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Historical

Lady Bess

Zwischen Liebe und Pflicht


© Edyta Dufaj
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Das "neue" alte Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze überzeugt in St. Gallen durch vollen Orchestersound und großartiger Besetzung, enttäuscht aber mit einer schwachen Story. Vor allem die beiden hervorragenden Hauptdarstellerinnen trösten darüber hinweg. Nicht umsonst verneigt sich Sylvester Levay nach der Show am Premierenabend tief vor seiner Lady Bess, Katia Bischoff, die gemeinsam mit ihrer Gegenspielerin Wietske van Tongeren als "Bloody Mary" das Stück trägt.

(Text: Frank Guevara Pérez)

Premiere:19.02.2022
Rezensierte Vorstellung:19.02.2022
Showlänge:180 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Weit war der Weg von "Lady Bess" auf eine deutschsprachige Bühne: Bereits 2015 wurde das Musical über die Jugendjahre von Elizabeth Tudor, der späteren Königin Elizabeth I, als Auftragswerk der Toho-Group in Tokio uraufgeführt. Nach sieben Jahren hat es nun den Weg zur Aufführung in St. Gallen gefunden. Zu viel Verwunderung hat im Vorfeld die Bezeichnung "Weltpremiere der neuen Fassung" gesorgt. Denn was in St. Gallen auf die Bühne kam, ist letztendlich eine gekürzte Fassung der Show aus dem Imperial Theater in Tokio. Ob man es als Weltpremiere bezeichnen kann, sei jedem selbst überlassen.

© Ludwig Olah
© Ludwig Olah


Auf den ersten Blick scheint "Lady Bess" ein typisches Levay/Kunze-Musical zu sein. Michael Kunze greift im Buch auf seinen bekannten Kunstgriff der imaginären Figur zurück, die das Aufzeigen eines inneren Konflikts des Hauptcharakters zeigt. War es bei "Elisabeth" der Tod, bei "Mozart!" das Porzellankind Amadé, so ist es nun bei "Lady Bess" Elizabeths Mutter Anne Boleyn, die regelmäßig als Geist über die Bühne schwebt und ihrer Tochter eine große Zukunft prophezeit. Elizabeth selbst hört diese Prophezeiung nicht, viel zu sehr ist ihr die Mutter, die sie nur durch Erzählungen als Ehebrecherin kennengelernt hat, verhasst. Erst als sie im zweiten Akt selbst durch ihre Halbschwester Mary im Tower von London inhaftiert wird, kann sie sich mit ihrer Mutter versöhnen.

© Ludwig Olah
© Ludwig Olah


Soweit, so gut – nur leider ist das Buch von Michael Kunze eines der schwächeren, die er für ein Musical verfasst hat: Die Titelfigur irrt seltsam passiv durch die Story. Nichts von dem, was Lady Bess tut, hat eine Konsequenz; es entsteht der Eindruck, dass alles was ihr passiert, nur Zufall ist. Das irritiert und passt so gar nicht zum vermittelten Bild der überaus gebildeten Königstochter, die stets ein Buch und ihren Lehrer an der Seite hat. Ob das von Kunze so beabsichtigt oder doch eher eine Konsequenz aus den umfangreichen Kürzungen des Original-Buchs (die Show in Japan dauerte beinahe doppelt so lang) ist, lässt sich nicht ausmachen. Die einzig konsequente Entscheidung, die Lady Bess im Stück treffen darf, ist es sich von ihrer Liebe Robin Blake zu trennen. Dies kommt hier allerdings so unvermittelt, dass man beinahe den Eindruck gewinnt, der Autor musste die Geschichte kurz vor Ende wieder den historischen Tatsachen anpassen.

