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Uraufführung

Ku´damm 56

Rebellion für den Rock´n´Roll


© Jörn Hartmann - Dominic Ernst
© Jörn Hartmann - Dominic Ernst
Aus der Glotze auf die Musicalbühne: Der erfolgreiche TV-Dreiteiler um die Familie Schöllack aus dem Jahr 2016 feiert Ende November 2021 seine Uraufführung auf der Musicalbühne. Im Mittelpunkt der im Nachkriegs-Berlin spielenden Geschichte steht Monika, die gegen den Willen ihrer Mutter versucht, den Rock´n´Roll im Kursprogramm der erzkonservativen Tanzschule Galant zu etablieren.

(Text: kw)

Premiere:28.11.2021


Hier veröffentlichen wir in Kürze eine ausführliche Rezension!





Kreativteam

AutorinAnnette Hess
MusikPeter Plate
Ulf Leo Sommer
Daniel Faust
Joshua Lange
LiedtextePeter Plate
Ulf Leo Sommer
InszenierungChristoph Drewitz
Musikalische LeitungCaspar Hachfeld
AusstattungAndrew D. Edwards
ChoreografieJonathan Huor


Besetzung

Caterina SchöllackKatja Uhlig
(Shari Lynn Stewen)
(Vanessa Wilcek)
(Lisa Marie Sumner)

Monika SchöllackSandra Leitner
(Nele Neugebauer)
(Sophia Riedl)
(Lucille-Mareen Mayr)
(Florentine Beyer)

Helga SchöllackTamara Pascual
(Shari Lynn Stewen)
(Lucille-Mareen Mayr)
(Hannah Leser)

Eva SchöllackIsabel Waltsgott
(Sophia Riedl)
(Kiara Brunken)
(Florentine Beyer)

FreddyDavid Jakobs
(Nico Went)
(Florian Heinke)

Professor FassbenderHolger Hauer
JoachimDavid Nádvornik
(Philipp Nowicki)
(Patrik Cieslik)

Wolfgang von BoostDennis Hupka
(Patrik Cieslik)
(Wolfgang Türks)

Otto FranckRudi Reschke
Fritz AssmannThorsten Tinney
(Wolfgang Türks)

Gerd SchöllackMarco Billep
(Philipp Nowicki)
(Wolfgang Türks)

SängerFlorian Heinke
Walk in Cover Otto Franck
Walk in Cover Professor Fassbender
Walk in Cover
Fritz Assmann
Walk in Cover Gerd Schöllack - Dominik Schulz
EnsembleKiara Brunken
Florian Heinke
Lucille-Mareen Mayr
Kate Moss
Nele Neugebauer
Nico Went
Alexander Wilbert
Vanessa Wilcek
SwingShari Lynn Stewen
Sophia Riedl
Albert-Jan Kingma
Lisa Marie Sumner
Hannah Leser
Philipp Nowicki
Patrik Cieslik
Florentine Beyer
Wolfgang Türks
GitarreYves Ardelt
Frederik Schlender
Sebastian Ulmer
Jascha Wonerow
BassDominik Mostert
Christoph Chudaska
KeyboardDamian Omansen
Matt Paull
Keyboard
Trompete
Jotham Bleiberg
Jakob Gerhardt
DrumsCaspar Hachfeld
Julian Külpmann




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Jörn Hartmann - Dominic Ernst
© Jörn Hartmann - Dominic Ernst
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


32244
Vertane Chance

29.11.2021 - Wenn es eine Auszeichnung dafür gäbe, möglichst viele verschiedene Stücke gleichzeitig auf die Bühne zu bringen – „Ku’damm 56“ hätte sie definitiv verdient. Leider ist dies die einzige Auszeichnung, die diese Versatzstück-Sammlung von zig zeitlich stattfindenden, unterschiedlichen Ideen, von denen kein Element so recht zueinander passen mag, verdient hat.

Ein konfuses, überfrachtetes Buch, eine banale Sammlung von nichtssagenden Liedern (als kohärenten „Score“ kann man diese Komposition leider nicht bezeichnen), die mehrfach an der Grenze zur Peinlichkeit entlangschrammenden, schlecht gereimten Liedtexte, blasse Choreografien ohne durchgehende Handschrift, ein merkwürdig-abstrakt-modernes Bühnenbild gepaart mit farblosen 50er-Jahre-Kostümen – dazu eine unfokussierte Regie, die den ganzen Abend über nicht weiß, was sie mit den vielen vielen einzelnen Elementen (und den durch die Bank guten Darsteller*innen) anfangen soll, geschweige denn es auch nur ansatzweise schafft, alles zu einem stringenten großen Ganzen zusammenzufügen… Was dort auf der Bühne des altehrwürdigen Theaters des Westens stattfindet, würde im englischen wohl am ehesten als „hot mess“ bezeichnet werden.

