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Komödie

The Producers

Frühling für Hitler


© Ludwig Olah
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Von 0 auf 100 in unter 5 Sekunden: Wenn bereits im Intro eines Stücks über 20 Darsteller stimmgewaltig auf der Bühne singen und tanzen, dazu ein knapp 30-köpfiges Liveorchester spielt, dann lässt sich erahnen: Hier kommt die "ganz große Nummer".

(Text: agu)

Premiere:01.02.2020
Rezensierte Vorstellung:01.02.2020
Letzte bekannte Aufführung:01.07.2020
Showlänge:175 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Bei einem Stoff, der -wenn auch satirisch überspitzt- die Person Adolf Hitler zu einem zentralen Bestandteil ihrer Handlung macht, stellt sich zunächst die Frage, wie weit man gehen darf. Oder einfacher: Darf man das?

© Ludwig Olah
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Craig Simmons nimmt sich für seine vorletzte Inszenierung als Musicaldirektor des TfN die Geschichte von zwei Menschen vor, die versuchen, den größten Broadwayflop aller Zeiten zu inszenieren. Sie suchen dazu das schlechteste Stück, den schlechtesten Regisseur und die schlechtesten Schauspieler. Ihre Wahl fällt auf das Buch "Frühling für Hitler" von dessen Verehrer Franz Liebkind (herrlich bayuwarisch zackig: Johannes Osenberg), das sie schließlich zur Premiere bringen.

© Ludwig Olah
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Als sich der Vorhang für die Show in der Show öffnet, stockt kurz der Atem. Eine riesige Showtreppe zwischen übergroße Hakenkreuzbannern erscheint. Alles funkelt und glitzert, die Revue nimmt ihren Lauf. Darf hier gelacht werden oder müssten wir als Zuschauer entsetzt sein? Die meisten Zuschauer entscheiden sich für herzhaftes Lachen über das, was auf der Bühne immer bunter eskaliert.

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Denn Simmons scheint "The Producers" unter das Motto "klotzen statt kleckern" gestellt zu haben. Seine Stärke einer sehr guten Personenführung und sein Blick für kleinste Details passen wie angegossen auf das von ihm gewählte Script des hervorragenden Komikers Mel Brooks. Brooks selbst hat jüdische Wurzeln, war im zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert und nach dem Krieg noch einige Zeit im zerbombten Berlin zu Hause. In einem Interview in einer "Spiegel"-Ausgabe von 2016 bringt er es auf den Punkt: Die Person Hitler und der Holocaust müssen in der Aufarbeitung getrennt werden. Nur so könne es gelingen, seiner posthumen Macht und Mythen entgegenzuwirken.

Simmons gelingt es gemeinsam mit Choreograph Bart de Clerque immer wieder besonders skurrile Bilder entstehen zu lassen. Ein rotierendes Hakenkreuz unter denen Wurst und Brezel im Takt schwingen oder ein vermeintlicher Steptanz mit Gehgestellen sind hier nur zwei Beispiele des optischen Feuerwerks.

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Das Ensemble des TfN zeigt sich einmal mehr wandelbar und hoch motiviert. Ihr leichtes Overacting unterstreicht die Skurilität der Geschichte, die vor allem von Alexander Prosek (Max Bialystock) und Gerald Michel (Leo Bloom) getragen wird. Beide verfügen über ein ausgezeichnetes Timing und besonders die Transformations Michels vom schüchternen Rechnungsprüfer hin zum selbstbewussten "Producer" ist sehenswert.

Auch Lisa Maria Hörl (Ulla) und Agnes Buliga-Contras (Halt-Mich-Grabsch-Mich) stechen hier positiv ins Auge. Hörl verkörpert -im wahrsten Sinne des Wortes- eine vielleicht etwas schlichte, aber geradlinige Schwedin, die sie kindlich naiv und weltliebend mit strahlenden Augen spielt. Buliga-Contras gibt die sich nach Liebe sehnende Witwe sehr anschaulich und mit höchstem Einsatz.

