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Mantel-und-Degen

3 Musketiere

Einer für alle, alle für einen


© Nilz Böhme
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“Einer für alle und alle für einen” - das ist nicht nur das bekannte Motto der 3 Musketiere, sondern das könnte durchaus auch die Devise aller Beteiligten gewesen sein, die mitgewirkt haben, um das populäre Mantel- und Degen-Epos auf die Magdeburger Theaterbühne zu bringen. Ulrich Wiggers’ Inszenierung des Bolland und Bolland Musicals ist aufwändig und farbenprächtig. Für ein paar Stunden lässt sie uns den tristen Alltag vergessen und entführt gelungen ins Frankreich zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in eine Welt voll Abenteuer, politischer Intrigen und Kalkül, aber auch tragischer und leidenschaftlicher Romanzen.

(Text: Silke Milpauer)

Premiere:09.11.2019
Rezensierte Vorstellung:09.11.2019


“Vom König geschätzt, vom Volke verehrt, vom Gegner gefürchtet” - wohl kaum ein Stoff hat die Fantasie kreativer Köpfe so angeregt wie Alexandre Dumas’ Roman “Die 3 Musketiere”, der 1844 erschien. Da war es nach zahlreichen Filmen und Schauspielstücken einfach nur eine Frage der Zeit, bevor der beliebte Stoff auch für das Musiktheater adaptiert wurde. Im Jahr 2000 erlebten “Die 3 Musketiere” schließlich als Musical ihre Uraufführung in Rotterdam. Seitdem konnte man die Produktion in einigen En-Suite-Häusern und Stadttheatern, in den letzten Jahren vor allem aber als Open Air Aufführung sehen.

© Nilz Böhme
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Ulrich Wiggers’ Inszenierung für das Theater Magdeburg gibt dem Stück an entscheidenden Stellen neue Impulse, ohne jedoch an den bewährten Grundfesten zu rütteln. Im Kern ist und bleibt “Die drei Musketiere” eine exzellente und kurzweilig erzählte Abenteuergeschichte. Bei Wiggers wird sie allerdings von einem Gefangenen, dem Conférencier, in einem Hugenottengefängnis vorgetragen, um daran zu erinnern, dass die “Musketiere” in einer von Glaubenskriegen und Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber einer konfessionellen Minderheit geprägten Epoche lebten. Zeigen sich die Zellengenossen anfangs wenig begeistert von der äußerst nachdrücklichen Erzählung des Conférenciers, geraten sie doch schon bald mehr und mehr in ihren Sog und schlüpfen in die respektiven Rollen. Ein geschickter Coup, der Spaß macht - nicht zuletzt, weil es nett ist, Kernspieler des Stückes wie etwa Milady und den Kardinal unter den Gefangenen ausfindig zu machen. Einige Kürzungen (etwa die der Reprise bei "Vater") und Umstellungen (Milady de Winter hat erst einen Sprechpart, bevor sie "Ich bin zurück" schmettert) tun dem Stück außerdem gut.

© Nilz Böhme
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Die Jagdszene am Ende des ersten Akts brennt sich nachhaltig ins Gedächtnis und trägt ganz sichtbar die Handschrift Wiggers. Die von König Ludwig gejagten Tiere werden in entsprechenden - teils witzigen - Kostümen mit passenden Choreografien von Mitgliedern des Balletts dargestellt. Hier hoppelt ein sexy Häschen über die Bühne, da versteckt sich ein scheues Reh - und mittendrin der König mit seiner Entourage. Doch die eigentlich Gejagten sind nicht etwa die Tiere - nein, es ist Königin Anna. Es ist kein Zufall, dass sie in dieser Szene einen aufwändig gearbeiteten Kopfschmuck trägt, der an ein Hirschgeweih erinnert. Zuvor von Kardinal Richelieu Schachmatt gesetzt, wird ihre Niederlage durch einen Schuss aus der Waffe des Gottesmannes versinnbildlicht, der die Königin niederstreckt.

Weitere Highlights sind neben den flotten Fechtzszenen das Frauen-Terzett "Wer kann schon ohne Liebe sein" und "Nicht aus Stein". In dieser als Alptraum inszenierten Szene tauchen wir tief in das Unterbewusstsein des intriganten Kardinals ein, der schließlich durch dutzende Tänzer in hautfarbenen, körperengen Kostümen eingekesselt und zu Fall gebracht wird: Sie legen ihn mit dem Gesicht nach unten in klassischer Kreuzhaltung auf der Bühne ab, wo er schließlich regungslos verharrt, während sich die Kulisse im Hintergrund dunkelrot färbt. Ein Moment, der den Atem stocken und für einen winzigen Moment die Zeit still stehen lässt.

