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HintergrundBackstage-Reportage "Musical on Ice 2004"
Familientreff bei Minusgraden
 
"Musical on Ice" ist nicht nur für das Publikum eine ganz und gar ungewöhnliche Gala. Auch hinter der Bühne rückt man bei Temperaturen um den Nullpunkt enger zusammen.
Reportage von Björn Herrmann
"Eigentlich singen wir hier Open-Air bei Eiseskälte." Felix Martin haucht einmal probeweise in die Luft und sieht seinen Atem kondensieren. Das Thermometer in der Dinslakener Eishalle zeigt knappe 0 Grad. Draußen, vor dem Vorhang, warten einige hundert Musicalfans, ausgerüstet mit Wolldecken, Wärmflaschen und Thermoskannen. Hinter der Bühne warten einige der bekanntesten Musicaldarsteller Deutschlands und ungewöhnlich anmutende Gerätschaften wie die mächtige Eismaschine.

"Musical on Ice" heißt das Experiment, Musicaldarsteller und Eiskunstläufer zusammen auf eine Bühne zu bringen.
"Wir machen hier Familienunterhaltung, gerade die Rocky-Horror-Nummern waren gestern viel zu laut", beschwört Produzent Thomas Bauchrowitz seine Tontechniker, bevor er kurz vor der Show noch einmal in die Umkleiden der Darsteller verschwindet.

Grundausstattung: Teetasse und Schlittschuhschoner

Keine Luxusherbergen: Die Umkleidekabinen

Vor wie hinter der Bühne geht es familiär zu, und wer Luxus erwartet, der liegt falsch. Die Eishockey-Mannschaftsumkleiden sind das einzige, was die nüchterne Wellblechhalle zu bieten hat: die Heim-Kabine für die Männer, die Auswärts-Umkleide für die Damen. Für die Eislauf-Kinder, die später ihre großen Auftritt haben, bleibt da nur ein abgehängter Teil des Foyers.

Trotzdem ist die Stimmung gut. Bauchrowitz jongliert einige Platten mit Schnittchen in die Umkleide, Ethan Freeman singt sich warm und Andreas Bieber - gehüllt in eine dicke Winterjacke - beginnt seine erste nervöse Wander-Runde um die Eismaschine.

Stefan Stara, als Troll einer der beiden moderierenden Figuren der Show, wird hinter der Bühne verkabelt, während Jessica Kessler ihre Schlittschuhe schnürt und noch einmal den großen Requisitenkoffer überprüft, der tragender Bestandteil der Rahmenhandlung ist.
"Tarda - noch 5 Minuten bis zur Show", tönt der Countdown vom Band. "Wir spielen heute selbst mit", scherzt der musikalische Leiter in Anbetracht einiger Orchesterhalbplaybacks, die die Band zum Schauspielen verurteilen.

Unterdessen nimmt Andreas Bieber die letzten Einstellungen an der Lautstärke der Monitor-Übertragung in die Umkleide vor, das Stage Management geht in Startposition, um den Vorhang für den Showbeginn und die ersten Eisläufer zu öffnen.

Jessica Kessler, als ehemalige Eislauf-Landesmeisterin nicht nur auf der Musicalbühne zu Hause, holt noch einmal tief Luft und überprüft ein letztes Mal ihre Schlittschuhe. Die mit Wollmütze, Handschuhen und Wintermantel eher berufsuntypisch gekleidete Tontechnik überprüft ein die Handmikrofone, dann kann die Show beginnen.

Showstart: Lyn Liechty und John Partridge

Kids on Ice

Das Konzept, live gesungene Musicalsongs mit Eiskunstlauf zu kombinieren, geht anscheinend auf. Neben fachkundigen Musical-Fanpublikum (Foyergespräch: "Schade, dass Uwe diesmal nicht dabei ist, aber Ethan als Bonifatius ist ja auch mal was Neues.") haben auch viele ältere Semester den Weg in die Halle gefunden. "Heinz, gib’ mich doch mal n Tässken Kaffee", wird da der wohlbehütete Gatte direkt an der Bande aufgefordert und gerade die quirligen "Kids on Ice" erobern die Herzen des gesetzteren Publikums.

