Norden Westen Osten Sden
Termine aus DeutschlandsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Sister Act


Nonnen-Musical

Sister Act

Grooven auf den Stufen


© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
Die Geschichte von der Nachtclubsängerin Deloris Van Cartier, die sich vor Gangstern bei Nonnen verstecken muss, war als Film so erfolgreich, dass eine Fortsetzung folgte, und momentan laufen bei Disney+ die Vorbereitungen für einen dritten Teil. Die Musical-Version erfreut sich in der Open-Air-Saison 2021 großer Beliebtheit. In Schwäbisch Hall bietet die Große Treppe mit der Kirche St. Michael eine passende Kulisse. Das spielfreudige Ensemble und die gute Band bringen Schwung in den Abend, der vorlagenbedingt mit einigen Längen zu kämpfen hat. Doch die Regie trübt mit flachen und derben Scherzen den Spaß.

(Text: ig)

Premiere:09.07.2021
Rezensierte Vorstellung:10.07.2021
Showlänge:130 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Regisseur Philipp Moschitz verlegt die Geschichte nach Schwäbisch Hall. Oder wie einer der Gangster-Schergen es nennt: "Schwäbisch Knall". Das ist dann das Niveau, auf dem sich die zusätzlich eingefügten Scherze des Abends bewegen. Nonnen heißen "Bloody Mary" und "Mary Huana" und die Messdiener sind schwul. Dabei schreibt Moschitz im Programmheft, er wolle eine anspruchsvolle Geschichte erzählen und die Figuren und ihre Konflikte so ernst wie möglich nehmen. Davon ist nahezu nichts zu spüren in seiner Inszenierung, die eine derbe Albernheit auf die nächste folgen lässt. Nur bei der Mutter Oberin und Schwester Mary Robert funktioniert der Regie-Ansatz, aber die sind schon in der Vorlage mit etwas mehr Hintergrund ausgestattet.

© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan


Die steile Treppe zu bespielen, ist keine leichte Aufgabe. Moschitz und Choreografin Natalie Holtom finden trotzdem ein paar schöne Bilder. Die Tänze sind, von den quicklebendigen Nonnen abgesehen, eher statisch und vorsichtig. Die örtlichen Gegebenheiten machen das Ausspielen der finalen Verfolgungsjagd unmöglich, deswegen verteilen sich die Darsteller wie ein Chor, sprechen Regie-Anweisungen und Text und veranschaulichen mit entsprechender Mimik. Eine clevere Lösung.
Uwe Grünewalds passendes Lichtdesign schafft nach Einbruch der Dunkelheit eine schöne Atmosphäre. Die Bühne wird von der Leuchtschrift ¨Oh Gott!¨ beherrscht, die, von der eigentlichen Handlung ablenkend in drei verschiedenen Szenen – erst ¨Oh¨, dann ¨Gott¨, dann das Ausrufezeichen –, aufgebaut wird.

© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan


Die Habits der Nonnen lassen dem Kostümdesign wenig Spielraum. Nur im Finale bekommen sie etwas Glitzer. Dafür hat sich Cornelia Brey in den weiteren Rollen mit fragwürdigem Ergebnis ausgetobt. Deloris trägt ein buntes Fransen-Outfit und einen ebensolchen Kopfschmuck, Curtis und seine Gangster neongelbe unförmige Anzüge (inkl. unattraktiver Topfschnitt-Perücken), der Monsignore ist überdimensional dick und in einer Bar-Szene tragen die Anwesenden Kostüme, die man aus dem Straßenkarneval kennt: ein Bierglas, eine Coladose, eine Pommes-Tüte, etc. Das ist sehr bunt, aber nicht schön.

© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan


Heiko Lippmann leitet vom Keyboard aus zehn weitere Musiker, die mit viel Pep und sattem Klang den Sixties-Soul-Stil von Alan Menkens Songs treffen. Unbedingt erwähnenswert: die erstklassige Textverständlichkeit. Jedes Wort in Dialog und Gesang kommt beim Publikum an. Gerade für Open-Air keine Selbstverständlichkeit!

© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan


Der Schwung der Band findet sich auch im temperamentvollen Ensemble wieder. Aus der Nonnenschar hebt das Buch drei hervor: Schwester Mary Lazarus bekommt bei Michaela Hanser etwas zu viel Mimik und exzentrische Bewegungen, entwickelt aber grantigen Charme. Die dick aufgetragene Naivität von Schwester Mary Patrick wird von Daniela Tweesmann mit komödiantischem Talent und Schwung in Lacher verwandelt. Der jüngsten Nonne des Konvents, Schwester Mary Robert, erschließt sich durch Deloris‘ Gesangsunterricht ein völlig neues Selbstbewusstsein. Franziska Schuster setzt in dieser Rolle mit "Die Welt, die ich nie sah" einen emotionalen Punkt, der dem Stück gut tut. Ähnlich gelagert ist Kerstin Marie Mäkelburg als Mutter Oberin. Sie kämpft um den Erhalt von Konvent und Kirche, sieht Deloris als unwillkommenen Störenfried und wehrt sich gegen Veränderungen, um sich schließlich doch bekehren zu lassen. Mäkelburg verpackt das in knochentrockene Pointen, die punktgenau sitzen.

© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan


Schon durch die Kostüme kann man den Gangster Curtis und seine Helfershelfer nicht ernst nehmen. Andrea Matthias Pagani versucht zwar Bedrohlichkeit auszustrahlen, aber wer kommt schon – trotz Herrenstock mit goldenem Totenkopf als Mordwaffe und trügerisch schmeichelnder Singstimme – gegen einen neongelben Anzug an? Timothy Roller und Alexander Martin geben als die Ganoven Joey und TJ immer ein bisschen zu viel des Guten. Etwas blass bleibt dagegen Vic Anthony als Eddie Fritzinger. Anthony spielt den Polizisten verhuscht sympathisch, doch gegen Nonnen-Komik und die präsente Hauptdarstellerin gerät er ins Hintertreffen. Kristina Love zieht alle Register ihrer Soul-Stimme. Die musikalische Seite ihrer Rolle ist perfekt. In der komödiantischen kann sie trotz sichtlichem Spaß nicht ganz überzeugen.

© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan
© Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan


"Sister Act" in Schwäbisch Hall hat viel Tempo, kann damit aber dramaturgische Längen der Vorlage nicht umschiffen. Das gute Ensemble und die tolle Musik entschädigen für zu viel übertriebenen Klamauk.

(Text: Ingo Göllner)




Verwandte Themen:
News: Die Sommersaison 2021 in Schwäbisch Hall (26.11.2020)



Kreativteam

Musikalische LeitungHeiko Lippmann
InszenierungPhilipp Moschitz
AusstattungCornelia Brey
ChoreografieNatalie Holtom


Besetzung

DelorisKristina Love
Mutter OberinKerstin Marie Mäkelburg
Mary LazarusMichaela Hanser
Mary RobertFranziska Schuster
Mary PatrickDaniela Tweesmann
Ensemble NonnenFriederike Kury
Karen Bild
Eva Maria Bender
Barbara Raunegger
Maaike Schuurmans
Suzana Novosel
EddieVic Anthony
Monsignore O HaraGunter Heun
CurtisAndrea M. Pagani
TJAlexander Martin
JoeyTimothy Roller



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


32212
Oh Gott! - Was für ein Spass

10.07.2021 - Nach fast 1,5 Jahren wieder eine Live Musicalaufführung zu erleben war ein unbeschreiblich schöner Augenblick. Nach Tagen des Regens und Wetterkapriolen wurde es zum Premierenabend in Schwäbisch Hall noch sonnig und es blieb trocken.

Ich mag Sister Act seit der ersten Aufführung in London und kenne die Shows aus Paris, Stuttgart, Oberhausen, Wien und München in der Originalinszenierung. Ich war gespannt wie das Open Air und mit wenig Bühnenbild funktioniert.

Die steilen Stufen vor St. Michael sind ja seit jeher die Bühne der Festspiele und das ist schon eine Herausforderung. Vor allem bei einem Ensemblestück wie Sister Act mit seinen schnellen Szenenwechseln, fetzigen Tanzszenen und Verfolgungsjagden.

Philipp Moschitz hat mit seinem Team die Show großartig auf die Bühne gebracht. Viele witzige Regieeinfälle, neue Ansätze, eine 12 köpfige Band und eine starke Cast tun ihr übriges.

