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Klassiker

Brigadoon

Mittel, aber nicht mäßig


© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof
Alter Wein in neuen Schläuchen? Mitnichten! Das Landestheater Hof hat mit "Brigadoon" eines der ältesten Musicals neu interpretiert und zeigt zum ersten Mal die eingängige neue deutsche Textfassung von Roman Hinze. Sandra Wissmann sucht in ihrer Produktion den perfekten Mittelweg zwischen kitschiger Folklore und abgestandenem Pathos – und hat ihn gefunden. Ensemble und Hofer Symphoniker zaubern daraus eine Aufführung, die hör- und sehenswert ist.

(Text: Marcus Hoffmann)

Premiere:29.04.2023
Rezensierte Vorstellung:29.04.2023


© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Zwei Wanderer – Jeff und Tommy – irren mit Taschenlampen und Wanderkarte durch den dunklen Zuschauerraum des Theaters Hof. Wir schreiben die 1950er Jahre in den schottischen Highlands. Ein braun-grüner Prospekt lässt auf der vernebelten Bühne einen Wald erahnen. Plötzlich setzt an der Grenze der Hörschwelle zart schmelzend ein Chor a capella ein. Langsam anschwellend intoniert er das Titelthema "Brigadoon". Gleichmäßig erklimmt der Chor eine dynamische Stufe nach der anderen. Mit dem Crescendo lichtet sich der Nebel, die Bühne füllt sich mit Menschen und das Dorf Brigadoon erscheint.

"Brigadoon" ist die Geschichte eines Dorfes mitten zwischen zwei Welten. Um die Gefahren des 18.Jahrhunderts zu überstehen, erflehte ein Priester göttlichen Schutz für das Dorf. Seitdem erscheint Brigadoon in der realen Welt nur alle 100 Jahre für genau einen Tag. An so einem Tag in der Neuzeit verirren sich die beiden Wanderer in das Dorf. Für die Dörfler selbst sind nur 3 Tage vergangen und ihr Lebensstil entspricht dem 18. Jahrhundert.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


In der Mitte zwischen zwei Welten steht auch das Musical selbst. Von den Schöpfern von "My Fair Lady" 1947 kreiert, bildet "Brigadoon" den Übergang von der Wiener Operette hin zum modernen Musical. Zwischen den Welten schottischer Folklore und modernem Musical platzieren sich auch Musik, Bühnenbild und Kostüme. Zwischen patriarchalischem Weltbild mit vorbestimmten Ehepartnern und Selbstbestimmung sind die drei weiblichen Hauptcharaktere angelegt.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Wohltuend ist der bewußte Verzicht auf das Belten und Einsatz der Kopfstimmen. Gerade Cornelia Löhr als Dorfschönheit Fiona, die sich in den Wanderer Tommy verliebt, wechselt bei klarer Artikulation mühelos zwischen Kopf- und Bruststimme. Mit kristallklarem Sopran und feinem Timbre legt sie ihre Rolle stilsicher in die Mitte zwischen Klischee und gefühlvoller Liebe. Ihr Bühnenpartner Tenor Thilo Andersson als Tommy harmoniert mit Löhr und zeigt dabei sein großes stimmliches und schauspielerisches Können. Judith Bloch fegt als Milchmädchen Meg, die von einer Beziehung zur nächsten flattert und ein Auge auf den Wanderer Jeff geworfen hat, keck, witzig und doch verletzlich durch das Stück. Jannick Harneit verkörpert überzeugend den klassischen Junggesellen Charlie, der vom Clan dazu angewiesen ist Jean (Sarah Kornfeld) zu heiraten, und spielt die Rolle mit einer erfrischenden Prise Selbstironie. Sowohl Bloch als auch Harneit singen druckvoll und locker bis in die Höhen.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Die einfach gehaltene Bühne von Annette Mahlendorf lenkt nicht von den authentischen, detailverliebten Kostümen der etwa 50 Darsteller und Darstellerinnen ab. Keine schreiend bunten Kilte wie im Film von 1954: Die Farben bleiben gedeckt braun und grün mit Farbtupfern in der Kleidung. Als Highlight des Mahlendorfschen Bühnenbildes bildet ein eindrucksvoller, etwa 5 m hoher Fensterbogen einer Kirchenruine den Hintergrund für die Hochzeit von Jean und Charlie. Einzig das Licht bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück und könnte die verschiedenen Stimmungen eindringlicher unterstreichen.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Michael Falk lotst mit sicherer Hand die Hofer Symphoniker durch die Untiefen der stilistisch anspruchsvolle Partitur. Die Musik pendelt zwischen schottischen Weisen, rhythmischem Swing, klassischen Revue-Nummern und witzigen Soundtrack. Jeder einzelne Break sitzt auf den Punkt. Die Streicher schwelgen schwungvoll mit opulentem Klang. Der Hornsatz tönt voll und kräftig. Konzertmeister Lorenzo Lucca streicht seine Violinsoli mit der gleichen Präzision und Passion wie ein Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy. Die Hofer Musiker brillieren mit großer Wandlungsfähigkeit und offensichtlicher Freude an der Musik. "Ich geh’ heim mit meiner Jean" macht auch dem Publikum unglaublichen Spaß.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Lucia Birger hat Ihren Chor sehr fein auf Orchester und Ensemble abgestimmt. Über den gesamten Dynamikbereich von Piano Pianissimo bis zum Fortissimo bleibt die Intonation stabil und das Verhältnis aller Stimmen perfekt ausgewogen - eine unfassbare Leistung des Hofer Chores. Ein Erbe der Operettenära ist die strikte Trennung zwischen Ballett und Chor. Barbara Buser kombiniert in ihrer Choreografie schottische Folklore mit klassischen Tanzfiguren zu einem eindrucksvollen Ganzen: Hebefiguren, eindrucksvolle Sprünge und kraftvolle Fußarbeit. 12 Mitglieder des Hofer Ballett setzen die Choreografie mit tänzerischem Ausdruck und Synchronität in Szene – auch wenn sie stellenweise mit den schweren Kostümen und engen Platzverhältnissen zu kämpfen haben.