© Nilz Böhme
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Was die Besetzung angeht, so hat man fast immer ins Schwarze getroffen: Lucius Wolter (Athos), Daniel Rákász (Aramis) und Benjamin Eberling (Porthos) harmonieren hervorragend miteinander und meistern ihre Gesangspartien ohne Anstrengung, so dass es viel Freude macht, ihrem Spiel zuzusehen. Florian Peters schafft es, den D’Artagnan für sich neu zu erfinden: Ein wenig unbeholfen, ein wenig naiv, jedoch immer mit viel Herz sichert er sich die Sympathien des Publikums. Peters’ Schauspiel wirkt frisch, sein Gesang solide - lediglich die blonde Langhaarperücke ist ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Für Patrick Stanke schließt sich in Magdeburg der Kreis. Spielte er 2005 bei der deutschen Uraufführung in Berlin noch den D’Artagnan, so kann er in Magdeburg als intriganter Kardinal Richelieu, der sich irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn bewegt, glänzen. Ob strippenziehend und Intrigen-spinnend an der Seite des Königs, schauderhaft fies in der Interaktion mit Milady oder verzweifelt-fieberhaft im Zwiegespräch mit sich selbst und Gott: Stanke legt den Kardinal facettenreich an. Sein Schauspiel ist differenziert und er interpretiert seine Gesangsstücke gelungen mit dem ihm eigenen rockigen Ansatz.

© Nilz Boehme
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Katja Berg schlüpft zum ersten Mal in die enge Lederkluft der Milady de Winter. Ihr Auftakt-Song "Ich bin zurück" erntet viel Beifall und ihre Interpretation der vielschichtigen Rolle findet beim Publikum Anklang. Optisch stört ihre blonde Walla-Walla Perücke - vielleicht ist man aber auch nur das Brünett ihrer Vorgängerinnen zu sehr gewohnt.

Der weibliche Star und Neuentdeckung des Abends ist jedoch Katia Bischoff als Constance. Lieblich-mädchenhaft ist ihr Spiel und anmutig wie eine Gazelle schwebt sie über die Bühne. Da ist es ohne Anstrengung nachvollziehbar, dass sich der junge Held Hals über Kopf in sie verliebt. Bischoff verfügt über eine angenehme, warme Stimme die selbst das etwas schmalzige Duett "Alles" erträglich macht.

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Königin Anna wird durch Jeanett Neumeister aus dem Opernchor des Theater Magdeburgs gegeben - eine wunderbare Entscheidung! Neumeister verleiht der Königin Eleganz und Würde. Sie schafft es jedoch auch, Anna zutiefst menschlich wirken zu lassen, wenn sie die Pflicht, zu ihrem Ehemann zu stehen, und die Erinnerungen an ihre Jugendliebe innerlich aufwühlen. Es entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, dass König Ludwig XIII. und der Herzog von Buckingham von ein- und demselben Darsteller gespielt werden. Andreas C. Meyer meistert diese ungewöhnliche Herausforderung jedoch souverän.

© Nilz Böhme
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Ein eingespieltes Team sorgt dafür, dass die Geschichte rund um "Die 3 Musketiere" lebendig wird. Das hervorragende Orchester unter der bewährten Leitung von Damian Omansen spielt volltönig auf, lediglich hier und da gibt es ein paar Tempi-Probleme. Die Tanzchoreografien von Kati Heidebrecht sind raffiniert, die Kampfchoreografien von Klaus Figge schwungvoll.


Opulent und überwältigend - so lässt sich das Bühnenbild am besten beschreiben. Glücklicherweise hat Wiggers von dem reduzierten Bühnenbild einiger Tourproduktionen abgesehen und sich für eine historisch konkrete Ausstattung entschieden. Um die 26 verschiedenen Szenenbilder umzusetzen, arbeitet man in Magdeburg mit sechs großen Wagen, auf denen das Bühnenbild angebracht ist und die in unterschiedlichsten Konstellationen zusammengestellt werden können. Egal, ob es die Gassen Paris’ sind, der Königspalast oder aber das Hugenottengefängnis: Für die Bühnenarbeiter ist es eine Mammutaufgabe, bei den raschen Szenenwechseln die Bühne entsprechend umzubauen. Und doch gelingt dies erstaunlich flüssig und ohne große Verzögerungen. Projektionen im Bühnenhintergrund verleihen den ohnehin erstaunlich dreidimensional wirkenden Bühnenbildern noch mehr Tiefe, und eine ausgefeilte Lichttechnik unterstützt die jeweiligen Szenen und Stimmungen perfekt.

© Nilz Böhme
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Doch nicht nur die Bühne ist ein optischer Hingucker. Auch die über 270 Kostüme, die sich in Schnitten und Farbgebung an historischen Gegebenheiten orientieren, sind eine wahrer Augenschmaus.

