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Udo-Lindenberg-Musical

Hinterm Horizont

Mädchen aus Ostberlin


© Stage Entertainment
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Die Ost-West-Story kommt relativ langatmig und immer noch ärgerlich klischeehaft in Westdeutschland an. Beim Umzug von Berlin nach Hamburg wurde leider die Chance vertan, die Schwächen des Udo-Lindenberg-Musicals auszumerzen oder zumindest zu reduzieren. Doch die Hamburger Produktion kann mit einer tadellosen Besetzung und einer Band, die es richtig gut krachen lässt, für sich einnehmen.

(Text: mr)

Premiere:10.11.2016


Die an Höhepunkten arme Liebesgeschichte zwischen Lindenberg und der Ost-Berlinerin Jessy wird, wie schon in der Original-Produktion, gestreckt durch Szenen aus Jessys Familienleben mit besonderem Fokus auf ihren Bruder Elmar, der zum Ende des ersten Aktes in den Westen flieht. Außerdem gibt es noch einige Szenen, in denen die DDR-Politiker über ihren Umgang mit dem "gefährlichen Saboteur" Lindenberg diskutieren. Der trottelige Minister und zwei Dumpfbacken als Stasi-Spitzel sorgen zwar für den einen oder anderen Lacher im Publikum, doch diese unrealistische Darstellung der deutschen Vergangenheit ist und bleibt einer der Hauptkritikpunkte an dem Buch.

Die angekündigten auf den neuen Spielort zugeschnittenen Änderungen bleiben unauffällig. Auch für die neu eingefügten Songs wurde wenig Aufwand betrieben. Das in der Hansestadt nahezu unerlässliche "Reeperbahn" bekommt einen kleinen ersten Auftritt beim von der Stasi inszenierten Udo-Doppelgänger-Casting. Hier wird es in verschiedenen witzig gemachten Varianten – z.B. als Opernarien-Verschnitt oder auf gesächselte Flamenco-Art – angespielt. Voll ausgesungen kommt der Song dann in der Zugabe zur Geltung. "Einer muss den Job ja machen" leitet die Final-Szene im Hotel Atlantic, in der Udo-Doppelgänger gesucht werden und letztendlich Udo seinen Sohn kennenlernt, ein. Ein netter Song, für den es aber an dieser Stelle genauso wenig eine dramaturgische Notwendigkeit gibt wie für den "Lindenberg-Mega-Mix", der nach dem eigentlichen Ende der Handlung, aber noch vor dem Schlussapplaus eingefügt wurde.

© Stage Entertainment
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Alex Melcher legt die Rolle des Udo Lindenberg sehr charmant an, genau im richtigen Maß überdreht, aber auch ernsthaft-engagiert. Wie viel Original-Udo muss in dieser Rolle zu hören sein bzw. wie weit darf man sich davon entfernen? Im größten Teil seiner Dialoge ist ein leichter genuschelter "Udo-Slang" zu hören, nur in wenigen bedeutungsvollen Sätzen betätigt er sich als regelrechter Imitator. Auch gesanglich findet er seinen eigenen Stil, der an das Original erinnert ohne als Kopie dazustehen.

Josephin Busch bestreitet als Jessy ihren großen Part, den sie bereits seit der Uraufführung 2011 spielt, absolut routiniert. Jede Gefühlsregung sitzt und überzeugt. Ihre Gesangsstimme ist nicht überragend, hat aber gerade für die rockigeren Momenten, von denen man Jessy einige mehr gewünscht hätte, genau das richtige Timbre. Auch der Rest der Besetzung, die größtenteils bereits in Berlin Erfahrungen in diesem Musical gesammelt hat, hinterlässt einen positiven Eindruck, Nadja Petri kann als "Jessy heute" mit schöner Chanson-Stimme für sich einnehmen, Dorina Maltschewa sticht als Jessys Mutter und in ihren weiteren Rollen durch ihren fabelhaften Sinn für Komik heraus.

© Stage Entertainment
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Die tolle Rockband ist mit hörbar viel Spaß bei der Sache; nur die Abstimmung zwischen Band und Sängern stimmt zur Medienpremiere noch gar nicht. Die daraus resultierende Textunverständlichkeit, die sich durch das gesamte Stück zieht, ist das größte Ärgernis des Abends.

