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Drama

Marguerite

Liebe im Widerstand


© Martin Kaufhold
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Michel Legrands Musical beleuchtet ein dunkles Kapitel der französischen Geschichte: die Kollaboration mit den deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg. Die großen Emotionen werden musikalisch mit einer Bandbreite von zarter Melancholie bis pompösem Kitsch umgesetzt. Szenisch geht auf der reduzierten, fleckig ausgeleuchteten Bühne nicht alles auf.

(Text: ig)

Premiere:07.12.2019
Rezensierte Vorstellung:07.12.2019
Letzte bekannte Aufführung:12.05.2020
Showlänge:180 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Paris, 1942: Die ehemalige Sängerin Marguerite lässt sich von dem Wehrmachtsoffizier Otto von Stadt aushalten. Politische Themen – ob Krieg oder Judenverfolgung – blendet sie aus. An ihrem 40. Geburtstag lernt sie den jüngeren Musiker Armand kennen und verliebt sich in ihn. Armands Band-Kollegen, darunter seine Schwester Annette, gehören der Résistance an. Armands Beziehung zu Marguerite bleibt nicht lange unbemerkt und wird zur Gefahr für das Paar und die Widerstandskämpfer.

© Martin Kaufhold
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“Marguerite“ erlebte seine nicht sehr erfolgreiche Uraufführung 2008 in London und wurde für Produktionen in Ostrava, Tschechien, und eine weitere in London beide Male stark überarbeitet. In Saarbrücken läuft die deutsche Erstaufführung der Ursprungsversion. Das Buch von Alain Boublil, Claude-Michel Schönberg und Jonathan Kent basiert auf dem Roman “Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas, der in Verdis Opernfassung “La Traviata“ einen festen Platz auf den Theaterbühnen hat. Das Autorenteam versetzt die Handlung nicht 1:1 in die 1940er Jahre, sondern nimmt nur Motive und einige zentrale Szenen aus der Vorlage. Ist der Aufbau noch bühnenwirksam und geschickt, krankt das Stück an den langen, klischeelastigen Dialogszenen, die von großen Teilen des Ensembles steif und hölzern aufgesagt werden. Herbert Kretzmers Liedtexte sind schon im Original ziemlich blumig, dementsprechend reimt sich in Roman Hinzes Übersetzung hartnäckig “Herz“ auf “Schmerz“.

Michel Legrand wollte eigentlich klassischer Komponist werden, bevor es ihn zu Jazz und Chanson verschlug. Womöglich ist “Marguerite“ für ihn die Oper, die er nie geschrieben hat. Die Behandlung des Chors und die sich überlagernden Terzette und Quartette haben etwas Opernhaftes. Die leicht dissonanten Märsche erinnern an Strawinsky und Prokofjew. Dabei schafft er kleine, wunderschöne Miniaturen wie “Püppchen aus Porzellan“, aber geht auch mal zu sehr in die Vollen, wie im Finale des ersten Akts. Er variiert Melodien, bringt Motive, ohne mit ihnen zu langweilen, immer wieder ins Ohr, bis sie sich festsetzen. Legrands Kompositionen werden kongenial von zart bis wuchtig, jazzig bis zackig vom Orchester unter der Leitung von Stefan Neubert differenziert umgesetzt.

© Martin Kaufhold
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Alexandra Burgstallers betont nüchternes Bühnenbild ist ein Kontrast zur üppigen Musik. Als Hommage an den 2019 verstorbenen Komponisten und gefeierten Jazzpianisten steht ein Flügel als zentrales Element auf der Bühne, der auch als Bett oder Restauranttisch herhalten muss. Verschiebbare Wände dienen gelegentlich als Sichtschutz bei Umbauten während laufender Szenen. Dabei ist nicht jede Wand-Position glücklich gewählt. Doch durch das Zusammenspiel von Licht, Vorhängen und Wänden sowie dem Einsatz der Drehbühne ergeben sich neue Perspektiven und einige schöne Bilder. Dabei benutzt André Fischer für sein Lichtdesign vorrangig kaltes Licht. Seine Lichtsetzung ist nicht immer geglückt. Es entstehen Flecken auf der Bühne, die Darsteller manchmal im Dunkeln verschwinden oder Schatten auf Gesichter fallen lassen. Tanja Liebermann hatte die Mammutaufgabe, die Produktion mit 300 Kostümen auszustatten. Sie bringen etwas Farbe in die düstere Szenerie.

