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Satire

Pinkelstadt

Auf nach 'Urinetown'


Als erstes Stadttheater zeigt das Schauspielhaus Chemnitz die rabenschwarze Musical-Komödie, die in New York zum Sensations-Erfolg mutierte und 2004 in Berlin ihre deutsche Erstaufführung feierte. Die Chemnitzer Inszenierung von Uwe-Dag Berlin ist noch zynischer und derber als das Original, zieht das Publikum aber andererseits mit viel Humor in ihren Bann.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:11.02.2006
Letzte bekannte Aufführung:27.09.2006


"Dies ist kein fröhliches Musical", versichert uns der Erzähler, Wachtmeister Kloppstock, mehr als einmal im Laufe des Stücks. Der Trick bei "Pinkelstadt" ist, dass es sich eigentlich um eine bitterböse Sozialsatire um Korruption, Ressourcenverschwendung und die Machtstellung der Industrie handelt, die aber so geschickt mit Komik gespickt ist und mit beschwingten Melodien sowie einer Vielzahl von parodistischen Elementen auf Musical und Film unterlegt wurde, dass das Stück letzten Endes zwar wirklich nicht "fröhlich", dafür aber über weite Strecken lustig ist.

Von der Subtilität der deutschen Ur-Inszenierung im Berliner Schlossparktheater ist bei Uwe-Dag Berlins Fassung wenig übrig geblieben: Der Humor ist derber, die Anspielungen deutlicher. Dick aufgetragen wird sowohl bei der Sozialkritik als auch bei den komischen Elementen. – So rollt am Ende des ersten Aktes auf dem Höhepunkt der Aufruhren schon mal ein brennendes Autos über die Bühne, und beim schmalzigen Liebesduett "Hör' auf dein Herz" gehen die Titanic-Anleihen so weit, dass ein als Eisberg verkleideter Darsteller durch den Publikumssaal geht und sich vor dem (dem sprichwörtlichen Untergang geweihten) Paar aufbaut. Diese Holzhammer-Taktik funktioniert weitestgehend und sorgt für Unterhaltung und Biss. Dabei verzeiht man auch, dass die Grenzlinie zwischen Humor und Klamauk an einigen wenigen Stellen überschritten wird.

Der Trend zu Extremen und zur Überzeichnung setzt sich bei den Charakteren fort. Kloppstock (Tobias D. Weber) ist hier – anders als am Broadway und in Berlin – nicht der liebenswerte Schurke mit verschmitztem Lächeln, sondern ein fieser Schläger, der auf dem Motorrad auf die Bühne fährt und sich auch schon mal am aufmüpfigen Punker-Girl Klein Erna (Carola Sigg) vergreift. Weber ist charismatisch und singt die Rolle mit passend harter Stimme, die vor allem beim Rap der Polizisten sehr gut zur Geltung kommt. Sigg kann darstellerisch überzeugen, verfällt aber bei den Gesangspassagen stellenweise mehr ins Kreischen als es die Rollenauslegung erfordert hätte.

Stark karikiert hat Uwe-Dag Berlin vor allem bei der Charakterisierung von Johnny Stark (Stefan Wancura), der zwar in Manier von Les Misérables-Studentenführer Enjolras die Flugblätter in die Luft wirft und zur Revolution aufruft, aber eigentlich mehr oder weniger zufällig zum Rebellenführer geworden ist und dabei offensichtlich komplett planlos ist. Da passt sogar der Umstand, dass Stefan Wancuras Singstimme zu wünschen übrig lässt, irgendwie ins Bild – wobei die Frage offen bleibt, ob das besetzungstechnisch bewusst so angedacht war, um die vermeintliche Heldenfigur weiter zu demontieren, oder ob man hier vielmehr aus der Not eine Tugend gemacht hat.

Muriel Wenger setzt als Freya von Mehrwerth mit starker Stimme und an Überdrehtheit grenzendem Enthusiasmus einen starken Gegenpol zu Wancuras halbherzigen Anti-Helden, und macht in jeder gemeinsamen Szene deutlich, wer in der kurzlebigen Beziehung von Johnny und Freya die Hosen an hat.

Frank Höhnerbach macht seine Sache als böser Industriemogul Werdmehr von Mehrwert gut, ebenso wie Antje Weber als Toilettenfrau Elfriede Fennichfux, auch wenn man sich von beiden hier und da etwas mehr Charisma und Stimme gewünscht hätte.

Das Bühnenbild ist mehr oder weniger statisch; das ist im Grunde aber auch gut so, denn die Kostüme und die Choreographie sind bunt und abwechslungsreich genug. Bei der Choreographie hat Stephan Brauer ganze Arbeit geleistet – die Tanzszenen sind nicht nur schön anzusehen, sondern passen auch wunderbar ins Geschehen und haben dabei manchmal sogar noch ihre eigene parodistische Wirkung, wie etwa bei der Riverdance-Einlage in "Was ist Pinkelstadt?" zu Beginn des zweiten Akts.

