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Drama

Goethe!

Und doch, welch Glück, geliebt zu werden, und lieben, Götter, welch ein Glück!


© BHF/ S. Sennewald
© BHF/ S. Sennewald
Ein Fest für die Augen und Ensemble-übergreifend gut gespielt und gesungen. Das hohe, fast hektische Tempo einiger Szenen in Verbindung mit Textunverständlichkeit und einem Heer an Tänzern lassen jedoch oft den Überblick verlieren, dazu schleichen sich in der zweiten Hälfte einige Längen ein. Trotzdem unterhält die neue Bad Hersfelder Produktion auf hohem Niveau.

(Text: ig)

Premiere:03.07.2021
Rezensierte Vorstellung:03.07.2021
Showlänge:120 Minuten (ggf. inkl. Pause)


"Es ist mehr als Wahrheit. Es ist Dichtung", sagt Lotte, als sie dem Verleger das Manuskript des "Werther" übergibt. Und so ist dann auch der Inhalt dieses sehr lose auf wahren Begebenheiten basierenden Abends gut zusammengefasst: Dichtung steht über prosaischer Realität.

Stücke, die auf historischen Personen basieren, aber sich nur vage an die historische Wahrheit halten, sind gute alte Theatertradition: etwa Shakespeare mit seinen Königsdramen und Schiller mit "Maria Stuart" oder "Don Carlos". Oder auch etwas neuer "Shakespeare in Love", woran sich der Film "Goethe!" orientierte, der wiederum die Vorlage für dieses Musical bot.

Wie auch bei "Shakespeare in Love" geht es hier um einen Dichter in der Selbstfindungsphase, romantische Wirrungen und die Entstehung eines berühmten Werks, "Die Leiden des jungen Werther": Der junge Johann Wolfgang Goethe studiert auf Wunsch des Vaters Jura. Doch er genießt lieber das Leben und schreibt Gedichte, die von Verlegern wegen mangelnder Qualität abgelehnt werden. Als er durch eine wichtige Prüfung fällt, schickt sein Vater ihn ans Reichskammergericht nach Wetzlar, wo er auf einem Ball Charlotte Buff kennenlernt. Lotte ist die erste, die Goethes Poesie zu schätzen weiß und ihn ermuntert, weiter zu schreiben. Als sein Vorgesetzter Kestner ihn bittet, ihm bei einem romantischen Heiratsantrag zu helfen, ahnt Goethe nicht, dass es sich bei Kestners Auserwählter um Lotte handelt.

© BHF/ K. Lefebvre
© BHF/ K. Lefebvre



Gil Mehmert, Regisseur und Autor des Stücks, bleibt ziemlich nah am Drehbuch des 2010 entstandenen Films. Der Einstieg wird aber so stark gerafft, dass Goethes Versagen an der Universität, das Unverständnis des Vaters für seine Poesie, die Reise nach Wetzlar und das erste Treffen mit Lotte in Windeseile vorüberziehen. Getrieben von rhythmischer Musik, durcheinandergewirbelt von Tänzerinnen und Tänzern, muss sich der Zuschauer die gerade wichtigen Akteure auf der Bühne suchen. Textverständlichkeit ist dank falsch ausbalancierter Aussteuerung auch nicht gegeben – ein Manko des gesamten Abends – und so steht man ohne Kenntnis des Films erst einmal auf verlorenem Posten. Sobald das Orchester in die Vollen geht – und das tut es oft – gehen die Singstimmen im kraftvollen Klang der Musik unter.

Besonders ärgerlich ist das bei der Szene, nachdem Goethe von Lottes Verlobung erfahren hat. Unter dem Einfluss von Tollkirschen – seinerzeit eine beliebt Droge – halluziniert er einen völlig abgedrehten Jahrmarkt, dem der charismatische Mischa Mang als Mephistopheles persönlich vorsteht. Der Verweis auf die Walpurgisnacht aus "Faust" setzt optisch einen Höhepunkt des Abends, aber durch die schlechte Akustik verschallen Text und Sinn der Szene, die sich irgendwann ziemlich zieht.

© BHF/ S. Sennewald
© BHF/ S. Sennewald



An anderen Stellen, etwa im Gerichtssaal oder der Jagd, lässt das hohe Tempo die Eindrücke nur so auf das Publikum einprasseln. Kim Duddys knackige Choreografien machen, obwohl umwerfend getanzt, das Bühnengeschehen nicht übersichtlicher. Das ist fraglos perfekt und einfallsreich inszeniertes Überwältigungstheater auf allen Ebenen, aber im Endeffekt trotzdem unbefriedigend.

Dem ersten Treffen von Goethe und Lotte fehlt ein entscheidender Moment: Es funkt nicht zwischen ihnen. Abla Alaoui und Philipp Büttner sind als Lotte und Goethe jeder für sich gesehen grandios: stimmlich und darstellerisch hervorragend. Die bis über beide Ohren verliebten Menschen nimmt man ihnen jederzeit ab. Doch dem Zusammenspiel fehlt die Chemie. Das ist eher Mehmerts Personenführung anzukreiden, die Alaoui und Büttner auch in gemeinsamen Szenen zu oft sehnsüchtig in die Ferne schauen lässt und zum Singen an die Rampe stellt.

© BHF/ K. Lefebvre
© BHF/ K. Lefebvre



Deutlich besser funktioniert das beim zweiten, tragischen Paar des Abends, bei Goethes Freund und Kollegen Wilhelm Jerusalem, dem wirklichen Vorbild des "Werther", und seiner verheirateten Geliebten, dem "Rotschopf". Thomas Hohler und Karen Müller finden in ihren wenigen gemeinsamen Szenen die Innigkeit und Nähe, die bei Alaoui und Büttner nicht spürbar wird.