© Edyta Dufaj
© Edyta Dufaj


Eher ungewöhnlich für das Team Levay und Kunze ist die Musik. Es findet sich in der gesamten Show kein "Ich gehör nur mir"-Song. Levay spielt wie immer mit Leitmotiven und Wiederholungen, insgesamt bleibt aber kein Ohrwurm hängen. Eigentlich schade, da die Musik, die aus dem Orchestergraben von Koen Schoots kommt, voll und vor allem kraftvoll klingt. In Zeiten, in denen immer mehr Orchester klein gespart werden, ist es eine wahre Freude diese Fülle zu hören. Den Melodien hört man leider deutlich an, dass sie für eine dem deutschen rhythmisch und tonal sehr unähnliche Sprache geschrieben wurden. Häufig passt die Anzahl der Silben der deutschen Texte nicht so recht auf die Töne der Lieder. Dies hat zur Folge, dass die Texte an vielen Stellen merkwürdig hölzern klingen und die fließenden Klangbilder, die man ansonsten von Michael Kunze gewohnt, vermissen lassen.

© Ludwig Olah
© Ludwig Olah


Das Bühnenbild der Show ist einfach und wandelbar. Ein paar Türme und Zinnen bilden die meisten Orte ab. Je nachdem, ob die Handlung gerade in dem Schloss, in dem Lady Bess ihre Kindheit und Jugend verbringt, oder im Tower von London spielt, werden Bühnenelemente in den Vorder- oder Hintergrund geschoben und unterschiedlich beleuchtet. Dieses eher sparsame Bühnenbild ist sicherlich auch der Interimsspielstätte UM!BAU des eigentlichen Theaters St. Gallen geschuldet. Ein wahrer Augenschmaus dagegen sind die Kostüme von Falk Bauer. Sie erwecken den Eindruck, dass hier nun alle Kosten, die man beim Bühnenbild einsparen musste, ausgegeben werden durften. Die Kostüme sind eine wahre Pracht und müssen sich auf keinen Fall hinter einer internationalen Großproduktion verstecken. Im schlichten, zweckdienlichen Bühnenbild wirken sie beinahe noch aufwendiger und pompöser.

© Edyta Dufaj
© Edyta Dufaj


Besetzt ist "Lady Bess" mit bekannten Namen des deutschsprachigen Musicals: Hervorzuheben sei Wietske van Tongeren, die eine hervorragende Mary Tudor gibt. In jeder Geste und jedem Wort nimmt man ihr den katholischen Fanatismus ab. Wenn sie sich gegen Ende des Stücks, bereits vom Krebs gezeichnet, mit ihrer Halbschwester versöhnt, dann ist das einer der bewegendsten Momente der Show. Noch übertroffen wird sie jedoch von Katia Bischoff in der Rolle der Titelheldin. Von ihrem ersten Bühnen-Moment an überzeugt sie mit klarer, kräftiger Stimme und enormer Spielfreude und schaffte es quasi mühelos den gesamten Abend das Stück als Leading Lady zu tragen. Völlig zurecht verneigt sich Sylvester Levay am Ende des Premierenabends auf der Bühne tief vor seiner Lady Bess.

(Text: Frank Guevara Pérez)



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Kreativteam

Musikalische LeitungKoen Schoots
InszenierungGil Mehmert
ChoreografieJonathan Huor
BühneChristopher Barreca
KostümeFalk Bauer


Besetzung

Lady BessKatia Bischoff
Anna Langner
Mary TudorWietske van Tongeren
Robin BlakeAnton Zetterholm
Thomas Hohler
Roger AschamTom Zahner
Anne Boleyns Geist u.a.Katja Berg
Katherine Ashley u.a.Kerstin Ibald
Simon Renard u.a.Gerd Achilles
Stephen GardinerJogi Kaiser
Philipp von Spanien u.a.Lukas Mayer
Horatius Swift u.a.Sander van Wissen
Adrian Hochstrasser
Buggy Ringer u.a.Markus Fetter
Scrag Totter u.a.Pascal Cremer
Henry Bedingfield u.a.André Bauer
Susan Clarencieux u.a.Gabriela Ryffel
Thomas Parry
Thomas Wyatt u.a.
Patrick Stame
Emily u.a.Ulrike Figgener
Katharina von Aragon u.a.Clara Mills-Karzel
Hofdame u.a.Veronika Hammer
Marina Petkov
Anna Langner
Schwerträger u.a.Thomas Höfner
Priester
Henry VIII u.a.
Timothy Roller
Kutscher u.a.Florian Minnerop
Sinfonieorchester St. Gallen

Statisterie des Theaters St. Gallen





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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