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Uraufführung

Jack The Ripper

Time Wrap


© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof
Der Vorhang öffnet sich zur Premiere von "Jack the Ripper" im Landestheater Hof und gibt den Blick auf einen Bühnenprospekt mit einem belebten Straßenzug im Londoner Armenviertel Whitechapel 1888 frei. Diese Stoffwand ist liebevoll mit vielen Details bemalt - ganz im klassischen Stil eines Karl Friedrich Schinkels. Ein Geiger spielt davor ein Solo, begleitet von epischen orchestralen Klängen. Was sofort auffällt, ist der Bühnenboden: ein Kopfsteinpflaster, das täuschend echt den Orchestergraben überspannt. Die Bühne ist so anders: keine Projektion, sondern eine perfekte Kopie der Realität. Der Bühnenprospekt wickelt den Zuschauer ein und katapultiert ihn direkt in das Jahr 1888. All die feinen Details, all die opulenten Kostüme werden real. Und die Zuschauer merken verblüfft, dass der Prospekt längst im Schnürboden verschwunden ist und sie auf eine erstarrte 3D-Version des Bildes starren. Plötzlich erwachen die Figuren zum Leben und das Leben in Whitechapel beginnt zu pulsieren.

(Text: Marcus Hoffmann)

Premiere:17.09.2022


Die bis ins letzte Detail authentische Bühne von Herbert Buckmiller ist eines der großen Highlights von "Jack the Ripper". Der Bühnenraum wird mystisch, wenn die Straßenlaternen den dichten Nebel nicht durchdringen können und das schwarze Phantom seine blutige Spur zieht. Die Zuschauer bleiben gebannt vom Geschehen umfasst: das spritzende Blut aus der Kehle des ersten Opfers lässt alle erschauern.

© H. Dietz Fotografie, Hof
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Eine weitere Dimension eröffnet sich, wenn Teile der Häuserfronten in die Bühnenmitte geschwenkt werden und den Blick auf verschiedenen Zimmer freigeben. Die Beleuchtung ist fein abgestimmt und destilliert die Essenz einer Szene, wenn z. B. im Finale die Ermordeten in blutiges Rot getaucht sind und der Rest in komplementärem, hoffnungsvollem Grün erstrahlt.

Herausragend sind auch Kostüme von Annette Mahlendorf. Bis ins kleinste Detail authentisch und perfekt aufeinander abgestimmt. Die Kostüme der fünf weiblichen Opfer heben sie dezent, aber deutlich in Farbe und Stil vom Rest der Darsteller ab und schaffen trotz aller Individualismen doch eine optische Verbindung zwischen den "kanonischen 5": Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catharine Eddowes und Mary Jane Kelly. Die "kanonischen 5" sind die Opfer, die Jack the Ripper eindeutig zugeordnet werden. Nicht der Namensgeber des Musicals, sondern die Ermordeten und Ihre Schicksale stehen im Mittelpunkt von "Jack the Ripper". Bis heute hält sich die Auffassung, dass die "kanonischen 5" Prostituierte waren, die Ihr Abschlachten mehr oder weniger mitverschuldet haben. Reinhardt Friese räumt in seiner Inszenierung, für die er auch Buch und Songtexte geschrieben hat, mit diesen Vorurteilen gründlich auf. Friese erweitert seinen moralischen Großputz auf Vorurteile gegenüber Armen, Ausländern, Farbigen, Juden und Kranke. Die Personifizierung all dieser Vorurteile ist "Sergeant Hawks", der stereotyp tumbe Plattitüden drischt, die gerade heute erschreckend aktuell sind.

© H. Dietz Fotografie, Hof
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Ein glückliches Händchen bewies die Produktion bei der Besetzung der "kanonischen 5", Kathy Savannah Krause, Anne Mette Riis, Cornelia Löhr, Beatrice Reece und Kerry Jean. Komponist Frank Nimsgern führt Kerry Jean in ein weites musikalisches Feld von Klassik über Soul bis Rock. Mit wandlungsfähiger Stimme und musikalischer Ausdruckskraft meistert sie alle Stilrichtungen. Mit Dominique Bals als Inspektor Abberline steht ein Chefermittler auf der Bühne, der gefühlvoll seine aufkeimende Liebe zum letzten Opfer Mary Jane Kelly herausarbeitet. Im romantischen Duett "Da Draußen" verschmelzen die Stimmen von Kerry Jean und Dominique Bals und binden die Zuhörer gefühlvoll, aber auch kraftvoll in die Szene mit ein. Dan Lucas als Chief Warren muss sich in Hard-Rock-Passagen wie "You Reap What You Sow" mit Rocklegenden wie AC/DC-Sänger Bon Scott messen, an dessen Songs Chief Warrens Nummern erinnern, erreicht aber nie dessen Power in den höheren Lagen.

Andrea Matthias Pagani spielt gleich zwei unterschiedliche Verdächtige: Den Elefantenmenschen John Merrick und den Juden Aaron Kosminski. Kaminski verwandelt sein Verhör als Verdächtiger in die waschechte Revue-Nummer "Ich bin ein Jud" mit Glamour-Judenstern und Ballettensemble. Die Szene liegt mit den "Hava Nagila"-Zitaten streckenweise nahe am Klamauk, aber die Botschaft gegen Antisemitismus bleibt klar und deutlich.

