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Biografical

Vincent van Gogh

Ein Pinselstrich, ein Lebewohl


© Rudi Gigler
© Rudi Gigler
Eine Künstlerbiografie ohne eine hinzuerfundene oder fiktionalisiert ausgeschmückte epische Liebesgeschichte – kann das auf der Bühne funktionieren ohne zu einem trockenen Abhaken von Ereignissen zu werden? In Gmunden tut es das sehr gut. Ohne viel Schnickschnack bringt das kleine, starke Ensemble des Musical Frühlings das Stück um den niederländischen Maler mit seinem zuvor nie dagewesenen Stil berührend und trotz aller Dramatik mit leichter Hand auf die Bühne des Stadttheaters.

(Text: ig)

Premiere:09.09.2021
Rezensierte Vorstellung:09.09.2021
Dernière:26.09.2021
Showlänge:150 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Vincent van Gogh ist der Prototyp des "wahnsinnigen Genies" und des "verkannten Künstlers". Ein Mythos, der von zahlreichen Büchern und Filmen befeuert wurde. Auch die Musicalversion lässt von Anfang an erkennen, dass Vincent nicht so tickt wie alle anderen. Als Mitarbeiter einer Londoner Kunsthandlung beleidigt er Kundinnen, die Gemälde nach der Farbe ihrer Einrichtung auswählen, und ist felsenfest davon überzeugt, die Tochter seiner Zimmerwirtin zu heiraten, die davon aber gar nichts weiß. Das verpackt Yngve Gasoy-Romdal in jungenhaften Charme und lässt Vincent sehr sympathisch wirken, auch wenn er offensichtlich in einer Traumwelt lebt. Bis zum tragischen Ende zeichnet er den schleichenden Verfall des Künstlers zwischen kindlicher Euphorie und eruptiven Wutausbrüchen, ohne dabei den "Wahnsinn" übertrieben auszuspielen.
Ein sehr schönes Detail Gasoy-Romdals beeindruckenden Leistung: In einer Szene malt van Gogh – für das Publikum nicht sichtbar. Und trotzdem sieht man an der Führung des Pinsels die typischen Wellenlinien und den Druck, den er auf die Leinwand ausübt. Wer schon einmal ein van-Gogh-Gemälde von Nahem gesehen hat, der weiß, wie reliefartig dick die Farben übereinander geschichtet und dazwischen eingegraben ist. Auch stimmlich vermittelt Gasoy-Romdals heller, kräftiger Tenor eine gewisse Leichtigkeit und nimmt allem plumpen Pathos, die die Rolle bieten könnte, den Wind aus den Segeln.

© Rudi Gigler
© Rudi Gigler


Für die Österreichische Erstaufführung wurde das Ensemble auf sechs Personen reduziert. Gasoy-Romdal ist der einzige Darsteller, der nur eine Rolle übernimmt. Seine Kolleginnen und Kollegen springen ständig von einem Charakter in den nächsten. Aber es wirkt nie, als würden sie der Titelfigur bloß zuarbeiten. Sie überzeugen in Rollen unterschiedlichster Größe und alle haben mindestens einen großen Bühnenmoment.
Elisabeth Sikora, Co-Intendantin und auch mit Stephanie Thun-Höhenstein am Kostümbild dieser Produktion beteiligt, schlüpft u.a. in die Rolle der Hure Sien, die Vincent heiraten will, obwohl sie das Kind eines Anderen erwartet. Damit darf Sikora dann auch den Showstopper des Abends, "Des Lebens wahrer Höhepunkt", singen. Eine herzzerreißende Szene, die für Gänsehaut sorgt. Ebenso berührend ist ihre Darstellung von Vincents trauernder Cousine Kees. In anderen Rollen wiederum überrascht sie mit herrlich expressiver Mimik als Komödiantin.

© Rudi Gigler
© Rudi Gigler


Vincents wichtigste Bezugsperson ist sein Bruder Theo, ein erfolgreicher Kunsthändler. Jesper Tydèn spielt ihn rollengerecht steif und stattlich, doch voller Empathie. In ihren Duetten können die Tenöre Gasoy-Romdal und Tydèn mit opernhafter Wucht ihre Stimmen strahlen lassen.
Gerd Achilles fällt in allen seinen Rollen durch starke Bühnenpräsenz auf. Den lebenslustigen Maler Paul Gauguin zeichnet er mit körperbetontem Spiel. Im Duett mit ihm präsentiert Meimouna Coffi als Bordellbetreiberin Madame Virginie eine sanfte, am Chanson orientierte Stimme.

