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Drama

Swinging St. Pauli

The swing is on tonight


Die Hamburger "Swing Kids" tanzen 1941 in Leo's Bar zur verbotenen Musik des Feindes. Das temporeiche Musical mit ernstem Hintergrund macht in der Marburger Inszenierung trotz gesanglicher und tänzerischer Mängel viel Spaß.

(Text: Daniel von Verschuer)

Premiere:08.04.2006
Letzte bekannte Aufführung:17.05.2007


Der erfahrene Regisseur Peter Radestock ist seit 1991 am Hessischen Landestheater tätig und hat in dieser Zeit neben einer Vielzahl von Theaterstücken unter anderem den "Kleinen Horrorladen" und die "Dreigroschenoper" inszeniert. Als Neuling des Musiktheaters kann er also nicht bezeichnet werden - trotzdem hat er bei dieser Inszenierung offensichtlich dem Schauspiel den größten Platz eingeräumt, Tanz und Gesang fallen dagegen ziemlich ab. Dies liegt sicher zum Teil an den Fähigkeiten der ihm zur Verfügung stehenden Darsteller, sie alle sind eher im Theaterbereich als auf der Musicalbühne zu Hause. Nur wenige Ensemblemitglieder verfügen über eine ausgebildete Stimme, und keiner bringt professionelle Erfahrung im tänzerischen Bereich mit. Bei der an Stadttheatern üblichen kurzen Probenzeit ist außerdem eine intensive Stimmbildung oder gründliches Tanztraining schwer möglich. Daher mussten Radestock und sein Choreograf Jörg Henseling das Bestmögliche aus den vorhandenen Begabungen und Erfahrungen des Ensembles herausholen.
Dies gelingt beiden dann auch fast durchgehend. Mit großer Überzeugung spielt Thomas Streibig den Oscar Leonhardt, in dessen Bar ein Großteil der Handlung stattfindet. Er zeigt in den ruhigen, intensiven Szenen mit Juliane Beier seine exzellenten schauspielerischen Fähigkeiten, seine gesanglichen Leistungen bleiben leider weit dahinter zurück. Beier ist Emma Löwenstein, eine Jüdin auf der Flucht vor den Nazischergen. Sie singt mit einer etwas unsicheren, aber auffällig klaren Stimme und spielt die ängstliche und dennoch selbstbewusste Emma sehr eindringlich.
Die fünf "Swing Kids" Alberta, Beate, Fritz, Max und Heini verbringen die Abende in Leo's Bar und versuchen trotz des drohenden Frontbefehls für die Jungs ihre Jugend zu genießen. Von ihnen hinterlässt Stefan Piskorz als lebenslustiger Fritz den stärksten Eindruck, schauspielerisch und gesanglich kann er voll überzeugen. Dagegen wirken Christian Holdt und Carl Pohla mit den Rollen von Max und Heini teilweise überfordert. Nicht jeder Ton sitzt richtig, und ihre Darstellung der netten jungen Männer ist passabel, aber nicht herausragend. Regina Leitner spielt die Alberta solide und kann bei ihren beiden Soli zu Beginn und gegen Ende des Stückes mit kraftvoller Stimme punkten. Für Joanna Maria Praml in der Rolle der Beate ist es das erste Engagement ihrer Karriere. Sie bringt viel Spielfreude mit und kann damit ihr mäßiges Gesangstalent gut ausgleichen.
"Swinging St. Pauli" ist zwar kein reines Tanzmusical, dem Tanz kommt aber doch eine erhebliche Bedeutung zu. Choreograf und Tanzschulinhaber Henseling probte sowohl mit den Hauptdarstellern als auch mit seiner eigenen Tanzgruppe, die die Statistenrollen übernahm, den Swing-Stil der vierziger Jahre. Auf der Bühne machte sich denn auch der Eindruck von Tanzschulatmosphäre breit – zu ungelenk die Bewegungen einiger Darsteller, zu unsicher die Körpersprache des Tanzensembles.
Negativ fällt leider auch die schlechte Aussprache mancher Darsteller bei englischen Songtexten auf: Thomas Streibig bei "The Swing Is On" sowie Christian Holdt und Carl Pohla bei "Night Jive" sollten dringend an ihrem "th" arbeiten.
Radestock zeigt zwar eine insgesamt schlüssige Inszenierung, einige Szenen sind jedoch weniger gut gelungen. Wenn Max und Heini bei "Erklär mir die Frauen" versuchen, das andere Geschlecht zu ergründen, fehlt es an Schwung: Beide Jungs stehen reichlich unentschlossen nebeneinander, Max hat dabei sogar die Hände in den Hosentaschen. Weiterhin spielen die intimen Szenen des zweiten Akts wegen des statischen Bühnenbildes (vorn befindet sich die Bar) fast durchgängig im hinteren Bühnenbereich und verlieren dadurch ein wenig an Eindringlichkeit.
Wenn die Jugendlichen dagegen ihre Angst vor dem bevorstehenden Ende der unbekümmerten Zeit zum Ausdruck bringen ("Nur noch kurze Zeit"), erreicht das Musical seinen emotionalen Höhepunkt und die Inszenierung ihre stärkste Phase. Den gesamten Abend über, aber besonders an dieser Stelle, können sich die Darsteller auf die Unterstützung einer wirklich starken Begleitband verlassen. Der rasant inszenierte und dramatische letzte Teil, als Sorglosigkeit und Übermut der Protagonisten mit einem Schlag verschwinden, entschädigt schließlich für die Längen der vorangegangenen zwei Stunden.