Bei "Brigadoon" in Hof sucht und findet jede Facette ihre individuelle Mitte: Ensemble, Chor, Orchester, Bühnenbild, Kostüme und Choreografie platzieren sich zwischen kitschiger Folklore und ernsthaftem Theater. Regisseurin Sandra Wissmann balanciert und fügt die Facetten zu einer begeisternden Inszenierung zusammen. Es bleibt zu hoffen, dass "Brigadoon" nicht für weitere 100 Jahre im Nebel versinkt.

(Text: Marcus Hoffmann)



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Kreativteam

InszenierungSandra Wissmann
Musikalische LeitungMichael Falk
ChoreografieBarbara Buser
AusstattungAnnette Mahlendorf


Besetzung

Tommy Albright, ein amerikanischer TouristThilo Andersson
Jeff Douglas, sein FreundMarkus Gruber
Archie Beaton, ein HändlerChristiane Seidel
Harry Beaton, sein SohnTamás Mester
Angus MacGuffie, ein HändlerMarian Müller
Sandy Dean, ein HändlerMichal Rudzinski
Andrew MacLaren, Vater von Fiona und JeanHans-Peter Pollmer
Fiona MacLarenCornelia Löhr
Jean MacLaren, verlobt mit CharlieSarah Kornfeld
Kate, eine Freundin von Jean
Jane Ashton, Tommys Verlobte
Yvonne Prentki
Meg Brockie, eine HändlerinJudith Bloch
Charlie Dalrymple, verlobt mit JeanJannik Harneit
Maggie Anderson, hat ein Auge auf Harry geworfenIsabella Bartolini
Mr. Lundie, SchulmeisterKarsten Jesgarz
Frank, BarkeeperPeter Potzelt
N. N.

Opernchor des Theaters Hof

Ballett des Theaters Hof

Hofer Symphoniker





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© H. Dietz Fotografie, Hof
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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Die perfekte Mitte zwischen kitschiger Folklore und ernsthaftem Musical, mit dem opulenten Klang der Hofer Symphoniker und einem schwungvollen Cast.

03.05.2023

 Termine
So18.06.18:00 Uhr


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