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Biografie

Ab heute heißt du Sara

33 Bilder aus dem Leben einer Berlinerin


Ginge es nach den Nationalsozialisten, würde Inge Deutschkron heute nicht mehr leben. Als Jüdin verfolgt, musste die selbstbewusste junge Frau 1943 im Alter von 20 Jahren untertauchen, um ihr Leben zu retten. 2018 wurde die heute 96-jährige Holocaust-Überlebende zur Ehrenbürgerin Berlins ernannt. Das Stück "Ab heute heißt du Sara", das auf ihrer Autobiografie "Ich trug den gelben Stern" basiert und bereits 1989 erstmalig im Berliner GRIPS Theater aufgeführt wurde, erzählt ihre berührend-beklemmende Geschichte.

(Text: Katharina Klasen)

Premiere:09.02.1989
Rezensierte Vorstellung:08.03.2019
Letzte bekannte Aufführung:08.03.2019
Showlänge:185 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Die Inszenierung von Uwe Jens Jensen nach dem Drehbuch von Volker Ludwig und Detlef Michel überwältigt und begeistert aufgrund ihrer Intensität und Authentizität. Nichts wirkt überdramatisiert, nichts gekünstelt. "Ab heute heißt du Sara" führt dem Publikum auf eindringliche Art und Weise den Schrecken der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor Augen und macht insbesondere deutlich, was die NS-Ideologie für jene Menschen bedeutete, die – wie Juden – als "minderwertig" klassifiziert wurden; Menschen, denen das Lebensrecht abgesprochen wurde.

Die Charaktere, die auf realen Personen basieren, sind bis in die kleinste Rolle glaubhaft besetzt – allen voran Jennifer Breitrück, die als freche, vorlaute und gewitzte Inge Deutschkron überzeugt. Ungebrochen in ihrem Lebenswillen versucht sie, dem NS-Regime zu trotzen. Mit klugem Witz gespickt sind die Szenen, in denen sie die vermeintliche Logik der NS-Ideologie enttarnt. Dies gilt unter anderem für die Szene, die dem Stück seinen Namen gibt: "Ab heute heißt du Sara". Wenn Juden doch bereits anhand ihres "Judenohres" zu erkennen seien, so Inge, warum brauche sie dann den neuen "jüdischen Vornamen Sara" sowie ein in ihren Pass gestempeltes J? Solch kluge Nachfragen machen die Willkür und Absurdität der nationalsozialistischen "Rassenpolitik" kenntlich und entlarven sie. Dennoch zieht sich die Schlinge um Inge und ihre Familie immer enger. Sie sind zunehmend Bedrohungen, Gefahr und Repressionen ausgesetzt – dramaturgisch ein schier unerträglicher Spannungsbogen.

Klavierklänge nehmen die Zuschauer mit auf eine Zeitreise in die 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Handlung setzt im März 1933 ein, als die 10-jährige, aufgeweckte Inge zum ersten Mal mit der Tatsache konfrontiert wird, eine Jüdin zu sein. Bislang spielte dies in ihrem Leben keine Rolle. "Ist das was Schlimmes?", fragt sie gar ihre Mutter (Regine Seidler). Wie schlimm und gravierend die Auswirkungen der nationalsozialistischen "Rassenpolitik" sein werden, kann Familie Deutschkron zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen – wohl aber, dass ihr eine schwierige Zeit bevorsteht. Denn Vater Martin Deutschkron (Thomas Ahrens) ist den Nationalsozialisten als engagierter Sozialdemokrat, der sich in Reden und Artikeln gegen Hitler ausspricht, ein Dorn im Auge. Dennoch glaubt er ungebrochen an Recht und Gesetz. Umso mehr geht das Lied "Wir haben die Zeichen gesehen" unter die Haut, in dessen Kontext Inges Familie und jüdischen Freunden nach den Novemberpogromen 1938 bewusst wird, wie gravierend sich die Lage für sie verschlechtert hat und wie wenig Handlungsspielraum für sie noch besteht. Der Gesang schwillt zu einem Kanon an, der einen mitreißenden, bedrohlichen Sog entfacht, der symbolhaft geradewegs ins Verderben führt.

Wann immer eine Szene wechselt, wird dies anhand von Jahreszahlen und Ortsangaben, die an einen Tagebucheintrag erinnern und an die Bühnenrückwand projiziert werden, kenntlich gemacht. Auf diese Weise ist es dem Publikum möglich, das Geschehen historisch zu verorten.