(Text: dv)






Kreativteam

MusikMartin Lingnau
BuchThomas Matschoß
Heiko Wohlgemuth
SongtexteEdith Jeske
InszenierungPeter Radestock
AusstattungAndreas Rank
Musikalische EinstudierungMaria Tosenko
DramaturgieAnnelene Scherbaum


Besetzung

Oscar LeonhardtThomas Streibig
Max WaldeckChristian Holdt
Fritz von BergStefan Piskorz
Heinrich KochCarl Pohla
Alberta BitlerRegina Leitner
Beate StenzelJoanna Maria Praml
Emma LöwensteinJuliane Beier
Günter HundtStefan Gille
Arnold StenzelUllrich Wittemann
Karl KochJürgen Helmut Keuchel
Paul SchmidtDavid Gerlach
TanzensembleTanzschule Henseling
Musikalische Begleitung"Atomic B. and the Huguenots"
PianoJörg Müller
GitarreMarc Dennewitz
BassTom Götze
SaxophonJens Bürger
Friedemann Seidlitz
SchlagzeugChristoph Herrmann
TrompeteChristian Rien



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


7 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


15050
Oh Gott...

10.10.2006 - ..was ist aus dieser Show geworden? Wo sind der Enthusiasmus und der Elan aus hamburger zeiten? Muss man diese Stücke wirklich so oft spielen bis sie verhunzt werden? Danke, das war es definitiv nicht

Nils


13045
Eine Show der Extraklasse

17.06.2006 - Es war eine sehr bewegende und rührende Geschichte. Tolle umsetzung, tolle Stimung. Würde jedem raten da mal rein zu gehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

ppuummaa


13000
Davon bekommt man nicht genug

15.06.2006 - Die Inszenierung ist mehr als gelungen und war mir schon 3 Besuche wert! Und ist nur zu Empfehlen. Zumal die Schauspieler gesanglich und tänzerisch sehr überzeugt haben.

Tobias


12748
Swing your hips!

05.06.2006 - Swinging St.Pauli ist wirklich klasse! Die Musik, die Schauspieler und die Bühne!Alles perfekt inszeniert! War schon 2x drin u. werde evtl.nochmal reingehen!:) Vor allem die Musik hat mir sehr gefallen! Jule u. Regina könne sowieso toll singen aber auch die Männer! Z.B.: erklär mir die frauen..tja oder singing st.pauli....ach eben alle!:)
Und auch die Tänzer der Tanzschule Henseling waren klasse!Vor allem Sina!:)
Und Carl Pohla hat mir auch gefallen:) :) :)nice
freu mich aufs nächste mal!:)