Doch der Reihe nach: Anette Hess, hochdekorierte Film- und Fernsehen-Autorin (und nach eigener Aussage bis dato kein Fan des Genres Musical) hat ihr eigenes Buch der Serien-Vorlage für die Musicalfassung adaptiert. Leider gelingt es ihr dabei nicht, die vielen Handlungsstränge zu sortieren und an den richtigen Stellen zu bündeln. Des Resultat ist ein überfrachtetes Buch, das zu viele Themen in zu wenig Zeit unterzubringen versucht – und dadurch leider keiner der diversen Parallel-Geschichten den nötigen Raum lässt, ihre Wirkung richtig zu entfalten.

Darunter leidet nicht nur der Gesamteindruck des Stückes, sondern vor allem die beiden Hauptfiguren. Den anderen Frauenfiguren wird soviel Raum zugesprochen, dass über weite Teile des Abends Monikas Geschichte (die ja eigentlich die zentrale Story der Show ist) fast in den Hintergrund tritt, was nicht zuletzt daran liegt, dass fast alle anderen Frauenfiguren auf der Bühne spannender sind als die weibliche Hauptrolle, die sich – von der Regie weitgehend allein gelassen – von Szene zu Szene tolpatscht und dabei hauptsächlich damit beschäftigt ist, die obligatorische dicke Brille (wie oft wird dieses Klischee-Requisit eigentlich noch bemüht, um die Aussenseiterin zu kennzeichnen?!) geradezurücken oder im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne zu stolpern.

Leider ist dies nicht die einzige Figur, bei der sich die „Personenregie“ darauf beschränkt, über ein oder zwei Äusserlichkeiten den kompletten Charakter zu definieren. Am auffälligsten ist das bei Mutter Caterina Schöllack, die 90% ihrer Zeit auf der Bühne mit versteinerter Miene in immer gleicher matronenhafter Pose und in die Hüfte gestemmter Hand verbringen muss, egal ob sie singt, spielt, steht, läuft etc. Einzig in der (ziemlich unangenehmen) Szene, in der Darstellerin Katja Uhlig einen kompletten Song lang masturbierend auf der Bühne sitzen muss, während über ihr ihre Töchter ein Lied singen, wird diese ansonsten in Stein gemeisselte Gestik aufgelöst – und zum Ende des Stückes hin, wenn sie ihren Sinneswandel dadurch illustrieren muss, dass sie (Überraschung!) ihren ansonsten strengen Dutt öffnet und ihr Haar schüttelt.

Am auffälligsten ist die schwache bzw. nicht vorhandene Figurenzeichnung im Stück jedoch bei der Rolle des Freddy, den David Jakobs mit Charme und gewohnt toller Stimme und Ausstrahlung zum Leben zu erwecken versucht. Problem bei dieser Figur ist leider, dass die Rolle erst sehr spät im Laufe des Stückes von der Autorin als solche etabliert wird. Bis dahin ist David Jakobs allerdings schon mehrere Male auf der Bühne aufgetaucht und hat diverse Songs gesungen – ohne dass man als Zuschauer wüsste, wer er ist. Diverse Kommentare in der Pause zu David Jakobs Rolle als „Conférencier der Show“ sprechen da Bände… wenn weite Teile des Publikums nach der Hälfte des Stückes immer noch nicht wissen, wer die männliche Hauptfigur ist, gibt es definitiv ein Problem mit der Figurenzeichnung im Buch.

Dabei helfen auch nicht die diversen Logik-Fehler in der Handlung. So singt Freddy zwar das Opening „Monika“, einen sehr ausführlichen Song in dem die weibliche Hauptfigur beschrieben wird – kennenlernen tut er diese im Stück aber erst diverse Szenen später.

