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Geek-Musical

Loserville (Helden von Morgen)

Schlau, aber nicht schön


© Bettina Müller
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Es war einmal eine Welt ohne Mails, Whatsapp und Facebook, da waren Computer noch monströse Klötze, für die sich nur Menschen interessierten, die keine oder nur sehr seltsame Freunde hatten. Doch damals wie heute war Teenager sein schwierig. Alles verändert sich – der Körper, das Verhältnis zum anderen Geschlecht – und dann ist da noch die Angst, im sozialen Abseits zu landen, in "Loserville". Basierend auf dem Album "Welcome to Loserville" der britischen Pop-Punk-Band Son of Dork behandelt das Musical mit einem komödiantischen, augenzwinkernden Blick den steinigen Weg des Erwachsenwerdens eines typischen Teenagers in den frühen 70ern.

(Text: ig)

Premiere:04.03.2017
Rezensierte Vorstellung:12.03.2017


© Bettina Müller
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Michael Dork (überzeugend im Ringen mit sich selbst: David Rothe) und seine Freunde werden von Mitschülern als "Geeks" beschimpft - Nerds, Freaks, Streber, kurz: Außenseiter. Er und Lucas (mit der emotionalsten Rolle des Stücks darstellerisch herausstechend: Nils Hausotte) arbeiten an einem System, wie Computer via "elektronischer Post" miteinander kommunizieren können. Lucas schreibt auch noch an einem Roman – einer Science Fiction-Reihe, die er mit "Episode Vier" beginnen will. Das Quartett vervollständigen Francis und Marvin (gut aufeinander eingespielt, mit einer witzigen Mischung aus Verklemmtheit und Großmäuligkeit: Christian Sattler und Camillo Guthmann), die für eine Sci-Fi-Convention an einem Raumschiff-Modell arbeiten und mit Ferngläsern heimlich Schülerinnen beim Badminton beobachten. Da kommt eine neue Schülerin an die Schule. Holly (stimmlich sehr beeindruckend: Maja Dickmann) ist ebenfalls ein Geek, aber mit viel Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen. Michael und Lucas verlieben sich beide in Holly und zu dritt arbeiten sie weiter an der E-Mail. Holly und Michael werden ein Paar, Lucas fühlt sich ausgeschlossen.
Und da gibt es noch Eddie (mit wunderbar schmieriger Präsenz, aber das zähnebleckende Grinsen auf Dauer übertreibend: Mike Burs). Statt ihm nach der Schule einen ruhigen, aber hoch dotierten Posten im familieneigenen Medienimperium zu geben, plant sein Vater, ihn auf die Militärakademie zu schicken. Eddie will ihn von seiner Nützlichkeit für das Unternehmen überzeugen und zwingt Holly mit kompromittierenden Fotos, ihm die Erfindung der E-Mail zu überlassen. Natürlich fliegt alles auf, die Geeks werden sozialisiert, bekommen Freundinnen und ein "Ticket raus aus Loserville".

© Bettina Müller
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Elliot Davies und James Bourne schaffen mit ihrem Stück neues Futter für Amateur- und Schultheatergruppen. Die Darsteller müssen sich nicht als Erwachsene verkleiden und kennen die Probleme ihrer Figuren aus eigener Erfahrung. Gesanglich stellen die Songs (sehr witzige Übersetzung: Christian Poewe) außer mehrstimmigem Chorgesang und ein paar hohen Tönen in der Partie des Michael keine allzu großen Anforderungen. Sie sind eingängiger Indie-Pop der zeitlosen Sorte, ohne stilistische Verankerung in den 1970er Jahren der Handlung. Einige Reprisen bremsen den Handlungsfluss aus.