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Die höchsten Absätze und das schillerndste Kleid an diesem Abend könnte Jens Krause getragen haben. Und er kann das tragen. Sein figurbetontes Kleid ist nur eins der vielen optischen Highlights des Kostüm- und Bühnenbilds, das auch mit dezent glitzernden Wehrmachtsuniformen und überdimensionalen Bretzelhelmen punktet. Nichts wirkt wie von der Stange. Das gesamte Bühnenbild ist opulent und dennoch schnell in seinen Umbauten, die durchgängig flüssig gelingen. Das Stück hält damit sein hohes Tempo und stetigen Fluss aus Farben und Emotionen.

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Der Theatersaal des TfN hatte jüngst eine Sanierung unter dem Motto "besser sitzen, besser hören, besser atmen" erfahren. Dabei ist der Saal zurück aus der Moderne in ein klassischeres Erscheinungsbild gerückt worden. Zu "The Producers" passt das hervorragend. Auch die neue Beinfreiheit ist ein wirklicher Gewinn. Vor allem aber hat sich die Akustik sehr deutlich verbessert. Im Parket (Reihe 8) kommt bei der Premiere ein sauberer und gut gemischter Klang an. Die Lautstärke ist angenehm, Musik, Texte und Gesang sind durchgängig gut verständlich und aufeinander abgestimmt.

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Am Ende der Revue drängelt sich im tosenden Applaus ein älterer Mann durch die Reihen und verlässt mit krachender Saaltür den Raum. Er bleibt der Einzige. Aber er zeigt deutlich, dass das Stück polarisiert. Wer die Zeit vor 1945 und dessen Auswirkungen selbst erlebt hat, wird die übergroßen Hakenkreuzflaggen und das Spiel mit Klischees auf der Bühne anders einordnen als Menschen, die diesen Abschnitt deutscher Geschichte nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen. Auf der Bühne darf alles erlaubt sein, das niemanden verletzt und sich nicht gegen geltende Gesetze richtet.

Das verbliebene Publikum in Hildesheim ist sich einig: Ja, man darf das. Die Show über den vermeintlichen Flop ist ein Hit. Überschwänglicher und langanhaltender Applaus für die über 50 Mitwirkenden auf und unter der Bühne bilden einen krönenden Abschluss und eine verdiente Anerkennung für die Leistung aller Beteiligten.

(Text: Andreas Gundelach)




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Kreativteam

Musikalische Leitung Achim Falkenhausen
Regie Craig Simmons
Ausstattung Hannes Neumaier
ChoreografieBart de Clerq


Besetzung

Max BialystockAlexander Prosek
Leo BloomGerald Michel
Ulla u.a.Lisa Maria Hörl
Franz Liebkind u.a.Johannes Osenberg
Roger de BrisJens Krause
Carmen Ghia
Sturmtruppenführer
Blinder Geiger
Nicolo Soller
Mr. Marks
Richter
Sturmtruppenmann Mel u. a.
Jesper Mikkelsen
Halt-Mich-Grabsch-Mich u. a.Agnes Buliga-Contras
Shirley Markowitz u.a.Jelena Bezdolya
Scott
Sturmtruppenmann Rolf
Gefängnisbeauftragter u.a.
Stefan Freiberger
Kevin u.a.Chun Ding
Bryan u.a.Ruihang Sun
Platzanweiserinnen
Showgirls u.a.
Charlotte Katzer
Elisabeth Köstner
Lucille Mareen Mayr
Sandra Pangl
Polizist O’Houlihan
Jack u. a.
Atushi Okumura
Jason
Wachtmeister
Polizist O`Reilley
Vorsitzender der Geschworenen u. a.
Harald Strawe
Opernchor des TfN

Orchester des TfN





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Handlung
Als erfolgloser Produzent gewinnt Max Bialystock den schüchternen Buchhalter Leo Bloom für seine Idee, wissentlich einen Misserfolg auf die Bühne zu bringen, um daraus Kapital zu schlagen. mehr

Weitere Infos
Vom 15. Mai 2009 an war die Produktion des Ronachers im Berliner Admiralspalast zu sehen.

 Kurzbewertung [ i ]
(agu)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Über 50 Mitwirkende in Schauspiel und Orchester sorgen für "ganz großes Kino" auf der Bühne.

01.02.2020

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