Die Melodien von Mark Hollmann sind eingängig und – im Gegensatz zum Inhalt des Stückes – fröhlich. Dabei weisen die Songs eine erstaunliche Bandbreite auf, ohne dass das Gesamtwerk an seiner Homogenität verliert. Nicht zuletzt auch hierbei wird deutlich, dass es sich bei der Aufführung im Chemnitzer Schauspielhaus weder um eine Kopie der Originalinszenierung noch der Berliner Fassung handelt. Die Chemnitzer Arrangements von Michael Hinze unterscheiden sich bisweilen von den Original-Arrangements, reihen sich aber ebenfalls nahtlos in das musikalische Schema des Stückes ein.

Das ist symptomatisch für die gesamte Aufführung: innovativ, provokant und – mit wenigen Abstrichen – wirkungsvoll.

(Text: cl)




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Kreativteam

Musik und Gesangstexte Mark Hollmann
Buch und Gesangstexte Greg Kotis
Deutsches Buch Ruth Deny
Deutsche Gesangstexte Wolfgang Adenberg
Musikalische Leitung Michael Hinze
Regie Uwe Dag Berlin
Choreographie Stephan Brauer
Ausstattung Hamster Damm


Besetzung

Werdmehr von MehrwerthFrank Höhnerbach
Jonny StarkStefan Wancura
Freya von MehrwerthMuriel Wenger
Elfriede FennichfuxAntje Weber
Wachtmeister KloppstockTobias D. Weber
Klein ErnaCarola Sigg
Wachtmeister WampeMichael-Paul Milow
Abgeordneter SchmierKlaus Schleiff
Wetzstein Willi
Manager
Ivan Gallardo
Herr KaiserChristoph Letkowski
Alte Frau
Johanna Stark
Elvira Grecki
Suppensuse
Mehrwehrts Sekretärin
Sylvia Bretschneider



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


4 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


12521
wirklich gut

31.12.2009 - Also, ich wollte zu diesem Stück unbedingt mal was schreiben, auch wenns keine Sau mehr liest.
Ist doch egal.

Das Stück ist super.
Habs mir zweimal angesehen und werde versuchen, es auch noch ein drittes Mal zu tun.
Einfach genial.
Es macht Spaß.

KnutschLilly


13152
...Klappe die 4te

31.12.2009 - Nachdem die letzte Vorstellung am 07.06. wohl etwas daneben ging, war es gestern richtig gut. Etwas nass, da einige eine recht feuchte Aussprache haben, aber doch toll...
...ich grüße die andren Mädels aus der ersten Reihe. Stimmung :)

Und Grüße an den Garderobenmann... ich bin die Unchristliche :)

KnutschLilly


15193
Naja...

31.12.2009 - Gestern war ich zum 5. Mal zu Pinkelstadt. Wo ich sonst eigentlich immer sehr begeistert aus diesem Musical wieder rausgekommen bin, muss ich sagen... : Gestern, das war wohl nix. Stimmlich waren die Darsteller gestern alle sehr sehr schwach. Was aber vor allem fehlte, war Carola Sigg als Klein.Erna... Sie passte mehr in diese Rolle. Um die schwangere Muriel Wenger hab ich mir in manchen Szenen echt Gedanken gemacht (vor allem in der Szene, in der sie vom Stuhl kippte... ) Nun ja, trotz allem finde ich es immer wieder schade, wie wenig dieses Musical doch besucht wird. Wenn man alle Zuschauer zusammen auf einen Haufen nimmt, würde man vielleicht gerade mal so 3 Reihen voll kriegen... Und warum steht es hier schon im Produktionsarchiv? Es wird doch noch aufegführt! Zwar nicht mehr so oft, aber geht einfach mal hin, Leute. Es macht schon wirklich sehr viel Spaß.

KnutschLilly


10963
Genial

27.02.2006 - Besser als in Berlin, absolut sehenswert. Tolle Schauspieler (Hut ab da keine Musicalprofis), toll inszeniert. Ein Muss!

Annika


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In einer Stadt der Zukunft herrscht Dürre, Wasser ist rationiert, private Toiletten sind verboten. mehr

Weitere Infos
Die Idee zur Show hatte Greg Kotis, so sagt er zumindest, als er mit wenig Geld in Paris unterwegs war und über das Aufsuchen einer Bezahl-Toilette nachdachte. Unter dem Originaltitel Urinetown hatte die Show am 6. Mai 2001 Off-Broadway Premiere, um dann im August 2001 an den Broadway umzuziehen. Mit der deutschsprachigen Erstaufführung (Übersetzung: Wolfgang Adenberg, Regie: Andreas Gergen) eröffnete die Stage Entertainment (damals noch: Stage Holding) im Oktober 2004 das Berliner Schlossparktheater. Inzwischen sind die Rechte auch für andere Theater freigegeben.

 Leserbewertung
(4 Leser)


Ø 4.75 Sterne

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