Regisseurin und Choreografin Pascale-Sabine Chevroton gelingen einige ergreifende Szenen und im Umgang mit Chor und Statisterie zeigt sie Geschick. Wenn aber eine Nebenaktion am vorderen Bühnenrad – die Chanteuse wird für ihren Auftritt als Glamour-Walküre zurechtgemacht – mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als der Dialog im hinteren Bühnenbereich, ist das mehr als ungeschickt. Ihre Mischung aus dem sachlichen Bühnenbild und surrealen Szenen in Zeitlupe überzeugt wenig. Auf einige Kitschmomente wie den romantischen Ascheregen beim Luftangriff, wenn Marguerite und Armand sich erstmals näher kommen, oder Marguerites Auftritt als Lichtgestalt in Armands Wohnung, hätte sie verzichten können.
Auch im Ensemble gibt es Licht und Schatten. Schlagerstar Ingrid Peters hat einen kurzen, aber prägnanten Auftritt als Chanteuse bei der Wehrmachts-Silvesterfeier. Dass sie bei den hohen Tönen etwas überfordert ist, gleicht sie durch Präsenz aus. Schon das bizarre Walküren-Kostüm sichert ihr Aufmerksamkeit.

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Stimmlich und darstellerisch stark: Sybille Lambrich als Armands Schwester Annette, die sich im Widerstand engagiert und ihrem jüdischen Geliebten zur Flucht verhilft. Ganz anders dagegen Stefan Röttig als Otto von Stadt. Röttig bleibt in der zwiespältigen Rolle blass, ist nicht das personifizierte Böse oder der dämonische Verführer. Eifersucht und Wut im Solo “Ich hasse jede Art von Frauen“ werden behauptet, aber nicht spürbar. Das macht es auch schwer zu verstehen, was Marguerite an ihm findet. Sie ist betont unpolitisch, verschließt sich mit Scheuklappen vor den Geschehnissen um sich herum und genießt opportunistisch das privilegierte Leben. Durch die Begegnung mit Armand gerät ihre Welt ins Wanken. Katja Reichert startet passend divenhaft, schafft es aber im ersten Akt nicht, ihr Verliebtsein in Armand und ihr dadurch entstehendes Gefühlschaos glaubhaft darzustellen. Erst nach der Pause, wenn Marguerite immer mehr in Bedrängnis gerät, läuft Reichert zu großer Form auf. Ihre tragische Schlussszene ist nachhaltig berührend. In puncto Gesang überzeugt sie durchgängig und meistert die vom Komponisten geforderten Wechsel vom Chanson zum klassischen Gesang.
Julian Culemann ist ein überragender Armand, der aber mit dieser mörderisch hohen Partie hörbar an seine Grenzen stößt. Er hat jugendliches Feuer, mitreißende Energie und leidenschaftliche Verzweiflung. Culemann brilliert auch als Pianist, wenn er Katja Reichert bei “Püppchen aus Porzellan“ live auf der Bühne begleitet.

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Es ist dem Staatstheater Saarbrücken hoch anzurechnen, “Marguerite“ auf den Spielplan zu nehmen. Man spürt das Herzblut, das in diese Produktion geflossen ist. Sie überzeugt nicht auf ganzer Linie, ist aber einen Besuch wert. Mutig gekürzt und beherzter inszeniert, hat Legrands Werk unbedingt Potenzial.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische Leitung Stefan Neubert
Inszenierung, Choreografie Pascale Chevroton
Bühnenbild Alexandra Burgstaller
Kostüme Tanja Liebermann
Licht André Fischer
Sounddesign Hendrik Maaß
Dramaturgie Renate Liedtke
Einstudierung Chor Jaume Miranda


Besetzung

Marguerite Katja Reichert
Otto Stefan Röttig
Armand Julian Culemann
Annette Sybille Lambrich
Lucien Nathanael Schaer
Pierrot Robert Besta
Hermann Timo Verse
Chanteuse Ingrid Peters
Georges Markus Jaursch
Ensemble Bettina Maria Bauer
Sue Lehmann
Tobias Berroth




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


32169
Emotionsarm

12.02.2020 - Das MARGUERITE am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken nicht wirklich überzeugen kann, liegt sicher nicht an der Musik des großen Michel Legrand. Seine Komposition ist reich an Melodien, Stilistiken und Emotion.