Deren Abgang nach ihren Nummern ist wohl der eindrucksvollste Moment hinter der Bühne: Im Formationsflug kommen die 8- bis 15-jährigen Nachwuchsläufer durch den Vorhangspalt gebraust und scheinen direkt in die Bande krachen zu wollen. Doch mit einem eleganten Stoppschritt schlagen sie einen kurzen Links-Haken, verlassen das Eis und verwandeln sich innerhalb von Sekunden in eine fröhlich-schwatzende Teenie-Truppe.

"Das war voll schön", lobt eine der jungen Damen mit leuchtenden Augen Ethan Freeman nach seinem Bonifatius-Solo, was auch den sichtlich freut, bevor er schnell wieder in der geheizten Umkleide verschwindet.
"Das ist eigentlich mörderisch für die Stimme", sagt Felix Martin zu den Minustemperaturen. "Nur mit ganz viel Tee und Flüssigkeit komme ich einigermaßen über die Runden. Beim ersten Ton dachte ich, dass das überhaupt nicht geht hier."
Derweilen macht sich Lyn Liechty, den unvermeidlichen Wintermantel über dem knappen Elisabeth-Outfit, auf den Weg durch die Halle und präsentiert im Vorbeigehen lächelnd die beiden Mini-Wärmflaschen, die allzu kalte Hände in der Wartezeit verhindern sollen.

Ebenso dick vermummt verfolgt die mehrfache deutsche Eiskunstlaufmeisterin Marina Kielmann die Darbietungen auf Eis und Bühne, bevor auch sie wieder in der Umkleide verschwindet.

Die andere Seite: Blick auf die Eisfläche

"Bissken laut hier": Wohlverpackte Zuschauer

Das Publikum ist nach der Pausenbratwurst inzwischen bis zur Nasenspitze in den mitgebrachten Wolldecken verschwunden, die gefühlte Temperatur nähert sich arktischen Graden. Da kommt der leichtbekleidete Felix Martin als Frank'n'Furter gerade recht, für ein wenig Stimmung und Bewegung zu sorgen. Dankbar nehmen die gut durchgekühlten Zuschauer die Vorlage zum Mitklatschen auf und auch die Tontechnik meldet sich zum Finale mit voll aufgedrehten Reglern zurück.

"Bissken laut waret ja getz, aber datt ich die Kielmann ma live sehen konnte", zieht eine wollbemütze Rentnerin auf dem Weg ins warme Auto Bilanz, während sich ein gut gelaunter Ethan Freeman mit den anderen Darstellern den Weg zum Informationsstand bahnt, um die Autogrammmwünsche der Fans zu erfüllen.

"Auf Wiedersehen zur Sommernacht des Musicals" verabschiedet Produzent Thomas Bauchrowitz unterdessen einige Zuschauer, ein Wunsch der schon allein aus Temperaturgründen zur angenehmen Aussicht wird.
 
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Leserbeiträge:

Die hier wiedergegebenen Beiträge sind Meinungen einzelner musicalzentrale-Leser und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben dazu etwas geschrieben:


Lebendig

11.04.2005 - Ich kann die Kritik von Philipp nicht nachvollziehen. Finde den Text sehr lebendig und anschaulich. Und wenn das Publikum sehr gemischt war, warum soll man das nicht schreiben? Die Leute gehen eben mit sehr unterschiedlichen Erwartungen und Vorerfahrungen ins Theater. Das macht es für die Macher doch gerade so schwierig - ein Punkt, der gut rüberkommt. Vielen Dank für diese schöne Story!

Kauzo


Respektlos

05.04.2005 - Schade, dass der Autor die eigentlich ganz nette Reportage mit unangepassten Ruhrdialekt-Zitaten zerstört. Die Besucher der Veranstaltung erscheinen negativ und dümmlich, was vielen nicht gefallen dürfte. Wo bleibt da das Einschreiten der Redaktion? Zum ersten Mal bin ich von der Musicalzentrale sehr enttäuscht!

Philipp


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