Inge und ihre Mutter müssen miterleben, wie ihnen mehr und mehr jegliche Rechte abgesprochen werden. Ein Kampfs ums nackte Überleben beginnt, den die beiden dank einiger weniger beherzter und engagierter Regimegegner überstehen können. Eine lebensrettende Hilfe, die zur Zeit des Nationalsozialismus alles andere als selbstverständlich war – und doch gab es sie! Im Stück tauchen diese "stillen Helden" etwa in Gestalt von Otto Weidt (Dietrich Lehmann) und Frau Gumz (Ester Daniel) auf. Sie setzten das eigene Leben aufs Spiel, um Verfolgten zu helfen. Wie allein sie damit standen, macht der Song "Seht her" – der Höhepunkt und Gänsehaut-Moment des Stückes – deutlich: 1941 fährt Inge mit dem gelben "Judenstern" an der Kleidung mit der S-Bahn. Sie fordert die Mitfahrenden auf, sie anzusehen, doch alle schauen – aus den unterschiedlichsten Gründen – weg: peinlich berührt, angewidert, erregt oder mitleidig. Diejenigen, die Inge gerne helfen oder zumindest ein Zeichen der Solidarität zukommen lassen würden, tun aus Angst nichts (was später auch im "Denunzianten-Song" thematisiert wird). Das Lied "Seht her" ist zugleich ein Appell für die Gegenwart, ein Appell an das Gewissen: Seht her und lasst nicht zu, dass anderen Menschen ein Unrecht geschieht!

"Ab heute heißt du Sara" zeigt die nationalsozialistische Judenverfolgung mit vielen ihrer Schrecken: von den zunehmenden Verboten und Gesetzen für Juden, die diese aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen, bis hin zu Deportationen, Konzentrationslagern und dem Untertauchen in die Illegalität, um dem Holocaust zu entgehen.

Im Duett "So stell ich mir den Himmel vor" malen sich Inge und ihr Freund Hans (Robert Neumann) eine friedliche Zukunft aus – und tatsächlich erleben die Protagonistin und ihre Mutter das Kriegsende. Hätte Inge Deutschkron nicht überlebt, gäbe es dieses eindringliche und zutiefst berührende Stück nicht. "Ab heute heißt du Sara" ist Geschenk und Mahnung zugleich für nachfolgende Generationen - absolut sehenswert und ein Muss für jede historisch interessierte Person.

(Text: Katharina Klasen)




Verwandte Themen:
Hintergrund: Interview mit Volker Ludwig (30.10.2006)



Kreativteam

BuchVolker Ludwig
Detlef Michel
MusikHansgeorg Koch
LiedtexteVolker Ludwig
InszenierungUwe Jens Jensen
Regie Neubesetzung Michaela Hanser
ChoreografieNeva Howard
BühnenbildMathias Fischer-Dieskau
KostümeYoshio Yabara
Musikalische Leitung Matthias Witting
Soundprogrammierung Robert Neumann


Besetzung

Dr. Martin Deutschkron, Meier, Eschhaus, Basch, GarnThomas Ahrens
Inge DeutschkronJennifer Breitrück
Frau Weber, Frau Schröder, Frau Gumz, Frau Müller, Frau Garn, Frau LehmannEster Daniel
1. Hitlerjunge, 2. Polizeibeamter, Kurt, Hans FreudenthalRobert Neumann
Lotte, Bärbel, Lily Blumenthal, Käte SchwarzAriane Fischer
Hans Weber, 1. Polizeibeamter, Otto WeidtDietrich Lehmann
Lisa Holländer, Frau HohensteinHanna Petkoff
Klara, Ali, Grete Sommer, BeamtinNina Reithmeier
Dr. Ostrowski, Fotograf, Dr. Hoffmann, Wachtmeister Lemke, Kriminalobersekretär PrüferRené Schubert
Ella DeutschkronRegine Seidler
Walter Rieck, 2. Gestapo-Mann, Max Blumenthal, Blinder Kremp, Waffen SSlerJörg Westphal
2. Hitlerjunge, 1. Gestapo-Mann, Russki, Hefter, Waffen SSlerRoland Wolf


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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


17089
Bewegend

30.01.2007 - Also ich finde das Stück genial inszeniert. Es ist bewegend zu sehn, wie sich Inge Deutschkron damals durchgeschlagen hat. Sehr empfehlenswert!

Grips-Freak


12739
Der Russki ist ein süßer

04.06.2006 - ein tolles Stück mit großartigen Schauspielern.

größter Fan vom Grips


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(kk)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Die Inszenierung überwältigt und begeistert aufgrund ihrer Intensität und Authentizität. Nichts wirkt überdramatisiert, nichts gekünstelt, sondern zutiefst ehrlich. Die Charaktere sind bis in die kleinste Rolle glaubhaft besetzt.

21.03.2019

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