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Klassiker

Street Scene

If you ask me, the world is going mad


© Paul Leclaire
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Kurt Weill gab "Street Scene" den Untertitel "An American Opera" und sprach auch von einer "Broadway-Oper". Er wollte die europäische Operntradition mit der US-Populärmusik verschmelzen. Das fordert vom Ensemble starke Opernstimmen, aber auch jazzige Musical-Leichtigkeit. In Köln funktioniert das – unterstützt von einem adäquaten Orchester – hervorragend.

(Text: ig)

Rezensierte Vorstellung:28.04.2019
Letzte bekannte Aufführung:16.05.2019
Showlänge:190 Minuten (ggf. inkl. Pause)


New York, Ende der 1930er Jahre. Ein heruntergekommenes Mietshaus, in dem vor allem Zuwanderer wohnen: Italiener, Deutsche, Schweden, Russen, Asiaten sowie US-Amerikaner, die schon mehrere Generationen hier sind, aber europäische Wurzeln haben. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Familie Maurrant. Vater Frank ist ein harter Kerl, unfähig, die Bedürfnisse seiner Frau Anna zu erkennen, die heimlich ein Verhältnis mit dem Milchmann angefangen hat. Der kleine Sohn Willie geht noch zur Schule; die ältere Tochter Rose arbeitet in einem Immobilienbüro. Sie wird von ihrem Chef und dem Sohn der Nachbarn, einem Schläger, bedrängt. Sie verliebt sich in den Jurastudenten Sam Kaplan, Sohn eines kommunistischen Juden. Er bittet sie, mit ihm aus dem Elend zu fliehen und anderswo ein gemeinsames Leben anzufangen.

© Paul Leclaire
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Die Autoren Elmer Rice und Langston Hughes bieten Unterhaltungstheater mit sozialem Anliegen. Sie spielen mit nationalen Eigenheiten und zeigen den Alltag der verschiedenen ethnischen Gruppen, die in diesem Wohnblock zusammengepfercht sind. Es ist ein Überlebenskampf, getrieben von dem Traum vom sozialen Aufstieg, ständig bespitzelt von der neugierigen Nachbarschaft. Das Buch ist perfekt ausbalanciert: dramatisch, tragisch, natürlich mit einer Liebesgeschichte und hier und da ein Schuss Humor. Nur der englische Text wirkt in den dramatischen Opern-Nummern zum Ende hin etwas profan und trivial.

© Paul Leclaire
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John Fulljames setzt in seiner Inszenierung, die die Oper Köln aus Madrid übernommen hat und hier von Lucy Bradley einstudiert wurde, auf sepiafarbene, brave Nostalgie. Zwar ohne die gesellschaftlichen Umstände zu verklären, doch das Publikum kann sich entspannt zurücklehnen und "Damals war's schon schlimm in Amerika!" denken. Dabei sind die Themen – Angst vor dem sozialen Abstieg, häusliche Gewalt, Zusammenleben unterschiedlicher Nationen, sowie der Versuch, aus der sozialen Schicht auszubrechen – global brandaktuell. Mehr Mut zur Aktualität hätte das Stück etwas entstaubt und ihm Schärfe gegeben, doch diese Chance verpassen Fulljames und Bradley.

Ihre Regie führt das große Ensemble sehr gut und selbst kleine Figuren werden als eigenständige Persönlichkeiten herausgearbeitet. Es ergeben sich immer wieder Nebenschauplätze, die sich harmonisch einpassen, nicht vom Hauptgeschehen ablenken, sondern gut zu der Atmosphäre des Lebens auf der Straße und in den Wohnungen beitragen.

© Paul Leclaire
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In der Ausweich-Spielstätte im Staatenhaus sind die Bühnenmöglichkeiten sehr begrenzt. Das Platz-Problem für das große Ensemble ist gut gelöst. Dick Bird hat ein praktisches Gerüst entworfen: ein dreistöckiges Haus-Skelett mit frontalen Galerien, das Durchsicht auf viele Treppenauf- und -abgänge ermöglicht. Dazu wählt er Alltagskostüme aus den 1930er Jahren. Alles ist eher in dunklen Tönen gehalten; es gibt wenig fröhliche Farbe an der Lower East Side. In der Song-and-Dance-Nummer "Moon Faced, Starry Eyed" wird die trübe Alltags-Tristesse wortwörtlich weggeschoben und die glitzernde New Yorker Skyline erscheint im Hintergrund.

Dort sitzt auch das bestens aufgelegte Orchester unter Leitung von Tim Murray, das sich voller Elan Weills abwechslungsreicher Musik annimmt. Bei der Premiere wackelte es zwar diverse Male zwischen Solisten und Begleitung, aber das dürfte sich im Laufe der Spielzeit noch einränken. Der Blues zu Beginn transportiert passend die schwüle Hitze in der Stadt; folkloristische Einsprengsel charakterisieren die Herkunft der Bewohner. Herrscht im ersten Teil noch weitgehend der beschwingte Musical-Ton, verdüstert sich der Stil mit der dramatischer werdenden Handlung zur Oper. Weill, der 1946 für das Werk mit dem ersten jemals vergebenen Tony Award ausgezeichnet wurde, huldigt den großen Vorbildern. Im Duett "Don't Forget the Lilac Bush" grüßen unverhohlen Puccinis "Turandot" und "Madame Butterfly" aus der Partitur.