Die Choreographien sind nett anzusehen, sie bleiben aber manchmal zu unverbindlich. Wenn Polizisten tänzerisch auf musikalische Rebellen treffen, wird die Bühne dabei zwar gut ausgenutzt, wirkliche Charakterisierungen durch die Choreographie sind aber leider Fehlanzeige. Somit fesseln diese Szenen längst nicht so sehr wie es möglich wäre. Das absolute Highlight ist nach wie vor die Szene "Willkommen in Berlin": Zu der Gänsehaut-trächtigen Hymne wird auf der Bühne die Wiedervereinigung zelebriert. Die Szene beginnt mit Originalaufnahmen aus der Nacht der Maueröffnung, dann setzt die Band mit dem Song ein, während Menschen aus Ost und West, Figuren wie Ampel- oder Sandmännchen und mittendrin Jessys Familie die Ereignisse feiern.

© Stage Entertainment
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Dem an sich unveränderten Bühnenbild hat der Umzug ins kleinere Operettenhaus gut getan. Gerade das immer wieder hereinfahrende Wohnzimmer von Jessys Familie wirkte auf der riesigen Bühne in Berlin etwas verloren und fügt sich nun besser in das Gesamtkonzept ein. Darüber hinaus ist selbstverständlich auch in Hamburg der überdimensional große Lindenberg-Hut, der immer mal wieder im Zentrum der Bühne steht und von allen Seiten bespielbar ist, ein echter Hingucker.
Reichlich oft werden die Projektions-Wände für kleine Filme als Szenen-Übergang genutzt; auch dadurch werden Möglichkeiten verschenkt. Wenn z.B. Jessys Bruder Elmar in das Visier der Stasi gerät und als Druckmittel gegen Jessy in Arrest genommen wird, dann läuft seine Inhaftierung als Filmchen auf den Wänden. Doch wieviel bedrückender würde diese Szene wirken, wäre sie an jedem Abend live dargestellt – wir sind doch schließlich im Theater und nicht im Kino!

© Stage Entertainment
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Und so bleibt festzuhalten: Letztendlich ist der Humor zu gewollt und die Liebesgeschichte zu langatmig. Da kann die Band noch so gut abrocken – ein wirklich fesselndes Theatererlebnis ist "Hinterm Horizont" in Hamburg nicht.

(Text: Michael Rieper)






Kreativteam

Musikalische LeitungTobias Vogt
Buch und RegieUlrich Waller
Co-RegieDania Hohmann
ChoreografieKim Duddy
Musikalischer SupervisorMartin Gellner
BühneRaimund Bauer
KostümeIlse Welter-Fuchs
Licht-DesignAndy Voller
Sound-DesignAndreas Hammerich
Video und ProjektionenJonas Gerberding


Besetzung

UdoAlex Melcher,
(Andy Klinger)
(Patrick Adrian Stamme)

Jessy jungJosephin Busch
Johanna Spantzel,
(Selina Mai)
(Lisa-Marie Selke)

Jessy heuteNadja Petri,
(Britta Boehlke)
(Lena Sophie Vix)

SteveDavid Nádvornik,
(Andy Klinger)
(Christoph Schinkel)

ElmarMarcus Schinkel
Benjamin Schaub,
(Laurens Walter)
(Christoph Schinkel)

Vater
Marco heute
Eddie
Prof. Scheuerlich
Boris Böhringer
Lutz Leyh,
(Martin Timmy Haberger)

Stasi PatschinskyHolger Dexne
Raul Semmler,
(Andy Klinger)
(Laurens Walter)

Stasi KrauseRalf Novak,
(Martin Timmy Haberger)
(Lutz Leyh)

Mutter
Pressesprecherin
Barbara Saftig
Dorina Maltschewa,
(Josephine Bönsch)

MareikeBritta Boehlke,
(Josephine Bönsch)
(Lisa-Marie Selke)

Marco jungKarsten Jaskiewitz,
(Mathias Güthoff)
(Jakob Nienhaus)

MinisterRainer Brandt
Fritz Hille,
(Lutz Leyh)

Stasi FritscheLutz Standop,
(Mathias Güthoff)
(Jakob Nienhaus)

KmetschMarco Fahrland-Jadue,
(Mathias Güthoff)
(Stephan Zenker)

KremerThomas Schreier,
(Mathias Güthoff)
(Stephan Zenker)

Der IrrePatrick Adrian Stamme,
(Jakob Nienhaus)
(Stephan Zenker)

EnsembleLena Sophie Vix
Olivia Kate Ward
Lucina Scarpolini
Lisa-Marie Selke
Andras Simonffy
Adam Cooper
SwingsSelina Mai
Josephine Bönsch
Isabel Volk
Stephan Zenker
Mathias Güthoff
Jakob Nienhaus
Christoph Schinkel
Laurens Walter




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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Die immer noch arg klischeehafte Ost-West-Romanze kommt streckenweise sehr langatmig daher. Größtes Ärgernis zur Hamburg-Premiere ist die miserable Ton-Abmischung.

10.11.2016

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