SOUND

In Schwäbisch Hall genießt man perfektes Sounddesign was einen vergessen ließ draußen zu sein. Der Klang war so klar, die Textverständlichkeit so hoch und die Band perfekt abgemischt. Ein großes Lob.

DARSTELLER

Sister Act sehe ich als Ensemblestück mit einer starken Leading Lady und das ist Kristina Love von der ersten Minute an. Ihre Spielfreude, ihre Soulstimme und die Komik sind 1a. Ich durfte Sie schon in TINA erleben und fand ihre Phonetik hier in Schwäbisch Hall noch um ein vielfaches besser.

Kerstin Marie Mäkelburg ist eine grandiose Mutter Oberin. Mit ihrer ernsthaften Strenge und gleichzeitig liebenswerten Art begeistert sie auch mit starker Stimme und harmoniert sehr gut mit den jeweiligen Spielpartnern. Auch
Michaela Hanser als greise Mary Lazarus und Franziska Schuster als Mary Robert stechen aus dem hervorragenden Frauenensemble heraus. Witzig dabei: Die Nonnen haben nun teilweise neue Namen, was für allerlei Erheiterung beim "Abendmahl" sorgt. Ebenso kommt in der Inszenierung der Lokalkolorit nicht zu kurz in einer Szene in der die Ganoven TJ und Joey die Sehenswürdigkeiten der Stadt aufrufen. Darüberhinaus begeistert die weitere Cast mit toller Stimme, Spielfreude und unglaublicher Komik.

Entdeckung des Abends für mich war
Vic Anthony als Polizist Eddie. Seine tolle Stimme, seine Komik und das nicht ganz so trottelige Spiel (im Vergleich zur Originalversion) hat mir ausnehmend gut gefallen.

ANPASSUNGEN

Sister Act in Schwäbisch Hall wird ohne Pause gespielt was ich genial fand. Die Show beginnt um 20:30 Uhr und war kurz vor 23 Uhr zu Ende. Daher wurde Eddies Song um eine Strophe gekürzt, es gibt keinen Pablo (Ganoven) und der Song "Schütz die Show" und "Lass die Liebe rein" sind nicht mehr Bestandteil. Das tut dem Spass aber keinen Abbruch, wenngleich ich nach wie vor die Bar-Szene für entbehrlicher gehalten hätte (zu Gunsten von "Schütz die Show").

BÜHNE

Die Stufen vor St. Michael sind seitlich von LED Säulen gesäumt die schon bei Dämmerung eine Wirkung erzielen. Nach und nach werden dann die Leuchtletter OH GOTT! im Oberen Teil installiert und farbig illuminiert. Dazu kommt mit zunehmender Dunkelheit noch Glitzerfächer und eine farbig angestrahlte Fassade der Kirche. Sehr stimmig.

FAZIT:

Mit Sister Act hat man in Schwäbisch Hall einen richtig witzigen und fetzigen Sommerspass auf der Bühne. Eine pfiffige Inszenierung eines jungen Regisseurs mit genialen Einfällen, einer tollen Cast und einer hervorragend spielenden Band unter Heiko Lippmann.

mrmusical (81 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Freilichtspiele
Im Haal 14
D-74523 Schwäbisch Hall
0791 - 751600
Email
Homepage
Karten
Kartenverkauf über Freilichtspiele Schwäbisch Hall (Adresse siehe oben)

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!

 Weitere Produktionen
 Sister Act (Bad Vilbel)
 Sister Act (London)
 Sister Act (Staatz-Kautendorf)
 Sister Act (Tecklenburg)
weitere Produktionen finden

 Kurzbewertung [ i ]
(ig)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Der musikalische Teil lässt frohlocken. Regie und Kostümdesign sollten wegen derber Albernheiten im Fegefeuer schmoren.

11.07.2021

 Termine
Mi04.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Do05.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Fr06.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Sa07.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
So08.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Di10.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Mi11.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Do12.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Fr13.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Sa14.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Di17.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Mi18.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Do19.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Fr20.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)
Sa21.08.20:30 Uhr
Große Treppe vor St. Michael (Schwäbisch Hall)


© musicalzentrale 2021. Alle Angaben ohne Gewähr.

   ZEPPELIN - DAS MUSICAL

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   Ein Platz für Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;