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HintergrundTauziehen um den Märchenkönig
Tauziehen um den Märchenkönig
 
Der Streit um die Namensrechte am ersten Ludwig-Musical verschärft sich. Die Theater in München und Füssen werfen sich gegenseitig Behinderungsversuche und Ignoranz vor.
Feature von Robin Jantos

Ludwig II. war umstritten. Ein Phantast, der Welt entrückt, vielleicht sogar wahnsinnig. Die Widerstände, auf die er zeitlebens gestoßen ist, machen ihn auch zu einer spannenden Figur für das Musiktheater. Doch der Streit geht nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne weiter. Statt um Traumschlösser geht es hier allerdings, zumindest vordergründig, um schnöde Markenrechte.

1,5 Millionen Menschen sahen im Füssener Festspielhaus Neuschwanstein "Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies". Im Herbst 2003 geriet die Produktion von Intendant Stephan Barbarino allerdings finanziell ins Schlingern, vor allem die Wirtschaftskrise in Asien und das damit verbundene Ausbleiben der Touristen aus Fernost machten der Produktion zu schaffen. Nach längeren Verhandlungen übernahm eine Investorengruppe das Haus und ließ ein neues Musical über den Märchenkönig schreiben, unter anderem von Konstatin Wecker. Im März war Premiere für "Ludwig²". Unterdessen kündigte Barbarino an, eine überarbeitete Fassung von "Sehnsucht nach dem Paradies" im Sommer 2005 im Deutschen Theater München zu zeigen.

Der Einfluss des Komponisten Richard Wagner auf Ludwig II. wird in beiden Musical über den Märchenkönig thematisiert. Szene aus Ludwig², das derzeit in Füssen gespielt wird.

Mit verändertem Titel und veränderter Optik wirbt München für seine Ludwig-Version. "Vorübergehen", wie es heißt.

Nachdem sich die beiden Produktionen zunächst öffentlich gegenseitig Glück wünschten, ist jetzt ein offener Streit entbrannt. Füssen erwirkte im März vor dem Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung gegen München. Diese sollen nicht mit dem Titel "Sehnsucht nach dem Paradies" und dem Logo der damaligen Füssener Produktion werben dürfen. München änderte daraufhin den Titel "vorübergehend", wie es aus dem Deutschen Theater heißt, in "Ludwig! - Suche nach dem Paradies". Wer ist in der Auseinandersetzung der Gute, wer der Böse? Darüber gehen die Darstellungen auseinander.

Version 1: Füssen ärgert sich über die Konkurrenz in München und versucht, diese mit juristischem Störfeuer zu behindern. "Bedauerlich und erstaunlich" seien die "Behinderungsversuche" aus Füssen, heißt es in einer Pressemitteilung des Deutschen Theaters. Auch der Termin der Einstweiligen Verfügung wenige Monate vor der Premiere sei "befremdlich", weil die Produktion bereits im September 2004 angekündigt worden war. Zudem hätte Füssen den Rechtsweg beschritten, ohne vorher das Gespräch zu suchen.

Version 2: Füssen hat die Münchner Konkurrenz freundlich aufgenommen und sogar die Kooperation gesucht. München aber hat, insbesondere in der Person von Barbarino, jedes Gespräch über die Markenrechtsfragen geblockt, so dass Füssen nur noch der Rechtsweg blieb. Man hätte "viele Gespräche" mit Barbarino geführt und sogar angeboten, die Münchner Produktion mit Kostümen aus dem eigenen Fundus zu unterstützen, heißt es in einer Stellungnahme des Festspielhauses Neuschwanstein. "Leider konnte kein Ergebnis erzielt werden, weil der Accent Verlag von Herrn Barbarino sich seiner Sachen offenbar zu sicher war." Von der Verwendung des Logos, zu dem der Titel markenrechtlich dazugehört, habe man erst jetzt erfahren. Zudem hätte München den Streit in die Öffentlichkeit getragen. "Wir haben nur reagiert", sagt Nicole Spranger, Anwältin des Festspielhauses.

Der aktuelle Rechtsstreit ist nicht der erste um die Namensrechte an dem Märchenkönig. Prinz Luitpold von Bayern hatte Anfang des Jahres eine Einstweilige Verfügung gegen die Füssener Musicalproduzenten erwirkt. Der Nachfahre des Märchenkönigs, dessen Brauerei Kaltenberg sich die Marken "König Ludwig" und "Ludwig II." gesichert hat ("um die Würde und das Ansehen Ludwigs II. von Bayern angemessen zu berücksichtigen"), hatte für den Titel des Musicals Lizenzgebühren gefordert. Man einigte sich dann außergerichtlich. "Die Parteien haben ihre Standpunkte ausgetauscht und dabei festgestellt, dass zwischen ihren Positionen keine unüberwindbaren Gegensätze bestehen", hieß es damals.

Von diesem Satz scheinen die Kontrahenten in München und Füssen derzeit noch weit entfernt. München hätte es "nicht für nötig gehalten, eingetragene Marken zu respektieren, die wir vom Insolvenzverwalter für viel Geld gekauft haben", heißt es aus Füssen. "Nirgends ist ein Musical über den bayerischen Märchenkönig besser aufgehoben als im Deutschen Theater München, dem beliebtesten Musicaltheater in Bayern", schreibt München auf seiner Homepage.
 
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