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HintergrundJulia Möller im Portrait
Ein "Kraut" singt für die Queen
 
Einmal im West-End spielen – davon träumen viele deutsche Musicaldarsteller. Julia Möller aus Schwerte hat es geschafft: Seit drei Monaten spielt sie die Cosette bei den Londoner „Misérables“ – und die Queen ist amused...
Portrait von Sandra Schipper
„Eigentlich war ich nur privat nach London gereist, als ich von den Auditions hörte…“. Julia Möller kann es selbst immer noch nicht fassen. Noch im Juni stand sie in Madrid als „Christine“ in der spanischen Produktion des „Phantoms“ auf der Bühne, hatte sogar schon fast bei der Nachfolgeproduktion „Mamma Mia!“ unterschrieben. Doch dann kam alles ganz anders...

Denn seit drei Monaten spielt die gebürtige Deutsche jeden Abend im Queens Theatre am Londoner West-End die Rolle der „Cosette“ in „Les Misérables“. „Es ist witzig: Für einige Jobs musste ich fast ein ganzes Jahr wiederholte Auditions machen und andere kommen fast wie dahergeflogen“, wundert sie sich noch immer. Als sie von den Auditions für „Les Misérables“ hörte, stellte sie sich vor, wurde zu einem Callback eingeladen und nur drei Wochen später zog sie in die Stadt an der Themse.

Dort erwartete die junge Künstlerin, die viele Jahre ihres Lebens in Spanien verbracht hat, erstmal der unausweichliche Kulturschock. „London ist sehr anstrengend“, sagt sie, „es sind einfach zu viele Leute hier, die Autos kommen nicht nur von links, sondern von überall her und alles geht irgendwie schneller, als ob der Tag nur 16 anstatt 24 Stunden hätte.“ Auch die Arbeitsmentalität der Briten sei anders: „Die Musical- und Regiesupervisor sind andauernd hier und kontrollieren oder verbessern die Show, damit alles perfekt läuft“, erklärt sie. „Es soll aber nicht heißen, dass es in Spanien schlechter ist!

In London ist Julia Möller Erstbesetzung der Cosette.

Les Miz singen gemeinsam mit Michael Ball: Das Konzert für die Queen machte es möglich.

Mittlerweile hat sie sich an die Londoner Hektik gewöhnt. „Ich habe gelernt, mitzurennen und trotzdem meine innere Ruhe zu behalten - na ja, meistens“, lacht sie. Hilfe bekam sie dabei auch von ihren neuen Kollegen, die sie mit offenen Armen empfingen. „Am Anfang habe ich zwar nicht alle Witze verstanden und immer nur mitgelacht; aber professionell gesehen ist alles gut gelaufen.“

Auch wenn es für ihre Kollegen kein Problem war, eine Nicht-Muttersprachlerin in ihren Reihen aufzunehmen: Ausländische Künstler sind am West-End noch immer die große Ausnahme. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: „Ein perfekter »British Accent« ist immer noch ein Muss“, so Julia Möller. „Selbst amerikanische und australische Darsteller müssen an ihrem Akzent arbeiten.“ Außerdem liegen die Auditions in London nicht einfach auf der Straße. „Ich hatte großes Glück, dass ich die Audition für LesMiz machen konnte“, sagt die Darstellerin. „Normalerweise bekommt man erst gar keine Audition ohne einen Agenten. Aber wenn man hier nicht arbeitet oder wohnt, ist es auch nicht besonders einfach, einen zu bekommen...“ Mit ein Grund, warum nur wenige Darsteller den Weg über den Ärmelkanal schaffen.