Was dieses Musical zum Stolpern bringt, ist seine dramaturgische Aufbereitung.
Die tragisch dramatische Geschichte findet in Buch und Text keine entsprechende Aufbereitung. Die Beweggründe und Charakter der Protagonisten, insbesondere natürlich der Titelheldin, bleiben weitgehend im Dunkeln, werden bestenfalls angedeutet.

Die Regie und die Ausstattung verstärken diesen oftmals tristen Eindruck. Das muss man sich auch erst einmal trauen, ein derart monochromes Einerlei auf die Bühne zu stellen: vor einer schwarzen Wand kommen wahlweise ein schwarzer Vorhang, schwarze Stühle oder ein schwarzer Flügel zum Einsatz. Weder die weitgehend unauffälligen Kostüme noch das fragwürdige Lichtdesign, das die Darsteller mehrfach regelrecht im Dunkel stehen lässt, können dies verbessern und hinterlassen den Eindruck einer allenfalls halbszenischen Inszenierung.

An den Darstellern liegt es sicherlich nicht, dass diese deutsche Erstaufführung nur wenig begeistern kann. Katja Reichert und Julian Culemann agieren absolut souverän und ragen rollenbedingt hervor.

Das dramatische und historisch relevante Potenzial der Geschichte wird von der Musik aufgegriffen, von Buch und Inszenierung aber weitgehend verschenkt.

kevin (170 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


32161
Stimmungsvoll

27.01.2020 - Spannend, dass gerade in dem Theater, welches nach dem Willen der NS-Machthaber an der Grenze des Deutschen Reiches ein kulturelles „Bollwerk deutscher Kultur in der westlichen Grenzmark des Reiches“ (gegen Frankreich) sein sollte, wie Joseph Goebbels in der Festschrift zur Einweihung des Theaters schrieb, nun Marguerite seine deutschsprachige Erstaufführung erlebt...
Stimmungsvoll wird die Fassade heute jedenfalls in den französischen Nationalfarben beleuchtet.

Stimmungsvoll ist auch der Abend. Die Geschichte von Marguerite, die ich mir bisher nur aus dem Hören der Londoner Aufnahme erschlossen hatte, wird mit großem Ensemble und sattem Orchesterklang lebendig.
Die Hauptrollen sind gut bis sehr gut besetzt.

Herausragend in ihrer Darstellung war für mich Sybille Lambrich als Armands Schwester Annette. Auch Julian Culemann ist ein hervorragend spielend und singender Armand, dessen Gesang lediglich bei "What´s left of love" etwas kraftvoller hätte sein dürfen.
Katja Reichert überzeugt als Marguerite. Sie ist meiner Meinung nach stärker in den klassischen Gesangspassagen und besticht durch glasklare Höhen.
Auch wenn es für mich auf den ersten Blick schwer vorstellbar schien, haben die beiden Darsteller es mühelos geschafft, mich in ihre verzweifelte Liebesbeziehung hineinzuziehen und mich mitleiden zu lassen.
Stefan Röttig spielt einen spannenden Otto von Stadt, der jedoch gesanglich nicht an die Vorgenannten heranreicht. Erst auf der Bühne wird deutlich, was für eine zerstörerische Person er nicht nur für Marguerite, sondern auf für sich selbst ist.

Das Bühnenbild ist sehr schlicht gehalten, auch wirkt vieles sehr düster. Dies wird kontrastiert durch die wunderbaren Kostüme. Insgesamt für mich sehr stimmig - wenn auch während manchen Umbauten oder der Nutzung der Drehbühne kurzzeitig seltsame Bilder entstehen, bzw. der Blick auf das Geschehen verstellt wird.
Passend dazu stehen häufiger Personen komplett im Dunkeln oder werden so ungünstig angestrahlt, dass Schatten auf die Gesichter fallen. Das ist aber eigentlich auch der einzige Kritikpunkt an der Inszenierung.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Stück nochmal auf einer Bühne erleben würde, umso mehr habe ich mich über den gelungenen Abend gefreut. Die Übersetzung ist ebenfalls gelungen und klingt sehr natürlich. "Schlagertexte" finden sich natürlich hier ebenso, wie im Original :) Dennoch von mir eine absolute Empfehlung, das Stück in Saarbrücken zu sehen. Und hoffentlich findet man Marguerite in Zukunft noch öfter auf dem Spielplan anderer Theater.

Hughie (30 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


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(ig)

Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Bis zum packenden Finale ist ein weiter Weg durch hölzerne bis hervorragende Ensemble-Leistungen und eine zwischen Nüchternheit und Kitsch unentschlossen schwankende Inszenierung.

08.12.2019

 Termine

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