Louise


12367
Hohes Niveau, augezeichnetes Stück!

14.05.2006 - Wir befinden uns in der Mehrzweck-Stadthalle Marburgs, deren Reihenbestuhlung gegen kleine "Gruppentische" ausgetauscht wurde. Ein Hauch von Varieté schleicht sich ein... Die wunderbare Kulisse einer in rot-orange gehaltenen Bühne reicht in den Zuschauerraum hinein, die Band hat bereits unter Beifall Platz genommen und sich eingespielt, das Licht erlischt, ein Trommelwirbel und man wird in die 40er getragen - Swinging St. Pauli.
Die "Swing Kids" treffen sich in Leos Bar um dem brauen Alltagsmarsch zu entfliehen, das Musical begleitet sie durch die erste große Liebe, Verrat und Hoffnung.
Um eine gerechte Kritik zu geben, muss man noch einmal betonen: Wir sind immer noch in Marburg. Marburg ist keine Großstadt - und das Hessische Landestheater ist keine Musicalagentur. Keiner wird hier Metropolenniveau erwarten! Und gerade deshalb wird man schlichtweg überrascht.
Die in der oben stehenden Rezension genannte "schlechte [englische] Aussprache" fällt nicht auf (und ich bin wirklich ein Englisch-Fanatiker), die schauspielerische Leistung ist glaubwürdig und sehr gut... und zum Gesang:
Regina Leitner als Alberta singt einfach überragend. Ich war jetzt zwei Mal in "Swinging St. Pauli" und beide Male hin und weg. Ihre Leistung als "solide" abzustempeln ist unfair, achte man doch auf die vielen, akrobatischen Tanzeinlagen, auf das (ein besseres Wort gibt es nicht:) swingende "If you find a good man" und das schlichtweg traurige "You've never written me a Lovesong" gen Ende. Sollte die Leistung bei der rezensierten Premiere etwas "schwächer" gewesen sein, scheint das nur dem Kritiker der Musicalzentrale aufgefallen zu sein, die anderen Rezensionen überschlagen sich förmlich. Bleibt zu erwähnen, dass besagte Regina Leitner an diesem Premierenabend 39° Fieber hatte und trotzdem das Ultimo geleistet hat...
Zu den anderen Darstellern:
Juliane Beier als Emma Löwenstein - einfach die passende Verletzbarkeit in "Kann man denn so gehen?".
Thomas Streibig als Leo einfach herrlich und authentisch, sein Gesang allemal gut genug und um Strecken besser als der des Sängers auf der offiziellen (!) CD des Musicals in Hamburg.
Auf jeden Fall bemerkenswert: Stefan Piskorz als Fritz von Berg. Perfekte Darstellung, überzeugender Gesang und ganz besonders professionelle und überragende tänzerische (und akrobatische) Leistung.
Stefan Gille wird kaum erwähnt in den Kritiken, aber sein Obersturmbannführer Hundt ist genial und bedrohlich (und das liegt NICHT - nur - an seiner Körpergröße).
Die restlichen Schauspieler und Sänger hinterlassen allesamt einen sehr, sehr soliden Eindruck, Joanna Maria Praml in "Leben ohne ihn" einfach hinreißend und Carl Pohla schauspielert als Heini einfach fantastisch, das allein ist die zweite Reihe ganz vorne schon wert ("Aber hübsch dekoriert isse!" ;o) ...)!
Ullrich Wittemann (ganz und gar nicht "hoffnungslos unmusikalisch!")^^ und Christian Holdt überzeugen und beweisen sich als gute Darsteller - und Jürgen Helmut Keuchel, der so wunderbar hamburgerisch "snacken" kann und David Gerlach, ganz herrlich-zwielichtig, verdienen ebenfalls großes Lob.
Bleiben die jungen Tänzer der Tanzschule Henseling, die als Statisten "Leos Bar" bevölkern. Wo ist da bitte "unsichere Körpersprache" und wo sind sie "ungelenk"? Mag sein, dass die Bühne zu klein ist, um das ganze Können zu bieten, aber das liegt ja nun nicht an den 16 Tänzerinnen und Tänzern. Die springen, swingen und - ja, nun, was sonst: TANZEN was das Zeug hält. Und ich glaube jeder Zuschauer wippt innerhalb der ersten 15 Minuten zum mitreißenden Rhythmus und dem faszinierenden Gewirbel auf der Bühne mit. Der begeisterte Applaus am Schluss ist also völlig verdient. Für alle. Nur schade, dass die Tänzer auf der "Hinterbühne" bleiben müssen beim Verbeugen.
Die ergreifendsten und besten Lieder sind ohne Zweifel:
~ "The Swing is on" und "Night Jive", durchaus eine Herausforderung an die Kondition der Tänzer und der von Regina Leitner und Stefan Piskorz (die von allen mit ganz großer Klasse gemeistert wird - Extra-Applaus dafür!).
~ "If you find a good man" & "You've never written me a Lovesong" (wieder enorm: Regina Leinter; letzteres gefühlsmäßig kaum zu überbieten)
~ "Nur noch kurze Zeit" (wunderbare Ensemble-Leistung)
~ (wie schon erwähnt) "Kann man denn so gehen" mit einer charaktervollen Juliane Beier
~ "Mein Lied für dich" als wiederkehrendes Motiv
und der emotionale Höhepunkt des Stücks:
~ "Leben ohne sie", was mir persönlich beide Male die Tränen in die Augen trieb. Sehr bewegend, Lob an Stefan Piskorz.

Und jetzt zur Band, zur wunderbaren "Atomic B. and the Huguenots"-Band, die dem Publikum die fesselnden Swingrhythmen durch die Venen jagt. Herrlich und ein ganz, ganz großes PLUS für die Aufführung die mit Großstadtproduktionen wie in Hamburg vollkommen mithalten kann.

Besonders eindrucksvoll auch der plötzliche Einbruch der jugendlichen Unbeschwertheit, als die Lage sich zuspitzt, als an die Front gerufen wird. Regierten vorher noch "Dr. Fusel" und sorgte man sich hauptsächlich darum, ob's denn nun letzte Nacht mit IHR auch passiert ist, herrschen nun Angst und der Verrat, der Ausbruch des Vulkans auf dem sie tanzen lauert - ab "Nur noch kurze Zeit" besonders zu spüren, und all dieser Wandel von den sorglosen jungen Menschen zu verzweifelten und tragischen Figuren berührt einen zutiefst.

Wer die Hamburger "Swinging St. Pauli"-Aufnahme besitzt wird mir sicher zustimmen, wenn ich sage, dass die Darsteller des Hessischen Landestheaters ein unglaublich großes Lob verdient haben, denn sie stechen das Ensemble der CD nahtlos aus. Bravo und ZUGABE! Fünf Sterne für diese bewundernswerte Leistung!

Ex-Marburgerin


11910
der absolute Oberhammer

13.04.2006 -

Heidi


11841
Genial

10.04.2006 -

Allo


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