Über die deutsche Musicalbranche sind die West-Endprofis nur wenig im Bilde. In einer Stadt, in der zeitgleich fast 20 Musicals laufen, sei der Drang, etwas über andere Länder zu erfahren, leider sehr gering. „Sie wissen zwar, dass es in Deutschland sehr viele Musicals gibt, kriegen aber eigentlich nicht richtig mit, welche das sind oder wie lang sie laufen.“ Besonders anerkannt sei im englischen Musicalmekka vor allem die deutsche Cabaret-Branche. Ute Lemper und Kurt Weill sind den Engländern ein Begriff. Ansonsten kennen die Briten nur wenige deutsche Künstler. „Es sei denn, sie haben in London gearbeitet, wie Uwe Kröger oder Anna Montanaro.“ Den Vergleich mit den beiden letztgenannten scheut sie jedoch. „Ich würde es nicht wagen, mich mit Uwe Kröger oder Anna Montanaro zu vergleichen - sie waren schon Musicalstars bevor sie in London gespielt haben. Als ich erfahren habe, dass ich den Job bekomme, habe ich erstmal meiner Mutter ins Telefon geheult...“

Vor einigen Wochen hatte sie mit der gesamten Cast ein ganz spezielles Konzert. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac war zu Besuch in London. Deshalb stellte Cameron Mackintosh eine Sondervorstellung vor königlichem Publikum in Windsor Castle auf die Beine. „Das war einmalig - vor allem war es ein Genuss, mit einem symphonischen Orchester zu singen.“ Bei der ersten Sitzprobe hätten alle Darsteller nur da gesessen und zugehört. Dann folgte eine harte Probewoche neben den regulären Vorstellungen - Stress, der sich gelohnt hat, da ist sie sich sicher. „Das Konzert lief blendend, und danach haben wir die Queen, Prinz Charles und Chirac begrüßen können, das war sehr spannend.“ Doch nicht nur Staatsoberhäupter und Majestäten saßen im Publikum, auch die Namen, mit denen „Les Misérables“ untrennbar verbunden ist: Claude-Michel Schönberg, Alain Boublil, Cameron Mackintosh und Trevor Nunn. „Sie haben die ganze Woche mit uns geprobt und waren genauso aufgeregt wie wir.“ Neben der aktuellen Besetzung waren auch ehemalige LesMiz-Stars wie Michael Ball als „Jean Valjean“, Claire Moore, Simon Bowman und Frances Ruffelle im Hause der Königin dabei. „It was an honor“, sagt Julia Möller.

Neben ihrer Arbeit auf der Londoner Theaterbühne hat sie auch gleich die Christine im neuen Joel Schumacher-Film „Phantom of the Opera“ für den spanischen Markt synchronisiert. „Ich kann es kaum erwarten, den Film zu sehen. Es ist etwas sehr Besonderes für mich, eine offizielle Aufnahme zu haben, die für immer da sein wird und so viele Menschen sehen werden.“ Die Version mit ihrer Stimme wird auch in Mittel- und Südamerika zu sehen sein – darauf ist sie besonders stolz. Begeistert ist sie von der Orchestrierung: „Wunderschön, es wurden neue Arrangements für die Musik geschrieben und es klingt viel moderner und kraftvoller.“ Es sei mehr Leidenschaft spürbar als in der mittlerweile leicht angestaubten Bühnenfassung. Ist Synchronisation etwas, dass sie in der Zukunft weiterverfolgen wird? „Ich würde unheimlich gerne Disney- Filme oder ähnliches synchronisieren und wenn ich Zeit hätte, auch in Spanien Sprechsynchron machen. Aber im Moment werde ich mich erst mal auf London und Musicals konzentrieren...“

Nach ihrer Ausbildung an der Hamburger Stage School of Music, Dance and Drama spielte Möller in Berlin die Esmeralda im „Glöckner von Notre-Dame“. Nun hat sie mit der Christine und der Cosette bereits zwei klassisch angelegte Rollen in ihrem Lebenslauf vermerkt. Und doch: Künstlerisch in eine Schublade gesteckt werden möchte sie nicht: „Ich persönlich arbeite in beide Richtungen“, sagt sie. „Ich hoffe, dass ich die Möglichkeit bekomme, verschiedene Rollen zu spielen.“ Doch im Moment ist ihr das sowieso egal. „Für mich ist es alles noch so aufregend in London zu spielen – ich kann es im Moment einfach nur genießen.“

Bilder: (c) Julia Möller und CIE Stageholding España
 
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In der Madrider Phantom-Produktion gab Julia Möller die Christine - so erfolgreich, dass man sie auch gleich für die Film-Synchronisation verpflichtete.

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