Starke Bilder, große Gefühle und kurzweilige Unterhaltung - so lässt sich "Die 3 Musketiere" am Theater Magdeburg am besten zusammenfassen. Wer Abenteuer und große Historien-Epen liebt, dem sei ein Ausflug nach Magdeburg wärmstens ans Herz gelegt!

(Text: Silke Milpauer)






Kreativteam

Musikalische LeitungDamian Omansen
InszenierungUlrich Wiggers
AusstattungLeif-Erik Heine
KampfchoreografieKlaus Figge
ChoreografieKati Heidebrecht


Besetzung

D ArtagnanFlorian Peters
Milady de WinterKatja Berg
Kardinal RichelieuPatrick Stanke
Armin Kahl
AthosLucius Wolter
AramisDániel Rákász
PorthosBenjamin Eberling
ConstanceKatia Bischoff
Königin AnnaJeanett Neumeister
König Ludwig XIII.
Herzog von Buckingham
Andreas C. Meyer
RochefortJohannes Wollrab
James
Conférencier
Christoph Bangerter



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


32131
Bravo

05.12.2019 - Da zeigt das Opernhaus Magdeburg,
was man aus einem Musical machen kann.

Die Bühne ist groß und wird durch fahrende Bühnenwägen mal zum Kloster, dann Paris, oder Gaststätte und und und. Dazu werden große schöne Aquarell Projektionen auf großer Leinwand ergänzt.

Die Kostüme sind schön anzusehen, bis in die kleinste Rolle. Wunderschön sind die Kleider des Königspaares.
Über die ein oder andere Perücke auf der Bühne kann man streiten.

Ein Genuss ist das große Orchester, was die doch etwas poplastige Partitur glänzen läßt.
Dazu ein großer Opernchor, der hier auch gut klingt und verständlich ist.
Sowieso ist der Abend wirklich fast 100 prozentig sehr gut zu verstehen. Abgesehen von ein paar kl Akzenten...

Die Rollen Besetzungen ist ein spannender Mix und zeigt wiedermal wo sich die guten deutschen Musical Darsteller so "verstecken", im Stadttheater.
Katja Berg als Milady de Winter ist eine perfekte Mischung aus Verletzlichkeit und Power.
Patrick Stanke als böser Kardinal glänzt vor allem mit seinen Solos und hat mit "Nicht aus Stein" eines der Highlight des Abends.
Die Musketiere sind perfekt und ergänzen sich wunderbar, der schöne Frauenheld Aralies ist perfekt mit Daniel Rakasz besetzt, und Lucius Wolters ein sehr nachdenklicher Athos und dazu ist Benjamin Eberling der perfekte Porthos mit viel Witz, auch wenn er einem leid tun kann, was er alles essen muss auf der Bühne.

Das schon erwähnte Königspaar mit Darstellern aus dem Haus Ensemble ist sehr gut besetzt.
Vor allem Jeanett Neumeister als Anna, weiß sehr gut den Moment zu nutzen mit Ihrem Spiel und ihrer wundervollen Stimme.

Das Hauptpaar könnte nicht besser gewählt sein mit Florian Peters, mit toller Stimme und ehrlichem Spiel, wird ergänzt durch Katia Bischoff, die sich wundervoll ergänzen egal ob stimmlich oder spielerisch.

Das Stück ist zwar sehr lang mit über 3 Stunden, aber durch die cleveren Ideen der Regie von Ullrich Wiggers und der sehr abwechslungsreicher Choreografie von Kati Heidebrecht, sowie der eindrucksvollen Fechtszenen von Klaus Figge, kommt keine Langeweile auf.

Es ist absolut sehenswert mit all den Faktoren die ich beschrieben habe. Aber leider wird es viel zu selten gespielt und eine Wiederaufnahme ist wohl auch nicht geplant.

Also anschauen, bevor es zu spät ist!

KristinP (78 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


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Handlung
Der junge und mutige D'Artagnan reitet 1626 nach Paris, um wie sein Vater ein Musketier zu werden - also in die Leibgarde des Königs aufgenommen zu werden. mehr

Weitere Infos
Was beim Starlight die Rollschuhe sind bei den Musketieren die Degen - eine Herausforderung für die Cast. Neben D'Artagnan und den Musketieren müssen auch Rochefort, der Herzog von Buckingham und Milady de Winter kämpfen können. Um die Geräusche möglichst echt hinzubekommen, wird mit echten Stahlwaffen gefochten. In den Handschuhen stecken Mikrophone, um das Klirren der Klingen zu verstärken.

 Kurzbewertung [ i ]
(mil)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gewaltige Bilder, große Gefühle, kurzweilige Unterhaltung - unbedingt sehenswert!

 Termine
Sa28.03.19:30 Uhrabgesagt
Mo13.04.16:00 Uhrabgesagt
So31.05.16:00 Uhr


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