in Paris. Genial ist das Ballett des Hauses dann wenn einzelne Solisten z.B. die Nummer auf der gekippten Scheibe darbieten.
Auch das Hand-Schattenspiel (eine Aufnahme) die abgespielt und mit 4 weiteren Händen ergänzt wird weiß zu berühren.

Die Musik ist wieder einmal das schwächste an der Show. Nicht eine Nummer ist wirklich eingängig oder einer Revue gebührend. Zudem wird immer mehr englisch und mit starkem Akzent gesungen oder gesprochen. Sehr bedauerlich.

Ganz übel der nicht enden wollende Opener des 2. Teils. Eine für sich sicher künstlerisch einwandfreie Darbietung eines Ensembles vor Spiegeln auf Klappstühlen die in gefühlt 10min immer und immer wieder die selben Moves zelebrieren und sich entblättern. Dazu brüllen Sie 30 mal oder mehr irgend etwas hebräisches in den Saal und einer fällt vom Stuhl. - Eine Qual und kein Opener einer Grand Show nach der Pause.

Ebenso hat eine Grand Show ja keinen roten Faden in der Storyline sondern der Palast spricht von einem roten Band. Selbst dieses "verbindende Band" ist nur schwer zu verstehen und man erahnt nur was das ganze soll.

Erschreckend am Buch das Cameron der Fotograf was weniger auf der Bühne ist als die Zeit. Und die ist bei manchen Nummern einfach zäh. Die dem Protagonisten verloren gegangene Muse stellt sich in einer echt unterirdischen Nummer als "Puffmutter" in einem Boudoir voller Lust und Sünde dar. Wenn das die Muse sein soll - herzlichen Glückwunsch. Das war weder erotisch noch passend. Kein Applaus bei dieser Nummer.

Alles in allem eine bedingt unterhaltsame und langatmige Show mit wenigen artistischen Highlight.

Da wo VIVID noch etwas Humor und Spass bot, ist dieser nun ganz abhanden gekommen. Schade eigentlich.

mrmusical (90 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


32240
Auferstehung?!

17.11.2021 - Der Friedrichstadt Palast mit seinen herausragenden Revuen muss sicher nicht auferstehen. Dennoch ist die neue Show ARISE nach der Zäsur des Lockdowns und den problematischen Bedingungen, die sich einer Großinszenierung zu Zeiten einer globalen Pandemie in den Weg stellen, von besonderer Bedeutung.

Das Besondere an ARISE ist, dass alles wie immer ist.
Auch diese neue Show ist riesiges Revue-, Show-, Ausstattungsspektakel auf Entertainment-Weltniveau.
Das Kernstück des Palastes, das große Corps de Ballet und seine Solisten sind in Topform. Die Artistik hat internationales Spitzenniveau. Der Ausstattung sieht man ihren Millionen-Etat an. Kostüme (Stefano Canulli) und Choreografie sind im Vergleich mit VIVID (zu meiner persönlichen Freude) wieder deutlich erwachsener geworden und orientieren sich an französischen Revue Produktionen. Gesangssolisten wie Frank Winkels, Tertia Botha und Kediesha Mc Pherson sind souverän.
ARISE hat eine stimmige Dramaturgie, die sich bis zum Finale steigert.
Der nur angedeutete Handlungsfaden und die schablonenhaften Charaktere sind durch das Genre bedingt und nicht als Manko zu beurteilen.

ARISE ist Revue at its best und eines der theatralischen Highlights von Berlin.

kevin (196 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


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 Theater / Veranstalter
Friedrichstadt-Palast
Friedrichstraße 107
D-10117 Berlin
+49 30 2326 2326
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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Bloß nicht in der Pause enttäuscht fliehen! Nach belanglos wirkendem, langweiligen Wirrwarr und musikalischem Gewummer kommt die Show nach der Pause mit opulenten Bildern und Ausnahme-Artistik so richtig in Fahrt. Absolute Weltklasse!

22.09.2021

 Termine
Di29.11.19:30 Uhr
Do01.12.19:30 Uhr
Fr02.12.19:30 Uhr
Sa03.12.15:30 Uhr
Sa03.12.19:30 Uhr
So04.12.15:30 Uhr
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Di06.12.19:30 Uhr
Do08.12.19:30 Uhr
Fr09.12.19:30 Uhr
Sa10.12.15:30 Uhr
Sa10.12.19:30 Uhr
So11.12.15:30 Uhr
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Di13.12.19:30 Uhr
Do15.12.19:30 Uhr
Fr16.12.19:30 Uhr
Sa17.12.15:30 Uhr
Sa17.12.19:30 Uhr
So18.12.15:30 Uhr
So18.12.19:30 Uhr
Di20.12.19:30 Uhr
Do22.12.19:30 Uhr
Fr23.12.19:30 Uhr
So25.12.15:30 Uhr
So25.12.19:30 Uhr
Mo26.12.15:30 Uhr
Mo26.12.19:30 Uhr
Mi28.12.19:30 Uhr
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Fr30.12.19:30 Uhr
Sa31.12.15:30 Uhr
Sa31.12.19:30 Uhr
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Di03.01.2319:30 Uhr
Mi04.01.2319:30 Uhr
Do05.01.2319:30 Uhr
Fr06.01.2319:30 Uhr
Sa07.01.2315:30 Uhr
Sa07.01.2319:30 Uhr
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Sa21.01.2315:30 Uhr
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Sa28.01.2315:30 Uhr
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