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musicalzentrale - Forum
Themen / Monty Arnolds Plädoyer für den Dreivi...
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Daniel
Benutzer
60 Beiträge
09.12.09 08:35

Viele Theaterleute blicken spöttisch auf das "anspruchslose" Musical herunter. Aber auch Musicalleute rümpfen oft über ein Theatergenre die Nase: die Operette. Dreivierteltakt, Walzer, Operettenseligkeit - das gilt als altmodisch, verstaubt, Seniorenunterhaltung. Zu recht?

In einem Gastbeitrag für die Musicalzentrale plädiert Komiker, Schauspieler und Musicalcoach Monty Arnold dafür, das Genre und seine Mittel ernster zu nehmen:
www.musicalzentrale.de/index.php?s=8&t=1&d=3768

Uns interessiert Eure Meinung: Ist die Operette ein ernst zu nehmendes Genre, oder hat sie sich überholt? Täte mehr Dreivierteltakt auch dem Musical gut?

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Fosca
Benutzer
602 Beiträge
09.12.09 09:28

Monty Arnolds lieb gemeintes, aber etwas kurz gedachtes Plädoyer beruht auf dem Trugschluss Operette = Walzer und Walzer = Operette. Das heißt, er setzt eine musikalische Tanzform mit einer musikdramatischen Großform gleich, das haut meiner Meinung nach absolut nicht hin. Ein Grund, Operetten zu hassen, sind zum Beispiel ihre völlig bescheuerten, Klischee-überladenen Handlungen - ich meine nicht die paar halbwegs annehmbaren Ausnahmen wie Fledermaus oder Lustige Witwe, sondern das breite Mittelfeld wie den Zigeunerbaron oder Maske in Blau oder Vogelhändler. Da danke ich doch Gott auf Knien für Amerika und das Musical. Natürlich kann man mit einer netten, frechen Inszenierung auch heute noch was aus Operetten machen, siehe das Weiße Rössl in der Bar der Vernunft, aber im tiefsten Inneren sind diese Libretti nicht zu retten, meine Überzeugung. Schade um all die schönen Walzer...

P.S. Sondheims "A Little Night Music" ist mehr oder weniger komplett im Walzertakt geschrieben. Musical schließt Walzer doch in keinster Weise aus!

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couleur24
(Benutzer gesperrt)
6603 Beiträge
09.12.09 10:17

Das mit den 2völlig bescheuerten, Klischee-überladenen Handlungen" trifft aber auch sehr wohl auch viele klassische amerikanische Musical ala "My fair lady" zu. Also von dem her ist deine betrachtungsweise wie ich finde auch etwas einseitig.

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Fosca
Benutzer
602 Beiträge
09.12.09 10:46

Dann ist es wohl die Frage, wie man "Klischees" definiert - ich meine diese Weiber-sind-flatterhaft-und-ihr-Studium-ist-schwer-Klischees, oder diese Ich-will-unbedingt-geheiratet-werden-und-sonst-interessiert-mich-nur-der-ungarische-Paprika-Klischees, die find ich allerdings in My Fair Lady nicht.

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Fosca
Benutzer
602 Beiträge
09.12.09 10:47

Und wo findest Du My Fair Lady klischeehaft und völlig bescheuert, sag mal? Das beruht immerhin auf GB Shaw. Und handelt davon, wie man die Klassengesellschaft durchbricht.

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couleur24
(Benutzer gesperrt)
6603 Beiträge
09.12.09 11:03

Ja und? Nur weil es einen ernsthaften Hintergedanken hat, heißt es noch lange nicht, dass es besonders anspruchsvoll und inteligent ist. Im Weißen Rößl gehts um genau dasselbe armer Ober verliebt sich in reiche Wirtin, die eigentlich eher an nem Herrn Doktor interssiert ist, weils besser zum Status passt und am Schluss kommen se dann doch zusammen.

Auch We will rock you hat einen ernsten Hintergedanken und ist letzendlich auch nicht anspruchsvoller als Der Zigeunerbaron.

Oder nehmen wir die äußert kitischige Geschichte der Trapp-Familie in The Sound of Music, die ja in unseren breiten in unzähligen Heimatschmachtfetzen verwurstet worden ist. Usw.