Besonders tief geht die Figurenzeichnung weder im Film noch im Musical. Bei Kestner ist das besonders schade. Christoph Messner bereichert den kalten Bürokraten noch mit einen Schuss diabolischer Präsenz. Auch ein Solo, in dem er seine Gefühle offenbart, gibt ihm nicht mehr Tiefe. In der Filmvorlage freunden sich Goethe und Kestner langsam an und gestehen sich, dass sie verliebt sind – ohne Wissen, dass es sich bei beiden um Lotte handelt. Umso emotionaler könnte dann ihre Reaktion sein, wenn die Wahrheit ans Licht kommt.

© BHF/ K. Lefebvre
© BHF/ K. Lefebvre



Der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Joern Hinkel, hat im Vorfeld "Goethe!" als Rockmusical angekündigt. Das ist es trotz ein paar rauer Gitarren-Riffs nicht. Martin Lingnaus bis auf wenige kurze Dialogstellen durchkomponierte Partitur mischt abwechslungsreich Pathos, Pop und kurze Klassik-Einwürfe. Mit dabei sind ein paar zu viele "Ahaaahaa"- und "Ohoohoo"-Momente in Coldplay-Manier und große Emotionen auf der Bühne bedeuten direkt Fortissimo im Orchestergraben. Dabei kann Lingnau es auch subtiler. Bei "Der schönste Tag" schleichen sich in die allgemeine Freude bei Lottes und Kestners Verlobung am Ende scharfe Dissonanzen der Bläser ein, um Goethes und Lottes Gefühle zu symbolisieren. Ähnliche Harmonien kündigen auch den überraschenden Selbstmord Jerusalems an. Sebastian de Domenicos gelungene Instrumentation lässt trotz Breitwand-Melodik zarten Holzbläser- und Xylophon-Tönen Raum. Wunderbar sind auch die eng gesetzten Chöre. 21 Musikerinnen und Musiker sorgen für einen satten Orchesterklang. Christoph Wohlleben leitet sie umsichtig und kraftvoll.

In Frank Ramonds Songtexte sind mal mehr, mal weniger bemerkbar Goethe-Zitate eingeflochten. “Willkommen und Abschied“ ist die Vertonung des gleichnamigen, wenn auch etwas zurechtgebogenen Goethe-Gedichts – wunderschön und ein Highlight dieses Musicals.

© BHF/ K. Lefebvre
© BHF/ K. Lefebvre



Goethe schenkt Lotte ein Miniaturtheater. Dieses Theater bildet – in Vergrößerung – das Zentrum von Jens Kilians Bühnenbild. Zu Goethes Zeiten waren diese Papiertheater sehr populär. Dazu passt der damals ebenfalls beliebte Scherenschnitt-Stil, in dem Dekorationsteile wie Bäume oder auch eine Kutsche gestaltet sind. Eine pfiffige Idee, Pferde mit Hilfe von Fahrrädern darzustellen, vorne mit Scherenschnitt-Pferdekopf und hinten mit Schweif. Zusammen mit Claudio Pohles bunten und aufwändigen Kostümen im Stil eines Fantasie-Rokoko und der schönen Ausleuchtung von Michael Grundner ist diese Aufführung rundum ein Augenschmaus.

© BHF/ S. Sennewald
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“Goethe!“, das ursprünglich eine Stage Entertainment-Produktion werden sollte, hat nun in Bad Hersfeld das Licht der Bühnenwelt erblickt und wird hier sicher ein Publikumsrenner werden. Es hat Energie (manchmal sogar etwas zu viel davon), eine fantasievolle Ausstattung, eine grandiose Besetzung, einen hohen Unterhaltungswert und ist – trotz seiner Schwächen – sehenswert.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

InszenierungGil Mehmert
Musikalische LeitungChristoph Wohlleben
ChoreografieKim Duddy
BühneJens Kilian
KostümeClaudio Pohle
LichtdesignMichael Grundner


Besetzung

Johann GoethePhilipp Büttner
Lotte BuffAbla Alaoui
Wilhelm Jerusalem u. a.Thomas Hohler
Rotschopf u. a.Karen Müller
Albert KestnerChristof Messner
Vater Goethe
Professor u. a.
Rob Pelzer
Lottes Vater u. a.Detlef Leistenschneider
Kammermeier
Mephisto
Mischa Mang
Anne Buff u. a.Inga Krischke
Schleyn u. a.Pascal Cremer
Borgmann u. a.Florian Minnerop
Keiner Bruder u. a.Claudio Gottschalk-Schmidt
Leon Petzold
Studenten u. a.Peter Knauder
Juriaan Bles
Eva Zamostny
Kleine Schwester u. a.Isabell Waltsgott
Claudia Artner
HausdameMarije Louise Maliepaard




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© BHF/ S. Sennewald
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© BHF/ K. Lefebvre
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Besetzung

Ausstattung

Fiktive Biographie mit ausgezeichneter Besetzung. Eine Produktion, die viel fürs Auge bietet, deren Einstieg aber durch unübersichtliches Gewusel, Hektik und mangelhaften Ton erschwert wird.

04.07.2021

 Termine
Sa24.07.15:00 Uhr
So25.07.20:30 Uhr
Di27.07.20:30 Uhr
Do29.07.20:30 Uhr
Sa31.07.21:00 Uhr
So01.08.15:00 Uhr
Mo02.08.20:30 UhrZusatz­termin
Mi04.08.20:30 Uhr
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