Überhaupt machen viele der Songs im Kontext der Handlung wenig Sinn. Als Beispiel sei hier die – offensichtlich als Radio-kompatibler Hitsong komponierte – Nummer „Berlin, Berlin“ genannt, die zwar als eingängiger Popsong und Hymne auf die Stadt durchaus funktioniert, im Rahmen der Handlung allerdings keine wirklich Funktion hat, ausser dass David Jakobs zum wiederholten Mal zwischen zwei Szenen auf die Bühne kommt, einen Song singt und danach wieder verschwindet.

Ansonsten besteht die Musik aus einer zusammengewürfelten Ansammlung an Songs, die weder eine eigenständige Handschrift noch eine durchgängige musikalische Sprache für das Stück erkennen lassen. Versuchen sich die Komponisten im ersten Akt zumindest ab und zu noch halbherzig daran, einige Nummern im 50er-Jahre-Pastiche-Stil zu schreiben, werfen sie dies spätestens nach der Pause mehr oder weniger komplett über Bord und bewegen sich auf vertrautem 90er-Pop/Rock-Terrain. Dabei sind zwar durchaus einige interessante Songs entstanden, die auch von der sehr guten Band unter der musikalischen Leitung von Caspar Hachfeld überzeugend umgesetzt werden – die meisten davon verfehlen jedoch im Kontext der Show ihre Wirkung als Teil eines kohärenten Musical-Scores, der die Handlung voranbringen oder die Figuren charakterisieren würde.

So unausgegoren wie die Musiksprache ist auch die visuelle Seite der Show. Triste 50er-Jahre Kostüme ohne charakterspezifische Details treffen auf ein abstrakt-modernes Bühnenbild, das zwar durchaus optisch einiges zu bieten hat (vor allem im Zusammenspiel mit dem ansprechenden Lichtdesign), mit seinen Baugerüst-artigen Bühnenaufbauten und den bröckelnden Backsteinwänden im Hintergrund allerdings – neben den offensichtlichen Anleihen bei „Hamilton“ – eher aussieht, als würde das Ensemble gleich „Seasons Of Love“ anstimmen und doch lieber „Rent“ aufführen (was wahrscheinlich eine gute Idee wäre).

Es spricht ja nichts dagegen, einen Stoff modern und abstrahiert für die Bühne zu adaptieren. Ob allerdings gerade DIESER Stoff dafür geeignet ist, bleibt zu bezweifeln. Die Serie lebte ja sehr von der detaillierten Zeichnung des Berlins der 50er-Jahre in all seiner Nachkriegs-Spießigkeit. Wenn man diese jedoch optisch komplett eliminiert und die muffige Enge und Plüschigkeit der diversen Spielorte durch abstrakte Baugerüste ersetzt, die diese Atmosphäre in keiner Sekunde des Abends auch nur ansatzweise erschaffen (oder klar erkennbare Spielorte definieren), bleibt auch optisch nicht viel übrig, gegen das Monika rebellieren kann.

Der konfuse Gesamteindruck ist umso ärgerlicher, als dass es immer wieder kurze Momente gibt, in denen für Sekunden aufblitzt, was dieser Abend eigentlich hätte sein können – nämlich ein durchaus spannendes Musical.

Leider ist weder den Autor*innen noch der Regie gelungen, diesen Eindruck für mehr als einige wenige Momente zu erreichen. Der größte Teil des Abends ist leider eine ziemlich überflüssige Musical-Adaption, deren überfrachtetes Buch, banale Songs und das Fehlen einer durchgängigen Handschrift, die den Abend zusammenhalten würde, eher langweilen und verärgern als gut unterhalten.

Dies ist umso ärgerlicher, weil auf der Bühne ein durch die Bank gutes und talentiertes Ensemble steht und man eigentlich alle Möglichkeiten gehabt hätte, einen guten Theaterabend zu erschaffen.

So verlässt man das altehrwürdige Theater des Westens leider (mal wieder) mit einem schalen Nachgeschmack und in der Hoffnung, dass dort bald endlich wieder ein gutes Stück aufgeführt wird, das diesem wunderbaren Haus gerecht wird.

„Ku’damm 56“ ist es nicht.

[titeldershow] (erste Bewertung)


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 Theater / Veranstalter
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Kantstr. 12
D-10623 Berlin
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(kw)

Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

TV-Mehrteiler über die muffigen 1950er Jahre in West-Berlin verdichtet zu einem 140-Minuten-Musical in minimalistischer Ausstattung. Toller Cast!

28.11.2021

 Termine
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