Das Buch zeigt viel Verständnis für die Figuren, denn die Pubertät ist für Geeks nochmal schwieriger als für Durchschnittes-Teenager. Selbst die beliebten Schüler haben Angst vorm Scheitern und einer Abschiebung nach "Loserville". Doch Ernsthaftigkeit schimmert nur hier und da durch und die Charaktere bleiben eindimensional. Die Geschichte holpert vor sich hin. Manche Handlungsstränge (Michaels mehrere Nebenjobs oder die Fotos, mit denen Holly erpresst wird) werden eingeführt, ohne beendet zu werden, und nicht jeder Gag ist ein Knaller. Sehr schön dagegen die Momente, in denen Lucas Inspirationen zu seinem Roman bekommt. Die Yoda-Sprache stammt von zwei jugoslawischen Austauschschülerinnen, C3PO ist ein Passwort und am Ende hat er eine Leia an seiner Seite.

Regisseurin Iris Limbarth nutzt die kleine Spielstätte wieder optimal aus. Sie lässt die Geschichte zügig ablaufen, kann aber ein paar kleine Längen nicht vermeiden.

Das minimalistisch-praktische Bühnenbild von Britta Lammers beschränkt sich auf ein Podest, das in einigen Szenen genutzt wird, um die soziale Rangordnung zu verdeutlichen, eine Rückwand mit angedeuteten Computermonitoren und fahrbare Computertische. Heike Korn hat bei ihren Kostümen die 70er-Jahre-Klischees nicht zu sehr übertrieben. Ein optisches Highlight ist die Convention mit den spacig gekleideten Besuchern.

© Bettina Müller
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Obwohl die Aufführung mit einer sehr temperamentvollen Ensemble-Nummer beginnt (Choreographie: Myriam Lifka), dauert es eine Weile, bis der Funke überspringt. Auch die Band (Leitung Frank Bangert) braucht einige Songs, um von braver Begleitung zum rockigen, tempogebenden Antreiber zu werden.

© Bettina Müller
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Mit "Loserville" kehrt das Junge Staatsmusical zu seinen Wurzeln zurück. Die letzten Produktionen liefen auf hohem Niveau, aber das "jung" im Namen war ziemlich dehnbar geworden. Diesmal hat Iris Limbarth bis auf David Rothe ausschließlich Ensemble-Mitglieder, die bisher wenig oder eher in der zweiten Reihe zu sehen waren, sowie Neulinge besetzt. Das bringt frischen Wind in die Gruppe, aber man muss auch damit leben, dass (noch) nicht alles perfekt ist. Hier wird mal Text verhaspelt, da mal etwas zu theatralisch agiert. Dennoch hat Limbarth mit sicherer Hand bis in die Nebenrollen hinein hochmotivierte Darsteller mit Präsenz, Talent und Potenzial gewählt. Um den Nachwuchs muss man sich in Wiesbaden keine Sorgen machen.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

RegieIris Limbarth
Musikalische LeitungFrank Bangert
BühneBritta Lammers
KostümeHeike Korn
GesangseinstudierungUlrich Barreis
ChoreografieMyriam Lifka


Besetzung

Michael DorkDavid Rothe
Lucas LloydNils Hausotte
Francis WierChristian Sattler
Marvin CamdenCamillo Guthmann
Eddie ArchMike Burs
Huey PhillipsDaniel Weldemann
Wayne PagodaFabian Kastl
Conventionansager
Direktor
Norman Dobrovsky
Holly MansonMaja Dickmann
Anna Heldmaier
Leia DawkinsLisa Krämer
Elaine FriendFanni Hamar
Samantha PowdenIlka Ludwig
Ivanka
Susie Alpine
Conventiongirl
Helen Graffert
Marina
Davina Glen
Conventiongirl
Lisa Schaar




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Trotz Schwächen bietet das Stück gutes Material für junge Musicalgruppen. Das diesmal sehr junge Ensemble hat großes Potenzial, auf das das Junge Staatsmusical auch zukünftig weiter aufbauen kann.

13.03.2017

 Termine
Sa29.04.19:30 Uhr
Wartburg (Wiesbaden)
So30.04.18:00 Uhr
Wartburg (Wiesbaden)
So14.05.19:30 Uhr
Wartburg (Wiesbaden)
So28.05.16:00 Uhr
Wartburg (Wiesbaden)


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