© Paul Leclaire
© Paul Leclaire


Der gut verständliche Text ist auch in den Sprechszenen im Original (mit Übertiteln) belassen. Besonders die Darsteller der kleineren Rollen, die mit dem jeweiligen Akzent des Herkunftslands ihrer Figur sprechen, fallen durch natürliches Spiel auf. Die Darstellerinnen und Darsteller der größeren Partien neigen in den Opern-Momenten zu den entsprechenden Klischee-Gesten und großer Mimik. Stimmlich ist das Ensemble durchweg über jeden Zweifel erhaben. Kyle Albertson zeigt Frank Maurrants Brutalität durch Körpersprache und seinen bedrohlichen Bassbariton.
Seiner in ihrer Ehe gefangenen Frau Anna gibt Allison Oakes mit ihrem warmen Sopran trotz aller Verzweiflung und Resignation Selbstbewusstsein und viel Menschlichkeit. Jack Swanson als Nachbarssohn Sam Kaplan ist ein lyrischer Tenor par excellence. Auch Emily Hindrichs singt hervorragend, aber ihrer Rose Maurrant fehlt ein wenig das Mädchenhafte. Sie wirkt zu selbstsicher und reif, um sich naiv auf ein Date mit ihrem Chef einzulassen.

© Paul Leclaire
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"Street Scene" taucht zwar in den letzten Jahren öfter auf den Spielplänen auf, doch schon allein durch die Anforderungen an das Ensemble wird es ein Exot bleiben. In Köln gehen Musical-Pep und Opern-Pomp ohne Reibung Hand in Hand. Eine sehenswerte Produktion – aber ein Faible für das Genre Oper sollte man schon haben, um "Street Scene" wirklich genießen zu können.





Kreativteam

Musikalische Leitung Tim Murray
Inszenierung John Fulljames
Regie-Mitarbeit und Einstudierung Lucy Bradley
Bühne & Kostüme Dick Bird
Choreografie Arthur Pita
Choreografische Einstudierung Valentina Golfieri
Lichtdesign James Farncombe
Chorleitung Rustam Samedov


Besetzung

Frank Maurrant Kyle Altbertson
Oliver Zwarg
Anna Maurrant Allison Oakes
Rose Maurrant Emily Hindrichs
Willie Maurrant Solist des Knabenchores der Chorakademie Dortmund
Abraham Kaplan Alexander Fedin
Sam Kaplan Jack Swandon
Thomas Elwin
Shirley Kaplan Tanja Baumgart
George Jones James McOran-Campbell
Emma Jones Dalia Schaechter
Mae Jones
Erstes Kindermädchen
Emma Kate Nelson
Vincent Jones
Neuer Mieter
Krankenwagenfahrer
Nikolaas von Schrader
Greta Fiorentino Claudia Rohrbach
Lippo Fiorentino Martin Koch
Carl Olsen Scott Wilde
Olga Olsen Adriana Bastidas-Gamboa
Daniel Buchanan Young Woo Kim
Henry Davis Mandisinde Mbuyazwe
Mrs. Davis Annika Wiessner
Mary Hildebrand Safak Pedük
Charlie Hildebrand Solist des Knabenchores der Chorakademie Dortmund
Jennie Hildebrand Arnheidur Eiriksdottir
Harry Easter Timothy McDevitt
Dick McGann Alan Burkitt
Steve Sankey Florian Reiners
Zweites Kindermädchen Maike Raschke
Mutter
Neue Mieterin
Silke Natho
Dr. Wilson
Arbeiter
Tom Wirtz
Offizier Murphy, Milchmann Marc Hassenpflug
City Marshall Peter Dickmeyer
Fred Cullen
Polizist
Robin Ebneth
Polizist
Arbeiter
Pascal Dörr
Polizist
Krankenwagenfahrer
Charles de Moura
Joe Solist des Knabenchores der Chorakademie Dortmund
Jennie Hildebrand Arnheidur Eiriksdottir
Tänzerinnen Giulia Fabris
Natalia Andrea Lopez Toledano
Tänzer César José Gutiérrez Salas
Roberto Junior
Kinderchor Mädchen
Knaben des Kölner Domchores
Schüler des Mittelstufenchores am Max-Ernst-Gymnasium Brühl




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Paul Leclaire
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Besetzung

Ausstattung

Optisch und akustisch ansprechendes Nostalgie-Theater, das die Gratwanderung zwischen Oper und Musical meistert. Die Chance, die sozialkritische Geschichte ins Jetzt zu übertragen, wird verschenkt.

29.04.2019

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