© Rudi Gigler
© Rudi Gigler


Ebenfalls in einer der Szenen im Rotlicht-Milieu kann Judith von Orelli als Rakel im "Tango a l'Amour" die Anwesenden lasziv umgarnen, während ihre Verkörperung des Toulouse-Lautrec in Anzugsjacke und Damenunterwäsche sehr verwundert. Eine etwas fragwürdige Regie-Entscheidung, was allerdings nicht der Darstellerin anzulasten ist.
Bei "Unter erdrückendem Himmel" und "Citronell und Tamarind" wird das Ensemble durch die zusätzlich eingespielten Stimmen von Kun Jing und Nicolas Huart verstärkt. Ebenfalls eingespielt ist das Orchester. Wegen der Pandemie wurde das "Orchester im Treppenhaus" unter Leitung von Thomas Posth in Hannover vorher aufgezeichnet. Die Aufnahme lässt die Feinheiten der Instrumentation zur Geltung kommen und ist weit davon entfernt, ein beliebiger Klangteppich zu sein. Die Tonqualität des Orchesters ist hervorragend, bei Ensembleszenen kommt manchmal die Textverständlichkeit abhanden. Dirigent und Orchester sind trotzdem auf der Bühne dabei. Wie bei einer "normalen" Aufführung startet der Abend mit dem Einsatz-Geben des Dirigenten, bei einigen orchestralen Passagen und – eine sehr charmante Idee – zum Schlussapplaus, werden die Musikerinnen und Musiker auf das Bühnenbild projiziert.

© Rudi Gigler
© Rudi Gigler


Bühnenbildner und Regisseur Markus Olzinger benutzt seine aus verschieden großen, weißen Leinwänden bestehende Kulisse gezielt, aber nicht inflationär, für Videoprojektionen. Die bekannten Werke van Goghs spart er sich bis zum Schluss auf, dafür unterstreichen einige seiner Zeichnungen die Szenen. Besonders eindrucksvoll sind die Farbkaskaden, die Vincents Kreativität versinnbildlichen und die Animation des Kampfes zwischen ihm und Gauguin im typischen Stil des Malers. Als Referenz an die ungewöhnliche und lange Arbeitszeit an dieser Produktion (Premiere sollte eigentlich schon im Frühjahr 2020 sein), werden als Pandemie-Chor bei "Citronell und Tamarind" die Ensemblemitglieder bei einer Videokonferenz gezeigt, wie sie zu Hause ihre Parts singen. Doch nicht nur optisch kann die Inszenierung des Intendanten überzeugen. Olzinger schafft es, während der recht langen Schauspielszenen die Spannung zu halten. Er verzichtet auch nicht auf Humor, der der dramatischen Handlung eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Dazu tragen auch die Choreografien von Amy Share-Kissiov mit einem sehr witzigen Volkstanz bei.

© Rudi Gigler
© Rudi Gigler


Die Autoren Inger Schjoldager und Østein Wiik haben es geschafft, aus dem Musical keinen überhöhten Biografie-Kitsch, sondern das bewegende Portrait eines Künstlers zu schaffen, der seiner Zeit voraus war und dessen Leben durch psychische Krankheiten belastet wurde. Gisle Kverndokk hat dazu eine anspruchsvolle Partitur geschrieben, Theatermusik par excellence! Sie unterstreicht die Szenen, scheut zur Darstellung von Vincents Zustand auch keine schrägen Töne und vertrackte Rhythmen, beschwört die halbseidenen Salons des Paris der "Belle Epoque" herauf und gibt dem Publikum trotzdem, was es von einem Musical erwartet: in Töne gefasste Emotion.

© Rudi Gigler
© Rudi Gigler


Mit dieser intensiven Produktion meldet sich der Musical Frühling Gmunden nach anderthalb Jahren Pause zurück. Eine Rückmeldung mit Paukenschlag!

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Inszenierung, BühnenbildMarkus Olzinger
Musikalische LeitungThomas Posth
KostümeStephanie Thun-Hohenstein
Elisabeth Sikora
LichtdesignIngo Kelp
Visual ArtistsJürgen Erbler
Jan Schütz
TondesignRoland Baumann


Besetzung

Vincent van GoghYngve Gasoy-Romdal
Theo van Gogh, u.a.Jesper Tyden
Cornelia "Kee" Vos-Stricker
Clasina "Sien" Hoornik
Johanna van Gogh-Bonger
Emily Scofield, u.a.
Elisabeth Sikora
Paul Gauguin
Theodorus van Gogh
Mr. Obach
Anton Mauve, u.a.
Gerd Achilles
Anna van Gogh
Agostina Segatori
Ann Scofield
Madame Virginie, u.a.
Meimouna Coffi
Eugenie Loyer
Henri Toulouse-Lautrec
Rakel, u.a.
Judith von Orelli




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Karin Nussbaumer
© Karin Nussbaumer
© Karin Nussbaumer
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© Rudi Gigler
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© Rudi Gigler
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Musik

Besetzung

Ausstattung

Intensive Biografie, mit einfachen Mitteln effektvoll inszeniert. Das hervorragende Ensemble wird von einem sagenhaften Yngve Gasoy-Romdal angeführt.

10.09.2021

 Termine
Fr24.09.19:30 Uhr
Stadttheater (Gmunden)
Sa25.09.19:30 Uhr
Stadttheater (Gmunden)
So26.09.17:00 UhrDernière
Stadttheater (Gmunden)


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