© H. Dietz Fotografie, Hof
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Frank Nimsgern setzt musikalisch einen bemerkenswerten musikalischen Kontrapunkt zur seichten Gegenwartsmusik und den kommerziellen Compilation-Musicals. Er durchmischt Stile und Instrumente. Da folgt direkt auf einen epischen Orchesterklang à la "Fluch der Karibik" ein schreiender Riff einer verzerrten E-Gitarre. Dort finden sich in loser Reihenfolge Soul, Country, Klassik, Hard-Rock und Swing. Nimsgerns Faible für Soundtracks ist dabei unüberhörbar.

"Sünde Süß" ist eine sensationelle Revue-Nummer im 6/8tel-Takt. Ein elegantes E-Piano, brillante Bläser, ein eleganter E-Bass und ein schwunghaftes Schlagzeug legen eine dichte klangliche Basis für Dominique Bals, der in dem lasziven Stück über sich hinauswächst.

© H. Dietz Fotografie, Hof
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Der kompakte Klang von "Sünde Süß" bleibt leider eine von nur wenigen Ausnahmen, bei denen die Akustik am Premierenabend glänzen kann. Das Live-Orchester besteht nur aus einer kleinen Band, der Rest kommt vom Band. Abmischung und Tontechnik sind unausgewogen. Das Schlagzeug brettert stellenweise den Gesang zu. Der Orchesterklang bleibt meist zweidimensional flach. Musik und Gesang verschmelzen nur selten zu einer Einheit. Die Finesse der Partitur erschließt sich in der Premiere nur ansatzweise. Die Gesangstexte bleiben oft unverständlich, letztendlich auch deswegen, weil einige Nummern scheinbar wahllos in englischer Sprache gesungen werden. Mit dieser Schwäche verspielt "Jack the Ripper" viel musikalisches Potenzial.

Ein weiterer Schwachpunkt sind auch die langatmigen Dialogpassagen - nur selten untermalt mit Musik. Dass ausgerechnet Kabarettist Dieter Hallervorden dem Erzähler aus dem Off seine Stimme mit latenter Ironie leiht, ist für ein solches ernstes und brutales Musical eher kontraproduktiv.

© H. Dietz Fotografie, Hof
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Bühne, Kostüme, Musik und Gesang fesseln im zweiten Akt ein weiteres Mal in der Revue Nummer "Sugar Daddy". Eine Flamenco-Gitarre leitet ein Symbiose von Jazz und Salsa ein. Rotlichtikone "Lady Queen" Aiono Laos singt und spielt von verletzlich zurückhalten bis rotzig lasziv. Blau beleuchtet fährt der Bühnenboden mitten in der Nummer zusammen mit Aiono Laos und dem Tanzensemble nach oben und gibt den Blick auf ein erotisches Etablissement ganz in rotem Samt in der Unterbühne frei. Das faszinierte Publikum steckt abermals mittendrin im Jahre 1888 und ist gefangen in der Symbiose von Licht, Bühnenbild, Stimme, Schauspiel und Tanz. Als der Vorhang fällt, bleibt die Frage nach dem Täter ungelöst – wie auch der Frage nach dem Sinn der englischen Songs. Doch "Jack the Ripper" und mit ihm die Ereignisse des Jahres 1888 fesseln das begeisterte Publikums - eben "Wrapped in Time".



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Kreativteam

Musikalische LeitungFrank Nimsgern
InszenierungReinhardt Friese
ChoreografieBarbara Buser
BühneHerbert Buckmiller
KostümAnnette Mahlendorf


Besetzung

Inspektor AbberlineLéon van Leeuwenberg
Mary Jane KellyZodwa Selele
(Kerry Jean)

Ann Nichols "Polly"
Frau aus der Menge
Kathy Savannah Krause
Annie ChapmanAnne-Mette Riis
Elizabeth StrideCornelia Löhr
Catherine EddowesBeatrice Reece
Chief WarrenKarsten Jesgarz
Sergeant HanksDan Lucas
George LuskThilo Andersson
Henry NewloveAndreas Bühring
Lady QueenAino Laos
John Merrik
Aaron Kosminski
Andrea Matthias Pagani
Prinz Albert VictorJannik Harneit
Ein WirtHans-Peter Pollmer
Erster GastPeter Potzelt
Zweiter GastChristiane Seidel
Ein Konstabler Daniel Milos

Stimme des ErzählersDieter Hallervorden
Ballett Theater Hof

Opernchor Theater Hof

Band





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© H. Dietz Fotografie, Hof
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Sehenswerte Inszenierung eines fesselnden neuen Musicals über die Opfer von Jack the Ripper mit opulenter Ausstattung - trotz akustischer Schwächen bei der Premiere.

20.09.2022

 Termine
So02.10.19:30 Uhr
So09.10.19:30 Uhr
Sa15.10.19:30 Uhr
So16.10.19:30 Uhr
Fr02.12.19:30 Uhr
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