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Charlotte
Benutzer
5690 Beiträge
09.12.09 11:05

Meinst Du die Trapps, die total kitschig vor den Nazi´s geflüchtet sind?

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couleur24
(Benutzer gesperrt)
6603 Beiträge
09.12.09 11:17

Aha, nur weil die Nazis eine Rolle spielen, kann ein Stück oder Film nicht kitischig sein? Und wie wärs damit? Völlig mittellose Familie flieht vor den Nazis in die USA und bekommt dort im Land der unbegrenzten Möglichkeiten die Chance ihres Lebens. Dieser eine Satz ist sowas von kitsch- und klischeeträchtig.

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justin
Benutzer
13386 Beiträge
09.12.09 11:22

ich teile die meinung von @fosca und stimme ausnahmslos zu. ausnahmen, wie von @couleur eingebracht stimmen zwar, aber ausnahmen gibt es immer. es geht um den überwiedgenden teil. außerdem ging es im ursprünglichen doch um musik und nicht um den inhalt

generell halte ich das thema für zu groß und zu komplex, um es differenziert diskutieren zu können. weil soviel mitspielt. zb. das thema operette um die 30iger jahre. eigentlich entwickelte sich eine art jazzoperette, deren entfaltung erstickt wurde, aber es gab sie. und auch wenn man musikrichtungen und musikstil bei musicals mal differenzierter beleuchtet, gibt es soviele musikalisch, unterschiedliche einflüsse, denen man sich meistens kaum bewusst ist.
dass disney nicht ohne walzer auskommt, kann man ja hören, am besten sogar in der filmversion von dornröschen oder aktuell bei chimchim cheree von mary popins. genauso fanden walzerklänge in den 20iger jahren im musical einfluss, gemeinsam mit chanson, charlston, tango, black bottom und der sog. "schwarzen musik". ich finde am leichtesten könnte man sich dem thema nähern, indem man mal anerkennt, dass "musical" letztlich keine eigene musikgattung ist, sondern musikstile und -richtungen als schmelztiegel verbindet und gebraucht. vielleicht könnte man das als "thema" diskutieren, würde sich meiner meinung nach besser eignen.
wildhorn komponiert musical, aber letztlich ist es meistens seifenblasenpop im stil von "i wish you love" oder "my heart will go on"
und walzerklänge finden sich nicht nur bei disney, sondern auch bei levay zb in marie antoinette "die frau, die er liebt",
das musical chicago ist ein mixtum aus jazz, chanson und shimmy, selbst der larisch-song in "rudolf" ist ein einziger tango, auch wenn er wie eine schlaftablette daherkommt, es ist tango,
das zusätzlich komponierte "wer tanzt nun mit wem-gebrüll" aus elisabeth ein 1:1-bolero,
seicht-pop in "der könig der löwen" hat auch nichts mit afrikanischer musik zu tun, auch wenn ein paar sonderlinge das glauben wollen, nur weil man im stück trommelklänge einsettz, hat das mit afrikanischer musik, die im ursprung sehr tranceartig ist, überhaupt nichts zu tun
selbst stücke wie "joseph" oder "cats" haben schlagerartig klingende musik genauso drin wie "marie antoinette", nur wird hier gern und das habe ich oft gelesen, schubladisiert.

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couleur24
(Benutzer gesperrt)
6603 Beiträge
09.12.09 11:45

Also mir fallen bei den klassischen amerikanischen Musicals wesentlich mehr seichte, als anspruchsvolle Stücke eine, die sehr viel mehr mit Operette zu tun haben als moderenere Musicals

Schon allein die große Anzahl an Nummernmusicals, die so gut wie keine Handlung haben. Dann Musical Comedys wie Anything Goes, Fifty Million Frenchmen, No, No, Nanette, selbst Gershwins Oh, Kay! oder The Boys from Syracuse. Sigmund Romberg hat aus seinem Stück Up in Central Park sogar den 3/4-Takt verband, weil es sonst zu "operettenhaft" geworden wäre. Weiter Anny get you gun, Kiss me, Kate und Gypsy. Später noch Hello, Dolly und Sondheims A funny thing happened on the way to the forum.

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